Ausgabe 
31.7.1897 Erstes Blatt
 
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Setterauer Erntefest und Fruchtdrescheu und der damit ver­bundene Empfang deS GrohherzogS von Heffen-Darmstadt. Grobherzog Jacobus Marfilius sah in der glänzenden Uni­form tmpouireud auS, wie auch der fleißige und umfichtige Bergnügungsdtrector A. Stößel in der Rolle als gestrenger anb doch jovialer Bürgermeister von Eckenbach fich beim Empfang des Großherzogs und durch seinen wohlgelungenen Vortrag auSzeichnete. Reichen und wohlverdienten Beifall entfeffelten auch die unter Meister BoegeliuS Leitung prächtig anSgeführten Tableaux, die zum Theil der Römerzett und den ersten Anfängen jener historischen Kämpfe entnommen waren. Farbenprächtig uud sinnvoll war besonders das letzte Tableau, in welchem die zwei graziösen, in aller jugendlichen Lomuth strahlenden Fräuleins Marie Kreuder (als Haffia) jnb Mtnvie MmfiliuS (als Columbia), sowie zweiter Bice- Präsident Jakob MarfiltuS in der Rolle des Großherzogs mit seinen Adjutanten Adolf Bach und John Jöckel in den schönen goldglitzerndeu Uniformen wohl die Hauptrollen spielten. Erst gegen Mitternacht hörte daS in seiner an­sprechenden Herzlichkeit und ursprünglichen Frische so an­heimelnde BolkSfesttreiben draußen im Park und in der großen Tanzhalle auf. Und wie am Sonntag, so setzte fich um Montag das fröhliche bunte Festtreibeu in ungeminderter Lebhaftigkeit fort. Mit fliegenden Fahnen und unter den Klängen der BoikSsestcapelle mit ihrem wackeren Capellmeister Philipp Wagner, ocr zu Ehren seiner engeren Landsleute die schönsten Weisen aufsptelen ließ, zogen die Hessen-Darmstädter, nach Einnahme eines delicaten Gabelfrühstücks beim HerbergS- oster Hotz durch verfchtedeue Straßen und bestiegen daun die reservtrten und reichdecorirteu CarS, die fie nach SulzerS Park brachten.

Am gemüihlichsteu war es da, wo die Weinquellen stoffen, denn dort hatten die vielen befreundeten Volksfest- vereine ihre Stand- oder eigentlich Sitzquartiere. Die Bayern mit ihrem schon in mancher Volksfestschlacht so trefflich be­währten Herzog ChaS. Ltnduer und seinem getreuen AdlatuS ChaS. Schütz an der Spitze, Präsident John Häusler an der Spitze des NestorS der VolkSfestvereine New-UorkS, deS Lannstatter Vereins, die Badeuser unter Anführung des Prä« stdroten A. Keller und vor Allem der Pionier aller Carneval- oeretue Amerikas, der Mainzer Carnevalverein, seinen unver- gletchlicheu Ehren-Präfideuten John Racky an der T^le. Auch Hauptmann Theo. Baurhenu als Führer der Deputation deS großen Deutschen KrtegerbundeS und John Eppler als An- siihrer des Schwäbischen Dolk-festvereius waren willkommene Mftc. All' diese wurden von dem Präsidenten uud den liit^ltebern des EmpfangScomttöS aufs Herzlichste willkommen ^heißen und fühlten fich unter dem Schutz des Großherzogs iah den in den Landesfarben prangenden Sonnendächern deS restlichen Schtrmherrn A. Simon wohlgeborgen und auf« gehoben. Und erst lange nach dem Zapfenstreich verließen vir letzten Träger der historischen grauen Cylinderhüte den Festplatz.

Unter den vielen bekannten und repräsentativen Hessen- Darmstädtern, soweit fie nicht bereits genannt, nahmen an dem fröhlichen Feste u. A. freudigen Authril: Charles F. Wick-nheifer, Valentin Feser, Versicherung-- und Kegel- Matador Henry Feldmann, welcher das einzige Ehreumit- Qlieb desVerein Butzbach unb Umgegend", und der immer brave Gundrum mit ihren liebenswürdigen Gattinnen, Familie Wagner, Jos. Nöthen, Jos. Th. Jong, Boulangec Wenzel, welcher in feurigen Reden von der schönen Zeit der Volks-

Verkehr, Caufc* unfo Volkswirtschaft-

«rüübe-g, 28. Juli. Der heutige Jakobimarkt war lt.Darmst. Zig." mit Rindvieh gut, mit Schweinen, besonders mit Ferkeln, sehr gut befahren. Das Rindvieh war nur mäßig am Preise; ein trächtiges Rind, rein Vogelsberger Rasse, wurde zu 160 Mk. verkauft. Die Preise der Schweine dagegen find seil dem letzten Markte bedeutend gestiegen. Das Paar Ferkel kostete je nach Qualltät 3554 Mk, Läufer waren entsprechend theurer. Die Preise der Schweine erreichten h uer fast die doppelte Höhe gegen den vorjährigen Madt. Das Pfund Lebrndgewichl wurde im Vor­jahre mit 32 Pig. bezählt, während jetzt die Händler gut gemästete Thiere zu 4345 Pfg. das Pfund Lebendgewicht ka.fen.

0 Ulrichstein, 29. Juli. Der Handel beim Rindvieh ging auf dem vorgestrigen zweiten Tage unferes Jakobtmarktts noch flauer, als am ersten. Obschon die Aufsatz.t keine starke war, über­traf doch das Angebot bet Weitem die Nachfrage. Die sonst an- wefendlN fremden Händler fehlten, jedenfalls wegen der jetzt auf­gehobenen Beschränkungen im Viehhandel durch die Maul- und Klauenseuche. Wie am ersten Markttage, so blieb auch am zweiten

* Wetzlar, 29. Juli. Das unbedingte Verbot des Gebrauchs der Waffen Seitens der Forst- und Jagdbeamten gegen fliehende Frevler ist vom preußischen LandwtrthschaftSminister aufgehoben worden. Grund hierzu find mehrfach vorgekommene Fälle, in denen fliehende Frevler während der Flucht Deckung gesucht, und sich plötz­lich gegen die fie verfolgenden Beamten wendend, von ihren Schußwaffen Gebrauch gemacht und diese getödtet oder schwer verletzt haben, sowie die fortgeschrittene Technik in der Con- struction der Schußwaffen, welche eS den Frevlern ermög- licht, auch während eiliger Flucht ein bereits abgeschoffeneS Gewehr mit Leichtigkeit wieder schußfertig zu machen. Ferner ist dre im Art. 3 deS Gesetzes über den Waffengebrauch der Forst- und Jagdbeamten gegebene Einschränkung hinsichtlich der Art der zugelaffenen Waffen beseitigt, insbesondere um dadurch den Beamten die Möglichkeit zu gewähren, auch von dem Revolver Gebrauch zu machen. Art. 4 der genannten Instruction ist durch neue Bestimmungen ersetzt worden. In denselben heißt eS, daß beim Gebrauch der Schußwaffe die größte Vorsicht angewendet werden muß- lebensgefährliche Verletzungen find soviel als möglich zu vermeiden.

Auf der Reife von Zeitz nach Crossen fand in einem Eisenbahnwagen 4. Klaffe ein armer Handwerksbursche ein Taschenbuch mit 131 Mk. in Papiergeld. Er gab eS auf der Station Croffen ab, wo sich am Abend ein Mann ein­stellte, der das Geld verloren hatte. Der Finder erhielt 3 Mk. zum Lohn. Die ganze Baarschaft des ehrlichen Hand- werksburschen bestand aus 18 Pfennigen.

Philippopel, 29. Juli. DaS Urtheil in dem Proceß Boitfchew wurde heute 8Uhr Abends verkündet. Rittmeister Boitfchew und Novelttfch wurden zu lebensläng, lichem schweren Kerker, Bogdan VaSzilewitsch zu sechs Jahren und acht Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Nicola Bottschew, welcher der Mithülfe beschuldigt war, wurde frei- gesprochen. Es handelt fich in dem Proceß um die von Boitschew und Novelitsch verübte Ermordung der Geliebten deS Ersteren.

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