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Der Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener ^amikienbtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
ießener Anzeiger
Keneral-Wizeiger.
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Amts- und Anzeis«blatt für den Areis Gietzen.
chralisöeitage: chießener Jamilienölätter
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Reiskirchen.
Nachdem in einem Gehöfte zu Reiskirchen die Maul- umb Klauenleuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöft» sperre angeordnet worden ist.
Gießen, den 30. Januar 1897.
Großherzogllches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gefunden: 1 schwarzes Tuch, 2 Pelzkragen, 1 Schelle, 1 Nadelbüchse, 1 Stück Sammt, 1 Umhang, 1 Gummischuh, 1 Griffelkasten, 1 Paar Strümpfe, 1 Hundehalsband, ein Päckchen mit Inhalt.
Zugeflogen: 2 Tauben.
Gießen, den 30. Januar 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Deutscher Reichstag.
164. Plenarsitzung. Freitag den 29 Januar 1897.
Die Berathung des Etats der Post- und Telegraphenverwal- t»na, Titel Gehalt des Staatssecretärs, wird fortgesetzt.
Abg. Dr. Hasse (nL): Ja seinem Wahlkreis sei die Zahl der Verehrer des Staatssecretärs o. Stephan ein wenig im Zu- se mmenschmelzen begriffen, weil dieser so manche berechtigte Wünsche gi undsützlich ablehne. Die Post müffe eine Musteranstalt fein und deshalb füge er zu den schon ge-lern laut gewordenen Wünschen v«ch einige wettere hinzu: Leichtere Kleidung dec Unterbeamtm im Sommer und bessere Wobnungsverhältnisse für dieselben. Bemerken müffe er ferner, daß nach Behauptung der gesammten Preffe die L»gaben des Staatssecretärs im vorigen Jahre zum Falle Bash" fetb unrichtige gewesen seien. Ausklärung darüber sei zur Be- sLwichtigung deS verletzten Nattonalgefühls noch erforderlich, ebenso tfrer erbitte er auch vom Präsidenten Aufklärung, ob es wirklich wahr sei daß diesem Correspondenten eines ausländischen Blattes ela bevorzugter Platz aus der Tribüne eingeräumt sei. Redner Der- [erat weiter ausgiebige Ausdehnung des Fernsprechnetzes und Entgegenkommen gegen die Wünsche der Theilnehmer. Finanzielle Be- db-nken könnten doch gerade gegenwärtig nicht einaewendet werden. Besonders ans Herz lege er dem Staattsecretär eine Petition stmmtltcher sächsischen Handelskammern um Ermäßigung der Fern- sl-rechgevühr nach Bayern, Württemberg und Oesterreich auf dem innerhalb Deutschlands gelt-nden Satz. Mit Genugthuung begrüße
er das neue unabhängige deutsche Kabel von Emden nach Vigo in Spanten.^ (Rp.) spricht dem Staatssecrelär den Dank des platten Landes für die Fortschritte des Fernsprechwesens aus und wieder bolt den gestern v. Gamp ausgesprochenen Wunsch betreffend Wegfall der Exlragebühr für Bestellung außerhalb der Dienstzeit bei Arzneisendungen. . ...
Abg. v. Leipziger (c.) unterstützt diesen Wunsch, widerspricht dagegen aus finanziellen Gründen der Herabsetzung der Fernsprechgebühren und der Erhöhung des Gewrchtsmoxiwums für e'niache Briefe. Die Vielschreiber, di- sich den Luxus eines schweren Papiers, als es die Norm sei, erlauben, mögen sich auch den Luxus gestatten, dafür entsprechend zu bezahlen. Ganz unzutreffend sei die Behauptung Singers, daß die Postverwaltung an Beamten spare.
Abp. Bebel (Soc.): W e recht wir mit unseren Anklagen haben, zeigt die Versicherung des Herrn Hasse, daß und weshalb in Leipzig, dieser reichen Stadt, b.ö Ar.seh n des Herrn v. Stephan im Schwinden sei. Redner führt Beschwerde über mangelnde Sonntagsruhe der Unterbeamten. Die Einstellung neuer Kräfte entspreche nicht dem Maße des steigens der Arbeitslast. In dem Falle von Auerwatd stehe fest, daß Seitens des Fernsprechamtsvorstehers eine Bevorzugung der Herren vom Unionsclub ongeordnet worden, weil diese Herren gedroht, sich beim Kaiser zu beschweren. Wie dürfe die Postver waltung solches anordnen, blos weil hohe Herren ihre Stellung bei Hofe mißbrauchen! Und ein solcher Herr wagt es, eine Dame im Amt Schwein zu nennen! Eine solche Rohheit begehen Leute, die sich sonst immer auf ihr feines Ehrgefühl berufen! Da haben wir das Recht und bie Pflicht, dies in der schärfsten Weife hier zu rügen. Weiter rügt Redner die Beanstandung eines Telegramms nach Hamburg wegen des bildlichcn Ausdrucks: Kampf aufs Mffsir. Die Postv rwallung habe überhaupt kein Recht zu solcher Eensur.
Director im Reichspostamt Scheffer betont, ein wie bedeutsames Moment im Fern'prechoerkehr die Ungeduld sei. Und auch da gebe es tm Verkehr feinere und grobe Naturen, explosive Naturen, vor denen die Beamten sich gegenseitig warnten. Ob darin eine „Begünstigung" liege, das lasse er dahin gestellt. (Heiterkeit.) Die betr. Person (v. Auerswa'.d) sei als „Krakehler" bekannt, ja auch wegen deS bewußten Vor Langes verurthkilt worden. Ob damit ein Vortheil erzielt sei, wisse er nicht. Eine „Anordnung", dm Herrn zu bevorzugen, sei jedenfalls nicht ergangen, und von einer Beschwerde an höchster Stelle sei ihm nichts bekannt. Was die Telegrarnrn- Cenfur anlange, so beruhe ja die Prüfung der Telegramme auf Ges tz. Das bei». Telegramm sei beanstandet worden, weil man wohl angenommen habe, Worte wie Kampf aufs Messer könnten unter Umständen gefährlicher fein, als Explosivstoffe. (Lachen links.)
Abg. Förster (Ref.-P.): Der Reichstag folle sich nicht mit guten Worten abspeisen lassen, sondern seine Forderungen betr. Vcr- kebrserleichterungen mit den stärksten Mitteln durchzusetzen suchen, nöthigenfalls durch Verweigerung von Etatstiteln. Der Reichstag sei nicht dazu hier, das Loblied des Staatssecretärs zu fingen. Was haben wir mit allen unseren Resolutionen erreicht? Ueberall stoßen wir auf den fiscalischen Standpunkt der Postverwaltung.
Dirke or Fischer erwidert auf die Beschwerde des Vorredners, daß den Milltäranwäitern das Probejahr nicht auf die Dienstzeit an- gerechmt werde; nach den von dem Reichstage aebilligten Vorschriften rechne das Dienstalter von der etatsmäßigen Anstellung an.
Abg. Müller-Sagau (frf. 93p.): Die steigenden VerkehrS- ziffern, auf welche der StaaisfecretSr auch diesmal wieder htn- gerotefen habe, um die Thättakeit der Postverwaltung zu illustriren, bewiesen gar nichts. Der Verkehr richte sich nach ganz ander«, Faktoren als nach der Thätigke't der Postverwaltung. Aufgabe dieser sei es, den Bedürfnissen des Verkehrs zu folgen. Aber gerade daran laffe sie eS fehlen. r ,,, .
Schatzfecr. Graf Pofadowskt widerspricht der Behauptung des Abg.Fö ster, daß durch Einführung des Altersstufensystems di« Postverwaltung Millionen rrfpart habe. In dem letzten Jahre, über welches ber definitive Abschluß vorliege, habe die Postverwaltung vielmehr 162 000 M. mehr an Besoldungen «usgegeden als dieS nach dem früheren Stellengebaltsfystrm geschehen sein würde.
Abg. Pachnicke (frf. 93g.): Es sch-tne fast, als könne Herr v. St'phan mit feinen Forderungen nicht über die Schwelle des Herrn Schützsecretärs. Auf die Dauer werde Herr v Stephan den Reichstag nicht abspeisen können mit einem euns certi demque fine». Denn der Verkehr kenne eben in seiner Entwickelung keine Grenzen. Eine weitere Einfch änkung ber Annahme und Bestellung von Packele« an Sonn- und Festtagen würde das Publikum benachth-illgen und den Montag zu sehr belasten. Dringend geboten sei Reform de« Zeitungstarifs. Es bedürfe überhaupt des Wagemuths und der Unternehmungslust. , _
Abg Singer (Soc.) widerspricht dem Vorredner in der Frage der Sonntagsbestellungen, proteftirt nochmals gegen Bevorzugung „hohe." Querulanten im Fernsprechbetr ede und stellt fest, daß die Vertreter ber Postverwaltung auf ben gestern von ihm erwähnte» älteren preußischen Erlaß, betr. Belhetligung der Beamten an Eingaben. Versammlungen rc., nicht eingegangen seien- Anscheinend, weil sie sich des Erlasses geschämt hätten.
Director Fischer: Ein vom Vorredner erwähntes vertrauliches Actenftück könne nur durch groben VertrauenSbruch dem Vorredner bekannt geworden fein. Angesichts dessen lehne die Reichepostverwaltung es ab, in eine öffentliche Erörterung darüber einzutretm. (Unrute^IintM Pg.) überzieht den Widerstand der Verwalttmg gegen alle Verk.hrserletchterungen einer nochmaligen Kritik. Gehe es so weiter, so werde es demnächst heiß n: Nur immer langsam voran, daß der — deutsche Landsturm nachfolgen kann! (Heiterkeit.)
Hieraus tritt Vertagung ein.
Morgen 12 Uhr Fortsetzung.
Schluß öVs Uhr.
Xteuefte NachsTchsE»
»eiff« telegraphische* Lorresponde»^Kt»re««.
Berlin, 29. Januar. Die Einfuhr Deutschlands im December 1896 betrug 2982740 Tonnen gegen 2 792 506 Tonnen im December 1895, die Ausfuhr 2 271 921 Tonnen gegen 2 260087 Tonnen. Für das ganze Jahr 1896 betrugen die Einfuhrwerthe 4573448 000 Mk. gegen 4246111000 Mk. tm Vorjahre, die AuSfuhrwerthe 3 631620000 Mk. gegen 3424 076000 Mk.
Feuilleton.
Die Juwelen der Gräfin Mountfield.
Eine Gaunergeschichte nach dem Englischen.
Von Wilhelm Thal.
(Schluß.)
„Welchen Ausweg schlagen Sie mir denn vor?" fragte Mr. Sharpe etwa- enttäuscht.
„Sie müssen selbst kommen, wenn die Sache erledigt werden soll."
„Zu Ihnen nach der Parker Street?"
„Jawohl," entgegnete der andere, „dann werde ich Sie rach dem Hause führen, wo die Leute mit der Maare auf S'.e warten, und dort tauschen wir unsere Herrlichkeiten au»," schloß der Professor seine Rede.
Nach einigem Hin- und Herreden wurde alsdann für den nächsten Abend eine Zusammenkunft verabredet. Mr. Martin erbat sich bei dieser Gelegenheit noch die Lieferung der 500 Pfund in verschiedenen Scheinen, damit die Theilung besser von Statten gehen könne. Wie viel sein Antheil an d<r Beute auSmachte, verschwieg er indeß.
• * *
Von einem seiner jungen Leute begleitet, wanbte sich Mr. Sharpe, bie Summe von 500 Pfunb in ber Brusttasche bergend, der Parker Street zu. Zur Vorsicht hatte er auch «sch einen Revolver zu sich gesteckt, da er ja nicht wußte, i« welche Gesellschaft er gerathen würde.
„Trauen Sie dem Manne nicht weiter, al» Sie ihn sehen," hatte ihm Mr. Fisher beim Abschied zugerufen - Sharpe hatte jedoch auf diese Ermahnung nur mit höhnischem Lächeln geantwortet.
„Verlassen Sie sich nur auf mich, Fisher. Ich gedenke ia zwei Stunden zurück zu sein, Sie können auf mich warten."
Mr. Martin empfing die beiden auf das Freundlichste. 6t erging fich in Entschuldigungen, daß die kleine Angelegen«
heit nicht hier erledigt werden könnte, doch die Befehle seiner Auftraggeber wären nicht zu umgehen.
Beim Verlassen deS HauseS blickte er fich ängstlich um, ob ihnen auch Niemand folgte.
„Gkhen wir weit?" fragte Mr. Sharpe.
„Nur bis zur Florer Street."
„Eine verrufene Gegend!"
„Was wollen Sie? Die Straße ist sicherer al» eine andere."
Sie traten in ein große», baufälliges Haus und stiegen beim Scheine eines Streichhölzchen» die knarrende Treppe hinauf. Im dritten Stock stieß der Fremde eine Thür auf und zündete eine Kerze an, die bereit» auf dem Kamin stand. Das Zimmer war nur nothdürftig möblirt, doch merkte man, daß man Vorbereitungen getroffen hatte, Besuche zu empfangen. In einem Nebenraume vernahm man leise Stimmen, die sich eifrig zu unterhalten schienen.
„ES ist den Leuten nicht angenehm, Sie zu sehen," bemerkte Mr. Martin, „Sie wollen sich indeß jedenfalls von der Identität der Juwelen Überz ugen?"
„Gewiß."
„Nun, ich werde sie holen, doch meine Auftraggeber werden auch da» Geld sehen wollen."
„Ich darf daffelbe nicht au» den Augen laffen," lautete die schnelle und ei tschlvffene Antwort.
Im nächsten Augenblick war Mr. Martin, einen kleinen, schwarzen Kasten in der Hand haltend, zurück. Er öffnete denselben. Ein Blick auf den Inhalt befriedigte den Drtectiven.
„Hier ist da» Geld," sagte er und betrachtete die Juwelen. „ , k r
Mr. Martin zählte die Scheine, bemerkte indeß nach einer Pause zögernd:
„Ja, sehen Sie, Mr. Sharpe, das ist alle» recht schön und gut- meine Leute sind jedoch mit der Summe nicht zu« frieden. Könnten Sie nicht noch hundert Pfund -nlegen?"
„Da» ist unmöglich. Ich habe kein Geld weiter bei mir, auch keine Vollmacht, eine größere Summe zu zahlen."
„Ich weiß, heute Nachmittag würde die Forderung eine noch höhere sein. Ich hoffte, die Juwelen Ihnen für fünf- hundert Pfund wieder zuftellen zu können, aber fie wollen durchaus sechshundert haben. Laffen Sie uns die Sache verschieben, bi» Sie Ihren Auftraggeber gesprochen haben. Die Leute wollen nicht ander» abschließen."
Da Mr. Sharpe, selbst wenn er wollte, die 100 Pfund nicht hatte zahlen können, so gab ihm der Profeffor die Banknoten zurück und nahm das Kästchen wieder an sich, um es in daS Zimmer zu tragen, wo fich die anderen befanden. Auf seine Vorstellungen, de» Privatdetectiven Anerbieten doch anzunehmen, wurde heftig mit „Nein" geantwortet.
Inzwischen zahlte Sharpe seine Banknoten durch, um fie wieder in die Tasche zu stecken, dann nahm er Abschied von Mr. Martin, nachdem er auf den übernächsten Tag eine Zusammenkunft mit ihm verabredet hatte.--
„ES ist schade," meinte Mr. Fisher, al» ihm sein Sociu» den Verlauf der Begegnung erzählt hatte, „doch ich glaube, der Lord wird wohl die Hunde.t Pfund auch noch bezahlen."
„Ich zweifle auch nicht daran, trotzdem wollen wir aber da» Geld schon morgen srüh auf die Bank schicken. Die Kerle sind unverschämt genug, hier einzubrechen und eS -» stehlen- um ganz sicher zu gehen, werde ich e» heute Abend mit mir nach Hanfe nehmen."
Wie groß war aber baß Entsetzen des Mr. Sharpe, als der Bankkasfirer ihm am nächsten Morgen mittheilte, bie Banknoten wären — gefälscht. Der Profeffor der Magie hatte die Scheine vertauscht und ihm bei der Rückkehr auZ dem Zimmer Falsificate eingrhändigt.
Die Gräfin von Mountfield ist noch heute ohne ihre Juwelen unb das Prtvat'Detcctiv Bureau von Beauchamp u. Eomp. hat sehr an Bedeutung verloren, denn zum großen Leidwesen der EhesS ist die Sache in die Ocffentlichkeit gedrungen und neben dem Schaden, der ihnen erwachsen war, brauchten fie sür den Spott nicht noch zu sorgen.


