Ausgabe 
27.5.1897 Erstes Blatt
 
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werden. Die Untersuchung ergab nicht, ob er Cowplicen habe. Man soll eS mit einem Fanatiker zu thun haben. (?) Wie», 26. Mai. Da»Neue Wiener Tageblatt" meldet tu» Athen, da» griechische Cabinet habe erklärt, daß es rückhaltlos die von Europa zu bestimmenden Friedens- bedingungen accepttren wolle.

Proceß v. Tausch-Lützow.

Berlin, 25. Mai.

Die heutige Sitzung im Procrsse v. Tausch« v. Lützow begann mit einer Erklärung de» Oberstaatsanwalt» Drescher, daß nicht er, sondern die Bertheidigung den Dr. Mantler, al» Zeugen geladen habe. Dann erwähnte der Oberstaats' anwalt, daß v. Tausch s. Zt. den Redacteur derBerl. Pol. Nachr.", Schwetnburg, angeborgt habe, und giebt schließlich seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß verschiedene Tages­zeitungen bereits während der Verhandlung Artikel veröffent­lichten, welche geeignet erscheinen, je nach der Richtung und Stimmung de- betreffenden Blattes für oder gegen die Schuld der Angeklagten das Wort zu nehmen.

Bewegt und mit erstickter Stimme erklärte v. Tausch, daß er einem bayerischen Offizier, angeblich in einer Ehren­sache, Geld geliehen habe, womit der Offizier nach Amerika durchgegangen sei. Er, Tausch, sei dann in Wuchererhände gefallen, und habe schließlich 1400 Mk. Schulden zu bezahlen gehabt. Daher rühre seine finanzielle Zerrüttung. Der Präfldeut erklärt, das nähere Eingehen auf alle diese Einzel­heiten nicht zur Verhandlung stehenden Thatsachen würde den Proceß um zwei Wochen verlängern. Oberstaatsanwalt Drescher besteht aber darauf, daß diese Sache zur Erörterung gelange, v. Tausch verthridigt alsdann warm seinen früheren Chef, den Poltzeipräfidenten Frhr. v. Richthofeu, der auch unter dem Ministerium des Auswärtigen Amtes habe leiden müssen; Überhaupt sei daS Auswärtige Amt von einem un­erklärlichen Mißtrauen gegen die Polizei behaftet gewesen, v. Tausch und Frhr. v. Richthofen hätten sich Jahre lang vergeblich bemüht, dieses Mißtrauen beim Frhrn. v. Marschall zu beseitigen.

Der Präsident bringt einen Brief zur Sprache, welcher anonym an den Staatsminister v. Köller im Jahre 1894 riulief. Während v. Tausch jegliche Beziehung zu diesem Briefe ableugnet, und denselben gar nicht kennen will, ist v. Lützow bereit, Aufklärung zu ertheilen. Demnach war v. Tausch gegen den StaatSmioister v. Köller eingenommen, weil daS neue Ministerium sich derBerl. Corresp." bediente, und sie mit osfictellen Nachrichten versah. Diese Mtttheil- uogen floffen hauptsächlich den liberalen Blättern zu. Diese amtliche Thätigkeit mißfiel dem Angeklagten v. Tausch und e» wurde der Angeklagte v. Lützow von dem mit angeklagten v. Tausch veranlaßt, diesen Brief abzufaffen. Letzterer gab Ihm spectelle Informationen. In der Leipzigerstraße ließ v. Lützow in einem Geschäft auf der Schreibmaschine den Brief ansertigen, wofür er 2 Wit. bezahlte. Er gab ihn zur Einsicht dem Angeschuldigten v. Tausch, der ihn revidirte und ließ dann den Brief vervielfältigen. Er hat den anonymen Brief selbst aufgegeben und ein Exemplar dem v. Tausch auSgehändigt.

Während dieser Erklärung wendet sich v. Tausch vielfach um und blickt v. Lützow wegen dieser Treulosigkeit von unten bis oben mit stechendem Blick an.. Dem Vorsitzenden gegen­über leugnet v. Tausch jede Beziehung zu dem anonymen Schreiben an den Minister v. Köller ab. v. Lützow wird nun vom Vorsitzenden gefragt, ob e» wahr sei, daß er auf Antrag de» Angeklagten v. Tausch auch mit dem Polizeirath Eckardt, der im Ministerium des Innern beschäftigt gewesen, in Verbindung getreten sei. v. Lützow bejaht die», während Tausch eS entschieden in Abrede stellt. Auf den anonymen Brief an den Minister von Köller nochmals zurückkommend, sagt Tausch aus, Lützow habe den Brief aus dem Grunde geschrieben, weil er sich damals habe selbstständig machen «ollen. Der Brief wird verlesen, v. Tausch behauptet nun nach Verlesung deS Briefes, aus dem Inhalt gehe hervor, daß eS sich um eiu rein privates Interesse deS Lützow handle. Lützow bestreitet, daß er sich habe selbstständig machen wollen. ES kommt nunmehr daS anonyme Schreiben, welches der Chef- redacteur desBerl. Tagebl.", Dr. Arthur Levy'ohn, am 22. October 1896 erhalten hatte, zur Sprache. Ja dem Schreiben wurden allerlei Mittheilungen über Lützow gemacht. Der Redacteur Gingold Staerk wurde mit dem Briefe zum StaatSsecretär Marschall gesandt. Dieser sandte jedoch den Brief Herrn v. Tausch, der ihn photographtren ließ. Ge­fragt, zu welchem Zwecke er das gethan, erklärte Tausch, er habe einen Beweis dafür haben wollen, daß Levysohn über die Polizei Nachrichten an das Auswärtige Amt geschickt. AlS Schreiber des Briefes bezeichnet der Angeklagte Herrn Unruh. Nunmehr tritt eine Pause ein.

Nach Wiederausnahme der Verhandlung beantragt Rechts­anwalt Dr. LubczynSkt die Ladung einiger weiterer Zeugen. ES folgt die Vernehmung de» Tausch über die Affatre der Münch. Reuest. Nachr." d. h. die dort erschienene Depesche über die StaatSministerial-Sitzung in Sachen der Militär- strasproceß Ordnung, die von dem Angeklagten Tausch nach dem Urheber angestellten Recherchen und die Htnetnztehung de» Namen» Kukutsch rc. v. Tausch behauptet, daß er zum Oberstlieuteuant Gaede gleich geäußert habe, daß die Quit­tung ihm als gefälscht erscheine, dieser habe aber gemeint, der Betrag sei so gering und eS komme ihm bei der richtigen Ermittelung nicht auf Mk. 50 an. UebrigenS stamme nach der Ansicht de» KriegSminister» Bronsart von Schellendorf der Artikel aus dem Ministerium de» Innern. Oberst Gaede stellt dies in Abrede, v. Lützow sagt au», der Mitangeklagte habe ihm bet der ersten Information über diese Affaire mit- getheilt, daß man im Kriegsministerium den Minister von Köller im Verdacht der JndiScretioo habe. Er habe sich nun an den Vertreter de»Hann. Cour.", v. Wangerow, gewandt, um Nähere» von demselben zu erfahren. Schließlich habe er

in derselben Sache den Kukutsch ausgesucht. Als er Tausch darüber berichtete, habe er betont, Kukutsch brauche Mk. 50. Tausch habe ihm darauf Mk. 60 geschickt.

Der Vorsitzende fragt nun Lützow, welche Absicht Tausch hätte haben können, ein so widersinniges, läppisches Stückchen zu insceniren. Die ganze Aussage Lützow» erscheine unglaub­würdig. Auch im früheren Prozeffe habe der Angeklagte von Lützow seine falsche Anschuldigung dem Kukutsch mit eiserner Stirn in» Gesicht geschleudert, von Lützow entgegnet, allerdings habe es den Schein, als ob es sich so verhalte, er könne aber an seinen Aussagen kein Tüpfelchen ändern. Der Präsident erwidert: DaS sagen Sie mit derselben frechen Stirn, wie gegenüber Kukutsch. Oberstaatsanwalt Drescher ist auch der Ansicht, daß Lützow in diesem'Punkte nicht die Wahrheit sage. Lützow behauptet nochmal», die Quittung nicht gefälscht zu haben. Auf wiederholte» Befragen, wer denn die Unterschrift hergestellt habe, erklärt Lützow, e» könne wohl möglich sein, daß er selbst den Namen geschrieben habe, aber dann wisse er eS nicht mehr (Bewegung). Der Bertheidiger, Rechtsanwalt Holz, fragt hierauf von Lützow, was für ein Interesse er gehabt habe, gerade den Namen Kukutsch zu schreiben. Lützow antwortet, er habe niemals mit seinem Namen quittirt. Auf die Bemerkung deS Präsi­denten, daß das eine schöne Geschichte sei, bemerkt von Lützow: Wenn ich alles daS sagen könnte, wa» ich in den sech» Jahren habe thun müssen, so würden Sie mir glauben, daß ich nicht in meinem Interesse den Namen Kukutsch geschrieben habe. Ich werde aber mit meinem Bertheidiger darüber berathen, ob ich, um meine Ehre zu retten, nunmehr nicht alles an daS Tageslicht bringen soll. Angeklagter von Tausch wird nun über die Bestechung des Kukutsch vernommen. Lützow sei von ihm nicht beauftragt worden, Kukutsch zu verleiten, sondern etwas zu ermitteln. Lützow habe gesagt, Kukutsch sei bereit, sich bestechen zu lassen. Auf die Frage deS Präsidenten, ob es wahr sei, daß die Agenten mit falschen Namen quittirten, antwortet Tausch mit Ja. Es würde aber nur mit einem bestimmten Namen gezeichnet, von Tausch erklärt deS Weitern auf die Frage, warum er den Lützow nicht entlassen habe, er hätte daS nicht thun können, da Lützow zu viel erfahren habe und Verrath hätte üben können. Der Präsident spricht hierauf seine Verwunderung darüber aus, daß in keinem Bericht über die QuittungSfälschung etwas erwähnt sei. Er behalte sich in seinem Schlußplädoyer vor, die» als eine bewußte rechtswidrige Handlung zu beweisen. Angeklagter von Lützow erklärt noch, Herr von Tausch habe sich stets in den schärfsten bayrischen und norddeutschen Aus­drücken gegen daS Ministerium Köller geäußert. DaS Ganze sei ein Racheact, ein Polizeiact gegen Herrn von Köller ge­wesen. Oberstaatsanwalt Drescher betont nun, der Ver­teidiger vr. LubczynSkt habe bemerkt, daß Lützow zu seinem Geständniß an jenem Abend im Leckert-Prozeß gekommen sei, als er bei dem Schweigen Tausch- gegenüber Kukutsch dessen Schlechtigkeiten erkannte. Auch der Oberstaatsanwalt hält dieses Schweigen für verwerflich, meint aber, daß Lützow kein Recht gehabt habe, daran» Capital zu schlagen. Er möchte ihn fragen, ob er etwas anderes erwartet habe. Angekl. von Lützow: Ich habe stets zu Herrn von Tausch gehalten, ich habe ihn geliebt (Heiterkeit), ich habe mit ihm auch in der Politik au einem Strange gezogen, denn ich war auch Gegner des neuen CurseS. Er hatte gesagt, ich sollte festhalten, er würde mich heraushauen. Mit diesem Der« trauen kam ich in den Prozeß. Schumann war von ihm ab­hängig und stand im Verdacht der Bigamie und Unterschlagung. Auch Gtugold Staerk, der noch ein Rekrut war, war von ihm abhängig. Als ich sah, daß Kukutsch auftrat und daS Gebäude zusammenfiel, ließ ich mich zu Verdächtigungen hin­reißen. ES war der schrecklichste Augenblick meines Leben». Ich konnte damals nicht mehr schweigen. Der Präsident entgegnet: Damals hatte ich auch den Eindruck, als ob Sie ein Geständniß ablegen wollten. Ein Geständniß macht nur ein Schuldiger. Handeln Sie auch heute darnach. Bon Tausch erklärt sich für zu erschöpft, um darauf erwidern zu können. Die Verhandlung wird um 5 Uhr auf morgen 9 Uhr vertagt.

WB. Berlin, 26. Mai.

Die im Prozeß Tausch beantragte Vernehmung de» Ministers von der Recke wurde abgelehnt. Die Ge­schworenen verweigern die Annahme des an sie gerichteten Schreibens, das uneröffnet der Post zurückgestellt wurde, v. Tausch, befragt, warum er im Leckert-Prozeß bei den falschen Anschuldigungen LützowS gegen Kukutsch geschwiegen, erklärte, er habe wegen Fälschung keine Strafverfolgung gegen Lützow eingeleitet in dem Gefühl, daß dies dem GtaatSintereffe nicht entspreche, wenn er in öffentlicher Verhandlung in dem Kampfe zweier Minister in die Er- scheinung trete; er habe deßhalb auch bei dem Ver­hör Kukutsch geschwiegen, weil er nicht direct befragt wurde. Der Oberstaatsanwalt hebt hervor, daS Zeugniß verpflichte auch, nichts zu verschweigen, v. Tausch bittet, in Betracht zu ziehen, daß er nicht wie andere Zeugen da- gestanden, sondern als Beamter mit bestimmten Aufträgen; wäre Kukutsch verhaftet worden, so wäre er sofort vor- getreten, um ihn zu entlasten. (Bewegung.)

. CocaUs ntiö prroiitsicltef,

liefet», den 26. Mai.

* KreiSansschutzfitznvg. Samstag den 29. Mai d. I, Vormittag» 9 Uhr, findet in dem RegierungSgebände dahier eine öffentliche Sitzung deS KreiSauSschuffes mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch der Oranienbrauerei in Dillenburg um Erlaubniß zum WirthschaftSbetrieb im Hause Goethestraße 54 dahier. 2. Gesuch deS Heinrich Nau zu Gießen um Ertheilung der Erlaubniß einer Schank« wirthschaft.

Unfall. In der Werkftätte der Oberheisischeu Eisen­bahnen gerieth gestern ein Arbeiter mit der Hand in daS

Getriebe einer Bohrmaschine, wodurch ein Finger so beschä­digt wurde, daß er amputirt werden mußte.

** lieber den Telegirteatag bei Landes Kriegerverbandel Hasfia", welcher am Sonntag in Oppenheim stattfand^ wird u. A. berichret: Der Delegirtenkag wurde durch den Präsidenten, Herrn Oberstlieutenant Caspari, mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog eröffnet. Die Präsenzliste ergab die Anwesenheit von sämmtlichen 57 Deleqirten, welche 1464 Stimmen und 715 Vereine mit 41620 Mitgliedern repräsentirten. Die Herren Vertreter der Oppenheimer Der- waltungS- und Stadtbehörde wurden herzlich bewillkommnet- desgleichen die erschienenen Vertreter der Pfälzer Kampf» genossenschast. Dem RechenschaftS-, Kassen- und Providentia- berichte folgte ein Bericht de» Herrn Minnich «Oppenheim über daS Jahrbuch, das in 17153 abgesetzteu Exemplaren Mk. 2573.25 Reingewinn abwarf. Bon 80 Waisenkindern konnten 59 Berücksichtigung finden. Die drei ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder, die Herren Auler-Bensheim, Scriba- Schotten und Minnich-Oppenheim, wurden einstimmig wieder­gewählt. Für den nächstjährigen Verbandstag wurde Jugen­heim mit 678 Stimmen gewählt. Mitbewerber waren Groß- Gerau und Langen. Der Prinz Ludwig - Stiftung fielen Mk. 4745, dem KyffhLuser-Denkmal Mk. 3548 und der Ernst Ludwig« und Victoria Melita-Stiftung für 59 Kinder Mk. 590, sowie an Providentia-Bonificationen dem Verbände Mk. 6500 zu. Der Präsidial-Autrag auf Bewilligung von Tagegeldern an die Delegirten und daö Präfidialmitglied wurde ange­nommen, ebenso der Antrag de» Vereins Unter-Mossau, die Zuziehung der Kriegervereinsvorstände zu den Berathungen der Vertrauenspersonen solcher Vereine, welche sich die Für­sorge für Kameraden zum Ziel setzen. Auch der Antrag deS Vereins Butzbach, Unterstützungsgesuche solcher vereine, welche sich beharrlich gemeinnützigen oder patriotischen Veranstaltungen widersetzen, ablehnen zu können, wurde angenommen; dagegen wurde der Antrag deS Bezirks Laubach, die Anschaffung von Stempeln auf Kosten der BezirkSkassen betr., abegelehnt. Der Voranschlag pro 1897 schließt mit Mk. 21670 in Ein­nahmen und Ausgaben ab. Anmeldungen zur Kaiferparade bei Homburg müssen bis Ende Mai eingereicht sein. Damit endeten die Verhandlungen, denen eine gemeinschaftliche Fest­tafel folgte.

Wetterbericht. Die Luftdruck - Bertheilung ist über Europa bei im Allgemeinen geringen Unterschieden in den Barometerständen sehr unregelmäßig geworden. Namentlich am Südfuße der Alpen find zahlreiche kleine Thrilminirna vorhanden, unter deren Einfluß vielfach Niederschläge gefallen sind. DaS Maximum im Nordwesten hat sich südwest verlegt und dadurch an Intensität verloren. Bon ihm erstreckt sich ein sehr unregelmäßig begrenzter flacher Rücken hohen Drucke» über den Canal und über die Nordsee. Die Haupt-Depression liegt noch über Südrußland. Voraussichtliche Witte­rung: Ziemlich wolkiges, aber unbeständige» Wetter mit zeitweisen Niederschlägen und localen Gewittern.

P3 Ober-Mockstadt, 25. Mai. Der zum Segen unserer Gemeinde und der Nachbarorte dahier bestehende Borschust­und Creditverein, e. G. m.u.H., schloß bei einem Kassen­umsatz von rund Mk. 834 200 pro 1896 mit Mk. 6 466,21 Reingewinn ab, wovon 10% den GeschäftSantheilen al» Dividende zugeschrieben werden. DaS Bereinsvermögen betrug am Ende deS verflossenen Geschäftsjahre» Mk. 808 301,36 und die Mitgliederzahl 291. Die s. Z. vielumworbene Rechnerstelle wurde dem seitherigen Kassirer Kaiser wieder übertragen.

A Mainz, 25. Mai. Die diesjährige Regatta de» Mainzer Ruder-Verein», die nach dem erfolgten Ausschreiben am 13. Juni stattfinden sollte, ist gemäß gestern gefaßten Beschlusses auf den 1. August verlegt worden. Man kam damit den Wünschen vieler befreundeter Vereine nach, von denen der erste Termin al» zu frühzeitig erachtet worden war.

Wohlauf zum fröhlichen Wandern;

ES glänzet der Frühling so licht durch den Hain, ES rieselt die Quelle im Sende!

Mit diesen stimmungsvollen Worten des stetig man dernden ZigeunerkindeS, laß Dir freundlichen Gruß entbieten, lieber Leser!

ES ist Frühling! Erwacht zu neuem Werden, erlöst aus TodeSfefleln, beginnt die Allwutter Natur wieder ihren neuen Kreislauf. Da wo noch vor kurzen Wochen de» Winters starres Leichentuch lag, schwillt nun de» Lenze» zauberndes Grün; da, wo noch vor Kurzem der Murmelbach sich durch eine glitzernde Eiszapfenhülle den Weg bahnte, stehen nun die grüßenden Blumenkinder, getränkt von krtstall- hellen Thauperlen. Wo der scharfe Nord die kahlen Zweige brach, wiegt sich in deS Lenzwindes frischem Zuge die Lerche und schmettert ihr frohlockend Lied. Uno ein heilige» Sehnen erfaßt deS Menschen Brust. Eine neue Kratt bewegt baß stockende Herz, eiu neues Hoffen erregt den zagenden Geist. Wohl auf denn, hinaus in den Garte« der Welt!

Ein Heer von Sorgen umgibt Dich daheim. Mehr Gold! ist die Losung im modernen Lebenskampf und mit zehrender Strenge beherrscht der nackten Selbstsucht dämo­nische Gewalt unsere Zeit. Die kindliche Frohnatur stirbt dahin unter der Sclavenherrschaft des Mammons und klagend fragen wir das Geschick: Ist baß bie so viel gepriesene Cultur?! Massett werden gegen Massen aufgeboten; ge­sondert nach Rang und Arbeitorgamfut" sich der Mansch gegen den Menschen. Rnhelo»speculirt" der Bemittelte, ruheloskämpft" der Arme und in all dem Ringen noch Dortheilen und irdischen Gütern vergißt der Beherrscher der Erde, daß er ein göttliche» Bernunstwesen ist. Unser Hirn ist voll Wissen, unser Gedankenkrei» zieht die Geschichte I ganzer Jahrtausende in seinen Bereich, stolzbewußt feiern