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29.4.1897 Erstes Blatt
 
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Donnerstag beit 29 April

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Erstes Blatt

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AmLLKH«? Ltzeil.

Bekanntmachung, betreffend: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Aufnahme der Zuchtthiere in das Provinzialherdbuch im 1. Körbezirk.

Die Äörcommiffion des 1. Körbezirks (Vogelsberger Bieh) »ird nachfolgende Körtermine abhalten:

am 30. April, Vormittags 10 Uhr, in Steinbach, Nachmittags 4 Uhr in Mendorf a. d. Lahn.

Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Thiere in das Herdbuch eintragen lassen wollen und bez. Anmel­dungen schon bei mir gemacht haben, werden ersucht, ihre betreffenden Thiere an einen von betreffender Großherzogl. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort aufzustellen, damit die Arbeiten der Commission ohne Aufschub erledigt werden können.

Sollten noch weitere Viehzüchter ihre Thiere kören lassen wollen, so werden dieselben ersucht, dieselben gleich- falls an den betreffenden Körterminen vorzuführen, vorher aber dem Vorsitzenden dieser Commission, Herrn Oberamtmann Hoffmann zu Hof-Gill, oder dem Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter Beilstein zu Laubach, directe Mittheilung hiervon zu machen.

Laubach, den 26. April 1897.

Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen.

Deutsche? Reichstag.

209. Sitzung. DieuStaa. de» 27. April 1897.

Das Haus ist sehr schwach besetzt.

Am BundeSrathStische: v. Bötticher, v. Goßler, Gras Posadowsky.

Präsident v. Buol gedenkt des Ablebens des GroßherzogS Friedrich Franz Hl. von Mecklenburg-Schwerin und des Staats- secretärs v. Stephan. Das HauS ehrt das Andenken derselben durch Erheben von den Plötzen.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Nachtragsetat.

Abg. Bebel (Soc.) erklärt, seine Freunde würden, wie alle Militärischen Forderungen, so auch die vorliegende für Vermehrung des artilleristischen Materiales ablehnen. Wenn neulich nach Blätter- meldungen von sehr hoher Stelle die Aeußerung gefallen sein solle, »aterlandslose Gesellen hätten die zur Vertheidtgung des Vater­landes notbwendigen Mittel verweigert, so lasse das die Soctal- »emofrotk ) beantragt Verweisung des NachtragS-

dat6 an die Budgetcommisston behufS sorgsamer Prüfung deS Erfordernisses. Cs handle sich hier jedenfalls um Forderungen für neue Pulver rc., die ihrer Natur nach weit wichtiger seien, als die Kreuzer.

Adg. Bachem schließt sich Namens des Centrums dem Anträge auf commtssartsche Beratbung des Nachtragsetais an. Wenn es aber mH der colossalen Steigerung der Ausgaben im Marine- und Mtlitäretat so fortgehe, werde man schließlich nicht wissen, woher die Deckung nehmen. ,

Der NachtragSetat wird an die Budgetcommisston verwiesen.

Bei der folgenden Berathung der Einnahmen- und AuSgaben- Ueberficht für die Schutzgebiete pro 1894/96 kommt

Abg. Bebel auf den Fall Peters zu sprechen und verlangt strafrechtliche Verfolgung des Dr. PeterS. Schwer zu verstehen sei, daß gegen Peters nicht gleich 1892 vorgegangen worden sei, gleich Nachdem man von seinem Verhalten Kenntntß erlangt habe. Kosche- otenn sei nämlich lediglich auf einen Jndictenbewets hin zu 10 Jahren Zuchthaus verurthetlt worden. Um wieviel mehr sei hier ein gertcht- Stches Einschreiten geboten, wo es sich um einen hohen ReichS- beamten handle und der Thatbestand durch die Discipltnar-Unter- ?uchung feststehe.

Staatssecretär v. Bötticher khegt keinen Zweifel daran, auch kann er wohl in bestimmte Aussicht stellen, daß, wenn sich aus der DtSciplinaruntersuchung Material für eine strafrechtliche Untersuchung ergeben würde, - da Revision eingelegt tft, Jet i brt «erfahren ja no* nicht abgeschlossen - die Staatsanwaltschaft ihre Pflicht thun würbe. Und die Reichsverwaltung werde am allerwenigsten etwas Mtternehmen, um der Staatsanwaltschaft in den Arm zu fallen.

Abg. Graf Arnim (Rp.) will mit Rücksicht auf die eingelegte Revision auf den Fall Peters nicht eingehen und stellt nur fest, daß ftr die Behauptungen Bebels betr. des Briefes an den Bischof Tucker jedenfalls der Beweis nicht erbracht sei.

Abg. Lenzmann (ftf. Vp.) will die Justirverwaltung an ihre Pflicht erinnern, sich der Person des Mörders, des Peters, zu ver­sichern, damit diese? nicht echappire, wie dies sdner Zett Leist gethan ijibe. Wmn Peters flüchte, würde er der Justizverwaltung den «orrourf machen müssen, daß sic den Mörder habe echappiren

Director im Auswärtigen Amt Hellwig: Die Regierung hat ble Frage, ob strafrechtlich gegen PeterS einzuschretten fei natürlich pflichtgemäß erwogen. Aber wenn Herr Lenzmann meint, Mord s-t un^ allen Umständen Mord und müsse als solcher verfolgt »erben, so wird sich der Beweis hierfür kaum fuhren lassen. (Gelächter links.) r . , .

Aba. Bebel: Ein offenbarer Mord, von einem der höchsten Beamten des Reiche« begangen, soll also um deswillen nicht verfolgt »erden, weil er nach den Rechtsbegriffen der Wilden nicht verfolgt »erben kann! Wenn etwas geeignet ist, unS Deutzen die Scham- rvthe ins Angesicht zu treiben, so ist es ein solcher Grundsatz unserer Etgierung! Rebner schließt mit Angriffen auf ben früheren Colonial-

abthetlungSdtrector Kayser, der einen Mann wie Peters angestelll habe.

Staatssecretär v. Bötticher bittet, ehroerletzenbe Vorwürfe gegen Kayser zu unterlassen, der sich doch hier nicht mehr oerthetbigen könne. Die Entrüstung über des Peters Handlungsweise werde von ber Regierung getheilt, aber S 4 des RetchSstrafgesetzbucheS lasse that- sächlich bte Strafverfolgung eines Deutschen wegen eines im AuS- lanbe begangenen Verbrechens und bas Ktltmanbjaro-Gebiet sei bamalS Auslanb gewesen nur zu, wenn baS betreffenbe Verbrechm burch bte Gesetze, welche an Ort unb Stelle im Auslanbe herrschtm, mit Strafe bebroht seien. Die Regierungen würben ja erneut in Erwägungen hierüber treten, aber mit welchem Erfolge, könne er nicht sagen.

Abg. Bachem (Ctr.): AuS dem Mangel etwaiger geschriebener Gesetze am Kiltmandjaro folgt doch nicht, daß dort solche Strafthaten straffrei sind. Wenn PeterS nach dem Morde in die Hände der dortigen Bevölkerung gefallen wäre, dann wäre er doch sicher nicht mit dem Leben davongekommen, und bas ist ber beste Beweis befür, was bort gegenüber solchen Strafthaten für ein Recht herrscht. Da sollte sich boch unsere Retchsregierung nicht auf einen so formalisti­schen Standpunkt stellen.

Abg. Dr. Förster (Res.-P): Dr. PeterS habe seine Strafe weg. DaS Wettere könne man den berufenen Hütern beS Rechts überlassen. Die Ueberstcht wirb barauf als durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt.g

ES folgt erste Berathung ber Vorlage betr. anberwetttge Be­messung ber Wtttwen- unb Waisengelber.

Abg. Stadthagen (Soc) bemängelt, baß gerabe bei ben am meisten bebürftigen Beamten-Relicten die Steigerung ber Bezüge am geringfügigsten sei unb geht sobann auf bie ungenügende Versorgung der Retteten verunglückter gewerblicher Arbeiter ein.

Schatzsecretär Graf Posadowsky bittet von weitergebenden Forderungen, wie Stadthagen sie erhoben, aus finanziellen Rücksichten abzusehen. Die Reltctenpenstonen müßten doch jedenfalls in be­stimmtem Verhältniß zu ben Gehältern stehen müssen. Verhältniß- mäßig zu kurz seien überbies bisher nicht bie Relictm ber unteren Beamten gekommen, fonbern vielmehr die ber höherm. Denn bie Hinterbliebenen der unteren Beamten bezögen V» der Pension, während in den höheren Beamtenklassen die Relictenbezüge höchstens 1600 Mk. betrügen, selbst bet dem PenfionSmaximum von 18000 Mk.

Die zweite Berathung ber Vorlage findet demnächst im Plenum statt.

Morgen 2 Uhr: Jnvaliben-VersicherungS-Novelle.

Schluß 4V, Uhr.

etoifft telegraphisches Eorresposdenz-Bur««».

Berlin, 27. April. DerReichßanz." meldet: Laut amtlicher Nachricht aus Saloniki bleiben bie Leuchtfeuer in Panomt unb das LeuchtschiffVardar" bis auf Weiteres auSg elöfcht.

Hamburg, 27. April. Der hiesige Arbeitgeberverband beschloß, Arbeiter, die am 1. Mat auf Grund sozialdemo­kratischer Agitation der Arbeit fern bleiben, vor dem 10. Mai nicht wieder anzustellen.

Kronberg, 27. April. An der kaiserlichen Tafel, die um 610 Uhr stattfand, nahm außer dem Kaiser und der Kaiserin Friedrich nur bie nächste Umgebung '.heil. Die Abreise des Kaisers nach Schlitz ist auf morgen Nachmittag 350 Uhr festgesetzt.

Straßburg, 27. April. Der Landesausschuß für Elsaß« Lothringen nahm heute daS Stempelsteuergesetz mit einem Zusatz der Commission in dritter Lesung an, wonach alle Vereine eine Stempelsteuer zahlen müssen für die poli­zeiliche Genehmigung, für die Genehmigung der Satzungen und für die Genehmigung jeder Aenderung derselben und zwar Wohlthätigkeitsvereine und wissenschaftliche Vereine je 5 Mk., alle übrigen Vereine je 20 Mk.

Rom, 27. April. Der iKönig empfing heute früh die Präsidien de- Senats und der Kammer, welche ihn zu seiner glücklichen Errettung beglückwünschten. Zahlreiche Sena­toren unb Deputirte hatten sich der Abordnung angeschloffen.

Ehiett, 27. April. Heute früh wurde hier eio mehrere Sekunden andauerndes Erdbeben verspürt,- Schaden hat dasselbe nicht verursacht.

Bern, 27. April. Der BundeSrath hat der griechischen und türkischen Regierung mitgethetlt, daß auS der Schweiz eine Abtheilung des Rothen Kreuzes wit 9 Aerzteu auf den Kriegsschauplatz abgehe.

Paris, 27. April. DemTempS" wird aus Toulon gemeldet: Admiral Potier beantragte die Entsendung von zwei kleinen Schissen, um den Dienst seiner Division vor Kreta aufrechterhalten zu können. Infolgedessen gehe morgen der TorpedokrenzerBautour" in See. E n weiteres Schiff werde folgen.

Paris, 27. April. (HavaS.) Aus Arta wird von heute früh berichtet: Infolge der letzten Ereignisse wurde der ursprüngliche Plan, nach und nach über Penrepighadia, Sikaron, Janina und Metzewo in Epirus einzudringen, für den Augenblick ausgegebeu.

Paris, 27. April. DerTcmps" sagt: Durch Ent­hebung deS Kronprinzen vom Obercommando erscheine die Zukun f t deS griechischen Thrones gefährdet. Es

sei sogar möglich, daß der seinem Lande so unheilvolle DelyauniS diesmal bei de« Sturze König Georg mitreiße man müsse jedoch hoffen, daß daS griechische Volk zu de» Unglück ber Nieberlage nicht noch das Unglück der Revolution hinzufüge. Eine Athener Depesche deSTempS" spricht von der Demission deS MartnemintsterS LevtdiS und sagt, diese werde allgemein getadelt. Levtdts selbst begründet seine Demission damit, daß seine Befehle vom Commodore Sachturt» ntcht auSgeführt wurden. Prtvatdepeschen verschiedener Blätter zufolge ist die BolkSsttmmung in Athen noch immer sehr erregt. Gelegentlich der gestrigen Kundgebungen vor dem königlichen Palast wurden Rufe:An bie Grenze!" ausgestoßen.

Larissa, 27. April. (Reuter). In ber Stadt herrscht vollständige Ordnung. Türkische Soldaten patrouilliren in den Straßen. Da« Leben und Eigenthum ist völlig ge­sichert. Einige Läden wurden bereits wieder geöffnet. LS heißt, bevor die griechischen Truppen geflohen, habe der Kronprinz gebeten, zu bleiben unb dem Feinde die Spitze zu bieten, aber sie hätten sich geweigert. Ein reguläres Sauve qui peut sei gefolgt. Die griechischen Soldaten machten bte Ethnik Hetairia für baß Unheil verantwortlich.

Depeschen deS BureauHerolb."

Berlin, 27. April. Reichskanzler Fürst Hohenlohe, sowie Gemahlin find gestern Abenb wieder in Berlin ein« getroffen.

Berlin, 27. April. Die Militär - Strasproz - ordnung hat, wie die Äbenbblätter melden, baß Plenum beß Bundeßrathß verlassen unb wird demnächst im Reichßtage eingeheo.

Berlin, 27. April. Daß preußische Abgeord­netenhaus hat heute den Antrag Hoensbroich und Gen., die Staatßregterung zu ersuchen, ihren Einfluß im Bundes« rath dahin geltend zu machen, daß derselbe den vom Reichstag angenommenen Antrag, betr. Aufhebung von Zoll'Crediten bet Einführung von Getreide rc., seine Zu­stimmung ertheile und die erforderlichen Anordnungen so bald als möglich treffe, mit großer Mehrheit angenommen. Morgen Cultußetat.

Berlin, 27. April. Der deutsche JnuungS« und all gemeine Handwerkertag wurde heute Vormittag um 10 Uhr in den Festsälen deS JnnungShauseSGermania" in Anwesenheit von etwa 800 Handwerksmeistern aus Berlin und allen Theilen Deutschlands von Obermeister Faster-Ber- lin wit einer kurzen Ansprache und einem Hoch auf den Kaiser und seine Bundesfürsten eröffnet. DaS ReichSamt des Innern, sowie baß preußische Handelsministerium hatten Vertreter entsandt. Außerdem wohnten den Verhandlungen eine Anzahl ReichStagSabgeordnete bet. Im Namen des ReichSamtS beß Innern begrüßte Geheimerath Wilhelmi die Versammelten mit dem Rufe:Gott schütze daS ehrsame Handwerk." AlSdann wurde in die Berathung der Hand- werks Vorlage eingetreten.

Friedrichshof i. X., 27. April. Der Kaiser ist heute Nachmittag um 5 Uhr 45 Miu. auß Karlsruhe hier ein- getroffen.

Wien, 27. April. DieNeue Fr. Pr." meldet auß Athen: Der Kronprinz ist mit dem ganzen Generalstab abberufen. Das betreffende königliche Decret erscheint heute. Ebenso find ber Oberstlieutenant ßimbrttiß und der Major KonstanttnidiS aus Kreta abberufen worden.

Paris, 27. April. Die »Agence Fournier" erhielt auß Athen eure Depesche, der zufolge dort die größte Auf­regung herrscht. Vor dem königlichen PalaiS finden Massen'Ansammlungen statt. Der Ausbruch der Revolution sei bevorstehend.

London, 27. April. Die englische Polizei ist auf der Spur einer international en Anarchisten-Bande, welche vor einigen Wochen in Berlin und London gleichzeitig eine große Anzahl falscher 10«Pfuud Noten in Umlauf ge­setzt hat. Die Bande soll Verbindungen in Berlin, Wien und Petersburg haben.

London, 27. Aprii. DemStandard" wird auß Athen gemeldet, daß die Lage der königlichen Familie sehr kritisch ist. Alle Maßregeln wurden getroffen, um der­selben eine eventuelle Flucht zu ermöglichen.

Athen, 27. April. Der Marinemintster hat de- misstonirt, weil der Generalstabschef SmolenSki alle militärischen Ausgaben seiner Gesammtlcitung unterstellte.

Athen, 27. April. Der Kronprinz bleibt proforma in Thessalien, doch wird er auf die Entschließung deS Gene« ralstabeS keinen Einfluß mehr haben. Zum GeneralftabSchef wurde Oberst MoleuSki ernannt. Die Abberufung beß GeveralstabSchefS wurde vom Ministerium beschlossen, nachdem