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Nr. 125 Erstes Blatt Sonntag den 30. Mai
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Gießen, den 29. Mai 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
Oberhesfischer Obstbauverein.
Am Sonntag den 80. Mat, Nachmittags 3 Uhr, findet tn Grotzeu-Buseck eine Versammlung statt, in welcher der Geschäftsführer des Vereins, Herr K. Reichelt aus Friedberg, einen Vortrag über vbstbaumdüngung halten wird.
Die Mitglieder des Oberheffischen ObstbauveretnS sowie sonstige Interessenten werden hiermit zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen.
Gießen, den 28.^Mai 1897.
Der Vorsitzende des BereiaSbeztrks Gießen des Oberhesfischen Obstbauvereins.
Dr. Wa llau.
Politische Wochenschau.
AriedeuSverhandluugeu auf der vaUauhalbinfel. — Stimmung im Bolle. — Wenig Aussicht auf materiellen Nutze». — Eventuelle Wiederaufnahme der Feindseligkeiten.
ES wäre des Guten zu viel gesagt, wollte man behaupten, daß die seit Eintritt des Waffenstillstandes zwischen den Mächten und der Türkei gepflogenen Unterhandlungen einen raschen und durchschlagenden Erfolg gehabt hätten, im Gegentheil, die allgemeine Meinung war die, daß die Dinge im Orient seither mit einer Langsamkeit vorgeschritten waren, die so recht gekennzeichnet hatte, daß ein plötzlich abgeschloffener Waffenstillstand noch lauge keinen Frieden bedeutet, sondern die Hauptschwierigkeiten fich eigentlich erst in den Friedens- Verhandlungen selbst fühlbar machen. Diese Erfahrung haben auch die europäischen Mächte zur Genüge machen müffen, indem fie das undankbare Amt deS FriedenövermittlerS annahmen, oder beffer gesagt, anzunehmen gezwungen waren.
Bis jetzt haben fie vergebens versucht, eine Einigung zwischen zwei Völkern herbetzuführen, von denen das Eine, durch zahllose Erfolge überwüthig gemacht, die ihm äugen- blicklich in die Hände gespielten AtoutS möglichst zu seinem Vortheil auSzukosteu sucht, während daS Andere, trotz seines Mißerfolges, noch höchst anspruchsvoll auftritt und noch die höchste Schonung verlangt. Kein Wunder, daß in Anbetracht dieser Zustände von einem prompten Resultat bisher nicht die Rede fein konnte, erst nachdem Griechenland fich bereit erklärt hatte, fich der Entscheidung vollständig zu unterwerfen, haben die Botschafter am 25. Mai der Pforte eine Note überreicht, welche die Antwort der Mächte auf die türkischen FriedenSbedtngungen enthielt. Bezüglich der Letzteren waren in der Note folgende Grundsätze aufgestellt: Die Pforte soll berechtigt sein, eine zum Schutz gegen räuberische Einfälle und auS strategischen Rücksichten gebotene Grevzberichttgung zu fordern; die Pforte soll ferner berechtigt sein, eine Geld- entschädigung zu fordern, die jedoch den thatsächlichen Kriegs- kosten und Verlusten und den finanziellen Kräften Griechrn- landS entsprechen muß- schließlich soll, wenn die durch den Kriegszustand annullirten Verträge eine Erneuerung erfordern, diese sich nicht auf die Griechenland seiner Zett durch die Mächte zugewtefenen Privilegien erstrecken- dagegen war die von der Türket verlangte Cesfion Theffaliens von den Bot- schaftern sofort als undtScutabel verworfen worden.
In türkischen Kreisen sucht man den Besitz Theffaliens damit zu begründen, daß, abgesehen davon, daß die Türket rin unbestrittenes Recht auf diese Provinz habe, derselbe auch eine Garantie für Griechenland selbst sei, insofern, als die Griechen dann nicht von Neuem der Versuchung ausgesetzt seien, Einfälle in türkisches Gebiet zu machen. Griechenland sei ferner dadurch der Nothwendigkeit enthoben, eine coloffale Armee zu unterhalten, die in keinem Verhältntß zu dem Umfang ihres Landes stünde. Von türkischer Seite sei bis jetzt nie ein Einfall auf griechisches Gebiet gemacht worden, noch sei -'n solcher zu fürchten und nur die Einverleibung Theffaliens mit der Türkei sei im Stande, einen rndgiltigen Frieden herbeizuführen. An solchen und ähnlichen Aeußeruugen hat es seither nicht gefehlt, die öffentliche Meinung in Konstanti- nopel ist mit diesen Gedanken vertraut gemacht worden, obwohl man sich bewußt sein mußte, daß von Europa eine derartige Gebietsvergrößerung nie gebilligt werden konnte. Die Pforte, und noch wehr der Sultan, befinden sich daher jetzt in einer üblen Lage, indem fie zuerst mit allen mög
lichen Mitteln den kriegerischen Sinn deS Volkes entfacht und ihm weis gemacht haben, daß neben den Lorbeeren auch noch materielle Vortheile zu holen seien. Eine große Un- klugheit ist hierdurch begangen worden und dürfte eS nunmehr für den Sultan schwer halten, einen günstigen Ausweg hieraus zu finden.
Jedoch noch ein weiterer Punkt ist dazu angethan, Mißstimmung hervorzurufen und der besteht in der von den Griechen zu zahlenden Kriegsentschädigung. Niemand kann von einem Lande verlangen, daß es eine Kriegsindemnität leiste, die in keinem Verhältntß zu seinen Einkünften steht- am wenigsten kann das unglückliche Griechenland mit seinem traurigen Ausblick auf die Zukunft gezwungen werden, eine Summe zu zahlen, die es selbst vor dem Kriege nicht im Stande gewesen wäre aufzubringen- die unausbleibliche Folge hiervon ist somit, daß die Türkei fick auch hier mit Wenigem begnügen muß und ihre Forderung von zehn Millionen vielleicht auf drei Millionen zusammenschmelzen fieht. Zum Schlüsse bliebe dann noch die verlangte Grenzberichtigung zu regeln übrig, worüber^biS jetzt noch nichts Definitives verlautet ist, möglicherweise käme dadurch der Meluna-Paß, der bis dahin noch zu Theffalien rechnete, zu macedonischem Gebiet.
Wie die Dinge eben stehen, find fie keineswegs angethan, Vertrauen einzuflößen- einerseits sehen wir den Sultan der fich kundmachenden Strömung des Volkes ebensoviel ausgesetzt, wie das Königshaus in Athen, und wäre es fast als ein Wunder zu bezeichnen, wenn nicht zu guter letzt die internationale Flotte noch gezwungen wäre, sei es in Konstantinopel oder Athen, einzuschreiten, um ernstliche Unruhen zu verhüten. Der Waffenstillstand ist nun für die Dauer von 17 Tagen geschloffen; falls rS binnen dieser Zeit den Mächten nicht gelingt, zu einer Einigung zu kommen, so unterliegt ks kaum irgend welchem Zweifel, daß die Türken die Feindseligkeiten wieder aufnehmen, umsomehr, als sie die Lamia beherrschenden Ortschaften noch besetzt halten und eS vur geringer Anstrengung bedarf, diese Stadt in ihren Besitz zu bringen. — C’est pourquoi, il faudra se depecher, Messieurs.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 29. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin werden heute ihren Besuch in Schloß Heiligenberg beendigen und wieder im Neuen Palais Wohnung nehmen. — Heute haben die Allerhöchsten Herrschaften einen Autflug nach Wimpfen unternommen. — Vorgestern traf der Rittmeister Arthur v. S t a u f f, Beamter des kaiserlichen Marstalles in St. Petersburg, mit einem Bereiter und einem Kutscher aus Rußland hier ein, um als Geschenk Ihrer Majestäten des Kaiser- und der Kaiserin von Rußland für Ihre Köuigl. Hoheit die Großherzogin ein als Damenpferd zugeritteneS edleS Kosakenpferd sowie als Geburtstagsgeschenk für Se. Durchl. den Prinzen Ludwig von Battenberg, deffen Geburtstag am 24. Mai war, ein Paar Jucker (Rappen), welche speciell für Schloß Hetltgenberg bestimmt find, zu überbringen. Vorgestern Nachmittag wurden die Pferde im Garten des Neuen Palais den Höchsten Herrschaften vorgeritteu resp. vorgefahren. Rittmeister v. Stauff hat im Hotel „Zur Traube" Wohnung genommen.
WslffS ielegraptzische«
Berlin, 28. Mai. Nach der Erklärung des Finanz- Minister- in der Finauzcommisfion des Herrenhauses sollen alle Beamten, welche nach dem 1. April dsS. IS. noch im Dienste waren, für fich und ihre Relikten die Wohlthat der Gehaltserhöhung genießen.
Marienburg (Westpr.), 28. Mai. Der Kaiser traf heute Nachmittag 4 Uhr von Poffelwitz mit Gefolge ein. Der Kaiser fuhr durch die mit Flaggen festlich geschmückten Straßen nach dem Schloß, wo Baurath Dr. Steinbrech! bei der emflündtgen Befichtigung der Neubauten als Begleiter diente. Um 5 Uhr reiste der Kaiser zur Besichtigung der Werft nach Danzig ab.
Schwabach, 28. Mai. Die Kaiserin von Oesterreich trifft am 9. Juni mit einem Gefolge von zwölf Personen zur längeren Kur hier ein.
Paris, 28. Mat. Heute Nachmittag fand die Jahres- Generalversammlung der internationalen Bimetal- l ist en-Liga statt. 400 Personen waren anwesend. Der von Generalsekretär Thery verlesene Bericht stellt die Nothwendigkeit fest, vor Ablauf der AmtSdauer Mc Kinleys zu ' einem Ergebniß zu gelangen. Frankreich und die Vereinigten
Staaten könnten sich leicht einigen, England fei geneigt, zu Gunsten der Silberwährung ernstliche Anstrengungen zu machen und Deutschland werde dem Beispiele Englands folgen. Die Frage des internationalen BimetalliSmuS stehe endlich auf dem Boden, wo eine praktische Lösung möglich sei. Der Bericht wurde sehr beifällig ausgenommen.
Depeschen deS Bureau
«erlitt, 28. Mai. Im Abgeordnetenhause wurde heute die zweite Lesung der VereinSgesetz-Novelle erledigt. ES wurde der Antrag deS Abgeordneten Limburg- Stirum (eons.), die Regierungsvorlage mit einigen Abänderungen wieder herzustellen, gegen die Stimmen der Con- servativen abgelehnt. Weiterhin abgelehnt wurde Art. 1 in der freiconservativen Fassung mit 206 gegen 193 und Art. 3 ebenfalls in der freiconservativen Fassung mit 246 gegen 140 Stimmen. Art. 3 wurde auch in der Fassung der Regierungsvorlage und nach dem Anträge Zedtlitz abgelehnt. Art. 2 wurde in der Commissionsfassung gegen die Stimmen des CrnirumS und der Freisinnigen angenommen. Art. 4 wurde nach einem Anträge Krause (natl.), welcher die Theil- nähme von minderjährigen und weiblichen Personen in allen unpolitischen Zusammenkünften politischer Vereine zuläßt, gegen das Centrum und die Freifinnigen angenommen. Art. 5 wurde mit einigen Abänderungen angenommen. Im Wesentlichen wurde die ganze Vorlage nach den Beschlüsse» der Commission angenommen.
«erli», 28. Mai. Wie der „Localanzeiger" auS Hamburg meldet, wird Fürst Bismarck in den nächste» Tagen die dortige Gartenbau-Ausstellung mit Graf Herbert Bismarck besuchen.
Berlin, 28. Mai. Durch heftiges Auffahren de- VorortzugeS aus Groß-Lichterfelde um 10 Uhr gestern Abend auf einen Prellbock im Anhalter Bahnhofe find etwa dreißig Personen mehr oder weniger schwer verletzt worden. Der Zug war sehr gut besetzt und beim Einfahren hatten fich die meisten Insassen schon von den Sitzen erhoben. Die Insassen der ersten Wagen haben fast ohne Ausnahme Verletzungen davongetragen.
Berlin, 28. Mai. Die „Post- meldet aus Athen, die Lage des Kronprinzen sei noch verzweifelter geworden, weil neuerdings nicht nur die höheren Offiziere gegen ihn agitirten, sondern weil auch das Volk daS Gerücht verbreite, der Kronprinz habe seinem Vater erklärt, er verzichte darauf, jemals Herrscher eines so undankbaren Volkes zu werden, wie das griechische sei.
Prag, 28. Mat. Eine Batterie griechischer Geschütze, welche von den türkischen Truppen erbeutet wurden uud welche der Sultan dem Deutschen Kaiser für deffen Waffensammlung zum Geschenk gemacht hat, pasfirte unter entsprechender Bedeckung auf dem Transport nach Berlin gestern Prag. (?)
Neapel, 28. Mai. In einem hiesigen Theater kam eS gestern Abend zu einer SchreckenSsceoe. Eine Schauspielerin, welche in die Luft zu schießen hatte, verwechselte den Theater-Revolver mit einem geladenen. Die Kugel traf einen auf der Gallerte befindlichen Kaufmann inS Geficht und verwnndete denselben erheblich. Infolge deS Geschreies des Verwundeten entstand eine Panik, die fich aber rasch wieder legte.
Nancy, 28. Mat. Der Weinhändler Sattler wurde wegen Spionage für Deutschland verhaftet. Sattler, ei» gebürtiger Elsässer, kämpfte 1870 in der französischen Armee. Nach der Annexion der Reichslande verließ er dieselbe und kehrte erst vor fünf Jahren nach Frankreich zurück, ließ fich naturalifiren und etablirte in Nancy in der Nähe der neuen Kaserne eine Weinschänke. Er leugnet, doch find Beweisstücke bei ihm gefunden worden. (?) Sattler züchtet auch Brieftauben.
Salonichi, 28. Mat. Die fremden Militär- Attaches, darunter auch der österreichische, werden vom Kriegsschauplätze heute über Volo nach Konstantinopel zurück- kehren.
Berlin, 29. Mai. Drr Kaiser ist gestern Abend kurz nach 6 Uhr in Danzig angekommen. Er begab fich vom Bahnhöfe zunächst nach der kaiserlichen, dann nach der Schichauer'schen Werft, um dieselben zu besichtigen. Sodann fuhr er nach dem Striesser-Feld, wo daS 1. Leibhusaren- Regiment Aufstellung genommen hatte. Später speiste der Monarch im OsfizterScafino deS genannten Regiments, wonach er kurz nach 10 Uhr die Rückreise nach Berlin antrat. Heute Vormittag wird der Kaiser dem sogenannten historischen Exerciren der 2. Garde-Jnfanterie-Brigade auf dem Tempelhofer Felde beiwohnen.


