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28.12.1897 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt. Dienstag den 28. December

1897

Gießener Anzeiger

Generalanzeiger.

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5*6 bcgoge» s Mr vv Pi«.

Rtbadwn, LxpediNr« nnb Drucker« :

ZchNkstriteVr.« Fernsprecher H.

Anrts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen.

] Hratisbeitage- Gießener AamikieMätter

Annahme Anzeigen zu der Nachmittag» ffc dem folgenden Tefl erscheinenden Nummer bti Corrn. 10 Uhr.

Alle tliraontaedBtmaMF d«S Ja- und Ausland«» nehme» j Anzeigen ftr den Gießener Anzeiger- nrty|*. >

Lhall.

. Bekanntmachung.

Der Ort»vorstand zu Btedr-Hetm beabsichtigt, mit dem im Frühjahr 1898 zu BtebrSheim stattstadendcn Zuchtvieh- Markt eine Berloosuug von Zuchtvieh zu verbinden.

Großherzogltche» Ministerium de» Innern hat die nach- gesuchte Srlaubniß zur Veranstaltung dieser verloosuag unter d r Bedingung ertheilt, daß nicht mehr al» 10000 Loose zu 1 Mk. da» Stück ausgegeden werden dürsen und mindesten» 70 Procent de» vru.toerlöse» aaS dem Berkaus der Loose zu« Ankauf von Gewivngegeustävden zu verwenden find.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestaltet worden.

Gießen, den 24. December 1897.

Großherzogliches Kreikamt Gießen, o. Gagern.

Bekanntmachung.

In KouradSdorf, Kreis Büdingen, Ober-Wöllstadt »ad BüdeSheim, Kreis Friedberg, Braunfels und Tiefeubach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrscheu und find die uSrhigeu Sperrmaßregeln au- geordnet worden.

I» Stausebach, Kreis Kirchhain, ist die Maul- und Klanensenche erloschen und find die verfügten Sperrmaß- regeln wieder aufgehoben worden.

Der Kreis Kirchhain gehört nun nicht »ehr za» Be- obachtung-gebiet hn Sinne des § 59 der Bundesraths- Jastruetton vom 27. Juni 1895.

Unter derSchasheerde der Gemeinde Nieder-Mockstadt, «reis Büdingen, ist die NSnde feftgeftellt und deßhalb Gemarkaugssperre angeorduet worden.

Gießen, den 28. December 1897.

Großherzoglickes KrriSamt Gießen.

__v. Gaqern.__________________

Bekauutmachuug.

Wir bringen hiermit zur allgersrinen Kenntutß, daß unter dem in dem Gehöfte Rodhetmerstraße 6 uutergebrachten Viehstande die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen erb das Gehöft unter Sperre gestellt worden ist.

Gießen, den 26. December 1897.

Großherzogliche» Polizeiamt Gießen.

__I. V.: Roth. __________________

Bekanntmachung.

Nach Beschluß der Generalversammlung des laudwirth- schaftlichen BezirkSoerein» Gießen soll der Bezug von Thoma»« phoSphatmehl und Sain't durch den landwstthschoftlichrn vezirk-vereio, jedoch ohne jegliche Garantieleistung durch den

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Berem, vermittelt werben. ES wird dies unter dem Aufügeu zur öffentlichen Seuntniß gebracht:

1. Daß bei Bestellungen von Mitgliedern des laudwirth schastlichen BezirkSvereius, die den Betrag von 40 Mk. nicht übersteigen, die Kosten des Transports der künst­lichen Dünger per Bahn bis Gießen, Srünberg, Höngen, Lollar, Laug-Göu» auf die BezirkSvereivskaffe über- uommeu werden.

2) Daß Bestellungen von Laudwirthen. welche nicht Mit­glieder de» landwirthschaftlicheu Bezirksvereins find, ebeofall» ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder de» laudwirth- schaftlichen Bezirk-Verein- werden und fich zu diesem vehufe bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Abführung ihrer Bestellungen zu vergüten.

3. Daß zur AuSsührung der Bestellurtgen rc. eine 6om« Mission gebildet werden wird.

4. Daß Bestellungen bei dem Unterzeichneten bis längstens 15. Januar 1898 etnzureichen sind.

5. Daß die Zahlung de» Düngers bei Empfang der Maare alsbald zu erfolgen hat.

6. Daß bei Bestellung eine» Waggons (200 Ctr. * 10000 Sgr.) angeboteu find:

». ThomaSfchlackenmehl

I» 300 Mk. für 15pCt. Gefammiphosphorsänre mit 75pCt. Eitratlös- lichkeit und 75pCt. Feiomehl,

, 320 , ISpEt. dto.

840 , 17pCt. dto.

pro Waggon von 10000 Kilo ioel. Sack.

Die Fracht kostet von Oberhausen bis Gießen 46 Mk. pro Waggon. Rabattvergütung von 10 Mk. pro Waggon ist zugefichrrt.

b. Kainit pro 100 Kgr. 1.50 Mk. bei Bestell«, eine» Waggons. Die Fracht kostet von Staßfurt bi» Gießen pro Waggon 62 Mk. Für den Sack L 100 Kgr. stad 40 Pfg., für den Sack ä 50 Kgr. 25 Pfg. zu vergüten.

Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinde« zu ver­öffentlichen, Anmeldungen entgegenzunehmeu und längstens bis zum 15. Januar an den Unterzeichneten einzusenden.

Gießen, den 22. December 1897.

E. Jost, RegierungSrath i. P., Rechtsanwalt.

<ecal«» Mttö prcx*t$UtU».

+ ErstzeuLmdeu, 23. Dec,über. Drei Groß­mütter. Am 5. d. MtS. wuti. hier eia Knabe geboren, von dem, außer der Mutter noch drei Ahnfrauen, alle mütter- licherfeitS, leben. Die Mutter ist 20, bi* Großmutter 46,

die Urgroßmutter 67 und die Ururgroßmutter 89 Jahre alt. Die Ururgroßmutter väterlicherseits verstarb 90 Jahre alt, im Januar 1896.

+ Langsdorf, 24. December. Am 22 l. Mrs. hielt Herr Dr. v. Peter, Director der Landwirthschaftsschnle zu Friedberg, dahier einen Vortrag über Kalkung de» hiesigenrothen Felde»". Die Versammlung war eine gut besvchte Und da» Jntereffe an der Sache ein vor- zügliche». Meisterhaft verstand der Vortragende die Hörer zu seffeln. Um die Ausführungen des eigentlichen Themas aufnahmefähiger zu machen, sprach Herr Dr. v. Peter erstlich von der Entstehung de» Ackerboden», den unbedingt noth- wendigen Nährstoffen und Über die Bedingungen der Auf­nahme letzterer durch die Pflanzen. Zum angegebenen Thema übergehend, führte er au», wie der Kalk schon in alter Zeit se ne» hohen Merthe» halber von den Bauern gebraucht worden sei und man in jetziger Zeit ohne Kalk die hohen Erträge dem Boden nicht abgewinnen könne. Die Vorzüge der Kalkoerwendung io» richtige Licht stellend, betonte er gleichzeitig, in welchen Zustandsformen und in welcher Jahres­zeit eine Ka'.kbereicherung de» Boden» stattzufinden hätte. Dir anschließenden Besprechungen waren recht lebhaft. ES wurde« wahrend dieser aber auch andere Fragen wie Bersuchsstattouen, Feldbereinigung und besonders Lagerhäuser berührt. Obwohl den zwei letzten Punkten Mancher miß- trauisch oder gar feindlich gegrvübersteht, so sollte keine Gelegeuhett versäumt werden, diesen äußerst wichtigen Fragra näher zu treten. Vieser Abend zeigte, daß volksthüm- liche Vorträge von der Landbevölkerung gewürdigt «erden nnb darum Herrn Dr. v. Peter nochmals besten Dank.

28. December. Die uationalliberale Partei hat an eine Anzahl hiefiger Bewohner und die städtischen Beamten folgende» Lirenlar gesandt:

Sehr geehrter Herr!

Im kommenden Jahre wird unser gefammtes deutsches Volk wiederum in folgenschwere» Wahlkampfe fich einen neuen Reichstag zu schaffen haben, von deffen Zusammensetzung die Ausgestaltung unsere» Reiche» auf weitere fünf Jahre ab» hängig ist. Wie in ganz Deutschland überhaupt, so wird ganz besonder» in unserer Vaterstadt dieser Wahlgang fich gestalten zu eine« Kampfe zwischen den offenen und geheimen Gegnern drS ueuerstaadeuen Deutschen Reiches, und anderer­seits allen den Elementen unseres Volkes, welche in aufrich­tiger Vaterlandsliebe zurückftellen wollen, was fie an uner­füllten kleinen Wünschen auf dem Herzen tragen und fich schaaren wollen zu Schutz und Trutz um da» bedrohte Reichs- bannet! Richt Louservativ oder Nattonalliberal, nicht Frei- finoiger oder Agrarier, wird die Loosung heißen dieses Kampfe», sondern die Feldzeichen werden fein:Für ober gegen die schwarz weiß-rothe Fahne! Für oder gegen die Erhaltung und Erstarkung drS Deutschen Reiches l Die natonattibetale Partei Mainz ruft im Hinblick auf diesen Waffeugang schon heute ihre 'alten getreuen Mannen zur

FrttiUeton.

Der B« et sch er.

«tat Gischichl- aus TrauSvaal oon Friedrich Meister.

(Rachdrreck verbot».)

.Das gibt ein Donnerwetter mit Bich A und Wolkenbruch in den D'ggwg-, wenn b» Luka«

wiederkommt und finde», daß einer seine »rnbe hat," sagte mit edier Miene »esster Weisheit der .Hltarige »S der Gesellschaft voo Müßiggängern, die im Lukzimm/r' del .Lehmigen W ^ru-iunger.-n Üad da war keiner unter den «nw-i-nden, der nicht zu stimmend und «erstSndnißdoll mit dem struppigen Kopse ge i4thmigeu Stiefel" nannte fich nicht nnpafiend da. g'Ä der drei.Hotel«-, die 1°> Rertyberg, en nutepen Golddigging« in TtanSvaal, wie W« ® g0lb-

schaffen waren, obgleich man die feit tem i»

f««"e verstrichene Zeit noch b-guem nach Wochen berechoeu '"""L, e.6e Erstaune« über den Fall, -ns den Tom«

Da» en» «tp« allgemeinen Aufregung

Bemerkung Bezug hatte, war e n » oa$ bem

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von dieser u-r.he «ich. , n° » Pick- «ad

diese istrregung »etutW. * enu fliilt Gestade Schaufel wegwetfetr, er arvettete

deS 8acM weiter und summte zu seiner eigenen Erbauung ein Lied dazu.

Hier find eiu paar Worte zur näheren Erklärung der Sachlage röthig. Als vor etwa zwei Monaten zuerst das aut wurde daß der Boden von Merryberg eia vielverspr cheodeS Goldlager sei, da befand fich unter den ersten Diggern, die, wie die Aasgeier zu einem Eadaver, von allen Seiten herbeiströmten, auch Luk«» Gulpenda«, ein Mann ?on SimsonSgestalt ueb Simsouskrast, wüst und verwildert, wie eben nur ein Digger verwildern kann, und dabei fo streitsüchtig, daß mau ihn mit dem Humor jener Kreise bald nur noch denSanften Lukas" nannte. Da er bereits hinreichende Erfahrung als Goldgräber hatte, so ward e» ihm leicht, die ergiebigste Stelle aulßudtg zu machendiese nahm er ohne Weitere» sür fich in Bcfitz und Niemand wagt- e», ihm den ^Llatm", oder Anthe'.l, streitig z» machen. Hier arbeitete er mit eiserner AuSdtuer vom Morgen bi» in die Nacht, so daß ti anch in dieser Leistung ihm Nitmaad gleichthun konnte. Nach zweimonatlicher Arbeit hatte Lakas Gulpeudam für etwa sechshundert Pfund Sterling Gold zu Tage grfördert.

Dies reichte hin, um einige Wochen lang herrlich und tu Freuden zu Üben, und dies zu thuu, nahm der ^Sanfte Lukas" fich nunmehr vor. Er kaufte ein Pferd, legte das Gold iu eiuem Leinwandbeutel vor fich über den Sattel uud ritt nach der ersten Stadt auf eugltfchem Gebiet, um hier dos Gold in der Bank niederzolegrn uud sodann den dafür erhaltenen Check nach Diggerart todtzuschlagen, da» heißt, ihn eine« »euscheofreundlichtn Sastwtrth eiuzuhändtgen und nun bei diesem so lange zu zechen, zu schlemmen und gleich-

gesinnte Brüder zu trectiren, bis da» Guthaben erschöpft war oder wenigstens vom Wirth für erschöpft erklärt wurde, was uicht immer dasselbe war.

Bor seiner Abreise hatte er zur Sicherung seines An­rechts an den Claim keine besonderen Vorkehrungen getroffen- sein Ruf al» Raufbold uud uubefieglichcr Kämpe uud die Drohuug, Jede« da» Genick zu brechen, dem e» einfiele, seinen Claim zuquetschen", da» heißt, vou demselben Brfitz zu ergreifen, reichten hin, denselben unantastbar zu machen.

Er mochte ungefähr zehn Tage abwesend sein, da erschien ein Mann im Diggerkamp, der nur wenig mehr al» Schaufel und Picke mit fich führte. Ein schlanker, jugendlich au»* sehender, bartloser Geselle, kaum mittelgroß, mir ties ge­bräunten, nicht unangenehmen Zügen und eiuem Paar grauer, klarer Augen, au» denen zugleich Verschlagenheit, Eatschloffrv- hett und uobeugsawer Muth blickten. Er nannte fich Greve« land. Gr schlng sxtn Zelt auf und schleuderte bann durch die Digging», mit Sachkeuutuiß die verschiedeuen Claim» be- trachleub. So gelaugte er auch an die anscheinend verlassen liegende Grube de»Sausten Luka»". Sein Blick überflog da» Terrain- er nahm ein wenig Sand auf und prüfte den­selben auf der flachen Hand. Dann fragte er deu im Neben« Claim Arbeitenden, weshalb die Grube brach liege.

Der Gefragte, kein anderer, al» der Haarige Tom, gab die gewünschte Auskunft, schilderte die Persönlichkeit de» abwesenden EigenthümerS nnb deutete bann auch an, welchem Geschick der vorwitzige auheiwfallen würde, der diesen Claim quetschen" sollte. Andere herzukommende Digger bestä« ttgten Tom» Angaben,

(Fortsetzung folgt.)