Dunkelheit eingetreten ist. Bei der Weiche brennt ein trübes Llcht, daS 50 Schritte weiter keine Wirkung wehr hat. Dann folgt btt Eisenbahnbrücke mit dem eisernen Steg und die Straßenbrücke. Alle- liegt in tiefem Dunkel. Jenseits der Straßenbrücke ziehen Eisenbahudamm und Horloff zwei bis dreihundert Meter parallel mit einander, zwischen beiden läuft eia Fußpkad, der nach Echzell führt. Er ist mitunter keine zwei Meter breit, e» herrscht Nachts dichte Fivsterniß, aber da- Horloffufer besitzt kein Schutzgeländer. Wenn ein Wanderer etwas vom Pfade abwcicht, stürzt er in da- Waffer, und ein Unglück ist ge-chehev. Hoffentlich thut die Behörde sobald wie möglich Schritte und läßt diese Mißstände beseitigen, ehe UngiückSfälle zu beklagen sind.
Ulller-bchMitteu bet Nidda, 22. October. Seit den letzten Wochen ist hier große Klage über die Häufung der F elddtebstähle- besonder- da- Wiotergemüse und unter diesem wieder das Weißkraut ist Gegenstand der Dieberei. Nicht einzeln, sondern sackweise wird dasselbe gestohlen. Alle Wachsamkeit der Frldschützen und Eigenthümer hat bisher kein Ergebaiß gehabt. Die Spuren deuten nicht auf Be« wohner unseres Dorfes, sondern auf solche der Umgebung. Da daS Weißkraut in diesem Jahre nur ausnahmsweise ge« rathen, so werden eben Seitens der Händler Bestellungen angenommen.
ch. Darmstadt, 29. October. Ein außerordentlich zahl» reiches Grabgefolge hatte der im kaum vollendeten 60. Lebensjahre in seiner Wohnung verstorbene Generalmajor und Commandeur der 50. Jnfamerie-Brigade, v. Bismarck. Die Trauerfeier im Sterbehause, Eschollbrückerstraße, celebrirte Herr Diviflon-pfarrer Noack, während der Divifion-commandeur v. Fransrcky die Truppen, welche der Leichenfeier beiwohnten, befehligte. Dieselben waren daS erste Bataillon Gr. Leib« Garde «Regiment- Nr. 115, da- Leib«Dragoner« Regiment Nr. 24 und sechs Geschütze de- Artillerie-Regiment- Nr. 25. Beethovens Trauermarsch ertönte und langsam setzte sich der schier endlose Zug in Bewegung. Außer der großen Anzahl Freunde und Verehrer deS Verstorbenen hatten sich auch vom Friedhof-portale aus Großherzog Ernst Ludwig und Pru z Heinrich von Preußen, die StaatSminister, der Geh. Staatsrath v. Knorr, die Oberbürgermeister Morneweg von Darm« stadt, Küchier von WormS, und sämmtliche dienstfreie Offiziere der Garnisonen vor. Darmstadt, Mainz und Worms dem Leichenzuge, deffen Wagen mit sechs Pferden bespannt war, angeichioffen. Nachdem der Sarg vor die Gruft gestellt war, sprach Herr DivtfionSpfarrer Noack erhebende und zugleich rührende Worte. Nach dem Gebete und Segen wurden dem Dahingeschiedenen von einer großen Anzahl Freunde mit er. greifenden Worten Kränze am Grabe niedergeleg . Die auf« richtige und allgemeine Theilnahme, welche dieser traurige Todesfall hervorgerufeu Hot, zeugt für die große Liebe und Achtung, welche der Verstorbene in allen Kreisen sich erworben hatte. Möoe dies den Kummer der Hinterbliebenen mildern.
Groß-Umstadt. 21. October. Der sehr bekannte Schweine- Händler Jacob Ellenberger von hier hatte sich gestern vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Betrugs zu ver« antworten. Die Gemeinde Schlierbach hatte nämlich am
| 6. August einen Eber dem Metzger G. aus N. bei Groß. I Gerau um i 00 Mk. abgegeben. Als G. daS Schwein am 11. August abhoieu roodtr, erfuhr er, daß Ellenberger den Eber im angeblichen Auftrage G.'s schon am 10. August in Empfang genommen, bezahlt und nach Mainz um 112 Mk. wrirer verkauft hatte. Da aber Elleaberger zu G. Nachweis« lich in einem „Kippeverhältuiß* stand, so mußte bei der ob. waltenden Unklarheit der Angelegenheit Sllevberger von Strafe und Kosten freigesprocheu werden. Die Verhandlung entrollte übrigens ein intereffanleS Bild dieser erwähnten „Kippe* zuftände". Die Handelsleute Pflegen nämlich gewöhnlich vor Beginn einer geweinheitlichen Versteigerung von abgängigem Vieh die Vereinbarung zu treffen, nur bis zu einer gewissen, hinter der Taxation weit zurückbleibenden Preishöhe mitzu« bieten. Verweigert die Gemeinde die Genehmigung dieses HöchstgeboteS, dann unterhandelt nur ein Mitglied der „Kippe« grsellschaft" mit der Gemeinde weiter bis daS betr. Stück Vieh erstanden ist. Die einzelnen „Kippemacher- werden dann vom Käufer abgefunden. Ist eine Einigung nicht zu erzielen, dann versteigern die „Kpperer" das Stück Vieh unter sich. Der Meistbietende erhält den Zuschlag und der Mehrerlös wird brüderlich getheilt. Diese „Kippezustände", welche in manchen Gegenden gang und gäbe zu sein scheinen, haben natürlich nur die zielbewußte Schädigung der Gemeinden — natürlich können auch Private hereiofallen — zum Zwecke. Mit wohlbegründetem Rechte wurde sie darum vom Gerichts, tische aus als ein ganz verwerfliches Gelchäftsgebahren und eine unlautere Manipulation bezeichnet. Durch die Besprechung dieser Verhältnisse in der TageSpreffe wird vielleicht Mancher vor Schaden bewahrt.
* Sine 25stündige Luftreife hat, wie aus Leipzig, 23. October gemeldet wird, der französische Luftschiffer LouiS Godard mit dem bisherigen Leipziger AuSstellungS- fksselballon unternommen. Der Ballon hat am 19. October Abends 5 Uhr in Leipzig die Fahrt begonnen, wurde in nordöstlicher Richtung abgetrieben und hatte hinter Berlin ein Gewitter zu durchqueren. Dann gelangte er am Frischen Haff vorbei biS über Königsberg und von da nach Wilna. Höchste erreichte Höhe 3240 Meter. Die beabsichtigte Lan- düng auf russischem Boden wurde durch stark nördliche Luft- strömung vereitelt,- diese wehte den außergewöhnlich großen Ballon über Polen hinweg nach Oberschlefien, wo er bei Tarnau am 20. Ocrober, Abends 6 Uhr glücklich landete, nachdem er eine Fahrt von 1635 Kilometer zurückgelegt hatte. — Ueber btt Fahrt enthalten Leipziger Blätter fol. gende Schilderung von einem Theilnehmer: Der Ballon verfolgte bis aufs Meer immer eine östliche Richtung und hätte Petersburg erreicht, wenn er nicht am baltischen Meer n eine südliche Luftströmung gerathen wäre. Zweimal chwebten wir ernstlich in Lebensgefahr. Trotz aller Be« mühungen kamen wir nicht aus dem Gewitter heraus und gingen schließlich mit Schleppst len ziemlich titf über den Erdboden hin. Die Seilt streiften Gebäude, Bäume und
I Teen. Zweimal schlugen wir heftig auf den Boden auf und I waren in finsterer Nacht bei Srurm ein Spielzeug der Elt« mente. So ging e- bis zum frühen Morgen, der uoS aber auch keine bessere Aussicht brachte, denn nun segelten wir fortwährend in vollkommen weißem Nebel. Die mitgenom« mene electrische Trockenbatterie hatte unS in der Nackt zwar insofern gute Dienste gethan, al- wir von Minute za Minute die Höhe vom Höhenmesser ablelen konnten, die Rck« tung hatten wir aber vollständig im Gewittersturm verloren und mußten befürchten, auf die Ostsee hinan- getrieben ja werden. Godard machte unS mit der Grfahr vertraut uni verließ sich auf die lange Tragfähigkeit deS Riesenballon«, der sich thatsächlich wunderbar bewährt hat. Halb 11 Uhr früh gingen wir zum zweiten Male, um un- zn unterricht«. biS auf 20 Meter über den Erdboden herab. Der Ballon bekam bedenkliche Falten- trotzdem brachte ihn Godard, indem er mit dem geringsten Ballast rechnete, noch zu einet Höhe von 3240 Metern empor, wo er, über dem Nebelmeer von der Sonne beschienen, seine volle Gestalt wieder erhielt. Unser Glück zerrann aber bald wieder mit dem Sinken bti Ballon-, da wir ein paar hundert Meter hoch über der Erde abermals in den Sturm gertethen und mit den Schleppseilen wiederum über Häuser und Wälder dahinjagten. Vor der Landung im Walde, die Godard absichtlich dort voruahw, da wir sonst eine der gefährlichsten Schleiffahrten hätten durchmachen müssen, erklärte er uuS, wie wir unS zu verhalten hätten und nun sauste der mit 8 Personen beladrar schwere Korb in die Bäume hinein, die mächtige Ballonhülle zog ihn aber, Wipfel, Kronen und Sefte wie Bindfaden zerreißend, immer wieder heraus, bi- endlich der Anker sich m einem dicken Geäst verfing und wir 15 Meter vor dem Walde auf- Feld geworfen wurden. Als ein Wunder ift e- zu betrachten, daß Niemand von unS ernstlich verletzt ist. Eine Riefenarbeit war die Entleerung und die Bergung de» Ballons, an der wir unS Alle betheiltgten- denn wir kono- reu Godard unter fremden Menschen nicht allein lassen. Zurückgelegt haben wir iuSgesammt über 1600 Kilometer, Zuweilen mit einer Geschwindigkeit von 29 Metern in der Secuude. Der Weg Leipzig—Danzig—Königsberg—Wilna- Oppeln—Tarnau gleicht ungefähr einem Fragezeichen. Godard hat unter seinen Hunderten von Fahrten manche Gefahr i: verzeichnen, aber keine Fahrt, die ihn so vom Unwetter ver- folgt hat, als diese.
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