au.
ttcett
Bin
errn C »T*L Ui.» RtQlk 6t,Me*Oty8i
IlCttt
®' Streie.
* « r«»hs 8077
—----
'ösihen.
Eeat
Batt.
®tT dorftrvd.
3041
w pünktlich
i Will* I
Vorstaod.
nM
erlaufe t lo MIabatl
SS
Z x
M
M
n
168.TO
23.ro
94.60 2580
103.48
fje auftierti«®-
MM llt
vri-l K tf111 "C üp'
—-—''Lj' -Mr ZSß M ,,.-I! **
1897.
Mrate W n ArttthS * ? cotcoi-^
DbL .. |905 1(HJO»
ALS"
Nr. 74
Der Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags.
Die Gießener Aamikienvlälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Souutag de« 28. Mä^
Gießener Anzeig er
Kemrak-Nnzeiger.
1899
Vierteljähriger Aöonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schukstratze Wr.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblutt für den Aiveis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Hratisöeitage: Hießener Aamikienötätter.
Alle Anno,cm.Bureaux deS In- und Auslandes nehm« j Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg«. \
/aniwirthschaMiihe Winke uns KathschlSge.
A «tt» Oberhefie«, Mitte März.
Alleeha«d Nützliche» au- der Praxi-, (Schluß.)
Um unsere diesmaligen Betrachtungen über den Stalldünger zum Abschlüsse zu bringen, müssen wir sehen und prüfen, wie es einfach und billig gemacht werden kann, daß der Dünger seine Kraft behält. Zu diesem Zwecke erinnern wir den älteren Leser daran, daß man noch vor etwa dreißig Jahren große Stücke auf das „Gypsen des KleeS und der Hülsenfrüchte" hielt. Besonders wurde türkischer Klee (Esparsette) sehr gerne mit einem Gemische von Asche und GypS bestreut, wodurch man gute Wirkungen erzielte. Zu damaliger Zett pflanzte man fleißig Mohn oder Magsamen, der Ende August reif wurde und nicht selten mit 18 bis 24 Gulden, d. h. mit 30 bis 42 Mark pro Doppelcentner bezahlt wurde, ein sehr angenehmer Ertrag zur geldarmen Zeit. Der Mohn besitzt große starke Stengel, diese verbrannte man unter den Waschkesseln oder beim Viehsutteranbrühen, erhielt eine vortreffliche Asche, vermischte sie mit Gyps und hatte ein werthoolles Dungmittel. Künstliche Dungstoffe: Guano, Chtlisalpeter, Superphosphate u. a. m. kannte man wenig oder gar nicht. Dem kleinen Bauer waren sie ein Greuel.
Zu Anfang der stebenziger Jahre drangen die künstlichen Dünger vor, sie wurden billiger und durch das Eingreifen der landwirth- lLafllichen Genossenschaften auch besser. Im Jahre 1872 kostete das Ätlo Phosphorsäure etwa 96 Pfg., heute siebt eS etwa 28 Pfg. und zugleich wird dafür garanttrt, daß man auch sein richtiges Gewicht an Phosphorsäure hat. Bauer merkst Du etwas? — Nach und nach hörte das Gypsen auf. Es wurde auf einmal gepredigt: Das Gypsen saugt den Boden aus. Die verständigeren Bauern sagten sich aber damals schon: der Gyps selbst düngt nicht dtrect, er regt besonders Blattpflanzen, Klee und Hülsenfrüchte zu größerem Wachsthume an und — liefert einen ganz ausgezeichneten Dung, wenn er in die Stallungen gestreut, wenn er aus gepferchte Felder gebracht, wenn er mit Mtstjauche begossen und mit etwas Asche vermischt wird.
Generalsecretär vr. Krämer in Darmstadt, der später als Professor nach Zürich berufen wurde und an deffen segensreiche Wirksamkeit sich viele der älteren freundlichen Leser noch gerne erinnern werden, sagte damals klar und deutlich: man soll den Gyps lieber in die Ställe, als dtrect auf die Setter streuen, er hält daS fttmtneniat ft# und diese Gasart, die in heißen Sommern auf Abtritten und in Ställen sich durch ihren stechenden Geruch und durch das Beißen in den Augen so unangenehm bemerkbar macht, enthält den wirksamsten Tbeil des Düngers, dm Stickstoff. Oh«« »HP- stiegt et -um größte« TheUe in die Luft.
O ha! halt emol die Gäul an! müffen wir mit jenem Bauer auSrufen, der an ein Grundstück kommt, das sich dmch ganz besonders gute ober ganz außerordentlich schlechte Früchte auS- zeichnet, so daß eine genaue Einsichtsnahme nicht umgangen werden darf.
O Hal Bauer, hier heißt es aufgepaßt und die Ohren gespitzt, damit Du etwas Gutes und Billiges begreifen und anwenden lernst und Dick nicht hintendrein ärgerst, daß Du so dumm warst und Deinen Stickstoff nach wie vor in die Luft hinaus spazieren ließest.
Zuerst fragen wir: was ist Gyps? Schwefelsaurer Kalk, der häufig in der Natur vorkommt. Man benutzt ihn a s Gypsmörtel in der Baukunst, zu Gypsabgüssen und Gypsfizuren in der Bildhauerkunst, zu welchen Zwecken ihn die alten Griechen, Aegypter und andere Völker schon vor drettausmd Jahren anwandten, zum Putzm und Reinigen von Edelsteinen, Perlen und anderen Dingen.
Mit diesem einfachen, billigen Gyps, der leicht zu erhalten ist,
nageln wir unfern Stickstoff fest und bereichern unsere Felder um das Doppelte gegen früher. Der Gyps, der sich hier empfiehlt, weicht etwas von dem Mörtel- und Modellirgyps ab; man nimmt dafür solchen, der bei Herstellung von Doppelsuperphosphat entsteht und der deshalb auch etwas Phosphorsäure enthält.
Die Anwendung dieses Festnagelungsmittels ist kindlich einfach, jeder Schulknabe von 12 Jahren kann sie machen. Man streut nämlich jede« Morgen und jede« Abend ei« Pfund «yp- unter jedes Stück Großvieh. Das kostet, hochgegriffen den Tag 4 Pfg. für jedes Stück, also jährlich hochgerechnet 14.60 Mk. Nun steckt aber in den 7 bis 8 Gentnern Gyps mindestens für 7 bis 8 Mk. Phokphorläure, die dem Boden neben dem Stickstoff außerordentlich gut bekommt. Der Bauer empfängt darum mit seiner Ausgabe von 14.60 Mk. die Hälfte an Dungstoffen wieder zurück, er gibt also thatsächlich nur 2 Pfg. für ein Stück Großvieh aus. Wahrscheinlich genügen auch schon 8/< Pfund GypS täglich, die Ausgabe wird bann noch geringer. Wir haben sie absichtlich etwas höher gegriffen, um keinen Fehlschluß zu machen. Bei Aufstellung von Voranschlägen soll man die Einnahmen etwas kleiner, die Ausgaben etwas größer nehmen, wodurch men nicht ins Gedränge kommt.
Bei der Anwendung von «YP- wird man aber aus anderen Gründen erst recht nicht ins Gedränge kommen, denn er besitzt noch einige andere Eigenschaften, die ihn als großer Bouernsreund erscheinen lassen. Er regt «Lmlich da- Woch-tdum der Vfianze« an und besitzt die Eigenschaft, den Bode« auf. -«schließe«.
Darüber sollen noch einige Bemerkungen folgen: Der Gyps wirkt auf Wiesen nur bann, wenn sie warm und trocken sind. Er wirkt aufschließend und erregend auf humusreichem Baden, während er auf erschöpftem Boden nachtheilig ist. Gyps unterzupflügen hat gar keinen Zweck.
Ganz anders macht sich die Sache, wenn der Gyps in .die Ställe kommt und seine Schwefelsäure sich mit Ammoniak verbindet, dieses festhält und es auf dem Acker erst an die Wurzeln der Pflanzen abgibt, während eS seither zum größten Theile in die Luft flog.
Aus dem Vorgetragenen ergibt sich, daß jeder Baur den Ertrag seiner Sieder, ganz gering gerechnet, um den vierten Theil steigern kann. Das ist aber gerade soviel, als wenn er die Morgenzahl um den vierten Theil oergrößeit, wobei sich noch der Vorthetl ergibt, daß diese vergrößerte Morgenzahl nicht gebaut zu werden kraucht, sondern nur die frühere, kleinere Zahl. Kann sich der Bauer eigentlich einen besseren, aufrichtigeren Freund denken, als einen solchen, der ihm seinen Grundbesitz fast unentgeltlich um ein Viertel oder bis zur Hälfte vergrößert? Der ihm sein Leben angenehm macht, die Arbeiten erleichtert, die Sorgen und Mühen abnimmt? Gewiß nicht.
Hiermit ist aber der Segen, den der Gyps bringt, immer noch nickt erschöpft. Er hat nämlich die sehr wichtige Eigenschaft, -le Luft in de« Ställe« ,« reinigen.
In Nr. 14, drittes Blatt, des „Gießener Anzeiger" vom 17. Januar d. I. haben wir nachgewiesen, da- die Kühe in g«t gelüftete« Ställe« mehr Milch gebe«, al- i« dumpfige«, schlecht gelüftete« »tallunge«. In demselben Aufsatze haben wir mitgetbeilt: Da- Körpergewicht eiuer «uh ist größer in einem wohlgelüftete«, al- in einem schlecht gelüfteten, dumpfigen Stalle.
Nun reinigt aber der Gyps die Luft in den Ställen, indem er nicht blos das Ammoniak an sich zieht und festhält, sondern er zieht auch noch andere üble Gerüche an sich und zwingt dadurch die Bacillen und Bacterien an sich heran, wodurch da- Bieh vor A«sieck«ng und Seuchen behütet wird.
Merkst Du wieder etwas, Freund Bauer! Erinnere Dich einmal, wie schrecklich die Maul- und Klauenseuche im nun zu Ende
gehenden Winter in der Provinz Oberhessen wüthete. Hunderte von Kühen, Rindern, Kälbern, Schafen gingen elend zu Grunde. Diese Verluste werden verhindert, wenn der Bauer alltäglich Morgen« und Abends ®/4 Pfund Gyps unter jedes Stück Großvieh streut.
Wir sehen: Der Gyp« ist Nicht blo- ei« Are««- vo« de« Aecker«, sondern auch vo« dem Vieh de- Baner-. Früher hielten viele Leute Ziegenböcke in ihren Ställen, weil behauptet wurde: Der Geitzdock zöge alle Krankheiten an sich und schütze das übrige Vieh vor Schaden. Hier haben wir es mit einem Stück alten Aberglaubens zu thun, denn die GeiSböcke werden grabe so gut von der Maul- und Klauenseuche ergriffen, wie die übrige« Klauenthiere auch. Dagegen haben die GeiSböcke die unangenehme Eigenschaft, zu gewissen Zeiten recht unangenehm zu riechen, waS nicht zu Jedermanns Wohlgefallen ist.
Der berühmte nordamerikanische Staatsmann Benjamin Franklin war der erste, der auf die werthvollen Eigenschaften des Gypses hinwies. Franklin war nicht blos ein vortrefflicher Staatsmann, sondern auch ein tüchtiger Landwirth und — großer Menschen- kenner. Seine Empfehlungen, den Gyps zu verwenden, halfen nichts. Die Bauern waren vor 150 Jahren in Amerika grabe so eigensinnig, bequem und ungläubig, wie sie es heute noch bei uns in Deutsch* land sind. Darum kriegte Franklin seine Leute anders dran. Er streute auf ein großes Kleefeld die Worte: Hier ist gegypst; das übrige Feld gypste er nicht. Die bestreuten Stellen wurden üppig und die Pflanzen wuchsen stark über ihre Umgebung heraus, so daß die Bauern nicht mehr leugnen, vielmehr sich überzeugen konnten, der Gyps wäre dem Wachsthum vieler Pflanzen förderlich. Wie vortheilhast der Gyps für die Landwirthschaft ist, da« hat aber doch erst die neueste Wissenschaft darzuthun vermocht.
Die Gelehrten fragen sich nun: Werden die Bauern diese nemntbedten Wirkungen des GypseS, nämlich da- A«sa««el« de- Sticksiosie- und da- Berhinder« der Maul* «nd Ktanen- seuche nun auch begreifen, glauben und verstehen und das ebenso einfache als billige, äußerst förderliche Mittel auch anwenden?
Gott behüte! lautet die Antwort. Viele Jahre und Jahrzehnte werden vergehen, bis sich der gute Bauer von der Ofenbank erhebt und etwas thut oder denkt. Einige wenige werden es thun und treiben, diese schöpfen als den Rahm ab und lachen die Dummkopfe aus.
Es gibt aber ein Mittel, die Leute heranzukriegen «Nd da-« müßte« die Verwalt ung-behörde« die Hand reiche«» Bekanntlich thun die Leute zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche gar nichts. Sie lassen das Vieh stehen; bekommt es die Seuche, ist es gut, geht sie vorüber, ist es besser.
Die Verwaltungsbehörden müßten anorbnen (unb sie haben bie Besugniß dazu): A« jedem Dorfe, wo die Mail- v«d Klanensenche an-vricht, muß jeder »iehbefitzer «nver-üglich Morgen- und Abend- Pro Stück Großvieh »/< Pfund «yp- in de« Stall firene« und diese Maßregel mnß sorgfältig überwacht werde«.
Sehr bald würden die Bauern die trefflichen Wirkungen dieser Maßregeln an ihrem Vieh und auf ihren Siedern verspüren, so daß sie das Gypsen von selbst betreiben würden, wie die Anwendung von Kraftfutter, künstlichen Dungstoffen, landwirthschastlichen Ma- schmen, Gründung von Genossenschaften unb vieles Andere.
Hier habe« wir ei«- vo« de« «eine« Mittel«, davor,üglicher wirken wird, al- da- Schreie« nach Staat-Hilfe.
Die Behörden sind nach unb nach dazu gekommen, bie Mat- räferpLige mit allen orbentlichen Mitteln zu bekämpfen. Vor Jahren schon, als noch Niemand davon sprach, haben wir in dieser Zeitung auf diese Bekämpfung hingewiesen und dabei die entsetzlichen Verluste berechnet, die der Landwirthschaft durch Maikäfer unb Engerlinge verursacht werden.
Das neue Frähjshrs-Csstüm.
Don Lina Fabian.
(Schluß.)
„Fünfundachtzig Mark?" fragte mein Manu ganz erstaunt, „bofür hättest Du doch ein schneidiges Costüm kriegen können und nicht diese- mehlsackartigeS Gebilde. Und wegen der Haltbarkeit — komm doch mal her, daß ich mir den Stoff ansehen kann . . . Der ist braun, bräunlich^ na, diese ausgetragene Farbe habe ich doch erst heute Mittag, vis ich nach Hause ging, gesehen — daS war in dem ttleiderbazar, „Ausverkauf der ConcurSmaffe" — da sieh her," und er angelte aus dem Seiteutäschchen eine Etiquette hervor, auf der gestempelt war: „Ausverkauf der ConcurSmaffe" und darunter standen einige Hieroglyphen: ap */,. — „Du," erklärte er zuversichtlich, „dieser Schund ist vor einer Stunde im Ausverkauf erstanbeu worden, ich wette mit Dir. Komm, wir gehen dorthin und ich werbe fragen. Dein „Reform".Kleid behältst D» an als Zeugenbeweis, dann muß sich die Sache klären."
Wir gingen nach dem Ausverkauf.
„Was bedeutet das?" fragte mein Manu einen der Ber> käufer und hielt ihm die Etiquette vor die Augen.
„ap i/g — 25Va, also fünfundzwanzig Mark fünfzig Vsenntg," erwiderte der HandluugSbefliffene, „wir haben Ehiffreschrift."
„Kennen Sie dieses Costüm?" inquirirte mein Mann teeiter, und ich schlug den Mantel zurück.
„Na und ob," meinte der Jüngling lächelnd, „vor zwei Stunden etwa habe ich diesen elendiglichen Ladenhüter an b e Frau gebracht, 'ne kleine, dicke, behäbige Frau mit 'ner •
heiseren Stimme. Aber die hat gehandelt! Für de i/3 — 22i/2 Mark habe ich daS Costüm fortgegeben. Wir find ja auch froh, daß wir den Schund 'raus haben."
Es ist mir nicht möglich, schildern zu können, mit welchen Gefühlserregungen ich wieder die Straße betrat. Da war ich ja schön hineingefallen.
Aber es war jeder Zweifel auSgefchloffen: daS war schon der „Ladenhüter", den die Frau Johannsen für 22,50 Mk. gekauft und den ich für 85 Mark jetzt alS „Reformkleid" trug, — die Differenz betrug 62,50 Mk. — ach, was gibt es doch für schlechte Menschen!
„DaS hast Du vorzüglich gemacht mit Deinem famosen Reformcostüm," höhnte wein Mann, „ba Du nun aber in Deinem Ladenhüter einmal drin steckst und da Du daS A in der Frage der Resorwkleidung gesagt hast, mußt Du auch B sagen und eigentlich müßtest Du daS ganze Alphabet herunterbuchstabiren."
Ich warf einen erschrockenen Blick auf meinen Mann. WaS hatte der wohl mit mir vor?
„Da wir einmal in der Stadt sind," meinte er, „werden wir in einem vornehmen Restaurant zu Abend effen."
„Nein," lehnte ich entschieden ab, „in dem Anzuge gehe ich nirgends mit hin- waS müffen denn die Leute denken?"
Aber er überredete mich doch, und ich befeuerte, daß daS einmal und nie wieder vorkommen würde.
Der Oberkellner nahm die Bestellung des „gnädigen Herrn" mit gebührender Ehrfurcht entgegen, mich beachtete er gar nicht, ich schien ihm „Luft" zu fein.
Mein Mann bestellte zwei Krebssuppen. Ich machte Einwendungen, mir schmeckte moc-tourtle besser.
„Ist die woe-tourtle-Suppe mit Potage-KlöScheu gut?" fragte ich den Kellner.
Der antwortete gar nicht.
Das ist ein Flegel, dachte ich leise und bestellte laut: „Eine Krebs- und eine woo-tourtle-Suppe."
Der Kellner drehte mir den Rücken und brachte — zwei Krebssuppen.
„Gnädiger Herr bestellten zwei Krebssuppen," meinte er, indem er mich höhnisch anblickte. „Für da- kleine PenfionS'Fräulein die andere."
Mein Mann ließ den Löffel auf den Tisch fallen, so lachte er.
Die Frechheit deS Kellners, die Fröhlichkeit meines Mannes brachten mich zur Verzweiflung.
„PensionS-Fräulein?" fuhr ich auf, „Sie find wohl —"
Da war mein Ellenbogen gegen den Teller gestoßen, den dieser impertinente Kellner mir eben hinreicheu wollte, und . . . Kladderadatsch — eine gefüllte Krebsschale rutschte über den oberen Theil deS ResormkletdeS und blieb auf dem Schooße liegen, ein Erguß gelber, heißer Suppensauce folgte ihr. --
Ich kreischte laut auf — im Uebrigen ober ist der Rest — Schweigen.
* O *
Am nächsten Morgen bestellte ich mir ein Frühlinge« Costüm ä la grande magazin du Louvre. ES wurde in drei Tagen geliefert und präsentirte sich wahrhaft chic und geschmackvoll. Ich sah zum Entzücken darin auS.
Aus dem „Verein für Reformkleidung" bin ich ausgetreten.
Die Frau Schulrath hat meine letzte Einladung zum Mittwoch-Nachmittag Kaffee-Klatsch abgelehnt.


