Ausgabe 
27.6.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ISO»

den 27. Juni

Enstes Blatt

«t. 148

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

HratisSeitage: Hießener Kamitienötätter

rkaufen.

313?

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« I Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg«.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Tag scheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

m

kflt mit Laden unb Ist unter günftigtn erlaufen. 5005 tti Südanlage 18-

um sie jetzt für die Deckung der KrtegSkosten zu verwenden. Es wird wohl genug Arbeit geben, bis Alles geschlichtet ist, und dann erst wird die dornenvollste Aufgabe, die Beruhigung Kretas, an die Mächte herantreten.

Die Reife des franzöfifchen Präsidenten F'aure nach St. Petersburg ist nun bald ebenso räthselhaft geworden, als die seither in Parts mit so großer Finesse verübten Bombenattentate. Wieder weht bezüglich dieser Reise ein anderer Wind. Erst sollte der Präsident die Fahrt nach Schluß der Parlamentssession, also gegen Ende Juli antreten, dagegen protestirten mit Erfolg einige südfranzösische Städte, denen der Präsident bereits seinen Besuch für diese Periode in Aussicht gestellt hatte, dann wieder hieß es, und zwar immer unter Berufung auf die sichersten offictösen Informationen, er ginge Anfang August, auch hieraus soll anscheinend nicht- werden, da Faure unter allen Umständen eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser auf See vermeiden will, was bei einer Reise um diese Zeit vielleicht nicht möglich wäre. ES klingt daher die nun neuer­dings wieder auftauchende Kunde aus Rußland, nach welcher die Reife am 20. Juli stattfinden soll, nicht gar zu unwahr- scheivlich. Das französische Geschwader wird genau dieselbe Route wählen, wie das, welches sich unter Führung des Admirals Gervais seinerzeit nach Kronstadt begab. ES ist ferner beschlofien, daß in Kopenhagen Halt gemacht wird und daß nur der Minister des Aeußeren den Präsidenten der Republik nach Rußland begleiten wird, wo der Aufenthalt auf sieben Tage bemesien ist. Während der Abwesenheit deS Präsidenten wird der Premierminister Meline vertretungs­weise fungiren und die etwa erforderlichen Decrete unter­zeichnen. Dieser Punkt, über den so viel hin und her ge­stritten wurde, scheint nunmehr definitiv erledigt. Anscheinend darf man sich, was die Faure'sche Reise an den Hof deS Zaren anbetrisst, noch auf eine politische Comödte ersten RangeS gefaßt machen.

Der Annexions-Vertrag der Vereinigten Staaten von Amerika mit Hawaii ist vom Senat an einen Unterausschuß verwiesen worden, welcher über die vielleicht aus dem Vertrag entstehenden Verwickelungen be- rathen soll. Wie jetzt bekannt wird, hat der Einspruch Japans gegen die Einverleibung Hawaii's ganz den Cha- ractcr eines Ultimatums,- die Einverleibung wird in dem Einspruch als geeignet bezeichnet, den Handel im nördlichen Stillen Ocean zu stören und bestehende Verträge und Rechte auszuheben. Die Antwort der amerikanischen Regierung auf den Einspruch Japans gegen den Vertrag mit Hawaii ist fast fertig gestellt. Dieselbe läuft auf eine nachdrückliche ge­setzliche Vertheidigung der Stellung der Vereinigten Staaten

97.00 104.65 24 PO 9720 OOlO

101.60 112.00

hinaus und führt zur Unterstützung der Ansprüche der Ver­einigten Staaten viele Beispiele aus dem internationalen

Die italienische Kammer genehmigte die Marine- Vorlage und sodann einen Nachcredit von FrcS. 7 Millionen für SchiffSneubauten. Der Schatzwinister Luzzatti er- klärte, er stimme für größere Aufwendungen für die Marine unter der Bedingung, daß die Budgets für Heer und Marine als ein Ganzes betrachtet und daß keine neuen Schulden irgend welcher Art gemacht würden, daß man eine Politik der vollständigen Sammlung betreiben und daß man der Marine alle Mittel zuweude, die bisher für Afrika auf­gewandt worden find. Der Minister lehnt schließlich den von zwei Abgeordneten gemachten Vorschlag, die Erforder- nifie für Schiffsneubauten durch eine Anleihe zu decken, auf» Entschiedenste ab.

Politische Wochenschau.

Die Nachrichten, die seit einigen Tagen aus Konstantinopel vorltegen, lauten bedeutend günstiger wie bisher und scheint ein Abschluß des Frtedensvertrags nunmehr zweifellos gesichert. Der Sultan scheint dem ein- müthtgen Drängen der Großmächte zu weichen und mit der -Zurückgabe TheffalienS nunmehr einverstanden zu sein. Auch in Bezug auf die von den Griechen zu zahlende Kriegsent­schädigung hat der Sultan seine Forderungen bedeutend er­mäßigt, waS indeffeu nicht hindert, daß die Regelung dieses Punktes vorläufig für die Mächte noch eine nur unter großen Schwierigkeiten zu umschiffende Klippe bildet. Wenn auch kein Zweifel darüber obwaltet, daß Griechenland sehr wohl im Stande ist, nicht nur seine bisherigen, allerdings hohen Schulden zu zahlen, sondern auch noch die Mittel besitzt, eine hohe KriegSindemnität zu leisten, wenn es nur den ernsten Willen dazu hat unb seine Verwaltung auf ehrliche Bahnen znrücklenkt, so bietet doch im Augenblick daS ge­schlagene Griechenland der Türkei gegenüber nicht mehr die Kraft und daS Ansehen, daß letztere eine Kriegszahlung an- ntmmt, die nicht in zuverlässiger Weise sicher gestellt ist. Ist doch ein großer Theil seiner Einnahmen schon für ältere Schulden an auswärtige Gläubiger verpfändet, fo die An« leihe von 1881 und 1884, wofür die Tabaksteuer, die Er- trägniffe der Domänen und die Ueberschüffe der Zollein- nahmen von Athen, PiräuS, Patras u. A. die Garantie bieten, ohne hierbei näher die griechische FundtrungSanleihe von 1893 zu erwähnen. ES wird daher uns diesmal nicht leicht sein, bU Form der Sicherstellung der zuletzt verein­barten Summe zu finden und wird man aller Wahrschein­lichkeit nach gezwungen sein, für eine Anzahl von Jahren, bis die durch ein von den Mächten garantirteS Anlehen herbeigeschaffte Summe der Kriegsentschädigung entrichtet ist, zu einer Verpfändung der Zölle einiger griechischen Häfen, insbesondere ValoS, zu schreiten, denn eS ist voll- ständig ausgeschlossen, daß die Machte etnwtlltgen könnten, ihren eignen Untertanen, soweit sie griechische Staatsgläubiger geworden sind, Sicherheiten auf frühere Anlehen zu nehmen,

Vierteljähriger Abonnementsprei» r 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

SchutstraßeM.7. Fernsprecher bl.

1897.

itlberreo" Mit s

»sn 1887

enirvb- L>bl-

ßt

ein und nach wetteren 14 Tagen entschlüpft der dunkelroth- braunen, tönnchenförmigen Puppe daS vollkommene Insekt. Die Entwickelung dauert also höchstens fünf Wochen, so daß im Laufe eine« Sommers mehrere Generationen aufeinander folgen. In der Wahl des Ortes, wo sie ihre Eier ablegt, gibt es für die Fliege kein langes Schwanken, wenn ihr kein Dünger zur Verfügung steht, benutzt sie zur Ablegung Fleisch, feuchte Nahrungsmittel, Spucknäpfe u. f. w. Im Gegensatz hierzu bedürfen die Maden, wenn sie erwachsen find, zur Ver­puppung einet trockenen Platzes.

Manche Leute find der Meinung, daß die Stubenfliegen zu Zeiten auch stechen. Wenn die Fliegen stechen, dann regnet es, hört man vielfach auf dem Lande sagen. An der Sache ist etwas Wahres und doch ist die Annahme nicht richtig. Die durch ihre unangenehme Neigung zum Stechen so lästige Fliege ist nämlich mit unserer Stubenfliege nicht identisch, sie gehört einer anderen Art an, die hauptsächlich im Spät- sommer erscheint und den Namen Stechfliege sührt. Der Stubenfliege ähnlich an Farbe und Größe, unterscheidet sie sich von derselben in erster Linie durch den wagerecht auS dem Maule vorstehenden Stechrüffel. Eigentlich lebt die Stechfl ege im Freien ober in der Nähe von Viehställen. Blut ist der ganz besondere Säst, mit dem sie des Leibes Nahrung befriedigt,- ein Vampyr int Kleinen, saugt sie eS den armen Thieren auS. Sobald aber die Luft sich mit Feuchtigkeit anzufüllen beginnt, zieht sie den Aufenthalt im Zimmer vor, also bet drohendem Regen. Wo Viehstalle in der Nähe find, kann man sich kaum deS schrecklichen Quäl­geistes erwehren.

Ah, was haben wir da? Einen mächtigen Brummer, auch Schmeißfliege genannt. Wir kennen ihn an seiner be­deutenden Größe und dem blauen Hinterleib. Die Schmeiß­fliege ist der Abscheu unserer Hausfrauen, forgfältig schützen fie Fleisch unb andere Nahrungsmittel vor ber gefürchteten Bestie. Ist doch bas Fletsch, an daS fie ihre Eier ablegt

Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme be» MontagS.

Die Gießener A-aMittendtütter werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Feuilleton.

Eine Entdeckungsreise im Wohnzimmer.

Von Hermann Greiling.

(Nachdruck verboten.) Willst Du in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah"

Wir find gewohnt, das Jntereffante draußen zu suchen, im Wald und auf der Flur, wo die Vögel fingen und die Blumen blühen. Aber daS Wetter ist für heute doch zu fchlecht. ES regnet in Strömen. Da lautet die Losung: Hübsch daheim bleiben! WaS aber anfangen? Der Sonntag ist ein ErholungStag, unb bie Arbeit will, wenn man sich einmal etwas anderes vorgenommen hat, gar nicht recht schmecken. Doch können wir unsere Excurfion denn nicht trotzdem vornehmen? Wie wäre eS, wenn wir z. B. ein­mal unser altes, trauliches Wohnzimmer wiffenschastlich erforschten? _ , _

Fangen wir zunächst einmal ein Exemplar unserer Stubenfliege, um eS einer genauen Besichtigung zu unter- werfen. Wahrlich, ein allerliebstes Thier, soweit ihr Aeußeres in Frage kommt. Welch feiner, zarter Bau, welch zierliche transparente Flügel! Allerdings zählt sie zu unseren Feinden, sie bildet eine der lästigsten Plagen der schönen Jahreszeit. Sie hestet sich an die Fersen des armen Menschen, wohin er sich auch flüchten mag, und fühlt sich eben so behaglich im kalten Norden wie in den sonnigen Tropenländern. Ihre Menge darf uns nicht auffallen, im Gegentheil, wir müssen unS wundern, baß fie nicht hunbertmal zahlreicher ist. Denn ihre Fruchtbarkeit ist eine ganz erstaunliche. In einer Viertel- stunbe entledigt sie sich eines Schockes perlmutterglänzender, walzenförmiger Eier, auS denen schon nach höchstens vier- zehn Stunden die jungen Larven hervorkriechen. Diese, die bekannten Maden, find nach 14 Tagen erwachsen, puppen sich

ine j

feSiX

Meßmer Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

^euen

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Juni. Zu der Frage der Behandlung der Socialdemokratte schreibt die Crefelder Zeitung: Wenn man überhaupt sich hüten soll, nur aus einem ge­wissen Gefühl heraus die Gesetzgebung anzurufen, wenn man nicht gleichzeitig bestimmt sagen kann, was man nun eigent­lich will, so ist solche Vorsicht bei der Frage: waS Hilst gegen die Soctaldemokratie, doppelt unb dreifach geboten. Nun find bei ber zweiten Lesung deS Vereinsgesetzes von nationalliberaler Seite Redewendungen gefallen, die von der Regierung nur alS eine Aufforderung zu einem neuen Socia- Wertgesetz, also zu einem Ausnahmegesetz, aufgefaßt werden können. Dir Zweckmäßigkeit einer solchen Ermunterung be­zweifeln wir. Wir halten es für wohl angebracht, der von einigen Blättern fast täglich wiederholten Behauptung, daß unter den Industriellen überhaupt keine andere Meinung fei, alS: ein neues Ausnahmegesetz muß her, entgegenzutreten. Wir hörten diesseits und jenseits des RheineS in industriellen Kreisen in den letzten Wochen oft mit größter Bestimmtheit das Wort aussprechen: Alles, nur keine neuen Experimente! Man sagte unS: man möge fich doch in Berlin nicht vor* stellen, alS ob die Thatsache, daß unter unseren Arbeitern Socialdemokraten find, uns die Nachtruhe raubt, oder meinen, es sei da überhaupt kein Auskommen. Die Zahl derjenigen Arbeiter, die thatsächlich gefährliche Politiker find und für ihre Ideen arbeiten, ist so lange Arbeit und Verdienst da ist eher im Sinken als im Steigen. Aber eS ist ganz klar, wird von oben wieder das Schreckbild einer AuS- nahmegesetzgebung auSgehängt, so werden die socialdemokra- tischen Mühlen allenthalben im Handumdrehen wieder lustig

und fie hält deren bis 200 vorräthig, die nach etwa vier Wochen die fertigen Insekten liefern unrettbar der Fäul- niß verfallen. Die Maden kriechen schon nach einem Tage auS und bohren fich sofort in daS Fleisch, den Käse oder die Nahrungsmittel ein, wo fie daS Licht der Welt erblickt haben, sie wachsen förmlich zusehends und ihre ekelhaften Entleerungen verderben eS rasch. Ihr WachSthum ist ein so schnelles, daß fie innerhalb zweier Tage daS Vierhundertfache ihres ursprüng­lichen Gewichtes erreichen eine Leistung, die ihnen kaum ein anderes lebende- Wesen so leicht nachmacht.

Die wenigsten dürften übrigens wiffen, daß es auch Fliegen gibt, die lebendige Jungen zur Welt bringen. U. a. bie Fleischfliegen, bereu Eier schon im Mutterleibe auS- kommen. Man hat berechnet, daß fich bie Nachkommenschaft nur eine- Exemplars biefer Fliegenart während, eines ein­zigen Sommers auf 5OO Millionen belaufen würbe wenn man fie fich ungestört vermehren ließe. Zum Glück sorgt unsere Reinlichkeit und sorgen unsere Vögel bafür, daß bie 500 Millionen nicht voll werben.

Die Gefahren, welche uns von den Fliegen drohen, sollten wir nicht unterschätzen. Wenn wir auch nicht so von ihnen zu leiden haben, wie die Bewohner südlicher Regionen, so find doch Vergiftungen durch Fltegenstiche, deren Urheber vorher mit giftigen Substanzen in Verbindung gekommen find, immerhin nichts Seltenes. Auch als Verbreiter von Cholerabazillen können fie gefährlich werden. Brehm be­lebtet, daß man Fliegenmaden, wenn auch nicht gerade die unserer Stubenfliegen, au« Ohrengeschwüren heranSgeschnitte» hat, unb daß eine Fleischfliegenlarve den inneren Augen- winkel eines Knaben, der im Freien eingeschlafen war, derart verletzte, daß er erblindete. Vorficht also beim Schlafen im Freien.

(Schluß folgt.)

iebück,

, Wiener Cm lettler.

^'eener, ^LBier.

Amtlicher Theil.

Gesunden: 1 golb. Ring, 1 Spazierstock, 1 Taschen­messer, 1 brauner Handschuh, 2 Taschentücher, 1 Handtuch, 1 Lampe und 1 Heustrang.

Gießen, den 26. Juni 1897.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. 23.: Roth.

°L 8 1905 101- ?190610k;

atü

** ' i 81.08

* - te

lie

i werden;

irscheint, ist unstreitig Dwts-land».

ist in jeder Nummer Lierteljabr abonrfrt auf die »NieMe ,d)5: I

Itn Central-Anierzer; Die Naturalien- M raW: Das AM Mu fw-.u-f-n,); HauswirthM und ines bochin eressanten, « w Bellum MN- rhierschlltzbestrebMim ligkeit anUnttrW .r.nmeM aberlOr iorstbeamten, Miner, alten in allen LLndem i und liefern die im 1 prompt M M-n >nl'__

UM

Haurarbeit

Witdr-GarE. Sorten Schub, jjtt», Schneider- und 2m beigen die in der Probe- nehmt unbeanstandet Ä »WUatia. imt1pti4tn,$ntmnat1c# 1 J-Hk Saraotie.

ranco. M

i 3431

theaberger Wto.

11 fuM

M. tun einigemal H tyl Dttl Ml

8, Willi, to.