wie Private an die Großherzogliche Regierung gewendet, und wurde auch Abhülfe versprochen, doch ist bis heute eine merkliche Besserung nicht eingerreten. Wir halten eS daher für unsere Pflicht, Alles -u rhun, um eine drohende Gefahr ab« zuwenden, und bitten: Hc»he LandftLnde wollen unsere gerechte Sache prüfen und sich derselben genetgteft annehmen und bei Großherzoglicher Regierung eine schleunige Abstellung dieser Mißstände beantragen.
-f- vindsachfen, 25. October. Der Landwirth Wilhelm Kahn 5. von hier hat heute durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht. DaS Motiv des Selbstmordes ist unbekannt.
Hirzenhain. 23. Oeiober. Dem Wiegemeister des Eisen- erkS Hirzenhain, Joh. Jäger, wurde, wie schon gemeldet, bat Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" verliehen, und die Ueberreichung dieser Auszeichnung geschah heute durch Herrn Bürgermeister Guhmann als den Vertreter Großh. Regierung, in der großen Eisengießerei deS Werks in Anwesenheit deS Fabrikherrn, Herrn Geh. Commercienrath Hugo BuderuS, der Beamten und Arbeiter des Werks. Der Herr Bürgermeister hob, lt. „D. Zig.", in kurzen Worten die vorzüglichen Eigenschaften des heute ausgezeichneten und braven Bürgers hervor, der durch keinerlei Einwirkungen, die im Leben in so verschiedenartiger Gestalt ouch an ihn herangetreten seien, beeinflußt, stets treu zu feinem Arbeitgeber und seiner Familie gestanden habe. ES sei ihm deswegen eine Freude, den ihm gegebenen Auftrag auszuführen. Herr Procurist Gg. Korndörfer heftete hierauf dem Jubilar das Berdieustzeichen an. Darauf schilderte der Herr Bürgermeister die Berhältntsse beim Eintritt deS Jubi- larS tu das Geschäft vor mehr denn 45 Jahren, gegenüber den heutigen, erwähnte speciell die durch daS Krankenkaffen- gefetz und das JnvaliditätS- und AltersverficherungSgesetz ge> ichaffene allgemeine Fürsorge und wie aber auch daS Eisenwerk stets das Wohl feiner Arbeiter im Auge gehabt habe. (DaS Werk besaß bereits vor Inkrafttreten deS Gesetzes eine eigene Betriebskrankenkasse). Redner schloß mit einem von den Anwesenden begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und auf Se. König!. Hoheit den Großherzog. Nunmehr sprach Herr Geh. Commercienrath BuderuS dem Jubilar seine Glückwünsche aus und wies darauf hin, daß nur da etwas Ersprießliches entstehen könne, wo die Arbeit im Pflichtbewußtsein und Einigkeit gethan würde, wie man der Großh. Staatsregierung gegenüber zu Dank verpflichtet sei dafür, daß sie stets, wie dies der vorliegende Fall beweise, die Verhältnisse ihrer Unterthanen mit so großem Interesse verfolge, und gab dem Wunsche Aus druck, daß noch viele seiner treuen Arbeiter dem Beispiel des Jubilars folgen möchten und ihm so Gelegenheit gegeben sei, noch öfters derartigen Auszeichnungen in feinem Werke beiwohnen zu können. Daß feine Erwartungen, die sich auf den guten Sinn der Arbeiter stützten, in Erfüllung gehen möchten, wünsche er von Herzen zum Segen der ganzen Umgegend und bekrästigte er dieselben durch ein dreifaches Hoch, in welches die ganze Belegschaft einstimmte. Herr Procurist Korndörfer führte den Arbeitern das gute Einvernehmen, in dem dieselben mit der Gemeinde lebten, vor Augen und sprach
die Hoffnung auS, daß dies auch ferner so fortbeftehen bleibe. Sein Hoch galt Herrn Bürgermeister Guhmann. Nach kurzer Pause wurde auS der Mitte der Arbeiterschaft die Hymne angestimmt. Bei der darauffolgenden Vereinigung bei einem Glase Bier wurde noch eine Reihe von Ansprachen, die in Toaste auf Herrn Geh. Commercienrath BuderuS und das Werk gipfelten, gehalten.
Mainz, 26. October. Ein theuerer Proceß. Dor etwa 1 f/2 Jahren kaufte ein Frankfurter Restaurateur von einem hiesigen Wirth dessen HauS und Wirthschaft. Der Verkäufer erklärte dem Frankfurter Restaurateur, daß er innerhalb einer kurzen Zeit in seiner Wirthschafr zwei Stück Wein verzopft hätte und legte über den bezogenen Wein and) die Rechnungen vor. Er vergaß jedoch dabei, dem Käufer mit- zuiheilen, daß er mehr wie die Hälfte der Weines wieder zurückgeheu hatte lassen. Der Frankfuiter kaufte mit Rück ficht auf die gute Wirthschaft daS HauS zu dem Preise von 56000 Mk. und machte eine bedeutende Anzahlung. AIS er die Wirthschaft angetreten hatte, bemerkte er jedoch zu seinem Schrecken, daß er gehörig hineingelegt worden war, daS Geschäft ging flau. Der Käufer weigerte sich nun, daS HauS zurück zu nehmen, weshalb der Käufer Klage beim hiesigen Landgerichte anhängig machte. DaS hiefige Gericht wirs ihn jedoch mit feiner Klage ab, weil er den Kniff des Verkäufers über den vielverzapften Wein nicht hätte Ernst nehmen türfen und sich besser von dem Gange der Wirthschaft vor dem Kaufe unterrichten müssen. Auf die eingelegte Berufung beim OberlandeSgericht in Darmstadt entschied dasselbe dieser Tage, daß die Klage des Käufers begründet sei- falsche Vorspiegr- lungen hätte der Verkäufer keine machen dürfen. Der Verkäufer wurde zur Zurücknahme deS Hauses verurtheilt, ferner muß er die geleistete Anzahlung mit 5 pCt. zurückzahlen, die Umzugskosten von Frankfurt nach Mainz tragen unß mehrere tausend Mark Entschädigung zahlen. Die Kosten der beiden Instanzen sind ihm ebenfalls zur Last gelegt.
* Bestrafte Nächstenliebe. Der „Berliner Volksztg." zufolge ist gegen den Lehrer B. in Rackwitz ein Strafbefehl von zehn Mark oder zwei Tage Haft ergangen, weil derselbe zu Gunsten der armen Ueberichwemmten in Schlesien und Sachsen ohne Genehmigung des Oberpräsidenten eine kleine Collecte veranstaltet hatte. Herr B. hatte die Sammlung unternommen, nachdem der Aufruf des Liegnitzer Regierungspräsidenten Dr. v. Heyer erschienen war. In diesem Aufruf hieß es: „Dank den bereits erfolgten Aufrufen und der eiumüthigen Kundgebung warmer Theilnahme in der Presse regen sich überall Herz-n und Hände, den durch die Katastrophe in Noth geratdenen Familien hilfreich beizustehen. Angesichts der Größe deS Unglücks spreche ich daher nur die herzliche Bitte auß, daß diese Theilnahme sich schnell bethätigen und Jeder nach seinen Kräften helfen möge, den Nothstand zu überwinden." — Man ist begierig, wie die Sache weiter verlaufen wird, wenn der „Bestrafte" gerichtliche Entscheidung beantragt.
* Ausschreibung. Durch die Zeitungen läuft die Notiz, daS seitens der preußischen StaatSdabn-n im November d. I
eine weitere Ausschreibung von 40 0 Locomotiven erfolgen werde. Hinzugefügt wird, daß sämmtliche Locomotiv fabriken biß Ende 1898 voll beschäftigt seien und die Lieferung erst im Frühjahr 1899 erfolgen könne. Diese zuletzt angeführte Behauptung ist thatsächlich unrichtig, sie kann sogar dazu führen, daß über die Leistungsfähigkeit der deutschen Locomotivfabriken ganz irrthümliche Ansichten wach- gerufen werden. Die deutschen Locomotivfabriken find vielmehr in der Lage, pro Jahr weit mehr Locomotiven zu liefern, als sämmtliche preußische bez. deutsche StaatSbahnen brauchen und ergiebt sich dies auch daraus, daß neben der vollen Deckung deS inländischen Bedarfs eine sehr nennens- werthe Anzahl von Locomotiven Jahr ein Jahr auß nach dem Ausland außgeführt werden. Thatsächlich unrichtig ist ferner, daß die Locomotivfabriken biß Ende 1898 bereits voll beschäftigt seien. Erfreulicherweise ist der Geschäftsgang zur Zeit ein recht flotter, die deutschen Locomotivfabriken würden aber sehr wohl in der Lage sein, weitere Lieferungen auch für 1898 zn übernehmen und auSzuföhren.
ttttraiur MteO lütnft.
Ein Niesen-Lerieon der lateinische« Sprach«. Berit!» in früheren Jahrhunderten, so schreibt baß „Neue Wiener Tagblatt', sowie auch zu Anfang des unserigen ist mit mehr oder wenigcr Glück der Versuch unternommen worden, den Sprachschatz der Lateiner zu sammeln. Ein solches phänomenale» und koftsplelige» Unternehmen ist auch jetzt im Werke. Daß eS aber überhaupt möglich war, daran zu denken, eß in dem großen Stile durchzu führen, in dem es geplant ist, ist die erste Frucht eines Kartell« der ersten fünf deutschen Akademien der Wissenschaften in Berlin, Göttingen, Leipzig, München und Wien, wozu auf Vorschlag des Sectionschrfs Dr. Ritter v. Harte! im Jahre 1892 von der Wiener Akademie die Anregung gegeben wurde. Zur Herstellung des „Thesaurus linguae latinaeu — dies der Name deS Werkes — wurde eine Commission eingesetzt. Diese besteht auS je einem Mit- gliede der fünf kartellirten Akademien, ferner auß drei zur Leitung des Unternehmens bestellten Directoren, und zwar den Herren Professoren Buecheler (Bonn), Leo (Göttingen) und Wölfsler (München). Präsident der Commission ist SectionSchef v. Härtel. DaS ganze Unternehmen wurde auf 20 Jahre mit einem Gejammt aufwande von 605000 Mk. veranschlagt. Von dieser Summe hofft man 100000 Mk., im günstigsten Falle 150000 Mk. durch Buch händlerhonorare zu decken. Die somit verbleibende Summe von rund 500000 Mk. vertheill sich gleichmäßig auf die fünf Akademien, fo daß auf jede in den 20 Jahren 100000 Mk., also jährlich 5000 Mk. fallen. Der Plan für den .Thesaurus“ bezeichnet die Aufgabe desselben alß eine psychologisch-historische. Der „Thesaurus“ will die Geschichte der lateinischen Sprache schreiben, die Leben»- geschichte der einzelnen Wörter, ihre Entstehung, Verbindung, Vermehrung, Abänderung in Form und Bedeutung, ihre gegenseitige Vertretung und Ersetzung, sowie ihr Absterben, kurz, die tausendfache Brechung, welche die Geschichte beß nationalen Fühlens und Denkens zum Ausdrucke bringt, darstellen. Die Sitzungen der Commission finden jährlich in der Pfingstwoche, und zwar der Reihe nach in Berlin, Göttingen, Leipzig, München und Wien statt. Die Berichte der Conferenzen geben Zeuaniß von dem rastlofen Eifer, mit dem daß Werk betrieben wird. Außer dem „Thesaurus lingua* * latinae“ werden die kart.llirten Akademien auch zugleich einige große naturwissenschaftliche Aufgaben durchführen.
Seidenstoffe
verlangt Mustrr mit Angabe d. Aewuigchien v
von Elten & Keussen, FHln<nnn2d Crefeld.
Feuilleton.
Interviewer.
Skizze von R. March.
(Nachdruck verboten.)
KO. Interviewer? Was ist das? wird Mancher fragen. Ei nun, ein Interviewer ist ein Mensch amerikanischer Abstammung, der aus seiner mehr oder minder brennenden Neugierde, gewisse Dinge zu erfahren, kein Hehl macht und dieselbe auf dem kürzesten Wege dadurch zu befriedigen sucht, daß er sein Opfer über das, was er wissen will, persönlich befragt, es dabei förmlich studirt und sodann seine Erfahrungen in irgend einer Zeitung veröffentlicht.
Die ersten Interviewer „arbeiteten" nur mit leitenden Staatsmännern, Abgeordneten, kurz mit berühmten politischen Persönlichkeiten, später aber zogen sie auch Sterne am Himmel der Kunst in den Kreis ihrer „Forschung" und thuen dies mit besonderer Vorliebe'auch noch heutzutage. Manche Künstler und Künstlerinnen, Sarah Bernhard z. B., halten die Interviewer für sehr nützliche, weil reclamemachende Geschöpfe, und freuen sich ihres Erscheinens, andere haben sie für eine Landplage erklärt.
Am Schlechtesten scheint ihnen die berühmte italienische Tragödin Eleonora Düse gesinnt zu sein, denn wie der Berliner Correspondent des „New-Pork-Heralb" seinem Blatte meldete, hat ihn die Düse ersucht, seinen amerikanischen Collegen kundzuthun, daß sie die Interviews sürchte und hasse; sie halte diese Sitte für einen Rest von Barbarei; sie wolle nach ihrer künstlerischen Leistung beurtheilt werden und meine, die Künstlerin und die Frau seien völlig getrennte Wesen. «Ich sehe nicht ein, warum das Publikum, weil ich eine Künstlerin bin, durch den Interviewer erfahren muß, wie ich des Morgens gekleidet bin, um wie viel Uhr ich aufstehe, was ich am Liebsten spüle, ob ich Hunde halte u. s. w."
Aehnlich soll die Patti denken, seitdem sie die Neugierde eines amerikanischen Interviewers bis in ihr Toilettenzimmer verfolgt und glücklich herausgebracht hat, daß sie sich, der Erhaltung ihrer Schönheit wegen, niemals mit Wasser, son- dern mit Kleie wasche.
Uebrigens hat man die Interviewer (verdeutscht: Unterredner) auch Spürnasen, Schnüffler, professionsmäßige Neugierige genannt, allein sie leugnen es zu sein. Sie ver- sichern, nicht persönlicher Neugierde zu fröhnen, sondern der Neugierde des Publikums zu dienen, welche heutzutage derart gesteigert sei, daß zu ihrer Befriebiguug besondere An- statten da sein müssen und daß sie allein den Erfolg mancher
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Sache, manchen Unternehmens verbürge. Das beste Beispiel hiefür sei die Weltausstellung von Cytcago. Ihr Gelingen habe glänzend dargethan, wie recht D ejenigen hatten, welche seinerzeit alle Einwendungen und Bedenken gegen diese großartige, auf die Theilnahme von Millionen berechnete Veranstaltung mit dem Hinweise auf bie zunehmende Neugierde der Menschheit für unbegründet erklärten und somit den Standpunkt j'nes Schriftstellers einnahmen, der die Neugierde das allgemeinste Motiv der Menge genannt hat.
Und das ist sie auch und es hat nicht nur in Amerika, sondern auch anderwärts Anlässe gegeben, wo sie Unzählige mit elementarer Gewalt erfaßte. Solch ein Anlaß war z. B. der Wiener Congreß. Wer hätte den nicht sehen mögen? Hunderttausende strömten nach Wien und die 250000 Wiener zumal waren damals (1814) von fieberhafter Neugierde ergriffen.
„In dem Grade", schreibt ein Zeitgenosse, „als die Vorbereitungen zum Congresse wuchsen, nahm die umhertreibende Menge, das Gaffen zu. Die Hofküchen wurden erweitert. Da stand ein Haufen Menschen. Dort trug man eine neue Schabracke. Hunderte erbaten sich die Ansicht auch nur eines Zipfels derselben. In den Marftallhöfen, im Prater, vor dem Palais der Prinzen, Gesandten, Magnaten, vor Staatsgebäuden und in der Burg, allenthalben, wo ein Gerüst gezimmert, Geräthe aus* und eingeschafft, ein Glas- wagen gewaschen, ein Teppich ausgeklopft wurde, standen und strömten Haufen zu; jeder Schneider ober Tapezierer mit einem grüneingewickelten Pack unter dem Arm rollte, wie ein kollernder Tannenzapfen bie Lawine, einen Menschenknäuel um sich nach".
Durch welch' kleinliche Umstände die Neugierde des großen Haufens erregt werden kann, geht aber auch daraus hervor, daß, als vor vier Jahren in New-Por! die Hochzett des ungeheuer reichen Earls of Craven mit der MillionärStochter Cornelia stattfand, an zehntausend Frauen nur deshalb zu- sammenliefen, weil es hieß, die Braut werde bei der Trauung ein bereits getragenes Kleid anhaben. Als sie ankam, wurde sie oder vielmehr ihr Kleid mit der größten Neugierde betrachtet, allein da man darüber, ob es schon getragen oder noch völlig neu sei, nicht in'S Reine kommen konnte, drangen nach der Trauung ein paar Hundert der Neugierigsten auf die Braut ein. Es entstand ein furchtbares Getümmel, man verlor Hüte, Frisuren, Schirme, Mantillen, ja ganze Roben gingen in Stücke, Quetschungen, Contusionen, sogar B.in- brüche kamen vor. Mehrere Frauen, darunter die Braut, wurden ohnmächtig vom Platze getragen, und dabei hat Nie- mand die Gewißheit erlangt, ob das Kleid schon getragen sei.
Erft später erfuhr man, daß bie Braut mit ihren Eltern
in Englanb gewesen sei dort viele Toiletten, barunter auch baß Brautkleib gekauft und alles je einmal angetogen habe, um den amerikanischen Zollwächtern mit Seelenruhe erklären zu können, daß sämmtliche Kleider schon getragen, also zollfrei seien.
Im Uebrigen aber war und ist die festlich geschmückte Braut bei allen Völkern ein Gegenstand allgemeiner Neugierde. Alles eilt herbei, um sie zu sehen und oft vermag bei Trauungen ein Gotteshaus die Zahl der „Andächtigen" gar nicht zu fassen. Das weibliche Geschlecht ist dabei wohl in der Majorität, allein es wäre gefehlt, daraus den Schluß zu ziehen, daß die Frauen neugieriger sind als bie Männer. Dem ist burchaus nicht so. Beibe Geschlechter werben nämlich gleichmäßig von ber Neugierbe beherrscht. Unb wie wenig ihr oft selbst ernste Männer gebieten können, beweist wohl am besten bie verbürgte Thatsache, baß eine über den Flur bes englischen Unterhauses kriechenbe Schabe schon em mal bie ganze bochansehnliche Versammlung zu unzähmbarer Neugierbe entflammt hat.
Ewig schade übrigens, baß bie Einzelheiten dieses viel leicht merhöürbigftcn Falles von Neugierbe nicht mitgetheilt worben sinb unb baß wir auch keine Kunbe haben, ob in Folge beß, vor einigen Jahren ben Frauen Kantons in China von ber bortigen Obrigkeit ertheilten Tabels, „baß sie häufiger ausgehen unb aus Neugierde, um selbst zu sehen stch mehr öffentlich zeigen, als der gute alte Gebrauch gestattet", bie Neugierbe abgenommen hat.
Schwarzseher schütteln das Haupt und sie können recht haben, benn bie Neugierbe läßt sich durch Tadel, ja selbst durch Gesetze und Verordnungen weder eindämmen, noch bannen. Ein amerikanischer Fabrikant hat dies allerdings nicht glauben wollen unb seinen Arbeiterinnen bei Strafe ber Entlassung verboten, ben Kopf zu roenben, wenn Jemand bie Werkstätte betrete, „weil bi<s bei nur zwanzig Mal täglich erfolgenden, zwei Secunben währenbem Umbrehen von 600 Köpfen übet sechs Stunben nutzloser Kopfwenbungen ausmache", allein ba er auf biefe Weife binnen zwei Stun- ben sämmtliche Arbeiterinnen verloren hatte, nahm er feix Verbot gerne roieber zurück.
Unb auch sonst ist bie Neugierbe vielfach als unbezähmbar erkannt worben. Trotzdem steht chr jedoch ber gesittete Mensch nicht machtlos gegenüber. Er kann sie zügeln mxI auf würbige Dinge richten, ja mitunter sogar gänzlich unter* brücken. Doch soll hierzu nicht gerathen werben. Denn ber Mensch muß auch neugierig fein, um nicht bet Gleichgiltigkeit gegen Alle-, bem Stumpfsinne zu verfallen.
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