1897
Mittwoch den 27. Oktober
Amts- und Anzeigeblutt für den Uveis Gieren.
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Hratisöeitage: Hießen« Kamilienölatter
Amtlicher Theil
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mit
C. Zu Grünberg
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. 252 Awettes Blatt
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.
Alle Annonccn-Vureaux de- In- und Au-landr- nehme» l Anzeigen für den Gießener Anzeiger- mifltye.
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ahnungslos dem de« Leben, den
odMckm.
^er Vorstand.
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Horch, in der Ferne dumpfes Rollen. Himmlische Barmherzigkeit, — der Schnellzugs Schon hörte «an die Maschine keuchen.
Er besann fich keinen Augenblick. Gewandt, durch sein Abenteurerleben an |ebe körperliche Uebung gewöhnt, kletterte, schwang er fich hinab; oft bröckelte der steinige Grund unter seinen Fügen, oft hing er schwebend an einem Baumast, doch er kam vorwärts, da» immer näherkommeude DonuergetSse beschleuuigte sein wagehalsiges Thun, der glühende Wunsch, zu helfen, verlieh ihm Riesenkräfte.
Run noch ein tollkühner Sprung, taumelnd stand er neben dem Rieseustein, doch um die Biegung dampfte t» keuchend heran, die glühenden Feueraugen sagten ihm, daß nur Sekunden noch für da» Rettung»werk ihm blieben, da» er vielleicht mit de« Tode bezahlen müffe.
Keinen Angenblick besann er fich. WaS lag an ihm? Sicherer Untergang lauerte ja auf Hunderte von ahnung». losen Menschen. Wie viele von ihnen dort hatten nicht da« heim alte Eltern, liebende Gattinnen, kleine, hilflose Kinder, die durch de» BaterS Tod zu Waisen würden. Und wa» besah er? Ein vermögen, unredlich erworben, eine Schaar käuflicher Menschen, die ebenso gern oder unlnstig ihm wie einem Andern dienten.
vorwärts! Kein Besinnen. Er war ein starker Mann
vierteljährig« ASonnementsprttL^ 2 Mark 20 Pfg. «rtt vringerlohn. Durch die Post bezöge, 2 Mark 50 Pfg.
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-chntflrateKr.r.
Fernsprecher 61.
2) RechnungSabichie. Programm« ßr dir
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„Unten im Städtlein läuten fie jetzt Mittag." meinte der alte Manu, fich mühsamerhebend §Jch muß jetzt gehen, sonst warten Tochter und Enkelkinder ans mich mit dem Sffen. Und heute, zum Sonntag, gibt es etwas Extragutes, sonst ist ja Schmalhans oft bei un» Küchenmeister. Mein Gott, so viel huugerige Mäuler, aber satt find wir ja alle noch immer geworden. Na, guten Morgen anch, Herr. Wenn Sie einen schönen Ueberblick auf daS Oesterrrichische hin haben wollen, müfien Sie noch ein Stückel hinaufsteigen bis zu jener Waldecke,- eS lohnt fich."
Der Fremde nickte- finster brütend starrte er vor fich hin. Wie er ihn beneidete, jenen alten Mann, der an feinem ärmlichen Tische eine frohe Eukelschaar vorfand, während fich mit ihm nur die Erinnerung und quälende Reue zu Tafel setzten.
Langsam erhob er fich. Hier war seine Mission erfüllt. Nau konnte er gehen, zurückkehren nach dem eleganten, schablonenhaften Hotelzimmer und von dort nach seinem türkischen Landsitze, wo ihn Niemand vermißte, Niemand erwartete.
Noch einen Abschiedsblick über die Stätte seiner Kind- heit, noch ein Grüßen hin nach jenen alten Bäumen, die sein Elternhaus umranscht.
DaS Städtlein vermeidend, wollte er auf Umwegeu, über jenen wohlbekannten Bergrücken, die Station erreichen.
Wie verändert doch allrS war, Dämme aufgeschürtet, Tunnel au-gebrochen. Wie fremd der schrille Pfiff der Lokomotive an den ernsten Felseuwänden widerhallte!
Diesen Hohlweg, eng wie die berühmte Küßnacher Gaffe, kannte er noch, aber der blitzende Schienenstrang war auch neu. Doch mitten auf dem Geleise, da» dunkle Etwas, was war daS? Großer Gott! Sein scharfe- Auge hatte schnell einen unförmlichen Felsblock in ihm erkannt.
Ein Bubenstück, ruchlose Hände hatten ihn hierher« gewälzt, gemeiner teuflischer Rache sollten Hunderte von Menschenleben vielleicht zum Opfer fallen.
Sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, sowie sämmtliche Reservisten der Garde, Jäger, Cavallerie, Feld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinär personal», Büchsenmacher-Gehilfen, Oeconomie-Handwerker, Marine-Mannschaften und alle übrigen im Reserve-Verhältniß stehenden Mannschaften.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr:
für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang«Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.
B. Zm Lollar
D. Zu Hungen
am 9. November 1897, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten am Friedhof für hie Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
E. Zu Lich
am 10. November 1897, Vormittags 9 Uhr 30 Minuten in der Amtsgerichtsstraße für die Bewohner von: Alb ach, Birklar,
Locales un- ProVlnzlelles.
Gieße», den 26. Oktober 1897.
Parlamentarischer. Die Lulturtechniker des GroßherzogthumS haben bei der Zweiten Kammer beantragt, dieselbe wolle die GehaltSbezüge der bei den hessischen Lultur- inspectionen neu anzustellenden Lulturtechniker, denjenigen der ähnlich vorgebildeten hessischen Beamtencategorieen und denen
ein Ruck, dumpf polternd tollte der Stein Bahn war frei.
Ja, fie war frei. Hunderte, die verderben entgegengerollt, waren gerettet, Ihren wiedergeschenkt.
(Schluß folgt.)
»M
8. November 1897», Vormittags 9 Uhr 15 Minuten, __westlichen Aus gange auf der Straße nach Gießen für die Bewohner von: Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der DickelSmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Keffelbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein-), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhards- Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.
Hrimslh.
Novelle von H. Ren6.
(5. Fortsetzung.)
„Ganze achttausend Thaler!"
Der Fremde lachte kurz und bitter auf. DaS war alfo der Mühe Preis, der Ertrag eines langen, arbeitS- reichen, mühevollen, ehrenhaften Leben« gewesen. Da hatte Laillerou, der alte, schlaue Fuchs, daS Geschäft besser verstanden. Wie ihm die ererbte Million auf der Seele brannte- es ließ fich so schwer vergeffen, daß er einst seines Vaters Sohu gewesen.
.Der Robert kommt doch nicht «ehr wieder," «einte »er alte Krause hüstelnd und schnupfend, „der ist dort drüben wohl längst verdorben, gestorben, und wenn er auch noch lebte, wo sollte der wohl daS viele Geld zur Ueberfahrt berbekommen. Nicht wahr, Herr, daS ist auch Ihre Meinung."
„Sicherlich, daS theuere Billet und solch ein armer Schlucker."
Dabei dachte er heimlich an den eleganten Dampfer, »er ihn und Eicile damals nach Europa gebracht. Sie mußte ihn wohl auch sehr lieb gehabt haben, wenn auch auf tchre «eise, die ihm nicht gefiel. Wie hätte fie ihn denn sionst gewählt, gerade ihn, der nicht» besaß, nichts war, al» ein hübscher, schlanker, verwegener Bursche. In seinem nothen Arbeitshemd, mit dem zerfetzten Sombrero mußte er siich für fie malen laffen. Biele Jahre später, in ihre« Nachlaß, sand er dann da» verblichene Bildchen. Ja, er hatte die Herzen, die ihm entgegenschlugen, gering geschätzt, t:ic Liebe, die man bot, mißachtet, deßhalb stand er nun iinmitttn seine» Reichthum» verlassen da, einsam bi» zur Verzweiflung.
am 6. November 1897, Vormittags 8 Uhr 45 Minuten, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
Gießen, am 22. October 1897.
Betr.: Herbst-Controlversammlungen.
DaS Sroßherzogliche Kreisamt Gießen en Nt erefH). Bfawrmtifterttai W AtMM.
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.
v. Gagern.
Der Pttße»er Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme bei Montags.
Dir Gießener AlamitteaSttlier werden dem Anzeiger wSchattlich dreimal beigelegt.
und in diesem Augenblick setzte er sein ganze» Können ein. Auf dem Geleise stehend, stemmte er fich gegen den Block- langsam hob er fich, er wich. Seine Muskeln spannten fich zu« Zerspringen, nur noch wenig Ellen Entfernung - beißend drang ihm der weißflöckige Rauch in Augen und Lunge. Roch zur Seite. Die
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
Bekanntmachung.
Bei den diesjährigen Herbst-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmelde- •ert Gießen gehörigen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve (Anzug: Helm, Waffenrock, Achselstücke, Feldbinde, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig).
2) Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Eiffatz-Behörden Entlassenen aller Waffen.
3) Diejenigen, der Landwehr I. Aufgebots angehörige Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstcontrolversammlung zugegangen ist.
Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbstcontrolversammlung nicht zu erscheinen.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Lontrolpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Gietzerr
hi Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burk- hardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchel- heim, Klein-Linden, Oppenrod und zwar:
am 4. November 1897.
1. Appell Vormittags 8 Uhr:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve sowie sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1890, 1891 und 1892 eingetreten find.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr:
Sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1893, 1894, 1895, 1896 und 1897 eingetreten sind.
Am 5. November 1897.
1. Appell Vormittags 8 Uhr :
Cballier (Rudolphi inzelkarte ä Mk resp. !,-•
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Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Hchheim, Lich mit Albacher«Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Meder. Bessingen, Ober - Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
Lefreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vsrgefetzte Behörde beglaubigt fein, werden aber nur im dringendsten Rothfalle genehmigt.
Diejenigen Mannschaften, bei denen Fußmeffunaeu noch nicht vorgenommen wurden, haben überhaupt keine Aussicht auf Befreiung.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müffen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 20. October 1897.
Großherzogliches B^irks-Commando.
Detring, Oberstlieutenant und Commandeur de» Landwehrbezirks Gießen.
Deutsche» Uctoth
Darmstadt, 25. Oktober. Der Kaiser von Rußland, der Großherzog von Hessen, sowie die übrigen Fürstlichkeiten begaben fich heute vormittag zur Sanjagd nach dem Kranichsteiner Park. An dem im dortigen Jagdschloß eingenommenen Jagdfrühstück nahmen auch die Kaiserin von Rußland, die Großherzogin von Heffen, die übrigen fürstlichen Damen und eine Reihe geladener Jagdgäste Theil.
Dresden, 25. Oktober. Umlaufenden Gerüchten gegenüber theilt Eommerzienrath Naumann mit, daß Minister v. Mquel nicht erklärt habe, für Frühjahr stände eine Zollerhöhung auf ausländische Fahrräder in Aussicht.
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