fttn Sebnrtätajej des Kaiskrs
Januar 1897 8,/t Uhr ;
Abend lnct' dahnhofstraßj.
Verein, ietfammluttj )ea JO. Januar, W 8 Uhr Meisen", Branbg^ Ordnung: $ Rechners.
i Antheilicheine. Der Vorstand.
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148- 318.-
223, 1101
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96, 87.- 2UI 89, 100, 95.- 62, 101,
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fanar 1897.
n, Mnhofkraße 6J.
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Donnerstag den 28. Januar
Nr. 23
Gießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
Zlints- und Attzeigeblatt für den "Kreis Gieren
Redaction, Erpeditio« und Druckerei:
Kchutstratze Ar.7.
Fernsprecher 51.
Bierteljähriger Monncmcutspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
Zweites Blatt.
Die Gießener
Ir«misienötätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegk.
Der
Ktetzrver Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme deS Montags.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Lorm. 10 Uhr.
chratisöeikage: Gießener Iamilienölätter.
Alle Annoucen-Bureaux des Ja- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Auzerger" entgegen, i ---------------
Amtlicher Theil.
Gießen, den 23. Januar 1897. Betreffend: Die Unterhaltung der Kreisstraßen. Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen m die Grstzh. Bürgermeistereien des Kreise-.
Die Liefernng der zerkleinerten Unterhal- tnngssteine für die am 1. April l. I in die Unterhaltung des Kreises übergehenden Ttaats- ftraßen beziehungsweise das Brechen, Anfahren nnd Zerschlagen der Unterhaltnngsfteine soll für die nächsten vier Jahre in den nachstehenden Terminen für die einzelnen Lieferstrecken looSwetse auf dem Wege mündlichen Abstretchs versteigert werden.
I. Giesten (KreiSamtSgebäude)
Montag den 1. Februar, Vormittags 11 Uhr:
Cbm.
3 a Gießen—Rodheim
120
6 a In Klein-Linden
14
b Klein-Linden—Dudenhofen
26
10 a Gießen Klein-Linden
52
c Klein-Linden—Großen-Linden
70
d In Großen Linden
50
e Großeu-Linden—Lang-GönS
88
19 a Gießen—Steinbach
200
b In Steinbach
35
c Steinbach—Lich
60
40 c Rödgen—Großen»Buseck
10
52 a Gießen—Reiskirchen
120
b In Reiskirchen
28
74 a Gießen—Lollar
30
b In Lollar
24
e Lollar—Kirchberg
11
d Kirchberg—Sichertshausen
25
II. Grünberg: Dienstag den 2. Februar, Nachmittags 1 Uhr. 6bm.
35 a
In Grünberg
8
b
Grünberg—Röthges
80
c
In Röthges
9
37 d
Nieder-Besfingen—Münster
40
e
Münster—Wetterfeld
12
Com.
55 b Grünberg—Beltershain
22
o Beltershain—Geilshausen
30
d In Geilshausen
20
e Geilshausen—Keffelbach
22
f In Keffelbach
12
g Keffelbach—Londorf
4
h In Londorf
29
i Londorf—Nordeck
9
52 b In Reiskirchen
28
c Reiskirchen—Lindenstruth
11
d In Lindenstruth
IT
e Lindenstruth—Grünberg
70
g Grünberg—Mücke
22
53 a Lehnheim—Atzenhain
8
III. Holzheim: Mittwoch den S. Febrnar, Nachmittags'SV, Uhr.
Cbm.
10 b
Großev-Linden—Lang-GönS
88
f
In Lang-Göns
49
g
Lang-GönS—Kirch-GönS
35
20 b
Lich—Eberstadt
198
c
In Eberstadt
40
d
Eberstadt—Oberhörgern
59
e
In Oberhörgern
15
f
Oberhörgeru—Butzbach
21
IV. Ober-Beffingen: Donnerstag den 4. Febrnar, Vormittags 10 Uhr. Cbm.
19 d In Ltch
56
e Ltch—LaugSdorf
47
f In LaugSdorf
25
g LaugSdorf—Hungen
47
h In Hungen
52
i Hungen—Inheiden
30
k Inheiden—Utphe
30
1 In Utphe
12
n Utphe—Berstadt
6
20 b Ltch—Eberstadt
198
e In Eberstadt
40
35 b Grünberg—RöthgeS
80
e In RöthgeS
9
d RöthgeS—Nonnenroth
25
e Nonnenroth—Hungen
55
(Sbm.
37 b Sich—Nieder-Besstngen 127
c In Rieder-Bessingen 13
d Rteder-Besfingen—Münster 40
e Münster—Wetterfeld 12
V. Sich:
Donnerstag den 4. Febrnar, Nachmittags S Uhr: Cbm.
19 c Steinbach—Lich 60
d In Sich 56
e Ltch—LaugSdorf 47
f In Langsdorf 25
20 b Ltch—Eberstadt 198
o In Eberstadt 40
d Eberstadt—Ober-Hörgern 59
e In Ober-Hörgern 15
f Ober-Hörgern—Butzbach 21
37 b Lich—Nteder-Besfingen 127
VI. Hnngen:
Freitag den 5. Februar, Nachmittags X Uhr:
19 g LaugSdorf—Hungen 47
h In Hungen 52
i Hungen—Inheiden SO
k Inheiden—Utphe 30
1 In Utphe 12.
m Utphe—Berstadt 6
35 c Ronueuroth—Hungen 55
Sie wollen in ortsüblicher Weise bekannt geben, daß die obigen Arbeiten in den Tagen vom 1. bis 5. ^februar I. Js. zur Vergebung kommen und daß das Derzetchntß der Termine und Lieferstrecken in Nr. 22 deS „Gießener Anzeiger" veröffentlicht und auf Ihrem Bureau einzusehen ist.
Die Großh. Bürgermeistereien Grünberg, Holzheim, Ober-Besfiugen, Lich und Hungen, in deren Orten Termine anberaumt sind, wollen zur Abhaltung derselben ein geeignete- geheiztes Local im Rath-, Gemeinde- oder Schulhaus bereit stellen.
Nähere Auskunft über die Lieferungsbedingungen rc. ertheilen der Kretsingenieur und die Bezirksbauaufseher.
v. Gag ern.
Feuilleton.
Ker Jubscriptionsball.
Von Lina Fabian.
(Schluß.)
Ich sah geoauer hin, — Hw, die Puderquaste hatte auch da etwas kräftig ihres Amtes gewaltet und daS rouge . . .
Da klopfte Graf Hochberg dreimal mit feinem Stock auf, alles verstummte, die Majestäten betraten ihre Loge. ES war mir in diesem Augenblick wirklich feierlich zu Muthe: zum ersten Male konnte die Kaiserin die Vertreterin deS Geschlecht- der Fabian unter der Menge bemerken. Ich machte den Hosknix, wie ich iHv in der Tanzstunde gelernt hatte. Dabet mußte ich aber böse „angestoßen" sein, denn mein Nachbar zur Linken weinte: „Pardon, Gnädigste!" und suchte den Deckel seines Chapeau zu glätten, und auch mein Hintermau stöhnte: „Pardon, Gnädigste!" und versuchte wie ein Storch auf einem Beine zu stehen. Dem ersteren »erde ich mit dem Ellenbogen den Hutdeckel eingedrückt und dem -»eiten recht kräftig daS Lieblings-Hühnerauge beschädigt haben ... Ich sah hilfesuchend zu meinem Manne empor: der stand unbeweglich rechts neben mir und starrte verständ- nißloS in daS Menschengewühl hinein.
Der Rundgaug war großartig, überwältigend. Wir standen tu der vorletzten Reihe. Eine meiner Nachbarinnen hatte sich mit einem erschütternden Parfüm iwpräguirt, eS schien wir Opoponox zu sein. Ich wollte schon fragen, ob der von Letchner sei . . . Da entstand ein gewaltiges Gedränge, alles erhob sich auf die Zehenspitzen, Verbeugungen da, Knixe dort und der Cercle war vorüber. Kurz, aber schön, anregend, waS fürs Gemüth.
Dann kam die Theepause: Mein Mann hatte aber im gelben Saale eine hübsche, kühle Nische occupirt, der sieht sich solche Sachen immer von der pract.scheu Seite an. Er hatte auch schon für einige Gläser Sect gesorgt, so daß ich «ich in der Luft des Hofes ganz behaglich fühlte.
„Mal tanzen müßten wir doch auch — denke, ein SubferiptiouSball!"
„Unsinn," lehnte mein Mann ab, „in diesem Durch» einander muß man sich ja in Acht nehmen, daß man nicht Jemand tobt tritt."
Der Theesaal hatte sich fast geleert, als wir diese De» batte noch weiterführten. Da löste sich plötzlich vom Buffet ein junger Krieger loS, der direct auf mich zuschritt. Ein blonder junger Mann mit großen blauen Augen und beginnendem Schnurrbart. Er machte meinem Manne eine tiefe Verbeugung. „Wenn ich gnädigstes Fräulein bitten darf . . meinte er zu mir und gestaltete seinen rechten Arm in die Form eines Topfhenkels.
Ich begriff — er wollte mit mir tanzen. Auf meinen Mann warf ich einen fragenden Blick. Der nickte und machte ebenfalls eine sehr, sehr tiefe Verbeugung vor meinem jugend» lichen Partner.
Der führte mich galant die Treppe hinunter.
„Curt von Strittwitz," stellte er sich dann vor. — „Lina Fabian," — ich senkte mit aristokratischer Grazie den Kopf.
Run sollte das Tanzen beginnen. Aber dazu war gar kein Platz. Drei oder vier Paare mühten sich ab, sich auf einem Fleckchen, so groß wie zwei nebeneiuandergesetzte Fünfmarkstücke, um ihre Achsen zu drehen. Dabei die langen Schleppen — hier konnte es eine nette Katastrophe geben!
„Also, gnä' Fräulein!" Der jugendliche Vaterlands- verthetdiger verbeugte sich nochmals, faßte mich um die Taille und — nun los.
Die Musik spielte einen Walzer, das hörte ich aus dem Gewirr ganz deutlich heraus. Mein Partner tanzte Polka, — nein, Mazurka, — nein — Galopp! Ich stieg bald hoch, bald sank ich nieder, eS war einer Lawine gleich — bald herauf, bald herunter. Bei jedem Walzerschritt meinerseits und bei jedem Polkahopser seinerseits kam meine Na^e in unsanfte Berührung mit seinen Uniformkoöpfen. Und da nun außerdem die Augen deS Hofes auf wich gerichtet waren, griff ich zu einer Ohnmacht, tu die ich über kurz oder lang stürzen mußte.
„Ohhh!" machte mein Tänzer, als ich ganz außer Atbem mitten in dem Wirbel der Tanzenden stehen zu bleiben ver
suchte, „sehr anstrengend, dieses Tanzen, werde sofort gnä» digsteS Fräulein auf Platz zurück —"
Da kriegte er einen Stoß in den Rücken, sein Movocle fiel auf meinen Kopf, er rutschte auf dem glatten Parkett nach rechts, und ich ... ?
Ich muß eine schwere Niederlage erlitten haben, denn ich saß bald darauf in einem Fauteuil, eS waren mehrere schwarzbefrackte Herren um mich herum und der Jüngling in Uniform credenzte mit ein Glas Citronenlimonade.
„JrnmenS erfreut, gnädigstes Fräulein, daß wieder auf dem Posten. Bitte, noch 'nen Schluck. Sooo . . . vorübergehende Indisposition- paffirt auf Subscripttonsball. Indispositionen können aber Genuß nicht stören . . . Und wenu Gnädigstes wünschen, daß ich Sie zu Ihrem Herrn Papa zurückgeleite . . ."
Er machte wieder den Henkrlarm, so daß ich mich nicht sträubte. Auf dem Corridor vermochte ich einige meiner Gedanken wieder zusammenzufoffen.
„Zu meinem Papa?" fragte ich.
„'Türlich," schnarrte mein Begleiter, „zu P'pa! Älter, prächtiger Herr, mit dem Gnädigstes da oben zusammensaßeo. Großgrundbesitzer — waS? Ohne zudringlich zu sein: noch Geschwister? — So 'n alter Herr, — m den besten Jahren noch — ganz stattlich . . ."
Mitten auf der Treppe machte ich diesem Jüngling eine kurze, aber vielsagende Verbeugung.
„Meinen Gruß . . . gnädigstes Fräulein .... an Herrn Papa!" schallte eS noch von unten herauf.
* • ♦
„Einen SubscriptionSball mache ich nie mehr mit," erklärte ich am nächsten Abend.
„Weßhalb nicht?" fragte mein Mann.
„Weil am Hofe Dein Werth nicht anerkannt wird. Du ältlicher Knabe paßt nicht in diese Umgebung, — Du könntest ja mein Vater sein."


