Ausgabe 
28.4.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 98

Erstes Blatt Mittwoch den 28. April

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Meßmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Aints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

Die Gießener Mamitieuvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelcgt.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Ettingshausen.

Die in Ettingshausen verfügte GemarkangSsperre wird hiermit aufgehoben und die dortige Schafherde unter Weidesperre gestellt.

Gießen, den 26. April 1897.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gag ern.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Nachdem unter der Schafherde der Schäfers Jammer in Garbenteich die Maul- und Klauenseuche amtlich fest- gestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffent- ltchen Kenurutß gebracht, daß GemarkungSsperre angeordnet worden ist.

Gießen, den 27. April 1897.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

* v. Gagern.

~ Bekanntmachung,

betreffend: Schafräude in Stangenrod.

Nachdem durch Großh. KreiSveterinäramt Grüuberg fest« gestellt worden ist, daß in Stangenrod in der dem Schaf­händler Johannes Schultheiß in Göbelnrod gehörigen Schafherde die Räude au-gebrochen ist, haben wir die Sperre der Herde verfügt- derselben wird durch Großh. Bürger­meisterei Stangenrod ein bestimmter Weidebezirk angewiesen werden, welchen fie nicht überschreiten darf.

Bis auf Weiteres ist die Ausführung von Schafen aus der Gemarkung Stangenrod nur zum Zwecke sofortiger Ab­schlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders ein- z -holenden polizeilichen Erlaubniß zulässig.

Gießen, den 26. April 1897.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Dienstag den 11. Mai 1897, Nachmittags 2 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller zu Gießen eine Generalversammlung des laudwirthschaft- lichen Bezirksvereius zu Gießen abgehaiteu werden

Zu dtefer Versammlung werden alle Mitglieder deS Vereins und der landwirthschaftlichen Localveretne, sowie alle Freunde der Bestrebungen auf Hebung der Landwirthschaft hierdurch freundlichst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister deS Kreises werden ergebenst ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf zahlreichen Besuch der Versammlung htnzuwtrken.

Tagesordnung:

1) Geschäftliche Mittheilungen,

2) Vortrag deS Generalsekretärs Dr. Müller von Offenbachüber den genoffenfchaftlicheu Verkauf und die Errichtung von Getreidelagerhäusern",

3) Vortrag deS Herrn SecretärS Leithiger zu Als­feldüber Zweck und Ziele unserer Rindviehzucht".

Gießen, den 26. April 1897.

Der Direktor des landwirthschaftlichen Bezirk-Vereins.

C. Jost, RegierungSrath t. P.

Was man vom zukünftigen Postmiuister erwartet.

Der Nachfolger eine- ungewöhnlich hervorragenden und bedeutenden Mannes zu fein, ist und bleibt für alle Zett etn schwierige-, undankbare- Untervehmen. Das hat der Graf von Caprivi damals nach dem Rücktritt des großen Kanzlers zur Genüge erfahren und diese bittere Erfahrung wird auch dem Nachfolger des genialen Dr. Stephan erst recht nicht erspart bleiben. Unser deutsches Post- und Tele­graphenwesen, das vor kaum einem Menschenalter so zu sagen noch in den Kinderschuhen steckte, hat unter der vor­züglichen Leikung deS verstorbenen GeneralpostmeisterS einen ungeahnten Höhepunkt erreicht, ein großer Theil der Bevöl­kerung hat die stetige Entwickelung des ganzen PostwesenS mit erlebt und die wohlthätigen Folgen derselben gewisser- maßen am eigenen Leibe gespürt. In den Augen der kriti- firenben Masse, die stets geneigt ist, alle Errungenschaften deS Nachfolgers mit den außergewöhnlichen Erfolgen des Vor­

gängers zu vergleichen, wird auch das beste und vorzüglichste Werk des Nachfolgers nicht immer die gebührende Anerken­nung finden, dagegen wird man sich andererseits nicht scheuen, jeden, auch den kleinsten Fehler zukünftig doppelt und drei­fach in Anschlag zu bringen und bei etwa versagten Wünschen darauf hiozuweisen, daß derartiges in früherer Zeit nicht möglich gewesen wäre, obgleich man heute sehr gut weiß, daß auch unter Stephans Regiment manche gerechte Forde­rung aus fiskalischen oder sonstigen Gründen unberücksichtigt geblieben ist, deren Erfüllung man aber vom zukünftigen Generalpostmeister in erster Linie erwartet. Dahin gehört zunächst die Reform des Tarifwesens und der Personal- Verhältnisse. Bezüglich deS letzteren hat ein Theil der Presse sich schon dahin ausgesprochen, man möge zukünftig auch von den Bewerbern des höheren PostdtensteS akademische Vorbildung fordern, weil man in Bezug auf Fähigkeit und Vielseitigkeit des Wissens au die höheren Postbeamten die gleichen Anforderungen stelle wie au die höheren Beamten anderer Verwaltungen und die höheren Postbeamten auch im Range und Gehalt gleich ständen mit den akademisch ge­bildeten Beamten des Reiche- und der Bundesstaaten. Von anderer Sette wird diese Forderung entschieden bekämpft und als zwecklos zurückgewiesen mit der Begründung, daß für den höheren Poftdienft weniger akademische- Studium, sondern vor Allem tüchtige Fachbildung unbedingt erforderlich - mit Recht wird darauf hingewiesen, daß gerade unter der Leitung de- Fachmannes das deutsche Postwesen einen solch' außer­gewöhnlichen Aufschwung genommen und sich in jeder Be­ziehung so vorzüglich entwickelt hat, und daß im Weiteren eiu kostspieliges Studium gar manchen sehr geeigneten, aber unbemittelten-Abiturienten oom Postdirnste fernhalten würde, woS wiederum bei der an und für fich schon herrschenden Uebermacht deS Capital- lebhaft zu bedauern sein dürfte. DaS ist zum Theil sehr zutreffend, zum Theil auch nicht. Vor Allem ist nicht einzusehen, daß die akademische Vorbildung die Fachbildung ausschließen soll, man kann doch sehr wohl Akademiker sein und dennoch tüchtige Fachkenntnisse besitzen, das beweisen schon heute unsere Forstleute, Apotheker u. s. w. Berechtigter ist die Frage, waS soll der höhere Postbeamte ftudireu? Elektrotechnik würde u. A. für den höheren Telegraphendienst genügen, was aber paßt für den höheren Postdienst? Jura oder Cameralia? Keins von Beiden ist unbedingt, sondern nur in zweiter Linie erforderlich. Da nun aber die Forderung deS Studiums nur dann be­rechtigt ist, wenn die während des Studiums erworbenen Kenntnisse für den späteren Beruf unbedingt nothwendig, und auch in nutzbringender Weise Verwendung staden, so maß auch das jeweilige Studium dem zukünftigen Berufe entsprechen. Um nun ein für den höheren Poftdienft ge­eignetes Studium zu haben, müßte man vorerst an den deutschen Hochschulen Lehrstühle für das gesammte moderne Verkehrswesen errichten. So lange dies nicht geschieht, wird wohl auch die Postverwaltung auf die akademische Vorbil­dung verzichten und vor wie nach das System der Fachleute beibehalten. Diese Fachleute der Post werden bekanntlich in zwei Kategorien eingetheilt, in die höhere für den Der- waltungSdienst und in die mittlere und niedere für den eigentlichen Betriebsdienst. Zur zweiten Kategorie gehören auch die Poft und Tklegraphen-Asfistenten. Diese, die im Verband deutscher Poft- und Telegraphen-Assistenten einen beredten und thatkräftigen Anwalt besitzen, dessen gerechte Bestrebungen von der Mehrheit des Reichstags jederzeit anerkannt und unterstützt werden, wünschen bezüglich der Assistenten Gleich­stellung der Civilanwärter mit den Militäranwärtern bezw. Zulassung zu den Sekretär- und Obersecretärstellen. Die Landbriefträger erwarten noch immer Erhöhung ihres Meist- gehaltes auf 1000 Mk. Die Mehrheit deS Personals wünscht allmähliche Beseitigung der Stellenzulagen und der fort­laufenden Unterstützungen, eventuell gleichmäßige Verthetlung dieser Geldunterstützungen.

Im Weiteren erwartet man die Bewilligung von Er­holungsurlaub an alle angestellte Unterbeamte, eine mäßige Herabsetzung der wöchentlich zu leistenden Dtenststunden und Eintheilung der Woche in sechs Arbeitstage, nicht wie bisher üblich in fieben Arbeitstage, Zahlung einer entsprechenden Enlschädigung für Nachtdienste. Dies Alles find Wünsche, welche das große Publikum nur indirekt berühren, mehr Interesse für dasselbe haben die gewünschten Reformen des Tarifwesens. Dahin gehören unter vielen Anderen zunächst Folgende: Erhöhung der Gewichtsgrenze für gewöhnliche Briefe von 15 auf 20 Gramm, Beseitigung des Strafportos für unfrankirte oder ungenügend frankirte Briefe und Packet- sendungeu, Herabsetzung der Gebühren für Postanweisungen über Beträge bis zu 10 Mk. von 20 auf 10 Pf., Zulassung von Postanweisungen bis zu 600 beziehungsweise 800 Mk., * 1

Ermäßigung der Gebühren für OrtSbriefe von 5 auf 3 Pf., was in einzelnen Staaten schon der Fall ist. Ander- weite Festsetzung der ZeitungSgebühr, das ist die Ge­bühr, welche die Verleger an die Postverwaltung für die Verpackung und Versendung der Zeitungen und Zeitschriften zu zahlen haben, welche durch die Post bezogen werden und werden müssen. Erhebliche Ermäßigung der Gebühren für Benutzung der Fernsprecher. Einführung von Postkarten und Postpacketadressen mit angebogenen Postanweisungsformularen in Form der Postkarten mit Antwort zwecks Einziehung von Baarbeträgen mittels Postnachnahme. Beschaffung einer 30 Pfg.-Marke, Vereinfachung des sehr complicirten Druck- sachen-Paragraphen. DaS sind so die verschiedenen Wünsche, die bis jetzt laut geworden. Möge der zukünftige Postminister einen Theil derselben möglichst bald erfüllen, und sein neues Amt immer dem Geiste der Neuzeit entsprechend verwalten, zum Wohle der Beamten und zum Nutzen und Frommen der gesummten Bevölkerung.

telegraphische» Eorrespovbenr-BnreaA.

Berlin, 26. April. DerReichSanzeiger" meldet: Um den von Süden kommenden neutralen Schiffen das Paffiren von Kreta zu erleichtern, beschlossen die vor Kreta commandirenden Offiziere der Großmächte folgende Aenderung der Blokade: Die Nordgrenze de» BlokadegebietS wird durch eine gebrochene Linie gebildet, ausgehend von 26 Grad 30 Minuten ö. L. 35 Grad 25 Minuten u. B. über 25 Grad 20 Minuten ö. L. und 35 Grad 40 Minuten n. B., welche fich auf der Länge von Cap Spade mit der bisherigen Grenze (35 Grad 48 Minuten u. B.) vereinigt. Die Ost-, West- und Südgrenze des BlokadegebteteS bleibt dieselbe wie bisher.

Eisenach, 26. April. Heute wurde hier der bis zum

1. Mai andauernde 2. Lehrgang der Deutschen Land- wirthschaftSgesellschaft eröffnet. Vertreten find alle deutschen Staaten, Oesterreich Ungarn, Holland und die Schweiz. Im Ganzen find etwa 260 Theilnehmer anwesend. Ministerialdirektor Thiel Berlin eröffnete die Sitzung Namens des Direktoriums und begrüßte die Versammlung. Im Namen der weimarischen Regierung sprach RegierungSrath Heiden­reich, im Namen der Stadt Weimar Oberbürgermeister Müller. ES folgte der 1. Vortrag deS Professors Ramm über nationalöconomische Grundlagen in der Viehzucht.

Leipzig, 26. April. Die 1. Versammlung deutscher Psychiater und Neurologen trat gestern unter dem Vorsitz deS GehrtmerathS Flechsig Leipzig zusammen. Bei der gestern Abend stattgehabten Begrüßung waren nach dem Leipz. Tagebl." u. A. anwesend: Professor Binswanger-Jena, Ziehen Jena, Geheimerath Flechsig, Geh. Med.-Rath Weber- Sonnenstein und Geheimerath Hitzig-Halle a. d. S.

Wien, 26. April. (Wiener Corresp.-B.) Man meldet aus Petersburg: Authentisch verlautet, der Commentar des Fremdenbl." zum Besuche des österreichischen Kai- serö in Petersburg rief an maßgebenden russischen Stellen eine lebhafte Befriedigung hervor. Graf Murawiew nahm Anlaß, diesen günstigen Eindruck feftzustellen und hob hervor, daß der Artikel die Verhaltungslinie der russischen Politik vollkommen richtig wiedergebe und man auch in leitenden russischen Kreisen die Ueberzeugung hege, daß das Einver­nehmen aller Großmächte, insbesondere aber Rußlands und Oesterreich-Ungarns, unter Zurückstellung aller Sonderintereffen zum Zwecke der Erhaltung des Friedens, sowie der staats- erhaltenden konservativen Principien eine Nothwendigkeit bilde.

Paris, 26. April. Nach einer Meldung derTempS" aus Athen betrage die Zahl der Combattanteu in der zweiten Vertheidigungslinie bei Pharsala 40,000.

Loudon, 26. April. DieTimes" meldet in ihrer zweiten ,Ausgabe, drei Batterien Feldartillerie würden in der ersten Hälfte deS MonatS Mai nach Süd- afrika eingefchifft.

Konstantinopel, 26. April. Die Leuchtthürme von Kassandra und Deleagatsch wurden für die Kriegsdauer ge­löscht. Nach Depeschen Edhem Paschas an da- Kriegs- Ministerium vom 25. April wurden vor Larissa sechs Zwölf- Centimeter Geschütze und zwei Gebirgsgeschütze genommen. Der Sultan spendete für das Y.ldizspital 1060 Pfund. Zwei direkte Ambulanztrains zu 10 Waggons mit 80 Betten werden direkt zwischen Karaferta und Konstantinopel verkehren.

Konstantinopel, 26. April. (Wiener Corr.-B.) Das ConfularcorpS in Janina meldet unter» 23. und 24. dS.: Infolge der drohenden Haltung der vier albanefischen Bataillone, die vor der Stadt stehen, ist die türkische Be-