1S97
Sonntag den 30 Mai
R*. 125 Drittes Blatt
Der
Ktrtzever Anjelger erscheint täglich, eit Ausnahme bei Montags.
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Wchener Anzeiger
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Hmtlidjcr CfrtiL
G'eßen, den 28 Mai 1897. Betr.: Errichtung eines Denkmals für Kaiser Friedrich.
Großherzogliche Kreisamt Gieße«
AM btt Grstzh. »ftxfltrmdfteteit* bei Atdfei.
Von Seiten des Comitö«, welches sich die Errichtung eines Denkmals für den hochseligen Kaiser Friedrich in Cron- berg am Taunus zur Aufgabe gestellt hat, ist uns der nachstehende Aufruf nebst Listen für die Einzeichnung freiwilliger Beiträge unter dem Ersuchen zugegangen, die Großh. Bürgermeistereien zu veranlagen, die Sammlung solcher Beiträge in die Hand zu nehmen.
Wir empfehlen die« p^riotische Unternehmen Ihrer eifrigen Förderung und werden die EinzeichnungSlisten Ihnen k. H. durch die Post zugehen lassen.
Die gesammelten Beiträge wollen Sie im Laufe des Monats Juli gelegentlich an unseren Kreiskasserechner mit der Einzeichnungsliste abliefern.
v. Gagern.
Der Wunsch, dem erhabenen Monarchen und rühm« reichen Feldherrn, dem hochherzigen Förderer von Kunst und Wissenschaft, dem edlen stillen Dulder und Liebling des Volkes, Kaiser Friedrich int Herzen Deutschlands ein Denkmal zu errichten, bewegt seit geraumer Zeit weite Kreise der deutschen Nation.
In Crouberg, zu Füßen der alten Burg und des herrlichen Taunusgebirges, unfern am Gestade des Mainstromes, über welchen Kaiser Friedrichs ruhmreiche Waffenthaten die Brücke geschlagen haben zur Vereinigung Alldeutschlands, an der Stätte, wo der hochsel'ge Kaiser oft und gerne geweilt und welche Seine Erlauchte Gemahlin Sich zur dauernden Heimath erkoren hat, soll das Denkmal errichtet werden, inmitten eines zu diesem Zwecke zu schaffenden öffentlichen Parkes.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden hat nach Zufttrnmung ©einer Majestät des Kaisers und Königs die Gnade gehabt, das Denkmal Unternehmen unter Höchstseine Schirmherrschaft zu stellen.
An alle Deutschen, in deren Herzen die Liebe und Verehrung für Kaiser Friedrich noch lebendig ist, richten die Unterzeichneten die Bitte, ein Scherflein beizutragen zur Verwirklichung de« Planes. Je größer die Zahl der Geber, desto vollkommener wird der Zweck des Denkmals erreicht werden. Auch die geringste Gabe wird daher hochwillkommen sein.
Sitzung der Stadtverordneten
am 28. Mai 1897.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Beigeordneter Woiff, von Seiren der Sraütverordnelen die Herren
Adami, Brück, EmmeliuS, Flett, Dr. Gutfleisch/ Haubach, Heichelheim, Heyligenstaedt, Homberger, Habenicht, Keller, Krrch, Loos, Löber, Petri, Scheel, Schiele, Schwall, Dr. Thaer und Wallenseis.
Die Herren Beigeordneter Georgi und Stadtverordneter Bogt haben mttgetheilt, daß fie genöthtgt seien, einen längeren Badcausenthalt zu nehmen und für die nächste Zeit den Sitzungen fern zu bleiben. Die Entschuldigung wurde für begründe erachtet.
Die zwei ersten Gesuche, nämlich deS Herrn Joh. Re usch- ling in Heuchelheim um Erbauung eines BackfteinhäuSchenS im Neustädter Feld, und des Herrn Jean Dern zur Aufführung eine« Gartenhäuschens auf dem Hamm werden auS- nahmSwerse und widerrufl ch, die folgenden Gesuche de« Herrn Georg Bichler zur Vergrößerung der Küche aus der Hardt und deS Herrn Peter Heinrich Michel zur Er« richtung eines Nebenbaues an der Frankfurterftraße ausnahmsweise befürwortet.
Die Baugesuche des Evangelischen Arbeitervereins für die Straße nach den Kohlensträngen und Crednerstraße, bezüglich deren eS sich um einige in dem Zweck und der Eigenart der dort zu errichtenden Gebäude begründete Verstöße gegen die baugesetziichen Bestimmungen handelt, wurden befürwortet.
Das Gesuch deS Herrn Peter Senßfelder um Er- laubniß zum Bauen in der Stephanstraße wurde auf Grund des § 7 des OctsbaustamtS beanstandet.
Herr Heinrich Winther beabsichtigt, an Stelle der im vorigen Herbst abgebrannten Scheuer eine Scheuer und daneben am hinteren Eichgartenweg ein Wohnhaus zu errichten. Das Gesuch wird beanstandet, da daS Project nicht Rücksicht nimmt auf die Gestaltung des neuen Bebauungsplanes.
Das Gesuch deS Herrn I. Atzbach, den nach Errichtung eines Hauses an der Grünbergerstraße die Eigenschaft eines Vorgartens erhaltenden, bisher zur Aufstellung von Grabdenkmälern benutzten Platz vor seinem Hause weiter in der seitherigen Weise benutzen zu dürfen, wird nach längerer Debatte abgelehnt. Doch soll dem Gesuchsteller die Ausstellung einiger Denkmäler im Rahmen eines Ziergartens gestattet werden.
Herrn Apotheker Dr. Julius Cäsar soll für die Monate Juni und Juli ein Raum im alten Schloßgebäude gegen die übliche Pacht überlaffen werden.
Bei der Beschaffung von Diplomen für freiwillige Feuerwehrleute, welche 15 und mehr Jahre actio als solche thätig find, wurde der Kostenvoranfchlag um 30 Mk. überschritten, welche nachträglich bewilligt werden.
Für die Südanlage, welche demnächst erhöhte Trottoirs erhalten soll und wofür ein specteller Voranschlag über 24000 Mk. vorliegt, wurde die beantragte Veränderung des Längenprofils genehmigt.
Nachdem vor einiger Zeit beschloffen wurde, die parallel
zur Frankfurterstraße zwischen dieser und den Bahnhöfen neu anzulegende ,Straße „Crednerstraße" zu benennen, lag der heutigen Versammlung die Benennung dreier Straßen ob, welche von der Frankfurterstraße aus senkrecht zu den Bahnhöfen anzulegen sind. Es wurde auf Antrag der Baudeputation beschloffen, die Fortsetzung der Klinikstraße in bezeichneter Richtung ebenfalls „Ktinikstraße" zu benennen, für die Straße, welche von der Frankfurterstraße bis zur Crednerstraße führt, wurde die Bezeichnung „Hillebrandstraße" gewählt und für die Straße nach den Kohlensträngen die Bezeichnung „Mittelweg".
Eine Eingabe der Residenzstadt Caffel an den Köaigl. Eisenbahnminister, in welcher um die Einlegung eines Vor- mittaaS-SchnellzugeS gebeten wird, welcher zwischen 8 unh 9 Uhr Vormittags in Caffel in der Richtung nach Frankfurt abgeht, also zwischen 11 und 12 Uhr Gießen pafsirt und den Anschluß an dcn Gotthard-Schnellzug in Frankfurt ermöglicht, soll unterstützt wcroen. Gleichzeitig soll dabei da« Interesse betont werden, welches Gießen an der Einlegung eines entsprechenden GegenzugeS hat, welcher etwa gegen 5 Uhr Nachmittags von Frankfurt in der Richtung Gießen-Caffel abgelaffen wird und sowohl den Anschluß des Gotthard-ZugeS, wie des von Ulm, Stuttgart usw. kommenden Schnellzuges in Frankfurt ermöglicht.
33. Tonkünstler -Versammlung des allgemeinen deutschen Musikvereins zu Mannheim.
Pr. Mannheim, 28. Mat 1897.
Die Idee, die diesjährige Tonkünstler-Versammlung in Mannheim abzuhalten, hat sich, wie der Erfolg bis jetzt zeigt, als eine äußerst glückliche erwiesen, denn die Hoffnungen, die der Vorstand damit verknüpfte, find mehr als erfüllt.
Mannheim, das mit Stolz auf eine ruhmvolle künftle- rifche Vergangenheit znrückbltcken kann, hat in der That Alles gethan, um den aus allen Himmelsrichtungen herbeigeeilten und immer noch herbeieilenden Musikern nicht nur einen würdigen, ehrenden Empfang zu bereiten, sondern ihnen auch den Aufenthalt in seinen Mauern in jeder Beziehung so angenehm wie möglich zu machen. Große, gewaltige Vorbereitungen waren dazu nölhig, manches schwere und Gefahr bringende Hinderniß mag sich bei den Vorarbeiten drohend in den Weg gestellt haben, aber Dank der Energie und Rührigkeit des Festausschusses, der keine Opfer gescheut hat, ?>as Fest zu einem wirklich wohl gelungenen zu gestalten, find alle Vorbedingungen für ein gutes Gelingen ausS Glänzendste erfüllt worden, so daß man mit froher Zuverficht und mit dem wohlthuenden Bewußtsein, hier nur Gutes zu erfahren, dem weiteren Verlauf der Dinge ent- gegensehen kann.
Getreu feinem Princip, auf den Tonkünstlerversamm- lungen hauptsächlich moderne Mufik zu bieten und in erster Linie die Werke lebender Meister zu berücksichtigen, hatte der
Feuilleton.
Wochendriese ans der Nrsiden).
(Origin-lbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 27. Mai.
«ul dem Knnstlebeu. Rennen im Bicycle-Club. Verschiedenes.
Den Schluß feiner dieSwtnterlichen Thätigkeit machte als letzter der hiesigen musikalischen Vereine in vergangener BertchtSwoche der Instrumental-Verein, Über dessen aus diesem Anlaß stattgehabtes Coneert heute noch nachträglich zu berichten ist. Der Verein, dessen Orchester nur ans Dilettanten besteht, hat sich die Pflege gerade ter klassischen Mufik zur Ausgabe gemacht und er hat namentlich im letzten Winter unter der Leitung de« jungen, energischen Compontsten Carl HallwachS, von dessen Werken gelegentlich einer Aufführung derselben im hiefigen Richard-Wagner Zweigverein an dieser Stelle ausführlich die Rede war, einen tüchtigen Schritt auf feiner eingescyiager.en Bahn vorwärts gemacht. Auch das letzte Coneert bedeutete einen vollen Erfolg für die Veranstalter- da« Programm zeigte nur Werke von Beethoven und zwar die D-äur-Symphonie Nr. 2 op. 36 und die Ouvertüre zu ,,Egmont". Beide Werke bieten selbst einem geschulten Berufs Orchester nicht zu unterschätzende Schwierig- ketten, umsomehr ist eß anzuerkennen, daß von einer Dilettanten- Bereinigung die Wiedergabe derselben in so exacter, künstlerisch wohlabgerundeter Weise gelang, der der stürmische Beifall deS zahlreichen Auditoriums wohl gebührte. Als Solisten wirkten in dem Concerte noch mit: die Opernsängerin Frl. Frieda Zerny, die mehrere Beethoven'sche Lieder in vor
nehmem Stile und mit künstlerischem Empfinden vortrug und Herr Hofmufiker F. Mehme l, der die hier längst bekannten Vorzüge seines herrlichen Violinspiels durch die Wiedergabe des zweiten und dritten Satzes des Biolinconcertes aufs Neue bethätigte.
Nummhr, da die osficielle Concertsaison zu Ende ist, beginnt eS sich allenthalben im Freien zu regen, die beliebten AuSflugSpunkte in der Umgegend bieten allsonntäglich und die Garten Restaurants in der Stadt selbst an den Wochentagen Concerte, deren Veranstalter die Capellen der vier hier garnisonirenden Regimenter find. Auch die Großh. Commandantur der Stadt hat sich auf Anregung der Bürgermeisterei entschlossen, den beiden öffentlichen Wochen- Concerten vor dem Neuen Palais ein drittes zuzusetzen, das auf dem hinter dem Neuen Palais belegenen Marien- platz ftattfinden soll. Also Mangel an musikalischen Genüssen wird auch die kommende Saison kaum haben.
Dem vor vierzehn Tagen des schlechten Wetters wegen verschobenen FrühjahrS-Meeting des Darmstädter Bicycle-ClubS zeigte der Himmel am letzten Sonntag ein freundliches Gesicht. Herrliche Frühjahrswitterung herrschte, die sowohl zu dem von mehr als 300 Fahrern veranstalteten PreiScorso durch die Straßen der Stadt, wie namentlich zu den Rennen auf der neu erbauten Bahn am Carlshos rin ungemein zahlreiches, nach vielen Tausenden zählendes Publikum gelockt hatte. Die Abwickelung des Rennprogramm- dauerte geraume Zeit, da die Zahl der ein- gelaufenen Nennungen außerordentlich groß war. Im Ganzen waren sechs verschiedene Rennen zu erledigen, zu denen nur Amateurfahrer zugelassen waren. Das größte
| Interesse nahmen die beiden Mehrsitzer-Fahren in Anspruch, bei denen die bekannten Gebrüder Opel aus Rüsselsheim am Main, die sich auch sonst rühmlich heroorthaten, besonders mit Ehren genannt zu werden verdienen. Im Allgemeinen war der gebotene Sport ein vorzüglicher und namentlich die Endkämpfe stets außerordentlich spannend. Die nach den neuesten sportlichen Vorschriften errichtete Rennbahn mit ihren an der Außenseite 3 Meter hohen Curven bewährte sich vorzüglich. DaS Renn-Comitv hatte sich deS hohen Besuches des Prinzen Wilhelm bis zum Schlüsse der Veranstaltung zu erfreuen.
Nachdem man fett langer Zeit nichts mehr von dem Museums-Neubau gehört hatte und nur die auf dem Platze, wo früher daS Zeughaus stand, lagernden Steinhaufen daS Mißfallen aller Passanten erregt hatten, scheint nun endlich Leben in die Sache zu kommen. Gegenwärtig ist man mit der Untersuchung des Untergrundes beschäftigt, die durch mehrere Schachte bewerkstelligt wird.
In der in letzter Woche abgehaltenen Stadtverordneten- Sitzung hat die Stadt ein feit langer Zeit dahier bestehendes gemeinnütziges Werk übernommen, das erwähnt zu werden wohl verdient. ES ist dies die von Darmstädter Bürgern gegründete und fubventionirte Knaben-Arbeitsanstatt, welche die Kinder armer Leute in der schulfreien Zeit mit leichten Arbeiten beschäftigt, fie so dem Straßenleben entzieht und ihnen zugleich Gelegenheit gibt, fich einen Spart groschen zurückzulegen. Hoffentlich entwickelt fich daS Jnstitu- so segensreich weiter unter der städtischen Verwaltung wie dies seither unter der privaten der Fall war.


