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Deutsches Reich.
Au» Hege«, 25. Juli. Die ersten weiblichen Fabrikinspectoren tn Deutschland wird daS Groß« herzogthum Hessen haben, wo in den Voranschlag des EtatS für die Finanzperiode 1897/1900 die Mittel für die An« fteUung zweier Asststentinnen der Fabriktospectoren eingestellt worden stad. Sie werden den Beamten der beiden tn Hesien bestehenden Aufsichtsbehörden unterstellt. Die AufstchtS« befugntsie gelten einstweilen nur für ganz spezielle, die Frauenarbeit betreffende Gebiete und solche Betriebe, in denen ausschließlich Arbeiterinnen beschäftigt find. Die andeien Bundesstaaten verhalten fich noch ia-mer in dieser Frage mehr oder weniger ablehnend, obwohl in ihnen die Anstellung weiblicher Fabrikinspectoreu mindestens ebenso norhwendig ist wie in Heflen.
Berlin, 26. Juli. Seitdem die Kinderarbeit in den Fabriken beseitigt ist, werden die Kinder in vielen Jn- dustriebezirken tn der Hausindustrie tn höherem Maße als bisher verwendet. Dadurch wird der Jugend nicht allein die für fie so nothwendige Bewegung im Freien beschränkt, fie muß auch deS Abends spät noch bet schlechter künstlicher Beleuchtung arbeiten. Daß sich daraus ernste Mißstände ergeben, liegt auf der Hand. In Folge deffen ist die preu- chtsche StaatSregierung dieser Frage neuerdings ernstlich näher getreten, während tn Bayern bereits amtliche Erhebungen über den Umfang der Kinderarbeit in der Hausindustrie wie außerhalb des Hauses (als Laufbursche, Kellnerjunge, K geljunge, Haufirer usw.) angestellt werden. In Preußen widmen auch die Provinztallehreroerbände dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit, und im nächsten Jahre wird der allgemeine deutsche Lrhrertag zu ihr Stellung nehmen. Der geschäftsführende Ausschuß dieses BerbandeS hat bereits Fragebogen versandt, deren Beantwortung so zeitig erfolgen soll, daß daS Material schon auf dem nächsten Berbandstag benutzt werden kann.
— D i e Einführung der Schnellfeuer- Geschütze für Festungen, und zwar als Ersatz deS bisher dort als Flankengeschütz zur Verwendung gelangenden 5,8 Centimeter-GeschützeS ist beschlossen. Der Aufgabe dieses Geschützes, daß zur Flanktrung des VorterratnS gegen Truppenziele zu wirken bestimmt ist, wird die Schnellfeuer- etgenschaft des neuen Geschützes tn gereiften Momenten des FestungSkrteges besonders entsprechen, andererseits aber eine weit zahlreichere Munition und eine Erweiterung der jetzt Zorhandenen Unterbringungsräume bedingen.
Aus Lothrmgeo, 24. Juli. Unter Vorsptegtlung einer glänzenden Zukunft sucht man kräftige, im militärpflichtigen Alter stehende junge Leute zur Auswanderung nach Südafrika zu verleiten. Elegant gekleidete Herren, die angeblich in Luxemburg wohnen, reisen im Lande herum und versprechen goldene Berge. Vielleicht werden die Seelenverkäufer landscheu gemacht, wenn fie auf diesem Wege erfahren, daß man ihrer habhaft zu werden versucht.
Wolff» telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Berlin, 26. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine vom Handelsmtnifter erlassene Anwetsurg zur Ausführung der Verordnung vom 31. Mai 1897, betreffend die Ausdehnung mehrerer Paragraphen der Gewerbeordnung auf die Werkstätten der Kleider- und Wäsche« Lonfection. Unter Anderem wird bestimmt, daß sowohl die Schneiderwerkstätten, reo auf Bestellung nach Maß für persönlichen Bedarf der Besteller gearbeitet wird, als auch die Näh- und Plättftuben für sogenannte Prtvaikundschaft von der Geltung der Verordnung ausgeschloffen bleiben.
Madrid, 26.Juli. Während die Königin-Regentin, der König und die Prinzessinnen in einem Gehölz bet San Sebastian ipazieren gingen, schoß ein junger Mensch in der Nähe auf Vögel. Einige Schrotkörner schlugen unweit der königlichen Familie ein.
Stockholm, 26. Jul«. Die vom schwedischen See- mannsveretn am 14. dsS. MtS. beschlossene Arbeitseinstellung auf den schwedischen Schiffen hat heute begonnen. Im hiesigen Hafen wird nur auf zwei Schiffen gearbeitet.
Konstantinopel, 26.Jult. Fünf Artikel deS Friedens- Vertrages find redigtrt und theilwetfe definitiv festgeftellt. Als Kriegsentschädigung einschließlich der Ersatzleistung für die Schädigung von Privateigenthum find 4 Millionen türkische Pfund bestimmt. Die Frage der Lontrole der griechischen Finanzen ist noch nicht gelöst.
Havannah. 26. Juli. In einigen Häusern find Niederlagen von Schteßbedarf entdeckt worden. ES wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
NewZork, 26. Juli. Der „New-York Herald" veröffentlicht die Antwort Japans auf die Note deS StaatS- fecretärS Sherman, welche dieser tn Antwort auf den Protest der japanischen Regierung gegen die Annectirung Hawaiis an Japan gerichtet hatte. Die Antwort ist tn höflichem aber festem Tone gehalten und erklärt, Japan werde fortfahren, diplomatischen Krieg zu führen und mög- licherweise noch weiter gehen, um die Annectirung Hawaiis zu verhindern. Es sei Japan unmöglich, an die wahrscheinlichen Folgen deS Erlöschens der Selbständigkeit Hawaiis ganz theilnahwsloS zu denken und dieselben «chig hinzunehmen.
Depeschen de» Bure«» »Herold.^
Berlin, 26. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen ersten SecretärS bei der Botschaft in Konstantinopel LegationSrath Grafen Henckel von Donnersmarck zum Minister-Residenten am Großherzoglich luxemburgischen Hofe.
Berlin, 26. Juli. Wie vor einiger Zeit gemeldet wurde, hat das Ministerium deS Innern den Provinzialbehörden eine verschärfte Ueberwachung der kommenden Vorschriften über fahrlässiges Umgehen mit Streichhölzern und Brandstiftung auempfohlen. Der „Poft" zufolge wird die Regietung auch Maßnahmen treffen, um Ne Herstellung allzu leicht entzündlicher Streichhölzer zu verhindern.
Berlin, 26. Juli. In politischen Kreisen steht man der „Staatsb. Ztg." zufolge unmittelbar nach der Rückkehr deS Kaisers von der Nordlandsreise wichtigen Entscheidungen über die durch daS Vereinsgesetz geschaffene innere Lage entgegen. — Daffelbe Blatt meldet, daß auch tn der Leitung und Organisation des Preßbureaus des AuSreärtigen Amte», deffen Chef LegationSrath vr. Hamann ist, demnächst eine Aenderung bevorstehe.
Berlin, 26. Juli. Wie jetzt feststeht, trifft der Kaiser am 31. August in Wilhelmshaven ein und wird dem Stapellauf des Schlachtschiffes Ersatz Friedrich der Große beiwohnen. Neueren Bestimmungen zufolge werden der Kaiser, die Kaiserin und der Prinzregent von Bayern am 2. September Morgens tn Nürnberg Eintreffen und sich vom Bahnhofe aus auf die Burg begeben und von dort zum Paradefelde.
Berlin, 26. Juli. Auf Grund des Artikels 6 der Ver- faffung ist der StaatSfecretär im ReichSmarineamt Contre- Admiral Tirpitz zum Bevollmächtigten des BundeSrathS ernannt worden.
Berlin, 26. Juli. Zum Ankauf der anläßlich der Zentenarfeier hergeftellten Festschrift „Unser Heldenkaiser" hat Kaiser Wilhelm 40000 Mark angewiesen mit der Bestimmung, daß die für diese Summe beschafften Exemplare in der Armee und auch an Schulen zur Vertheilung gelangen sollen.
Kiel, 26. Juli. Der König von Siam trifft morgen Nachmittag 3 Uhr, von Kopenhagen kommend, hier ein. Er gedenkt kürzere Zeit hier zu verweilen.
Posen, 26. Juli. Aus Warschau wird gemeldet, daß die Rinderpest tn dem Gouvernement Grodno aus- gebrochen ist.
Köln, 26. Juli. Der amtliche Bericht meldet, daß die Zahl der durch den Genuß von Rindfleisch vergifteten Personen in Kalk nunmehr auf 36 gestiegen ist. Gestern ist wiederum einer der Erkrankten gestorben. Von gerichtlicher Seite wurde die Obduction der Leiche an« geordnet.
München, 26. Juli. In einer gestern abgehaltenen Versammlung des Bauern- und Bürgerbundes in Pfaffenhofen erklärte der Landtagsabgeordnete Dr. St gl, er fei ermächtigt, zu sagen, daß an höchster Stelle die bayrische Bauernpartei gewünscht werde, um den Abgeordneten eine Spitze zu geben gegen das überwuchernde Borussenthum.
München, 26. Juli. Die Kaiserin ist heute Vormittag 11 Uhr mit Sonderzug von Tegernsee hier ein« getroffen. Der Prinzregent und die Mitglieder der preußischen Gesandtschaft waren zum Empfang am Centralbahnhof erschienen. Trotz heftigen Regens trat die Kaiserin an der Rechten des Prinzregenten in offener Equipage die Fahrt zur Kunstausstellung im Glaspalast an. Auf dem ganzen Wege wurden ihr von dem äußerst zahlreichen Publikum lebhafte Ovationen dargebracht. Später besuchte die Kaiserin die Schack'sche Gallerte und begab sich sodann tn das Residenzschloß, reo ein Diner stattfand. Die Stadt ist reich geflaggt.
Reichenberg, 26. Juli. DaS gestern hier abgehaltene deutsche Turnerfest, an welchem mehr als 1500 Turner aus Deutsch-Böhmen theilnahmen und bei welchen die Reichs« rathS-Abgeordneten Funk und Pergelt sprachen, verlief Vormittags in sehr animirter Stimmung. Nachmittags kam es zu einem Zwischenfall, als mehrere tschechische Burschen und Infanteristen den deutschen Turnern Schimpfworte zuriefen. ES kam zu Thätlichkeiten. 10 Verhaftungen wurden vor- genommen, darunter befanden sich tschechische Infanteristen.
Rom, 26. Juli. In der verfloffenen Nacht platzte vor der Thüre einer Wirthschaft eine Dynarnit-Bornbe. Fenster und Thüren wurden zerstört und alle Möbel im Innern zertrümmert.
Venedig, 26. Juli. Mehrere Soldaten der Garnison von Padua wurden verhaftet, weil die Militärbehörden bei einer unvorhergesehenen Untersuchung mehrere Briefe und Flugschriften der focialdewokratischen Partei, welcher die Soldaten angehören, in deren Betten verborgen entdeckt hatten. Die Regierung hat eine strenge Untersuchung an- geordnet.
Pari», 26. Juli. Für die Ausstellung von 19OJQ find im Ganzen 106 783000 Franc» Credit bewilligt worden, davon 20 Millionen von der Stadt Paris.
Paris, 26. Juli. Die Ablehnung des preußischen Vereinsgesetzes wurde von den hiesigen Blättern als ein großer Sieg der Liberalen verkündet und als eine Niederlage der Regierung und ihrer Anhänger. Hier herrscht die Ansicht, daß die Nationalliberalen aus diesem Ereigniß den größten Nutzen ziehen werden, weil das Schicksal dieser Vorlage in ihren Händen lag. Der „TempS" fügt hinzu, man müfte nunmehr auf eine definitive Wiederbelebung der Bismarck-Politik in den leitenden Berliner Kreisen verzichten. Der „Radical" sagt, der RegierungS-Apparat werde bald wieder functioniren, denn Herr v. d. Recke werde bald gegangen werden.
Berlin, 27. Juli. Wie aus Kiel gemeldet wird, tritt nach den neuesten Brstimmungen die „Hohenzollern" später als dar Kaisergeschwader die Reise nach Kronstadt an, um zusammen mit der Flotte in Kronstadt einzulaufen.
Berlin, 27. Juli. In einer gestern Abend stattgefundenen sehr zahlreich besuchten Protest-Versammlung von Garantief onds - Zeichnern der Berliner Gewerbe-Ausstellung von 1896 wurde eine Resolution angenommen, worin erklärt wird, daß die Seitens de» Arbeitsausschusses dem Gesammtvorstande aufgemachte Abrechnung vom 15. Juli 1897 al» eine ordnungsmäßige Rechnungslegung, insbesondere als eine Schlußabrechnung nicht anerkannt werden kann. Die Versammlung wählte eine Commiifion von 10 Personen, welche ermächtigt wurde, die Interessen der GarantiefondS-Zeichner gegenüber dem Arbeitsausschuß mit allen gesetzlichen Mitteln energisch zu vertreten.
Kopenhagen, 27. Juli. Ein furchtbares Gewitter mit Blitz, Hagel und coloffalen Regengüssen ging gestern Nachmittag über Kopenhagen nieder. Mehrere Straßen find vollständig unpasfirbar. In den Kellergeschossen stand daS Wasser bis zu 4 Fuß hoch. DaS Gewitter hat einen bedeutenden Schaden angerichtet.
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«ieße«, den 27. Juli.
** Erinnerungsmedaillen. Wie das „Drmst. Tgbl." erfährt, sollen sämmtliche Mannschaften, welche gelegentlich der diesjährigen Kaisermanöver zur Hebung einberufen werden, die Erinnerungsmedaille zum 100. Geburtstag Kaiser Wilhelms I. erhalten.
** Stenographisches. Bei dem am 13. Juni d. I. in Höchst a. M. anläßlich des VerbandStages de» Stenographen- Verbandes ^Babelsberger" für Hessen und Nassau abgehal« tenen „stenographischen PretS-Wettschreiben" errang ein Mitglied der Stenographen-Gesellschast „Gabelsberger" zu G i e ß e n in der höchsten Abtheilung den ersten Preis.
" Turnerisches. Der Ausschuß der Gießener Turnerschaft hat tn seiner letzten Sitzung beschlossen, den Mitgliedern beider Vereine Gelegenheit zu bieten, durch gemeinsame monatliche Zusammenkunft dem geschlossenen Bund zur Pflege der gemeinsamen Turnsache immer mehr Anregung zu geben. Und so nehmen diese Monat»- Versammlungen von morgen Mittwoch (s. Inserat) mit jedesmaligem Wechsel de» Versammlungsortes ihren Anfang. Diese sehr schöne und löbliche Einrichtung muß von jedem TurnerschaftSmitglied, welches mit der Turnsache eS ernst nimmt, mit Freuden begrüßt werden, und wird manchen Freund der Turnerei als Mitglied zuführen.


