Ausgabe 
29.8.1897 Zweites Blatt
 
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den Wein au» Todteuschädeln, entliehen Taschentücher und Westen von einander und vergaßen sie jemals zurückzugeben. DaS Mein und Dein wurde bet den KrafrgenieS jener Zeit überhaupt nicht so streng genommen. So erhielt Knebel von ihm hundert Stiche, die er ihm zur Besichtigung entliehen, nie wieder zurück, und so konnte auch das abgeschmackte Gerücht Verbreitung finden, der Dichter habe eine Stange Gold gestohlen.

Nach Lewes liegt diesem Gerücht nachstehender Vorfall zu Grunde: Der Kaiser von Rußland hatte für den Chemiker Döbereiner eine große Platiuastufe gesandt, welche Goethe zur Prüfung erhielt. Nun hatte der Dichter bekanntlich für Mineralien eine große Vorliebe, und so kam eS, daß er sich nicht leicht wieder von der Stufe trennen konnte. Die Briefe und Mahnungen Döbereiners blieben unbeantwortet, und dieser beschwerte sich schließlich beim Großherzog. Der aber erklärte lachend:Laßt den alten Esel in Ruhe! Ihr be­kommt'- doch nie von ihm. Ich will den Kaiser um eine andere Platioastufe bitten."

In seinem Alter wurde der Dichter im Verkehr mit dem

Herzog immer förmlicher, eine Aenderung, an welcher der leutselige Karl August wenig Gefallen fand. Einst führte er einen fremden Potentaten bei Goethe ein, der diesem einen Orden mit der Bitte, ihn zum Andenken an ihn zu tragen, überreichte. Goethe erwiderte:Wenn eS mein gnädigster Fürst erlaubt." Da lachte der Fürst und rief:Du, alter Kern, mach' doch kein dummes Zeug."

Die Heiterkeit seiner gesellschaftlichen Unterhaltung, die belehrende Schönheit seiner Gespräch- hat der jüngere Voß uns in begeisterten Worten geschildert. Einen eigenartigen Zug seines Wesens bildete die Scheu vor unnöthiger Ge- müthSaufreguug, die zum Theil von seiner Mutter ererbt war, zum Theil tu seinem empfindlichen ästhetischen Gefühl wurzelte. So nahm er nicht einmal an Schillers Begräbniß Theil, noch stand er an der Leiche des tobten Freunde-. Selbst den Exequien für Karl August ging er au- dem Wege. Als Falk ihm erzählte, er habe Wielands Leiche gesehen und sich dadurch eine schlimme Nacht bereitet, schalt ihn Goethe tüchtig au- und erklärte, er habe sich wohl gehütet, weder Herder, Schiller, noch die Herzogin Amalia im Sarge zu

sehen.Warum," sagte er,soll ich mir die lieblichsten Ein- drücke von den Geficht-zügen meiner Freunde und Freundinnen durch die Entstellungen einer MaSke zerstören lasten? Der Tod ist ein sehr mittelmäßiger Portraitmalrr, ich metners'itS will ein seeleovollereS Bild, al- seine Masken, von meinen sämmtlichen Freunden im Gedächtniß aufbewahren." Mau hat den Dichter infolge besten deS Mangels an Geiühl be­schuldigt, w>e ungerechtfertigt dieser Dorwurf ist, zeigt sein tiefer, anhaltender Schmerz beim Tode Schiller-.

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Milch und doch läßt sich diese sehr nahrhafte Speise bedeutend leichter verdaulich machen, wenn mit Brown u. PolsonS Mondamin 5 bis 10 Minuten durchgekocht, eben nur so viel von diesem, daß sie ein wenig seimig wird. Mondamin besitzt den Vorzug, das Gerinnen der Milch im Magen zu verhindern und wirkt außerdem durch feinen eigenen Wohlgeschmack anregend zum Genießen. Zusatz von etwa« Salz und Zucker, wie auch Citrone, Vanille k., je nach Belieben erhöhen den Geschmack. Für die gute Qualität bürgt am besten daS mehr denn 50jährige Bestehen dieser weltbekannten, schottischen Firma. ES ist zu haben in Packeten b 60 30 u. 15 Pf.

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Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß die Erhebung des Octrois an der Neustadt vom 1. September l. I. im Thorhaus rechts stattfindet.

Gießen, den 25. August 1897.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

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