Ausgabe 
1.1.1898 Zweites Blatt
 
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ReujahrStvitzkarteu- Re übertraf die der letzten Jahre um da? Doppelte. Anständige Neujahrskarten und oft solche mit sehr finnigem Schmuck werden dagegen stets versandt werden, und wir könnten nn- auch keinen Empfänger denken, der über den Empfang einer solchen gar erbost werden sollte.

Es gibt ja Stimmer, g-nug, die für die Einstellung des

Versandtes von Neujahrskarten überhaupt wetteifern. Nun der Geschmack ist gar verschieden in der Welt, darüber läßt

sich nicht streiten. Wohl aber laßt sich darüber streiten, ob

eS _ wenn'« den Gegnern der Nrujahtskarten nachginge angebracht wäre, eine blühende Industrie, wie fie die Her­stellung der Neujahrskarten und derartiger Glückwnnschkarteu tm Allgemeinen bedungen hat, zu vernichten und damit den Erwerb vieler tausenden von Arbeitern zu untergraben. Gewiß ist die Zuwendung der Beträge, welche für Neujahrs­karten aufgebracht, an Armrnaastalten eine edle Sache, aber dem Aufruf Frankfurter Jntereffeuten für Neujahrskarten zufolge geht der größte Thril dieser Beiträge wieder au Unkosten verloren. In diesem Aufruf wird gleichfalls sehr nachdrücklich der Schaden betont, der bei einer Einstellung de« Versandte- von Neujahr-karteu Fabrikanten und Arbeitern erwüchse. Eine Einstellung der Art wird gewiß niemals ei folgen und gewiß wird die Zahl derer nicht kleiner werden, die für eine Neujahrsglückwunschkarte anständige selbst- verständlich anerkennendes Berstaudniß bewahren.

Darmstadt, 29. Deccmber. Außer Seiner Königlichen Hvheit dem Großherzog und Seiner Gtoßherzoglichen Hoheit dem Prinzen Heinrich von Hessen hat Seine Najestat der deusche Kaiser am Grabe des am 24. d.M. verschiedenen Großh. Jägermeisters Herrn Geheimrath Muhl einen Kranz niederlegen laffen. _________________________

Vermischtes.

* Rarburg, 29. Drcemder. Erwischte Diebin. Schon seit dem Monat August dS. IS. bemerkte ein hiesiger Metzgermetster, daß ihm au» seiner Räucherei von Zett zu Zeit Würste auf unerklärliche Weise verschwanden. Am SamStag, den 18. ds. MrS. fehlten nun wieder zwei Schwartenmagen und mehrere Fleischwürste und diesmal lenkte sich der Verdacht auf eine Frau von OckerShauseu, welche zeitweise als Wäscherin beschäftigt wurde und jedes­mal Samstags in der Dämmerstunde das Gespül holte. Am letzten Freitag gegen V26 Uhr, als das Geschäft gerade sehr flott ging, erschien nun die bewußte Frau wieder, und jetzt beauftragte der Metzger seine Gattin, die erstere doch einmal zu beobachten. Gar bald rief die MetzgerSfrau ihren Mann herbei und nun faßte man die Dlebin ab, gerade als fie die Räucherei verließ. Auf die eingehende Untersuchung stellte sich heraus, daß die Frau wieder drei Würste unter ihrer Schürze verborgen hatte.

* Mit welcher Vorsicht Denunziatioueu wegen Majestät» beleidtguug aufzunehmen find, dafür lieferte eine Verhandlung einen klaffischen Beitrag, welche unter Ausschluß der Oeffeut- lichkeit vor der zweiten Strafkammer Klg. Landgericht II zu Berlin stattsand. Der Maurer Ludwig Karl Krüger war beschuldigt, in der Zett vom 15. März bis zum 1. Juli einmal den Kaiser Wilhelm I. und in mehreren wetteren Fällen den jetzigen Kaiser beleidigt zu haben. Denunzianten waren die Kutscher Sommer'schen Eheleute, bei denen der Angeklagte bis zum 1. Juli d. I. gewohnt hat. Daß er zu dieser Zeit nach regelrecht erfolgter Kündigung auSzog, ver­droß seine bisherigen WirthSleute so schwer, daß sie htngiugen und den Krüger wegen Diebstahl» anzeigten. Die Denun­ziation erschien jedoch so durchsichtig, daß die Staatsanwalt­schaft garntcht erst darauf etogtng. Mehr Erfolg hatten die Denunzianten, als sie den Krüger sechs Wochen später wegen wiederholter MajeftätSbeleidigung anzetgten. Diesmal ging die Staatsanwaltschaft darauf ein und erhob Anklage. In der Hauptverhan.Iung standen den Belastungszeugen Ehe­leuten Sommer zahlreiche Entlastungszeugen gegenüber, welche bekundeten, daß Krüger ein ganz besonderer Verehrer von Kaiser Wilhelm I. gewesen sei und gerade bezüglich der Cent<narfeier, gelegentlich welcher die erste Beleidigung erfolgt sein soll, seine Genuglhuung darüber außgrspcochen habe, daß die Feier mit solchem Glanze umgeben wurde. Ebenso sei er stolz auf Wilhelm II., und oft habe er geäußert, daß ohne Kaiser und Reich nickt gehe, denn dann sei aller aus. Befragt, warum fie die Dknanziation wegen Meineids nicht gleichzeit g mit der Anzeige wegen Diebstahls erstattet hätten, erwiderten die Sommer'schen Eheleute, fie hätten die beiden Sachen getrennt, weil fie befürchtet hätten, neben der Maje- stät-bele dtguug würde der Diebstahl zu sehr tu den Hinter­grund getretrn sein. Der Verteidiger R. A. Heine sprach

dagegen seine Ueberzeugung dahin aus, daß die Denunzianten d-m Angeklagten erst einen sittlichen Makel anhefteu wollten, dam t die Anzeige »egen Majestätsbelcidigung um so fester sitze. Der Gerichtshof schloß fick den Ausführungen des VertheidigerS an und versagte den Belastungszeugen jeglichen Glauben, zumal der Angeklagte ein Mann sei, drm eine solche Handlungsweise gar nicht zuzutraueu sei. DaS Uriheil lautete demgemäß auf Freisprechung.

. * Urber eine nicht beabsichtigte Wirkung de» Margarine- gesetzeS wird auS Erfurt berichtet: Wegen des Margarine- gesetzeS haben hier zahlreiche Händler infolge der Verkaufs- schwierigkeiteu die Margarine aufgegeben, dagegen hat die Fleischeriunung beschlossen, Margarine in den Schlächterläden zum Verkauf einzuführen. Für die Fleischer, die nicht mit Butter handeln, haben die Vorschriften bezüglich der abge­trennten Verkaufsräume keine Gültigkeit. Einen Dortheil haben die Butterproduccuten von dem Margariuegesetz also auch hier nicht. Im Reichstag ist bekanntlich ein Antrag eingebrachr, der die Aufhebung der Best'mmung Über die Trennung der Verkaufsräume für den Kleinhandel herbei­führen will.

Liu wunderbarer Fall von Rettung und Wiederbelebung einer verunglückten Kinder wird derNeuen Zür. Ztg." aus Freiburg berichtet. Eine Truppe Kinder ging vorigen Donnerstag in den dichtbewachsenen Abbängcn des Gotteron- thälchenS spazieren, wobei sich ein dreijähriges Mädchen tm Dickicht verlor. Leider bemerkten die Kinder das Fehlen der Kleinen erst, als sie zu Hause waren. ES wurden sofort Nachforschungen angestellt, aber allrS Suchen während der Nacht und am folgenden Morgen war erfolglos. Erst am Freitag Nachmittag gegen 2 Uhr entdeckte man daS vermißte Kind, und zwar in den Zweigen eines Baumes hängend. ES war über einen Felsen hinuntergefallen, aber vom Geäst einer Eiche anfgefangen worden. In dieser Stellung ver­brachte die arme Kleine etwa zwanzig Stunden, schlecht ge­kleidet und allen Unbilden der kalten Wiuternacht ausgesetzt. DaS arme Kind war völlig erstarrt und gab kein Lebens­zeichen mehr von sich. Die betrübten Eltern brachten eS ins Bett und holten den Arzt, der sofort WiederlebungSver- suche austellte. Nach etwa einer Stunde trat die Wirkung der ärztlichen Bemühungen und des warmen BettchenS ein. DaS Kind war wieder zur Besinnung gekommen und ver­langte lachenden Mundes zu effen.

Das Alter regierender Fürsten. Nach der dem Gothaer Hofkalender beigegrbenen Tabellederregieren- den Fürsten ist nächst dem Papste, der am 2. März künftigen JahreS sein 88. Lebensjahr vollendet, der Groß­herzog von Luxemburg der älteste Fürst, der tm Juli 80 Jahre alt war. Zwei Fürsten, der König von Däne­mark und der Großherzog von Sachsen-Weimar, werden im nächsten Jahre 80 Jahre alt, zwei, die Königin von Groß britannien und der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, stehen tm 79. Lebensjahre. Ferner find noch über 70 Jahre alt der Herzog von Sachsen-Meiningen,' der Großherzog von Baden, der Herzog von Sachsen-A'.tenburg und der Groß­herzog von Oldenburg, wahrend der König von Sachsen am 23. April kommenden Jahres sein 70. Lebensjahr vollendet. Sieben weitere Fürstl chketten stehen zwischen 60 und 70 Jahren, neun stehen in den Fünfzigern, vier in den Vierzigern, drei in den Dreißigern und drei in den Zwanzigern. Dir jüngsten Fürstlichkeiten find die 17jährige Königin der Niederlande, der 15jährige Großherzog von Meck enburg Schwerin und der 11jährige König von Spanien. Dem Regierungsantritt nach steht obenan die Königin von Großbritannien, die am 20. Juni dieses Jahres ihr 60jährigeS Regierungsjubiläum gefeiert hat. Dann folgt der Kaiser von Oesterreich, der am 2. Deccmber 1898 50 Jahre regiert. Der Großherzog von Baden ist 1852, drei weitere deutsche Fürsten, der Großherzog von Oldenburg, der Großherzog von Sacksen- Weimar und der Herzog von Sachien Altenburg, find 1853 zur Regierung gekommen. Im Ganzen haben 18 von den 40 aufgefüurten regierenden Fürsten eine RcgiernngSzeit von mehr als 25 Jahren hinter sich, wahrend 15 Regenten noch nicht 10 Jahre auf dem Throne find. Im Jahre 1897 hat nur ein Thronwechsel (in Mecklenburg-Schwerin) stuttge- fanden.

Eine Mädchenvetsammlnng. In einer Dorfgemeinde im Fürftenthum Schwarzburg wurden jüngst durch öffent­lichen Ausruf des Ortödieners sämmtliche Mädchen über 15 Jahre aufgefordert, sich Abends tm Saale der Gemeinde- schenke zu versammeln. Unentschuldigtes AuSbleibeu wurde mit Strafe bedroht. Bei dieser Versammlung war keine männliche Person zugegen, als der fürstliche GeuSdarm, der

eine geharnischte Ansprache an die Rädchen hielt, weil sie hinter den Burschen herliefen." Am Schluffe seiner Buß­predigt betonte er, daß in Zukunft jedes Mädchen, das er in einer Gaftwirthschaft antreffe, strenge Strafe zu gewär­tigen habe.

* Ein Roman ans dem Leben. Aus Kopenhagen wirb geschrieben: Frau und Tochter eines hiesigen reichen Kaufmanns reisten im vorigen Herbste nach Nizza, um dort den Winter zu verbringen. In demselben Hotel, in welchem sie abgesttegen toarer, wohnte auch ein junger römischer Advokat, der leidend war, und mit den Damen bald bekannt wurde. Sein Arzt unterhielt sich eines TageS mit der jungen Dame über den liebenswürdigen Römer und erzählte ihr, daß er feinen Patienten gar nicht bewegen könne, seinen Auord- vungen zu folgen, er fürchte daher einen traurigen AuSgang. Dies machte auf die junge Dame, welcher der Italiener nicht gleichgültig geblieben war, einen starken Eindruck, und fie beschloß, einen Versuch zu machen, den Kranken umzustimmen. Anfangs abgewiesen, gelang es ihr später jedoch, ihren Vorsitz auszuführen, und sie hatte die Freude, daß, als be? Früh­ling wieder ms Land zog, der Advokat völlig gesund war. Aber inzwischen hatte die Liebe in lein Herz tiefe Wunden geschlagen, er hatte sich in die schöne Dänin verliebt und bot ihr seine Hard an. Obgleich sie seine Gefühle theilre, wollten ihre Eltern doch wegen seiner noch immer schwankenden Gesundheit die Heirath ein Jahr hinauSscktebeu. Im Lause des Sommers wurde der Briefwechsel von Kopenhagen nach Rom eifrig gepflegt und nun, nach Verlauf der Probezeit, reiste die junge Braut mit ihrer Mutter nach Rom. Mlt einem Freudenrufe stürzte der junge Mann seiner Verlobte« auf dem Bahnhose entgegen. Da sank er plötzlich zurück und Blut strömte über seine Lippen. Die Freude batte ihn getödtet.

(Ueramt unO

Im Himmel. Weiteres aus dem Jenseits von Wilhelm v. Lichtenow. Preis gehestet in künstlerisch ausgesührtem Umschlag 1 Mark. Berlin. Verlag von Schall & Grund, Hofbuchhändler Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Sr. König!. Hoheit de« Herzogs Carl in Bayern.Im Himmel" reiht fich d.-m voran­gegangenenNack dem Tode", zu dem es die Fortsetzung bildet, würdig an; ja es dürfte das letztere Phantasieflück an G'öße der Phantasie und geistiger Tiefe womöglich noch überireffm. Geradezu erstaunlich ist es, wie es der Dichter versteht, uns aus der sichtbaren Welt hinaus in die jenseitige zu versetzen und nicht dabei den Ctndruek des Märchenhaften, sondern den der greifbaren Wirklichkeit in un8 hervorzurufen.

- Deutsche Rundschau für Geographie «ud «tatisttt. Unter Mttwttkung hervorragender Fachmänner herausgegeden von Prof. Dr. Fr. Umlauft. 20. Jahrgang 1897/38. (A. Har liebe»« Verlag in Wien, jährlich 12 Hefte zu 85 Pf. Pränumeration incl. Franco-Zusendung 10 Mark.) Jedem, welcher sich für Geographie im weitesten Sinne interesstrt, ist dieDeutsche Rundschau für Geo­graphie und Statistik", die bereit« im 20. Jahrgange erscheint, auf das Wärmste zu empfehlen, da man durch diese Zeitschrift stet« auf dem neuesten Stande erdkundigen Wtsiens erhalten wird.

Aus London berichtet mar: Der Herzog von Coburg hat eine Stradivarius-Violine für 1400 Lstr. angerauft. Der Preis der alten italienischen Geigen ist in den letzten Jahren stark in die Höhe gegangen, seitdem der amerikanische Senator Hawley von Connecticut 500 Geigen in Italien aufgekauft hat, wofür er 16000 Lstr. au«- gegeben haben soll.

iltttoerfttäte - Nachrichten.

Berlin. Dem ordentlichen Professor in der philoscphische« Facultät der Friedrich-Wilhelms Universität Dr. Emil Fischer ist der Charakter als Geh. Regierungsrath verliehen worden. Der Prioatdocent in der philosophischen Facultät der Friedrich Wiiheims- Univelsilät Professor Dr. Adolf Lasson ist zum oroentlichcn Honorar- Professor in dersekben Facultät ernannt worden. Dem Plivat- docenten in der medtcinischcn Faculiät der Friedr'ch-WilhelmS- Untversitöt Stabsarzt Dr. Heinrich Bon ho ff, Mitglied des Instituts für Serumforschr-ng und Serumprüfung in Steglitz, und dem Privat- docenten in der medicinischen Facultät der Friedrich Wilhelmtz- Universttät und CustoS am Hygiene-Museum Dr. Karl Günther ist das PrädtcatProfessor" beigelegt worden.

GreifSwald. Der Assistenzarzt der chirurgischen Klinik Dr. Marinos GeroulanoS hat sich mit einer Probevorlesung über den h uttgm Standpunkt der Wundbehandlung für Chirurgie unb der Assistenzarzt der medicinischen Klinik Dr. Bruno Seid mit einer Probevorlesung über Serumtherapte bei der hiesigen medicinischen Facultät für innere Medicin habilitirt.

Der Prioatdocent Dr. Heinrich Geffken in Leipzig hat einen Ruf als außerordentlicher Prostssor für deutsche« Privat- »ntz Staatsrecht an die Universität Rostock angenommen.

Greifswald. Die theologische Facultät ernannte den Viceprästdenten der Generalsynode, Superintendenten Lic. Th. Holtz- Heuer zu Weferlingen zum Dr. theol. honoris causa.

Feuilleton.

Gcsundheitsregktn für den Winter.

Von Dr. Otto Gotthilf.

(Nachdruck verboten.)

Im Wiktter führt man mehr ein Binnenleben und muß daher seine Hunptausmerksumke.t dem Ztmnnrklima zuwenden, dessen Wettermacker Jeder selbst ist. Die Temperatur soll durchschnittlich 18 Grad Celsius (15 Grad Reaumur) be- tragtn; für Kinder kann sie noch niedriger, jür bejahrte Leute etwas höher fein. Kinder werden in heißer Luft schlaff unb schläfrig. Wärmere Kleider anziehen, ist beffer, als viel heizen. DaS gesundeste Erwärmungsmittel aber ist körper­liche Bewegung. Von innen heizt man mit kräftiger Nahrung, fettreichen Speisen und warmen Getränken. Bei alten Leuten ist guter Wein ein probates inneres FruerungSmaterial für den LeibeSofen.

Füße warm, Kopf kühl! Daher darf man einerseits nie feuchte Strümpfe ober naffeS Schnhwerk anbehalten, anberer» feit« den Kopf nicht so bickt an bie hitzestrahlende Sampe halten. Der BolkSmund sagt:Da6 Gehirn trocknet ein."

Wenn alte Leute viel in der Nähe bes Ofens fitzen,

mögen sie wenigstens jeben Tag ihre Stellung Ludern unb der Wärme nicht immer dieselbe Körperseite zuwenden, sonst nimmt die andere e« Übel und rächt sich durch Reißen, Hexen­schuß u. bergt.

Die Zimmerluft sei stets rein, ohne Geruch unb Staub. Ein schnelle« Lüften mit vollständigem Durchzug ist beffer unb praktischer, als lange« Offenhalten nur eines Fenster­flügels - Wände und Möbel werben dabei nur sehr wenig abgekühlt unb bewirken bald w cder eine behagliche Temperatur. Wir können auf bie« höchst wichtige Eopitel der Gesunb- heitrpflege ^Frische Z-mmerluft tm Winter" hier nicht näher eingehen- eS ist ausführlich behandelt in meinem Büchlein Gesundheit-Pflege in den verschiedenen Jahre-zeiten" (Rommels Verlag, Frankfurt a. M.)

Beim HerauSnehmen der Ofenasche dürfen nicht mächtige Staubwolken aufgewirbelt werden. Staub auf eisernen Ocfen erzeugt beim Heizen giftige Gase. Meldet die Nase anrüchige Beimischungen der Luft, bann sofort bie Fenster auf, aber nicht Räucherungen mit Kerzen oder Essenzen! Die Luft be« Schlafzimmers fei rein unb kühl, jeboch nicht ei-kalt.

Arbeitet man bei Lampenlicht, so muß man zur Schonung der Augen bie Glocke mit einem blauen ober grünen (nicht rothen ober gelben) Schirm bedecken. Auch darf man fich

nie so tief bücken, daß das Auge bie Flamme sehen kann. Ihr Mütter, laßt eure Mädchen Abends nicht so viel feine Handarbeiten unfertigen; diese greifen bie Augen sehr an. Wie läßt Schiller ben Melchthal sagen?O eine eble Himmels* gäbe ist baS Licht des Auges!"

Gesunde Menschen sollen bei jeder Witterung sich täglich mindesten« eine Stunde lang im Freien Bewegung machen, um den Stoffwechsel anzuregen, die schwachen LebenSgltcder zu krustigen und die Lungen wieder einmal mit wahrer Lebenslust vollzupumpen. Bei rauhem Werter heißt e« bann: Mund zu unb durch bie Nase athmen! Diese ist ber einzig gute Respirator.

Schulkinber müssen bei Schnee unb Nässe Ueberfctube anziehen, damit fie in ber Schule nicht mit nassen Schuhe« sitzen brauchen. Morgen« hole man fie zeitig genug au« de« Betten, bamit fie fich ordentlich waschen, abtrocknen (a«ch daS Innere ber Ohren) unb ohne Ueberstürzung ihr warme« Frühstück (Milchkaffee) einnehwen können. Laßt bie Stiebet, auch bie kleineren, recht viel im Freien herumspringe«, sonst werben fie stubenfiech unb verweichlicht. Häufiges Sinnehme« von Gesunbheit-luft draußen schützt fie vor dem Einnehme« von ^Huftensästchen" brinnen!