Ausgabe 
31.7.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 177

Samstag de» 31. Juli

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Keneral-Anzeiger

Amts- und AnZeigeblutt für den Ureis (Kietzen.

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Würde etwas zu vergeben, seine auf die Erhaltung des Frte-

Der chinesisch-japanische Krieg brach aus und endete mit

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmitlags für den folgenden Tag erscheinendm Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux d«S In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger* entgegn.

Kleine oierteljdjrlli

60 Bf.

Die Gießener AlamitienötLIter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

sl- und Fackel' SiegehnarkM billigen Prellen dit

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ziehungen zu uns abbrechen würde. Aber höchstwahrscheinlich die deutsche Regierung damals durch ihre Haltung dazu

Der

Kietze«er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» MontagS.

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auf Entfernung von ungesetzlichen Bezeichnungen zu halten, als auf Zusätze, die in manchen Fällen eine Reclame für ausländische Waare In sich schlöffen. In Bezug auf englische Firmen, die nicht selbst fabrtctren, sondern Waaren im In- lande und Auslande kaufen, um sie nachher weiter zu ver­kaufen und diese Waaren mit ihrem eigenen Namen bezeichnea laffen, also in Bezug auf ausländische Waaren das Gesetz umgehen, empfiehlt der Bericht blos, daß vor den Name« der Firma eine Bezeichnung wie etwaverkauft durch" ge setzt werde. Bet Uhren empfiehlt der Bericht, daß die Be­zeichnung deS auswärtigen Ursprungs nicht bloS auf da« Urgehäuse, sondern auch auf einen leicht sichtbaren Thetl der Uhr selbst gesetzt werde, da sonst ausländische Uhrwerke in englische Gehäuse gesetzt und dann als englische Uhren ver­kauft werden. Schließlich erklärt der Bericht, daß es beffer wäre, anstatt mit der Angabe deS Ursprungslandes fremde Waaren einfach mit den Wortenmade abroad* zu be­zeichnen. Dabet vergißt der Ausschuß aber, daß die Deutsche« z. B. eS vorziehen dürften, den ihnen, wie selbst dieTime-" erklärt, durch die englische Gesetzgebung werthvoll gemachte« Ausdruckmade in Germany beizubehalten.

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betgetragen, den Weltfrieden zu erhalten, indem fie England zeigte, daß es für seine Pläne auf Unterstützung im euro­päischen Eoncerte nicht zu rechnen habe.

Die zweite Hauptepoche, in welcher unsere auswärtige Politik mit ausschlaggebend war, bildeten die Wirren im Orient, wo Deutschland mehrfach Gelegenheit hatte, an der Seite Rußlands und Frankreichs für die Herstellung der Ordnung einzutreten. Gegenüber der letzten Phase den griechisch-türkischen Krieg stand unlere Regierung von Be> ginn an strikte auf dem Boden deS Völkerrechts- fie ließ fich in keiner Weise durch Gefühlsduselei letten, waS besonders in dem Verhalten gegen Griechenland zum Ausdruck kam. In dieser Hinficht war Deutschland eine führende Rolle zu- gesallen, welche eS bis zum jetzigen Stand der FriedenSver- Handlungen auch betbehalten hat.

Die Aussichten für die Erhaltung des Weltfriedens sind heute so günstig wie je zuvor, und oaß die Leiter unserer auswärtigen Politik hierzu wesentlich mit betgetragen haben, ist ein so eminente- Verdienst, daß alle Vorwürfe darüber, in diesem oder jenem Punkte seien die Interessen Deutsch­lands nicht genügend gewahrt wie z. B. bei den Handels­verträgen in den Hintergrund treten müffen. Hoffen wir, daß auch künftig die auswärtige Politik ihr Hauptaugenmerk auf die Herbeiführung guter Beziehungen zu den andern

zeiehen hätte, da Deutschland im Verein mit Rußland und Frankreich die Festsetzung der FrtedenSbedtngungen regelte. Man hat eS damals der deutschen Regierung schwer verdacht, baß fie gegen Japan Partei nahm und diesen Staat um die Flüchte feneß Steges zu bringen die Hand geboten hatte. DaS aufstrebende Japan unterhielt einen lebhaften Handel mit Deutschland, und eS stand zu befürchten, daß es angefichtS der wenig freundlichen Behandlung, die wir ihm zu Theil werden ließen, Repreffalteu ergreifen und die mercantilen Be-

Die auswärtige Politik Deutschlands.

Wenngleich unsere auswärtige Politik nach der Verfaffung vom Reichskanzler geleitet wird und der StaatSsecretär de» AaSwärtigen nur da» auSführende Organ für die Directive de» ersten ReichSbeamten sein soll, so ist eS doch nicht gleich, ob nun dieser oder jener Staatsiecretär an der Spitze deS Auswärtigen AmlS ftehr, immer wird die Individualität seiner Person einen mehr oder minder erheblichen Einfluß auf die auswärtige Politik auszuüben im Stande sein. Deshalb ist iS nicht unangebracht, in diesem Augenblick, wo ein Wechsel in dem Inhaber des StaatSsecretariats des Aeußeren bevor­steht, bezw. durch die Uebernahme dir Stellvertretung Seiten» des Herrn von Bülow bereits thatsächlich vollzogen ist, einen Rückblick zu werfen auf die Zeit, während welcher Freiherr v. Marschall das Amt verwaltet hat.

Unter keineswegs günstigen Verhältniffen übernahm er im Jahre 1890 die Geschäfte. Der größte Staatsmann der Neuzeit hatte bis dahin unsere auswärtige Politik geleitet und zwar in einer von aller Welt anerkannten meisterhaften Weise- auch auf den damaligen StaatSsecretär des Aeuhern siel ein Schein von dem Ruhm des Vaters. Fürst Bismarck wurde durch einen General ersetzt - und man mag die Ver- dtenste des Grafen Caprivi noch so hoch schätzen, immer muß man zugeben, daß ihm die Erfahrungen seines Vorgängers mangelten, daß es ein neues Feld war, auf dem er fich erst ctnarbcüen mußte. Seinem neuen StaatSsecretär erging es nicht viel b.ffer : derselbe hatte nur als Gesandter deS Groß- herzoglhums Baden sich diplomatische Kenntnisse zu erwerben vermocht. Freilich war der Kurs, den die deutsche auswär­tige Politik etnzuschlagen hatte, festgelegt worden und zwar in der Hauptsache durch den Dreibundvertag. Mit diesem die Beziehungen zu den andern Staaten in Einklang zu bringen, war die Hauptaufgabe des Frhrn. v. Marschall, und man kann wohl sagen, daß er dieselbe in durchaus befriedi­gender Weise zu lösen verstanden hat.

Unser Verhältniß zu Rußland war damals recht kühl

Wolffs telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

Wie«, 29. Juli. Infolge feit drei Tagen ununterbrochea andauernder Regengüffe droht den niedrig gelegenen Vor­orten UeberschwemmungSgefahr. Eine Brücke über den Wienfluß mußte abgesperrt werden, weil die riefig au- geschwollenen Waffermaffen sie wegreißen könnten. Mehrere Häuser zeigen infolge Grundunterwaschuny Senkungen und mußten weaen Einsturzgefahr von den Partien geräumt werden. Die WienflußregultrungSarbeiten wurden zum großen Theile zerstört, wodurch vorläufig noch unberechen­barer Schaden verursacht wurde. Auch au» der Umgebung Wiens und aus allen Sommerfrischen kommen Nachrichten über anhaltende Regengüffe und bedrohliches Steigen der Flüffe. Die Zufuhr zu den Märkten ist auf ein Minimum gesunken. Mürzzuschlag meldet heute früh stattge­fundenen starken Schneefall.

Malta, 29. Juli. Reuter-Meldung. Ein Bataillon Infanterie erhielt Befehl, fich zur Avreise nach Kreta bereitzubalten.

Konstantinopel, 29. Juli. Die Quarantäne für Herkünfre aus den Häfen Mohamera, Maskat, Bahrein und deo Häfen am Persischen Meerbusen, sowie für Hirkünfte aus den Häfen am Rothen Meere zwischen Rabegh und Lith ist aufgehoben worden, ebenso das Verbot persischer Pilger­fahrten und Leichentransporte nach Kerbels am Euphrat.

Depeschen des Bureau .Herold."

Berlin, 29. Juli. An der Kaiserparade bei Homburg nimmt auch der Prinz von Wale» Thetl. Die Kaiserparade wird vom General Haesler commandirt werden. Das bayrische CorpS führt Prinz Arnulf von Bayern.

Berlin, 29. Juli. Der Kaiser hat die Einladung zur Thetlnahme an der am 18. October stattfindenden Ent­hüllung deS Kaiserdenkmals in Karlsruhe dankend abgelehnt, da er eine Einladung zur Ent­hüllungsfeier des Kaiserdenkmals in Wiesbaden, welche zur selben Zeit stattfiadet, bereits angenommen hatte.

Berlin, 29. Juli. Zum Kaiserbesuch in Coblenz wird gemeldet, daß der Kaiser den festlichen Empfang Seiten» der Stadt beim Einzuge vom Paradefelde am 30. August angenommen hat. Er wird an der Moselbrücke feierlich begrüßt und nimmt daselbst einen Ehrentrunk entgegen. Am Abend des 31. August findet große Illumination der Stadt Coblenz statt. Nach derselben begibt sich daS Kaiserpaar zum Bahnhofe.

Berlin, 29. Juli. DiePost" meldet auS Konstan­tinopel: Djevad Pascha verlangt telegraphisch Ver­stärkung der türkischen Truppen auf Kreta. Nur mit einer Macht von ungefähr 20000 Mann hält er eS für möglich, die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.

Berlin, 29. Juli. Die neuesten Nachrichten aus Togo lauten sehr zufriedenstellend. Von der Dürre, die im vorigen Jahre so ungünstig wirkte, ist daS Schutzgebiet diesmal verschont geblieben.

Berlin, 29. Juli. DaS Königliche Provinzial-Schul- Collegium hat einen polnischen Lehrer, der den Kindern der hier ansässigen Polen Privatunterricht in ihrer Mutter­sprache ertheilte, im Disciplinarwege zu einer Geldstrafe von 250 Mark verurtheilt und ihm die Fortsetzung diese» Unterrichts untersagt. Der verurtheilte Lehrer hat gegen

geworden, wie es ja während der ganzen Regierungszeit 1001 Alexanders IU. geblieben ist. Die Annäherung zwischen 23.$ N Frankreich und Rußland erfolgte und schien geeignet, ein Ä Gegengewicht gegen die friedlichen Ziele des Dreibundes zu 1887 bilden, weßhalb es für Deutschland keine leichte Aufgabe war,

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Gießen, den 28. Juli 1897.

Detr.: Den Verein zur Unterstützung und Befferung der auS den Strafanstalten Entlassenen.

Bekanntmachung.

Nach der in Gemäßheit des § 16 der revidirten Statuten borgenommenen Neuconstüuirung der BrzirkSvereinScommission besteht dieselbe auS folgenden Herren:

1) Provinzialdirector Frhr. v. Gagern,

2) Oberbürgermeister Gnauth,

3) Erster StaatSanwalt Br. Güngerich,

4) Pfarrer Schlosser,

5) Pfarrer Dingeldey,

6) AmtSgerichtsrath Gebhard,

7) Rentner Ptstor,

8) Polizeiamtmann v. Bechtold.

Die BezirkSvereinScommisfion.

v. Gagern.

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Deutsche» Reich

Jagdschloß WolfSgarten, 29. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog begaben fich heute früh nach den UebungSplätzen bei Darmstadt und Weiterstadt und wohnten in Gegenwart des commandirenden Generals, General der Infanterie v. Wittich, den Besichtigungen der Großherzog- ltchen Infanterie Regimenter Nr. 116 und Nr. 168 bei.

-r. Zu Postdtrectoren ernannt wurden nach dem Amtsblatt des Reichspostamts vierHauptleurea. D. Diese an und für fich ziemlich belanglose Mittheilung versehen einzelne Blätter mit der Ueberschrift:PodbrelSkt an der Arbeit" und erwecken so bei den Lesern den Glauben, die Ernennung der Offiziere a. D. sei gewissermaßen nur erfolgt, weil z. Zt. bei der Reichspost ausnahmsweise ein General a. D. das Regiment führt. Dem ist jedoch nicht so- denn auch Herr v. Stephan konnte nicht umhin, civilversorgungSberechngte Offiziere a. D. zu Poftoirectoren zu ernennen, weil eben eine bestimmte Zahl von Postämtern den Post-Anwärtern aus dem Offiziersstande Vorbehalten ist. Der Ernennung zum Postdirector geht selbstverständlich eine praktische und theoretische Ausbildung im Postdienst voraus.

Der deutsche Mitbewerb. Die Aufregung, in die England durch die großen Fortschritte des deutschen Ausfuhrgeschäft» versetzt wordrn ist, will sich nicht legen. Vor Kurzcm hat der Cvnsul in Canton im Auftrage der Regierung eine Untersuchung über den englischen Handel mit China vorgenommen. Jetzt soll ein besonderer Abgesandter mit einer ähnlichen Untersuchung deS englischen Handels mit Mittel- und Südamerika beauftragt werden, und der Vor­sitzende des HandelSamtS har die Vertreter der Vereinigten Handelskammern des Landes aufgefordert, fich mit diesen darüber zu berathen, ob eS nicht angezeigt sei, dem Abge­sandten der Regierung einen oder mehrere Abgesandte der Handelskammern beizugesellen. Inzwischen hat eine andere Maßregel, nämlich daS Gesetz über die Waarenzeicheu, von dem zum Bericht über seine Wirkung eingesetzten Aus­schuß eine Beurtheilung erfahren, die einer Verurtheilung sehr nahe kommt. Der Bericht deS Ausschüsse-, wie er vor­liegt, gelangte nur durch die ausschlaggebende Stimme des Vorsitzenden zur Annahme, und es ist bezeichnend, daß sich das ganze Gewicht von kaufmännischer Erfahrung auf Seiten der Minderheit befindet, die der Behauptung des MehrhettS- berichis, daß die Wirkung des im Jahre 1887 erlassenen Gesetzes im Ganzen wohlthätig gewesen sei, direct wider- sptichk. Die Mehrheit selbst aber zeigt wenig Vertrauen auf ihre eigene Behauptung. Sie empfiehlt z. B, daß das ganze Durchgangsgeschäft von der Wirksamkeit des Gesetzes befreit werden solle, obgleich fie einen schwachen Versuch macht, zu beweisen, daß dieses Geschäft dadurch nur in mäßigem Umfange geschädigt worden sei. Dem gegenüber behauptet die Minderheit, daß die Wirkung auf das Durch- gaygsgeschäst geradezu verhängnißooll gewesen sei. Der Ausschußbericht erklärt ferner, daß es vnnöthig sei, Waaren beim Zollamt festzuhalten und auf Beifügung des Namen» des Ursprungslandes zu bestehen, weil sie mit die Gattung beschreibenden englischen Worten versehen find, sei denn, daß diese Beschreibungen absichtlich auf Täuschung angelegt wären- auch sollen die Zollämter angewiesen werden, eher

W. L60 per W." feilischmeckend, M. i % ' ^0ll.Mk.2.-peiP

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olDbL 00510L- dms gerichteten Bestrebungen zu verfolgen, ar 69P-8tlirfhl9$l0L' Der chinesisch-japanische Krieg brach ar W.dl-ÄÄb.M lj*k dem Siege der Japaner. Verschiedene Male lag die Gefahr

^oP'Sm6'1900 °°he. daß die Jntereffenverschiedenhrit der beiden in Oft-

- ahen am meisten betheiligten Mächte einen europäischen Con-

& flet herbeisühren würde, und England wäre vielleicht weniger

iw# zicückhaltend ausgetreten, wenn eS. fich nicht vollständig isolirt