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1898
Zweites Blatt
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Samstag den L Januar
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Die Abendkost der Soldaten.
In dem Mtlitäretat für 1898, der jetzt dem Reichstage jur verfassungsmäßigen Bewilligung vorliegt, ist eine erheb- Lche Summe zur Aufbesserung der Soldatenkost enthalten. Für das preußische Contingent werden zu diesem Zweck 7128015 Mk., für Vas sächsische 657593 Mk. und für das württembergische 491396 Mk. verlangt. Die Einstellung dieser Summe in den Etat entspricht einer Zusage, . die dem Reichstag seitens der verbündeten Regierungen gemacht worden ist. Gegenwärtig wird den Mannschaften nglementmäßig neben dem Commißbrod nur ein Frühstück und Mittagessen gewährt. Hierfür sind im Etat ca. 40 Mill. Mark für Mundverpflegung ausgeworfen. Doch werden daneben für diese Verpflegung noch 13 Pf. vom täglichen Sold ron 35 Pf. in Abzug gebracht, so daß dem Gemeinen für seine übrigen Bedürfnisse, also insbesondere für die Beschaffung einer Abendkost, für die Konen der Wäsche und für die Anschaffung von Putzzeug 22 Pf. täglich verbleiben. Nur dann konnte bisher bei einzelnen Truppentheilen auch eine Abendkost gewährt werden, wenn der Menagefonds Ersparnisse machte, oder aus anderen Fonds der Selbstbewirth- schaftung Ueberschliffe hierfür verfügbar wurden. Beispielsweise hat man bei der Berliner Garnison in den letzten Jahren durch Centralifirung der Fleischlieferungen eine Er- sparmß von jährlich 133000 Mk. gemacht und diese für Beschaffung einer Abendkost verwendet. Die Militärverwaltung hat seit längerer Zeit Versuche und Berechnungen in dieser Frage angestellt. Wie in der Erläuterung zum Etat ausgesprochen wird, kann die jetzt bestehende Verpflegungs- gebühr, welche bereits feit dem Jahre 1858 in Giltigkeit ist, unter heutigen Umständen nicht mehr als ausreichend -rächtet werden. Die Lebenshaltung aller Gesellschaftsklaffen hat sich in den letzten Jahrzehnten bedeutend gehoben; der jährliche Verzehr an Fleisch auf jeden Kopf der Bevölkerung ist erheblich gestiegen. Die Anforderungen an die körperlichen Leistungen des Soldaten haben, namentlich feit Einführung der zweijährigen Dienstzeit eine beträchtliche Steigerung erfahren. Größerer Kraftverbrauch bedingt aber auch bessere Ernährung.
Autoritäten auf dem Gebiete der Physiologie haben die zeitigen Portionssätze gegenüber dem Tagesbedarf an Nährstoffen, die dem Körper des Soldaten nothwendigerweise zu- geführt werden müssen, sowohl im Garnisonverhältniß als auch im Mannöver als unzulänglich erachtet. Um die Ge- fammttagesverpflegung des Soldaten zu einer auskömmlichen zu gestalten, ist es nach den eingehenden Erwägungen crfor derlich, bei der Garnisonverpflegung die Fleischportion um
30 g und die Gemüseportion auf die Sätze der Manöverkost unter gleichzeitiger Gewährung einer Fettzugabe von 40 g zu erhöhen, und bei der Manövervetpflegung eine Fettzugabe von 60 g zu gewähren. Die gewöhnliche Tagesportion des < Mannes besteht zur Zeit au» 150 g frischem Fleisch, 230 g Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen oder Linsen), oder 90 g Reis, oder 120 g Graupen oder Grütze, oder 1500 g Kartoffeln, sowie 25 g Salz und 10 g Kaffee in gebrannten Bohnen. Hieraus ist für den Mann eine Morgen- und eine Mittagskost herzustellen und zu verabreichen. Die gewöhnliche Gesammttagesverpflegung des Mannes soll künftig bestehen aus 180 g frischem Fleisch (Rind, Hammel- oder Schweinefleisch) oder 120 g geräuchertem Speck, 40 g Nierenfett, 250 g Hülsenfrüchten (Erbsen, Bohnen oder Linsen), oder 125 g Reis, Graupen ober Grütze, ober 1500 g Kar- toffeln sowie 25 g Salz nebst den erforderlichen sonstigen Speisezuthaten und 10 g Kaffee in gebrannten Bohnen. Daraus soll künftig für den Mann eine Morgen-, Mittag und Abendkost hergeftellt werden.
Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Reichstag dieser Forderung der Heeresverwaltung zustimmen wird. Gerade von freisinniger Seite ist die Anregung zur Verbesserung der Truppenverpflegung wiederholt ausgegangen. Der Führer der Freisinnigen Volkspartei hat im Reichstag mehrfach die Forderung gestellt, daß aus den Überschüssen des Etats die zur Gewährung einer Abendkost erforderlichen Summen bereit gestellt werden. Der Staat hat die Verpflichtung, dem Soldaten in der Kaserne mindestens eine solche Verpflegung zu gewahren, wie sie auch der einfachste Tagelöhner sich von seinem Lohn zu verschaffen pflegt. Es ist kaum zu begreifen, daß man diese Forderung nicht schon längst erfüllt hat, zumal vielfach von medicinischer und wissen- schaftlicher Seite her auf die ungenügende Ernährung der jungen kräftigen Männer bei angestrengtem Dienst unter den gegenwärtigen BeköstigungS • Verhältnissen hin- gewiesen worden ist. Bekanntlich hat im Reichstag im Winter 1895 die Freisinnige Volkspartei den Antrag durch- gesetzt, daß für die Abendkost der Soldaten die erforderliche Summe bewilligt werden solle, sobald es die Finanzlage gestattet. In der vorigen Session gab dementsprechend der damalige Schatzsecretär, Graf Posadowsky, eine Zusicherung, daß im nächsten Etat, also für 1898/99, eine entsprechende Summe zur Einstellung gelangen werde. Am 24. Juni 1897, bei der dritten Berathung des Nachtragsetats mit den Besoldungsoerbesserungen , bestätigte Schatzsecretär Graf Posadowsky im Plenum, daß cs die Absicht sei, im nächsten Reichshaushaltsetat die Kost der Mannschaften des Heeres zu verbessern. Diese Zusage soll in dem jetzt vorliegenden
Militäretat eingelöst werden. Zweifellos wird der Reichstag feine Zustimmung geben und damit eine gerechte und im Interesse des militärischen Dienstes liegende Forderung verwirklichen.
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Gieße», den 31. December.
** Geldrollen, die mit der Bezeichnung ihres Inhalts und mit einem zu dieser Bezeichnung in Beziehung gebrachte« Namen versehen worden find, können laut einem reich-gerichtlichen Erkenntniß für beweiöerhebliche Privaturkunden gelten. Mithin kann das Beschreiben einer solchen Gelbrolle mit einer wissentlich falschen Inhaltsangabe al- „Urkundenfälschung" angesehen werden.
Klein-Linden, 29. December. Eine frohe Weihnachtsüberraschung ist unserer Kleinkinderschule zu Theil geworden. Herr Director Pascoe in Gießen hat in hochherziger Weise unserer lieben Kleinen gedacht und der Klein- ktnderschule 150 Mark zugewiescn. Außerdem erhielt auS derselben Hand eine arme Wittw: 50 Mark als Weihnachtsgeschenk. Dem edlen Geber unser wärmster Dank.
-a- Leihgestern, 29. December. Die hiesige Klein- kinderschute hat, wie in früheren Jahren, so auch jetzt wieder durch die Güte deS Herrn Director PaScoe eine reiche Gabe von dem Braunfteinbergwerk erhalten. Diese kräftige Unterstützung wird in unserer Gemeinde um so dankbarer anerkannt, da die erwähnte Anstalt mit den nahezu 70 Kleinen, die ihr anvertraut sind, ganz auf die Liebe ihrer Wohltbäter angewiesen ist.
□ An» dem Vogelsberg, 28. December. An der Jahreswende begegnet man häufig Stimmen in den Blättern, welche energisch dem Unfug zu Leibe rücken, der mit Neujahrskarten getrieben wird. Solche Rufe erschallen auch bet der bevorstehenden Jahreswende wieder, oder sind zum Theil schon erklungen. Kein gebildeter Mensch wird einem wirklichen Unfug das Wort reden, vielmehr selbst, wenn möglich, helfen zu dessen Beseitigung. Solche Streiterrufe wider den Kartenunfug, soweit dieselbe vom Lande kommen, könnten aber dem den hier obwaltenden Verhältnissen Fernstehenden die Meinung verschaffen, als sei der Unfug mit Neujahrskarten auf dem Lande im Steigen begriffen. Demgegenüber können wir festftellen, daß der Versandt von Witzkarten ans Neujahr im Allgemeinen und von solchen unanständigen Inhalts im Besonderen, seit einigen Jahren ganz entschieden abgenommen hat. Wir erinnern uns recht wohl der Jahres- wende vor einem Jahrzehnt und deS damaligen Kreisen- von
Feuilleton.
Jahreswende.
Do« I. 6. Schmidt, Kunst- und Handel-gärtner in Erfurt.
(Nachdruck verboten.)
Fabian und Sebastian,
Lassen den Saft in die Bäume gähn.
Ein tröstliches Sprüchlein! Ringsumher scheint Alles tobt, aber das neue Leben im Innern der Natur bereitet sich schon zum Au-bruch vor. Die NeujahrSglocken haben feierlich das Jahr eingeläutet und schüchtern antwortet ein leise- Echo selbst im verzagtesten Herzen. Ueberall ist noch der Abglanz der Feiertagestimmung. Die Erde verheißungsvoll dampfend, dec Wald in stillem Schweigen, der Himmel mit heiterem Ernst: Tage zum Nachdenken.
Auch der Gartenfreund zieht wie der Kaufmann seine Bilanz auS dem Gewollten und Erreichten. Hier und da bleibt ein Deficit unter seinen Pfleglingen, aber er setzt die „Hoffnung" mit inS „Haben" und zieht fröhlich den Saldo — wenige Monate und der Frühling macht Alles neu!
Im Garten ist noch Alle- unter der leichten und dabei luftigen Winterdecke verborgen, wir müssen un» aber zuweilen einmal davon Überzeugen, daß der Frost auch wirklich nicht «n unsere Liebling, hinan kann, e» ist schon manche Pflanze durch Unachtsamkeit verloren gegangen, weil wir sie gut versorgt glaubten, sie dies aber nicht war. Erst bläst der Wind die Decke fort und dann kommt der Frost und macht der Pflanze den Garan- ober macht sie wenigsten» krank.
Er kriecht aber auch durch schlecht verwahrte Fenster in die Blnmenkammern und Keller, wo er im Verein mit der Uäulniß an den schlecht au-geputzten Topfgewächsen allerlei »«heil anrichtet. Die Fäulniß mit ihren Trabanten, den
Schimmelpilzen, hat so recht freies Schalten und Walten, wenn wir unsere Obst- und Gemüsekeller nicht säubern und da- angegriffene Obst nicht möglichst schnell oerwerthen. Luft, Lust, so oft e» die Witterung erlaubt!
Der gefrorene Boden bietet die beste Gelegenheit, Rasen und Gemüseland mit Jauche zu Überfahren, wa» namentlich bei Spargelbeeten sehr nützlich ist. Friert dieselbe auch auf dem Lande, sobald eö anfthant, zieht sie ein und wir haben beim Frost leichteres Arbeiten, ohne da- Land oder den Rasen zu schädigen.
Wollten wir die Natur in ihrer Urwüchsigkeit schalten und walten lassen, die schönen Ziersträucher unseres Garten- würden in ihrem eigenen Geäste ersticken. Benutzen wir deshalb schöne sonnige Januartage, an denen die Arbeit ja noch nicht drängt, dazu, mit der Banmscheere im Innern Luft zu schaffen. Immer da- ältere Holz heran-, nicht nur an den Zweigspitzen Herumschneiden.
Wenn die Kälte nicht zu strenge ist, kann man in der zweiten Hälfte diese» Monat- mit dem Anlegen der Frühbeete beginnen und zwar werden die ersten Kästen für die An-saat von RadieS, Pflücksalats Möhren, Sellerie, Porree und Blumenkohl zum Treiben bestimmt. Der bis jetzt alber früheste TreibradieS geltende „Non plus ultra® ist durch eine neue Sorte, genannt „Erste Ernte", abgelöft worden, die nebenbei eine schöne Form mit herrlich leuchtend rother Farbe verbindet. Der beste Sellerie ist der Erfurter Markt- Knollen-Scllerie.
In diesem Monat schneiden wir auch schon unsere Edelreiser von den Obstbäumen mit scharfem Messer, nicht mit der Scheere, vorjährige Triebe, nicht lang? Wasserschoffe, mit 5 bis 8 Augen, nicht länger, vom gesunden, nicht vom kranken Baurn. Wir schlagen die Reiser im Keller in Sand ein oder draußen auf einem schattigen Beet, 10 Etm. tief,
sodaß noch ein Theil der Reiser herausfieht, der mit Tannenzweigen bedeckt wird.
Nun beginnen auch die Bestellungen für Sämerein. Man treffe rechtzeitig seine Auswahl und wende sich nur an all zuverlässig bekannte Züchter, sehe auch nicht allein auf den billigsten Preis, denn nichts rächt sich mehr, al- bet dem Bezug von Sämereien Ersparnisse suchen zu wollen. Da» kleine Anlagrcapital ist das wenigste, aber die Mühe, die Kosten für da» Land und die Enttäuschung fallen in» Gewicht, wenn die Samen nicht echt und nicht keimfähig find.
Im Zimmer setzen wir die Pflege der Pflanzen mit liebevoller Sorgfalt fort. Die Beschäftigung ist so dankbar! Wer hat nicht schon gefühlt, daß in einem mit vielen Pflanzen angefüllten Zimmer die Luft eine viel reinere und infolge dessen auch gesündere ist? Das geht ganz einfach zu. Die Pflanze athmet wie wir. Wir behalten nur den Sauerstoff und scheiden den Kohlenstoff, al» für unß schädlich, au». Die Pflanze aber gebraucht zum Aufbau neuer Organe Kohlen- stoss, behält ihn also bei sich, scheidet den für ihr Dasein überflüssigen Sauerstoff wieder au», und je mehr Sauerstoff in der Luft, desto bester für un». Der Vorgang und feine Wirkung ist also klar.
Aber — die» thnn nur Pflanzen im Hellen Lichte stehend, mit gesunden kräftigen Blättern und neuem Wachsthum. Sie thun e» also nicht umsonst und verlangen von ihrem Herrn Pflege, wünschen eine liebevolle Hand, welche abgestorbene Theile von ihnen abnimmt, die den Staub von den Blättern abwischt, die die Töpfe von Moo» und Flechten reinigt, die zur rechten Zeit begießt, umpflanzt und pflegt. Keine Leistung ohne Gegenleistung! Solchen Liebesdienst zu üben, der also nicht nur den Pflanzen, sondern uns selbst zu Gute kommt, sei allen Pflanzenfreunden bei Beginn des neue<Jahres recht eindringlich an» Herz gelegt.


