Ausgabe 
30.10.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 255

Erstes Blatt

Samstag den 30 Oktober

1897

Aints- und 2ln$ei^eMatt für den lirek ^?refzen.

7~ chratisbeitage: Gießener AamilienMttcr. |

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th-Gesuche.

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* Knnstverein. In der Gemälde-Ausstellung im Thurmhaus am Brand hat wieder im Laufe dieser Woche ein thetlwetser Wechsel der Gemälde stattgefundeo, sodaß die gegenwärtige Ausstellung ca. 90 Gemälde umfaßt, wovon 50 neu ausgestellt find.

*H Etadttheater. Müde deS seither auf unserer Bühne gepflegten Posten- und LustspielkramS, sehnte man sich nach Ernstem, Gehaltvollem, nach der Wiedergabe clasfischer Meister­werke, die daS Können unseres Ensembles erproben und zu künstlerischer Vervollkommnung anetfern, aber auch zum Ge­meingut Aller förderlich in Wort, Sinn und Darstellung wirken. Dieses Sehnen wurde gestillt durch die gestrige Auf­führung von Goethes TrauerspielEgmont", und daß unser Theaterpublikum in seiner besteren Mehrheit sich dankbar da- für zeigte, da» bezeugte der überaus zahlreiche Besuch, besten sich die Vorstellung zu erfreuen hatte. DaS Stück, daS schon 1775 in Frankfurt begonnen wurde, und zu dem Goetbe da» Werk de» Jesuiten StradaDe bello belgico (1640) be­nutzte, erschien im Jahre 1788 nach der Rückkehr de» Dichter» von seiner italienischen Reise. ES schildert, wie Herzog Alba von König Philipp II in die Niederlande entsandt wurde, um dortselbft alle als volksfreundltch, deshalb gefährlich bezeichneten Männer unschädlich zn machen. Ganz besonders bedroht find Wilhelm von Oranien und Graf Egmont. Allein Letzterer, von Natur sorglos, beim Volk allgemein beliebt, guten Ge- wissen», da» Herz voll Liebe zu einem einfachen Bürger- mädchen, Klärchen, trifft weder Vorsichtsmaßregeln, noch schenkt er Oranien» Warnungen Gehör. So gelingt rSHer- zog Alba, ihn in seinen Palast zu locken und gefangen zu nehmen. Das Volk, dem diese Kunde wird, ist gelälmt von Entsetzen, und Klärchen, da» den Geliebten zu befreien Alle» aufbtetrt, findet nirgends Männer, worauf fie sich in Ver­zweiflung darüber in Gegenwart ihre» treuen Anbeters Brockenburg vergiftet. Egmont vernimmt im Kerker fein von Alba verfügtes TodeSurtheil wegen HochverrathS. Im letzten Schlummer dortselbft erscheint ihm tm Traum Klärchen mit einem Lorbeerkranz und dem Symbol der Freiheit. Nach seinem Erwachen wird er von den etndringenden Hellebardieren zum Tode hinweggesührt. Damit endet daS Stück, das seinen Helden für die Freiheit in den Tod gehen läßt und in dem der Dichter in KlärchenS herrlicher Gestalt ein pathetische» Seiteustück zu der de»Gretchen" gelchaffen. WaS nun die Wiedergabe diese» noch immer im Retz der idealen Ver­herrlichung der Freiheit im Sinne des Dichters mächtig wirkenden Werkes betrifft, so erkennen wir an, daß sowohl die Direction als die Künstler von dem Bestreben beseelt waren, ihr Bestes zu bieten, daS, wenn auch nicht bis in» Einzelne, voll und ganz ersüllr wurde. Für die Titelrolle war Herr Hofschauspteler Hacker von Darmstadt gewonnen, welcher in seinemEgmont" eine Leistung großen einheitlich beherrschten Stils mit vollster schauspielerischer Sicherheit und von mächtiger Wirkung bot. Der gefeierte Gast und für classische Rollen besonders prädesttuirte Künstler erntete an­erkennenden enthusiastischen Beifall. Seine Partnerin, Fräu­lein Marlo ff, als Klärchen, wußte sich in den Scenen mit Egmont auf künstlerischer Höhe zu halten, tn den Übrigen gelang die» trotz redlicher Mühe nicht immer befriedigend. Die noch nicht völlige Beherrschung deS GefichtSauSdruckS, die oft unangebrachten Kopfgestikulationen, welche eine zur Manier werdende Neigung verrathen, dürften von der sonst tn Spiel und Sprache gute Leistungen bietenden Künstlerin wohl ferner zu vermeiden gesucht werden. Al» Wilhelm von Oranten ließ Herr Fellner viel zu wünschen übrig. Warum denn tn Haltung steif und mechanisch, warum diese gekünstelte Stimme und diese» hohle Pathos, das alles Natürliche und Zwanglose, sowie eine richtige «uffaffung vermissen läßt. Es ist zu wünschen, daß diese Fehler, woran wohl hauptsächlich da» Lampenfieber Schuld hat, sich in Bälde verlieren. Um so erfreulicher, ja ausgezeichnet war die Leistung des Herrn Liebscher al» Schreiber Vansen. Der Künstler hatte tn dieser Rolle wieder eine seines Talentes würdige Aufgabe gefunden und bot eine in Auffassung und Characteristtk vollendete Darstellung ohne jede Uebertreibung. Herr Fritz schler als Herzog Alba erfaßte diese Rolle wohl in Marke und Spiel aufs Beste, feine Sprache hätte jedoch, diesem finsteren, grausamen Cha- racter entsprechend, hart und kalt tn der Klangfärbvng sein müssen. DerBrackenburg" des Herrn Böhm war über­trieben weichlich, offenbar lag ihm diese Rolle nicht. Passend vertreten waren die übrigen Rollen und verdienen zumeist Anerkennung. Ein besondere» Wort des LobeS gebührt dem Zusammenspiel, der Ausstattung und Regte. Ungerecht wäre e», dte Ausführung des musikalischen ThetlS unter der ver- iändmßvollen Direction deS Herrn DirectorS Kruse zu vergessen. Die zu dem Stück geschriebene herrliche Bee-

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ZACK.

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Gieße», den 29. October

* Provin-ialanLschntzsttzung. SamStag den 13. November I. I, Vormittags 9 Uhr, findet in dem RegternngSgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des ProvinztalauSschusseS der Provinz Oberheffen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch der Otto Btcker Wtttwe zu Höingen, Kreis Alsfeld, um Ertheilung der Concesfion zum WirthschaftSbetrieb. 2. RecurS des Johannes NatheS zu Appenrod, Kreis Alsfeld, gegen einen Poltzeibefehl Großh. KreiSamtS Alsfeld bezüglich deS baufälligen Zustande- feines HauseS. 3. Dte Erbauung ctne6 öffentlichen Schlachthauses zu Lauterbach. 4. Dte Be­schwerde deS Vorstand» der Fleischer Innung zu Gießen gegen einen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung zu Gießen.

** AuS dem Verwaltungsdienst. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergoädtgst geruht, den KreiSamt- mann bet dem Kreisamt Mainz Adalbert Frhrn. v. Starck zum KreiSamtmann bet dem KreiSamt Offenbach uab den KretSamtmann Ernst Krug v. Ntdda tn Offenbach zum KretSamtmann bei dem KreiSamt zu Mainz zu ernennen.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de»

Montags.

Die Gießener AlimtkienStälier Verden dem Anzeiger .wöchentlich dreimal beigelegt.

Berlin, 28. October. Wie dieRar. Ztg." mtt.hetlt, find alle Telegramme in der Karlsruher Angelegen- heit, die an russische Blätter gerichtet waren, darunter auch da» ursprüngliche Telegramm, das den Wortlaut de» Karls- ruher HofbertchtS wiedergab, in Rußland angehalten und den Zeitungen nicht mitgetheilt worden.

Berlin, 28. October. Der Bau de» Panzerschiffe» Ersatz König Wilhelm" ist der Werft Germania in Kiel al» der mtndestfordernden der zur Abgabe von An­geboten aufgesorderten Werften übertragen worden. Sie ist verpflichtet, da» Schiff tn 34 Monaten zur Probefahrt fertig- zustell-n.

Karlsruhe, 28. Oktober. Vorläufige» Wahl- resultat. Die Nationalliberalen verloren sechs Sitze, dte Fretfinnigen gewannen drei. Die Soctaldemokraten verloren einen Sitz und gewannen drei, die Antisemiten gewannen einen. Da» Resultat aus dem 47. Wahlbezirk WteSloch- Heidelberg steht noch au».

Paris, 28. October. DemTrmpS" wird au» Rom gemeldet, daß der König der Belgier an der afrikantschen Küste am Atlantischen Ocean ein Sanatorium für dte kranken Beamten au» dem Congo zu gründen beabflchttge.

Madrid, 28 Oktober. In stürmischer Versammlung beschlossen gestern etwa tausend Arbeiter der Brodfabrtk den AuSstand. Ersatz wurde bereit» von der Fabrik angestellt. Die Fabrik wird wtlitärtsch bewacht.

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her d. I. einberufen werden, dec Landtag soll am 11. Januar 1898 zusammentreten.

Berlin, 28. October. DerReichsanzeiger" veröffentlicht He Entbindung de» StaatSsecretärS de» Auswärtigen, Frei- Herrn v. Marschall von seiner bisherigen Stellung behufs anderwetter dienstlicher Verwendung, unter Belassung deS Titel» und Ranges etue» StaatSmintsterS und dte Ernennung ie:8 Botschafter» am italtenischen Hofe, v. Bülow, unter Abberufung von diesem Poften zum StaatSsecretar deS Aus- VLrttgen Amtes und zum Staatsminister und Mitglied des S laat-ministerium-.

Berlin, 28. Oktober. Bei einer Auslassung über die beivorstehende Entscheidung der wichtigsten schwebenden Fragen ben inneren Politik gibt derLocal-Anz." eine Aeußerung be:S Reichskanzlers wieder, die dem Blatt aus Süd- dewtschland mitgetheilt worden ist. Danach sagte der ReichS- kmzler:Ich kann und will nicht mit leeren Händen vor bem Reichstag treten, hoffe aber, daß noch etwa» Brauchbares |ii Stande kommt.

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

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mit Ammer ä&l! Qgtrktlltr j

Wolff» telegraphische» Correspondmz-Burean.

Berlin, 28. October. DerPost" zufolge veranlaßte StaatSsecretär Graf PosadowSky die fünftige halbmonatliche Veröffentlichung von Deutschlands Ein- und Ausfuhr in Getreide unb Mehl sowohl im freien Verkehr als uauf Lägern im gebundenen Verkehr.

Berlin, 28. Octoder. DieVerl. Correfp " schreibt: Der von einer Hageldersrcherungsgesellfchaft rieuerdtngS beschlossenen Statutenänderung folgenden Inhalt»:Wer seine Versicherung auf mehrere Jahre ab­geschlossen hat, gilt bei Ablauf dieser Jahre, wenn er nicht fünbigt ober nichts Anderes ausdrücklich bestimmt, al» auf die gleiche Zahl von Jahren wieder versichert," hat der Minister für die Landwtrthschaft die Genehmigung versagt, da bei Nichtkündigung mehrjähriger Versicherungen höchsten» die Verlängerung auf ein Jahr, nicht aber die Der- löngerung auf die Dauer der ganzen BerstcherungSperiode als dem wuthmaßlichen Willen der Versicherten entsprechend anzusehen ist. Da der hiernach al» unzulässig bezeichnete Modu» der Prolongation auch bei einzelnen bestehenden Gesell- schäften eingeführt ist, ist angeordnet worden, daß',die Statuten und Versicherung-bedingungeu der Gesellschaften daraufhin einer Prüfung unterzogen unb vorkommenben Falls die Gesell- schäften zu einer Aenderung dieser Bestimmung veranlaßt werden sollen.

Metz. 28. October. Dem General v. Fr ob en, Gau-

verneuc von Metz, wurde unter Hervorhebung der hervor-!^ Berlin, 29. October. Aus Madrid meldet dasBerl. ragenden Verdienste durch ein kaiierliche» Handschreiben der Ia8ebll ' ®,e 8a0c 9,lt för durchaus ungünstig. Man erbetene Abschied verweigert. I mad,t bereit» auf den Abbruch der Beziehungen zu Nord-

Wien, 28. October. Der älteste General der öfter- Der Gesandte Woodfords verweilt mit

reichisch-ungarifchen Armee, Feldmarfchalllteutenant Baron 'cta<t <m $otcI' toa6 darauf schließen läßt, daß er August Stillfried, ist heute, 91 Jahre alt, gestorben. an ein Idn8erc6 Derweilen in Madrid nicht glaubt.

«raßlitz, 28. October. Seit dem 25. d». werden in I w öieD' 291 October. Die gestrige Abendsitzung des Bängeren oder kürzeren Zwischenräumen von Heinrich-grün I welche um 7 Uhr begann, war

Aber GraSlitz bi» Schwaderbach Erdstöße verspürt, welche U^r nod) Qn der Tagesordnung angelangt,

jjedoch keinen Schaden anrtchteren. Dte letzten wurden heute I .5 Obstruktion jede Verhandlung verhinderte. Mehrere früh beobachtet. I deutiche Abgeordnete richteten Anfragen an den Präsidenten

Lyon, 28. October. Das BlattMifsionS CatholiqueS" ^er ^'H"n Anträge. Hierbei kam es zu stürmischen ©eenen, veröffentlicht eine Depesche de» apostolischen BicarS Gespar I Abgeordnete Wolff, welchem der Präsident da» Wort in Cochinchina, datirt auS Bu e, 22. October: Der Taifun I verweigerte, sprach fortwährend, während gleichzeitig ein verursachte großes Unglück, erbitte Hilfe. anbtret Abgeordneter eine Rede hielt.

Stockholm, 28. Oktober. Nordenskjöld erklärte in I

einem Interview mit einem Mitarbeiter de»Astonbladet", I Darmstadt, 29. October. (Telephonmeldung.) DaS die angeblichen Hilferufe könnten von Bewegungen de» Eises, I Äffische Kaiserpaar nebst Kindern ist nach einem ivahrscheinlich aber von Walfischsängern herrühren. Auch sei 27l°fll9en Aufenthalt in unserer Residenz nach Petersburg c» nicht ausgeschlossen, daß es die Stimmen AndräeS und I SurÜckgekehrt. Bei dem Abschied war die ganze Großherzog' Genossen waren. ES sei wünschenswerth, daß eine Expedition I ^amilte, sowie Prinz Heinrich von Preußen und Prinz auf gemeinsame Kosten Schwedens unb Norwegens baldigst I 1^(*m von Hessen anwesend. Der Abschied war ein äußerst tntfenöet werde.

""" IW. Wien, 29. October. Abgeordnetenhaus. Die zur

e Erepesch«' oee tluu<» .Herold- Berathung des AuSgleichSprovisoriums gestern Abend

Darmstadt, 28. October. Kaiser Nikolaus stattete I 7 Uhr begonnene Sitzung dauerte noch um 6^/. Uhr Morgen- Leute Mittags dem Prinzen Wilhelm von Hessen den Abschieds- fort. Der Deutschfortschrittler Lecher sprach die ganze besuch ob, während Kaiserin Alexandra da» Mausoleum I Nacht, von stürmischen Lärmscenen zwischen den Deutsch- besuchte- Der Großherzog und Prinz Heinrich nationalen und der Opposition unterbrochen. Lecher setzte von Preußen wohnten der BeerdigungSfeier für den feine ObstructionSrede bis nahezu 9 Uhr Vormittag- fort General v Bismarck bet. Da- Zarenpaar reist am I und schloß mit den Worten: Die Deutschen Oesterreich- Zreitag Vormittag 10 Uhr ab. werden sich weder ergeben, noch sterben. Der Redner wird

Berlin, 28. October. Der Kaiser begab sich heute van der Linken stürmisch beglückwünscht. Der von der Morgen gegen 8 Uhr nach Jülerbogk, um einer Schießübung Linken beantragte Sitzungsschluß wird in zwei namentlichen dir Artillerie-Schießschüler beizuwohnen. Abstimmungen abgelehut. Die Sitzung dauert noch fort.

Berlin, 28. October. Wie ein Berichterstatter meldet, 1 sind die Termine für den Zusammentritt de- Reick-tageS unb preußischen Landtage- von Seiten der Regiirung nunmehr festgesktzt. Der Reichstag werde zum 7. Decem-

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