Ausgabe 
28.12.1897 Zweites Blatt
 
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Sammlung auf, fie Hal e» auch nicht versucht, von obige» Gesichtspunkte ausgehend, Liften aufzustellea von Männern, bereu Unterstützung sie in diese« Kampfe gewärtig ist und die sie geneigt glaubt, ihr alt der bei Weitem stärksten Organisation reich-treuer Bürger in Mainz beizutreten, um, was au ihnen ist, mitzuhelfeu, daß der nationale Gedanke eine bessere Förderung und Vertretung finde, als bisher. Sie hat fich in der Voraussetzung, daß auch Tie geehrter Herr, diese» Ziele zustrebrn, erlaubt, eine Mitgliedkarte auf Ihren Namen auszustellen, welche Ihne» demnächst -ugeheu wird. Zur Bestreitung unvermeidlicher Kosten wird die Zahlung eines jährlichen Mitgliederbeitrages vorausgesetzt, welcher in der Karte autgeworfeu ist. Tollte Ihnen der» selbe nicht angemessen erscheinen, so bitten wir Sie, dem Ueberbringer der Karte mitzutheileu, welchen Beitrag Sie zu leisten wünschen.

Mit patriotischem Gruße

Der Vorstand

der Nationalliberalen Partei Mainz.

Der letzte Christbau« Kaiser Friedrich» befindet fich im Besitze der Wittwe de» vor einigen Jahren verstorbenen Grafen Zirio. Es ist dies eine herrliche Edeltanne, die im Winter 1887 dem damaligen K onp?inzeu au- dem Riesen« gebirge zur Benutzung beim Weihnacht-feste nach Sau Remo gesandt worden war. Der Kronprinz war zugegen, als die Tanne von seiner Familie geschmückt wurde, und als der Baum am Weihnachtsabend im großen Parterresaale der Billa im Hellen Lichterglauze strahlte, konnte der so schwer geprüfte Fürst seine tiefe Bewegung nicht verbergen. Er lehnte fich an seine Gemahlin, während ihm die Thräven In die Augen traten. Bei der Abreise der Kaiserlichen Familie fand die Gräfin Zirio den Baum iw Garten und bewahrt ihn jetzt als theuere Erinnerung in ihrem in Genua an der Via della ripa gelegenen Hause ans

Der Fahnenträger von WeiheMirg. »Ihr habt heute einen schönen Sieg erfechten helfen- wo» wird fich mein

Vater freuen, wenn er die Depesche erhält!" So rief der Kronprinz, al» er um 6 Uhr Abend» am 6. August 1870, nachdem auf allen Seiten die Höhen von Fröschweiler und Elsaßhausen genommen waren, durch die Truppen de­ll., 4., 6. Armeeco,p» ritt, de» 3. Poseuschen Infanterie« Regiment Nr. 58 zu- plötzlich hielt er und ließ fich den Premierlieutevant Baron vorftellen. Al» dieser, der eben jetzt zur Disposition gestellte Generalmajor und Eommandeur der 20. Infanterie-Brigade, vor die Front eilte, sagte der Kronprinz sehr freundlich Folgendes zu ihm: »Ich habe mir genauen Bericht über Sie erstatten lassen- aber Kinder, ich weiß gar nicht to'e man Euch belohnen soll. Meine Herren, rief der Kronprinz, fich hierauf zu seinem Gefolge wendend und auf Lieutenant Baron deutend: »Das ist der Fahnen­träger von Weißenburg!" Nachdem der Prinz noch einige Worte au Baron gerichtet: »Ich danke Ihnen nochmal» für Ihre Heldeuihat in meines Baler- Namen", beugte er fich zu de« hochbeglückten O fizier vom Pferde herab, umarmte und küßte ihn zweimal, worauf er tiefbewegt seinrn Ritt fortsetzte. Pr.-Lt Baron, der fich schon im 1866er Feldzuge den Rotheu Adlerorden mit Schwertern erkämpft, hatte in dem heißen Kampfe bei Weißenburg, al» der Fahnenträger des 1. Bataillon» von mehreren Kugeln getroffen, schwer verwundet niedersauk, selbst verwundet da» Panier ergriffen und mit dem Rufe: »Wer verläß: seine Fahne, vorwärt», vorwärts!" wurde die feindliche Stellung am Kirchhof von Weißenburg erstürmt.

85,000 Fragebogen nach 98 Städten Deutschland» hat derDeutsche Bäcker-Verband" in Hamburg behufs Vornahme einer Statistik Über Arbeitszeit, Lohnver­hältnisse, LehrliogSwesen, Beschaffenhe t der Wohn-, Schlaf- und Lrbeiisräuwe sowie Ermittelung der Zahl der jeweilig arbeitslosen Bäckergesellen Deutschland», versandt. Die Sta­tistik soll bi» zum 16. Januar n. Js. beend'! sein. Da» gewonnene Material soll dem Bunde»rath urd den gesetz­gebenden Körperschaften uvterbreicet werden.

Aue interessante Reise habe« der Gouverneur Major v. Wißmanu und der RegierungsVarh JDr. Bumiller ge­

macht Als ste im Augnst abreisten, hieß es, fie wollten die neue trausfibirische Bahn bis zum Baikalsee befahren und kennen lernen. Statt dessen haben fie Eentralafirv durchquert und find vo« Süden aus nach Europa zurüch gekehrt. Dir Reisenden find nicht ganz bis zu« vaikalstt gelaugt- fie haben die fibirische Bahn nur bi» Krasnojarsk beiahreu uns hoben fich dann südwärts zunächst zum Altai- Gebirge gewendet, wo fie der Jagd oblagen, von da ging eS i««er weiter südwän» durch ganz Turkestan bis nach Samarkand, von dort aus wurde die transkaspische Eisen« bahn bi» zum kaspiichen Meere benutzt und von Michailowsk nach Baku übergesetzt. Die Reise war au Strapazen reich, auch fehlte es vielfach au geuügeuden Nahrungsmitteln, so daß die beiden Ressenden an Körpergewicht bis zu 35 Pfund verloren hoben.

" Anton mutz er tzeitze». In H arders dor f am Kawp in der Nähe Wiens hat ein reicher Sonderling ein Testa­ment gemacht, das nicht» an Spleeuigkeit zu wünschen Übrig laßt. »Ich vermache hiermit", lautet da» Document, ,«et* ganze» bewegbare» und unbewegbare» Vermögen meinen sechs Neffen und sechs Nichten, unter der einzigen Bedingung, daß jeder »einer Neffen eine Frau Namens Antonie und jede »einer Nichten einen Mann Namens Anton heirathet. Ferner müssen alle Zwölf fich verpflichten, jeden ihrer Erst­geborenen, sei es nun Knabe oder Mädchen, auf den Namen Au'on oder Antonie zu laufen. Die Hochzeit eine» Jeden muß ebenfalls an einem der St. AntanStage stattfiodeu, ent­weder am 17. Januar oder am 10. Mai oder am 13. Juvi. Sie alle müssen bi» Ende Juli 1898 verheirothet sein, an­derenfalls verlieren die N chren und Neffen, die nicht mit einem Anton oder einer Antonie vermählt find, ihren Autheil am Vermögen."

* Aue Festrede Hauptmann (zu feiner Lompagnie am Geburtstage des LandessÜrsten): »Ueberall festlich geschmück e Dörfer Glockengeläut und Böllerschüsse pro Mann eine Mark aus die Hand. Unteroffizier zwei dies alle» fassen tetr zusammen in den Ruf: »Seine Hoheit, der Herr Herzog lebe hoch!"

Oberhesfischer Geschichtsverein.

Hauptversammlung

am 80. d. Mts., Abends 81/» Uhr pünktlich, im oberen Saale des Caft Ebel.

Tagesordnung: 1) Rechnungslegung, Entlastung wegen der Rechnung. 2) Vorstandswahl. 3) Vortrag von Herrn Gch. Hofrach Prof. vr. B e h a g h e l:Zur Eutftehuug vou Gitte uud Brauch".

Die Mitglieder des Vereins, die nach dem Vortrage wissenschaftliche Mitthellungen zu mache« wünschen, werden ersucht, unter Angabe des Gegenstandes chre Absicht drei Tage vorher dem Vorsitzenden cmzuzeigen.

WWM7 Während dos Vortrags und der geschäftlichen Verhandlungen ist Rauchen und Speisen stntersagt.

Gießen, den 22. Decemßsr 1897.

11540 Der Borstand.

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Jll. Mittelmeer Pr.Henri(Lxb.)

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