Ausgabe 
30.12.1897 Erstes Blatt
 
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FamilienjournalDas Buch für" Alle". Man glaubt gar nicht so schreibt der Verfasser in wie verschiedener Art und Weise gewiffenlose und schlaue Betrüger die Erben eines soeben verstorbenen Manne- von Vermögen zu prellen suchen. So saß in Luzern eines Tages au eine» Fenster de- GafthoseS ein auswärtiger Weinhändler, der für sein eigenes Geschäft reiste, beim Frühstück. Als nun gerade ein auffallend großer Leichenzug vorüberging, wurde dir Nc»gier des Fremden erweckt und durch den Kellner erfuhr er, daß der Verstorbene ein reicher Rentier gewesen, stets sehr zurück­gezogen gelebt habe und ein großes Vermögen hinterlasse. Acht Tage später erhielten dir Erben eine Factura, in der ihnen jener Weinhändler mittheilte, er habe dir von dem Verstorbenen bestellten zwei Stückfässer Wein abgesendet und erlaube fich, beifolgend die Rechnung über dreitausend Franken etuzureicheu. Die Erden nahmen nicht ander- an, al- daß der Verstorbene in der That diesen Wein bestellt habe, be­zahlten daher anstand-lo- die Rechnung, um fich später zu überzeugen, daß der Weinhändler für ihr gutes Geld einen fabelhaften Schund von Wein geliefert hatte. Der schlaue Weinhäudler verrieth fich aber selbst. Er war sehr prahle­risch veranlagt und erzählte eines Tage- in der Weinlaune, wie er die Erben des Verstorbenen geprellt habe. Seine unvorsichtige Mittheilung gelangte auch zu den Ohren der Geben - fie reichten eine BetrugSklage gegen den Weinhäudler ein, und dieser wurde natürlich auch verurtheilt.

* Der schlaue Gastwirth. Al- Daudet seinenTar- tariu" geschrieben hatte, waren die Einwohner von Tara-cou natürlich wütheud auf ihn. Allerdings erklärten fie fich zu- frtedengestellt, nachdem er ihnen auSetoandergesetzt hatte, daß der eigentliche Tanarin in NimeS wohne, und daß er den Namen Tarascon nur wegen seines schönen Klange- gewählt habe- trotzdem war ihm etwas beklommen zu Muche, als er zum ersten Male wieder in die durch ihn berühmte Stadt kam. Aber seine Augst war grundlos. «Herr Daudet, ich schulde Ihnen viel," war das erste Wort de- Hotelwtrthö. Inwiefern?" »Seit Ihrem Roman kommt eine Menge Engländer zu mir und fragt mich; ob Tartarin nicht zu sehen sei. Ich sage dann, er sei auf der Jagd, werde aber so tu acht Tagen zurückkommen. Natürlich bleiben fie so lauge bet mir, und ich mache ausgezeichnete Geschäfte.

* Der unglücklichste Tag in der Woche. Abergläubige Seelen behaupten gewöhnlich tn Beziehung auf Unahnnehm- lichkeiten und Uuglücksfälle, daß der Freitag der schlimmste Tag tu der Woche sei- doch die Statistiker, denen selbst die anerkannteste Ueberlieferung nicht heilig ist, behaupten kühn

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Levi. Er war durch verfehlte Wechselspreulatioueu in Geld« Noth gerathrn. Er hat die btestgen Bankfirmen Pisa und Brlltnzaghi, jene um 400,000, diese um 100,000 Lire, geschädigt.

Hunderttaufeude von Pappe», Millionen von Bleisoldaten wandern alljährlich zur Weihnachtszeit aus den Spielwaaren- läden in die Kinderstuben. Und wer zählt die Menge der Pferde und Wagen, der Eisenbahnen und Baukästen, der Kaufläden und vieler anderer Spielwaaren, die um diese Zett zum Verkauf gelangen! Hauptsächlich durch da- WeihnachtS» fest hat die Spirlwaarenindustrie einen Aufschwung genommen, der für den Wohlstand ganzer Gegenden von großer Bedeutung ist. Im Deutschen Reiche beläuft fich die jährliche Spielwaarenproductton auf rund 40 Millionen Mark. Die Deutschen stehen hierin obenan. Da- Volk der Denker und Forscher, der Philosophen und Feldherren bringt auch die «eisten Puppen und die meisten Zinnsoldaten hervor; die deutsche Phantasie und Gewüthlichkeit haben auf diesem Boden schöpferisch gewirkt. Nach' Deutschland kommt Frank- reich, das namentlich theure- LuxuSsptrlzeug auf den Markt bringt. Auch tu den österreichischen Alpenländrrn werden ja mancherlei Männlein und Wetbletn geschnitzt- sodann find die Schweiz, England, Italien, die slavischen Länder in Anschlag |u bringen kurz, wenn man die jährlich? Spielwaaren-- Production rund auf 200 Millionen Mark aoschätzt, greift man eher zu niedrig als zu hoch. Zweihundert Millionen, da- ist die Summe, die der Spieltrieb unserer Kleinen in Europa Jahr aus Jahr ein ins Rollen bringt. Im Lichte dieser Achtung gebietenden Zahl gewinnt die flitterhaste Klein­welt ein ernsteres Aussehen. Die Puppe erscheint und nun wirklich al- eine gute Fee. Sie belebt die Arbeit, fie ver­breitet den Wohlstand, fie hilft Noth und Elend verscheuchen. Man gönnt ihr jetzt ihren Haug zu Prunk und Pracht, wo­rüber mau sonst griesgrämig den Kopf schüttelt.

Eifersucht nach dem Tode. Vor einigen Tagen fand fich ein Jüngling mit einem Kreuz und mit Blumen auf dem Friedhöfe eines spanischen Dörfchens ein, um da- Grab eine- jüngst verstorbenen jungen Mädchens damit zu schmücken. Aber an dem Grabe fand er einen anderen Jüngling, der schon ein Kreuz mit Blumen aufgepflanzt hatte.Edoardo!" rief der Erste voll Zorn, und der Andere antwortete ihm in demselben Tone:Carlo!" Beide hatten die Verstorbene ge­liebt, und Jeder beanspruchte für fich allein da- Recht, da- Grab der Geliebten zu schmücken. Auf Beleidigungen folgten Drohungen - dann griff man zu den Dolchen und brachte fich gegenseitig mehrere Wunden bei, um dann plötzlich in dem Mordhandwerk innezuhalten.Ach? Du wolltest für fie sterben? ... Du täuschest Dich!" rief Carlo - und Edoardo antwortete:Und dasselbe wünschtest Du- aber ich werde Dir diesen Gefallen nicht erweisen!" Der Friedhofwächter

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Der Jahrgang der

1. J.miar beginnt ein neuer Jahrgang des verbiet etsten deutschen iQuiiiliten Familicnblattes. x.ie .Gart e n t a u b e wird auch w unserer Siadt so gern gelesen, daß es für Viele -^ von ^vlereff sein dürste, zu erfahren, was von Romanen und Novellen sowie belehrenden Artikeln im Lause des Jahres darin erscheinen wird. Aus .tnem unS vorliegenden Prospecte ersehen wir, daß der neue Jahraano mit dem neuesten eben vollendeten RomanAntons Erden von W. Heimburg eröffnet wird. Mil. grcßer Spannung darf man ober auch dem neuesten Werke einer anderen Mastertn der ®r- zahlungskunst entgegensehen, da« gleichfalls in der "A^enlaude e> scheinen wird: der gröhe.en ErzählungDie arme Kleine von Marie v Eüner-Eschenbach- In dem neuen Jahrgang wird ferner einer unserer volkSthümlichsten und beliebtesten RcmanschUfisteller vertreten sein. Mit dem RomanDas schweigen des Wa.^s wird Ludwig Ganghoscr die Leser in sein eigenstes Geb et die Welt der Alpen führen. An anderen Beiträgen, die in Aussicht genommen worden sind, heben wir folgende hervo-: LebenSquell von

E- Werner, .Matzkirt" von Hans Arnold, -Schloß Josephtzthal von Marie Bernhard,Böie Zungen" von Ernst Muellenbaw,Ein Sommernachtstraum" von A Sewett. AiS ein weithinwirkevdeS Organ freimütiger AusklSrung, echter VolkSbilvurg und warmer Vaterlandsliebe, wird die.Gartenlaube auch fernerhin bestrebt sein, ihre Leser über die Fortschritte der Wissenschaft und Industrie, über neue Leistungen der Kunst und wichtige Tagesrreisnffse zu uni«- richten- Ein reicher, interessanter und künstlerisch werihvoller Bilder­schmuck soll da« Aeußere des Blattes nach wie vor verschönern. Wir können derGartenlaube", dieser altbewährten Freund n des deutschen Hauses, unter dielen Umständen aeiroft einGluck auf Aum Neuen Jahre" wünschen; es wird ihr sicher gelingen, die Zu­neigung der alten Freunde zu bewahren und die Gunst neuer zu gewinnen. __

UniVersttäts - Nachrichten.

Die Zahl der weiblichen Siudirenden an den schweize­rischen Universitäten ist ganz genau nicht leicht anzugeben, da nicht alle UniversttStsberichte in ihren statistischen Angaben eine Au^ scheidung in männliche und weibliche ©tubirenbe treffen. Doch aebt man nicht stark fehl, wenn man die Gelammtzahl dn Studentinnen auf 600 annimmt; zählt doch Genf allein Zürich 166 Studentinnen. Wenn man nun auf Lausanne und Bern tn Basel ftubiren nur zwei Studentinnen, in Freiburg gar keine noch je 60 weibliche ©tubirenbe rechnet, so dürste die Zahl 600 der Wirklichkeit ziemlich nahe kommen.

Jena. Am 28. December beging Herr Geheimer Hosr-th Professor Dr. Bernhard Schultze, Director der hiesigen geburts­hilflichen und gynäkologischen Klinik, seinen 70. Geburtstag.

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