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wir die Großthaten des Menschengeistes und besonders das zur Neige gehende Jahrhundert zeigt uns die Titaneogewalt menschlichen Könnens. Doch dies strahlende Bild hat auch seine TodeSschatteu. Eine Krone für das, was menschlicher Geist ersonnen! Ein Diadem dem Arbeiter am stolzen Culturtempel! Doch, welk wird einmal all der Lorbeer irdischen Ruhmes 1
Zerfallen in Trümmer wird der stolzeste Tempel, wenn die, die ihn bewohnen, im steten ZerfetzungSkampfe verharren, wenn ihnen nicht das himmlische Manna der allumfassenden Bruderliebe den Labetrunk beut im schweren Ringen. Nicht im Bereichern mit allerhand geistigen, sittlichen oder gar materiellen Gütern allein kann deS Lebens Würze liegen, nein, es müssen Ruhepausen des stillen Genusses dazwischen abwechseln. Dem hastenden Vorwärts muß ein mähizrndrs Halt geboten werden, der routinirten WirthschaftSmajchtne, dem nach Gottes Ebenbild geschaffenen Menschen muß AuS» spannung und Erholung gewährt werden. Welcher Erholung»« genuß ist da der beste? Ein Jeder weiß es, aber Wenige handeln danach. Keine Feste, keine Kneipgelage, draußen, wo der frische Odem der freien Gottesnatur weht, da ist daS Paradies Deiner Gesundung und Erfrischung. In dem Wundergarten der Schöpfung ergehe Dich und vergiß eine ganze Spanne Zeit, was Dich drückt und bindet. Da strhe um Dich und empfinde die Größe der schaffenden Natur, e» wird Dir klar werden, wie klein Du dagegen bist. Versenke Dich in daS Wesen dieser unsterblichen Werdekraft, eine kindliche Freude und Ehrfurcht wird Dich beschleichen und mit den gefiederten Sängern wirst Du einstimmen: Wie bist du doch so schön, bji wette, weite Welt! Dann zieht ein frischer Hauch durch Deine Seele, Dein Auge blickt auf und die Sticn hebt fich frei. Ein erquickendes Wohlbehagen gibt Dtr die Gewißheit, daß die Mutter Erde bet allem Leid auch noch herrliche Freuden hat. Der dräuende Ernst von daheim wird schwinden, und Kraft wirft Du finden zu neuen Thaten.
Die „deutsche Turnerschaft" hat diese Wanderfahrten als eine ihrer vornehmsten Bestrebungen in ihren Arbeitsplan aufgenommen. Da ziehen sie denn hinaus mit klingendem Spiel, die Alten wie die Jungen. Wie spricht mau fich so herzhaft au», wenn Freund dem Freund fern von den heimischen vier Wänden die volle Seele auSschüttet, angeregt durch die grünende und blühende Welt! Grade daS volkliche Wesen deS deutschen Turnen», seine allumsaffende, toctale Grundlage bietet auch hier wieder den besten Boden für eine gedeihliche Wirkung.
DaS Wesen der Turnerschaft im Sinne Jahn» beruht auf Einfachheit. Auch die Turnfahrten kennen keinen Aufwand. Weder Wagen noch Rad gebraucht man als Hilfsmittel, denn der Gott, der uns zum Gehen und Laufen ein Paar gesunde Beine gab, will dieselben auch gebraucht wiffen hi natürlicher Weise. Pracitsch und bequem ist ja heute so viele», vorthetlhaft nach dem Spruche: Zeit ist Geld! Ob
daS Alles aber gesund ist und nachhaltend dem Dolkswohl, der Gesammthkit dient, daS ist was anders. Alle die rafft« uirten Kunstmittel deS Zeitgeistes, so prickelnd und siege»- gewiß sie auch auf uns wirken, entbehren meist der inner- ltchen Weihe. Alles prunk« und pomphafte Wesen ist doch meist nur falscher Schein, unsere Nerven werden zerrüttet und unsere Seele verliert ihre Ruhe. Nur im einfach Natürlichen kannst Du de« Leben» wahre Kunst finden, nur darin liegt Segen und wahrer Genuß. Also hinaus au» engem Haus! Nimm Deinen Wanderstab und ziehe mit der fröhlichen Turnerschaar! Wlrf de» BorurthcilS beengende Feffel einmal ab, frage nicht, ob dieser oder jener der Mitwandernden mehr oder weniger hat und ist, wie Du, bedenke bei allem Werden und Vergehen der Schöpfung um Dich herum, daß auch der Mensch ein Theil der organischen Welt und den Gesetzen einer unfaßbaren Naturgewalt unterworfen ist. Auch ihm ist nur eine kurze Zett deS Leben» beschieden. Auch er hat feinen Frühling u. s. w. Doch vergleiche einmal draußen den prangenden Frühling, den reifenden Sommer, den segenbringenden Herbst, de» Winter» stille Majestät mit den Lebensaltern so vieler Menschen von heute. Da gibt eS kaum einen Frühling mehr, schon die früheste Jugend wird mit Ueberbürdung de» Lernens abgequält einer- seit» und andererseits wird ihr schon daS Lied vom Klaffen« und Maffenkampf gesungen und die keimende Seele vergiftet. Greisenhafte Jünglinge wollen dann Staaten bezwingen und Neid und Streberthum hemmen jede gesunde Entwickelung. Hat dann im Sommer und Herbst das Leben zeitlich seine Höhe erreicht, dann ist die natürliche Vollkraft längst dahin oder ist gar nicht zur Reife gekommen, Unzu- zufriedenheit verdunkelt daS Gemüth un* * die Seele erfüllt bittere Klage und stiller Haß. DaS Auge des Geiste» sieht alles grau in grau und man findet in dem Mitmenschen nicht mehr den Bruder, sondern den Unhold und den Tyrannen. — Solche Empfindungen und klar erwogenen Gedanken inmitten der freien GotteSnatur werden Dir Einkehr bringen, ein beffereS Erbenlos wirst Du erkennen und gerne in die gebotene Bruderhand des mitwandernden Ge- noflen einschlagen. Kehrst Du dann später wieder heim nach so viel Freude und Genuß, dann hast Du etwas errungen, wa» Dir kein Gold dieser Erde ersetzen kann. Gerne wirst Du die Reihen der Mitwandernden wieder aufsuchen, Du wirst die frohe, freie deutsche Turnerart preisen und sie im nationalen, socialen uud ethisch-sittlichen Sinne al» einen Jungbrunnen für die Gesundung und Erhaltung wahren Volkslebens schätzen lernen.
Wohlauf denn, zieh mit mir hinaus und koste die Schönheiten der heimischen Erde! Zieh auS mit fröhlichen Menschen und Freude wird in Deine,Seele ziehen! Vergiß im freien Reiche der GotteSnatur de» Alltagslebens Feffel und eine göttliche Freiheit wird Dir werden! Gut Heil zum fröhlichen Wandern!
Wilhelm Wintesr.
Ve*«ischtes
• Trier, 25. Mai. Auf eine telegraphische Anfrage der Kaiserin über daS Befinden der bei Gerolstein Verwundeten antwortete der Chefarzt deS hiesigen La- zarethö Zwicke: Von den 36 Verwundeten find 9 schwer verletzt, 12 sind bereits aufgestanden. Ihr Zustand ist günstig.
• Die Bicioria«Fahrrad«Werke, Act.«Gef. in Nürnberg, haben neuerdings von dem Köaigl. Preuß. KciegSmtnistertum einen umfangreichen Auftrag auf Fahrräder erhalten, nachdem dieses Etobliffement erst kürzlich eine größere Anzahl der sich vorzüglich bewährten „Victoria"-Militärräder für daS 11. und 16. Armeecorps zur Ablieferung gebracht hat.
Wöchentliche Ueberstcht der TodeSMe tu Gieße*
21. Woche. Vom 16. Mat bis 22. Mat 1897.
Einwohnerzahl: «genommen zu 23 700 (tncl. 1600 M«nn Militär).
SterbttchkeitSziffer: 17,54, nach Abzug der Ortsfremden 15,36°/».
Kinder
LS starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom
1. Lebensjahr: 2 — Ib.Jahr:
Lungenschwindsucht Lungenentzündung
3 (1) 1
3 (1) 1
—
—
Lungencatarrh
1
1
—
—
Herzleiden
1
1
—
—
Darmcatarrh
1
—
1
—
Krämpfen
1
—
1
—
Summ»:
8 (1)
6 (1)
2
—
Anm. Die tn Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle tn der betreffenden Krankheit auf von «uSwärt» nach Gießen gebrachte Kranke komm«.
Temperatur der Lahn und Luft
nach Reaumur gemeffen am 26. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags:
Wasser W, Loft 16°.
;Rübsamen'sche Badeanstalt.
Vattetyt' tand- unb Polf»wirtbkt?aft
W. Gießen, 26 Mat. Der gestrige Viehmarkt war von fremden Käufern vom Rhein, der Mosel und aus dem Siegerland lehr gut besucht. In Folge davon setzte der Handel schon frühzeitig flolt du und blieb auch so während der Dauer deS Marktes, sodaß gegen 11 Uhr der Platz beinahe vollständig geräumt war. Der Auftrieb bestand auS etwa 600 Kühen, 60 bis 80 Rindern und ca. 200 Kälbern. Am Markt waren Vogelsberger und Landrassen, nur vereinzelte schwere Waare, die sehr gesucht war. Gegen den letzten Markt wurden diesmal höhere Preise erzielt und kosteten Kühe frischmelkend und tragend 1. Qualität 375 btS 475 Mk., 2. Qualität 275 bis 325 Mk., geringere Waare wurde nach Werth zu guten Preisen abgesetzt. Fttle Rinder wurden gehandelt: 1. Qualität 54 bi» 58 Mk., 2. Qualität 50 bis 52 Mk. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht. Schwere Kälber (die für Rauhetm, Wiesbaden rc. gesucht und stark abgingen) wurden mit 56 bis 58 Mk., leichtere Waare mit 50 bis 52 Mk. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht abgegeben. Auf dem heutigen Ochsenmarkt waren 20 Stück F/s5 bis 2jährige Stiere aufgefahren. Es mangelte an Käufern, sodaß eS zu Anfang schien, «lS ob der Markt ungeräumt bleiben würde, doch entwickelte sich das Geschäft zum Schluß noch und wurde zu einigermaßen guten'Preiftn verkauft. Die erzielten Preise schwankten zwischen 160 bis 225 Mk pro Stück je nach Qualität.
{Behördliche Anzeigen |
Concursverfahren.
In dem Concursverfahren über Las Vermögen des August Hel- feubeiu in Gießen ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters und zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeich- niß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen Schlußtermin auf
Montag den 21. Juni 1897,
Vormittags 10 Uhr, vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt.
Gießen, den 20. Mai 1897.
Orth, 5179
Gerichtsschreiber des Gr.Amtsgerichts.
Die Theilnehmerkarten zum 200 jjähr. Jubiläum des 3. Großherzoglich Hessischen Jufaut.- Regiments (Leib-Regiments) Nr. 117 am 10. und 11. Juni d. I. können bis spätestens ».Juni er. einschließlich bei den Bezirks- Commandos bezw. Meldeämtern, bei welchen seiner Zeit die Anmeldung zum Feste erfolgte, in Empfang genommen werden. 5109
Mainz, Mai 1897.
3. Großherzogl. Hessisches Infanterie- Regiment (Leib Regiment) Nr. 117.
Verding««».
ES soll die Lieferung voa 14000 cbm gesiebtem Kies, zusammen oder gethellt, vergeben werden.
Die Verdingungsunterlagen sind gegen post- und gebührenfreie Einsendung von 60 Pfg durch unS zu beziehen bezw. in
unserem Amtsgebäude, Poststraße 6, § immer 26, einzusehen. Die Eröffnung t geschloffenen, mit der Aufschri t: ^Angebot auf Kies" an die unterzeichnete Dienststelle etnzureichenden Angebote erfolgt Mittwoch, den 2 Juni 1897, Vormittags 11 Uhr, in Gegenwart der etwa erschienenen Bieter.
Zuschlogsfrtst 14 Tage. 5218
Frankfurt a. M-, den 22. Mai 1897.
König!. Eisenbahn Betriebs,Jnspection 2.
Berichtigung.
Bezüglich des Ausschreibens der Arbeiten zur Instandsetzung des sog. „Heidenthurms" muß es heißen: Zimmer-, Dachdecker«, Schreinerund Schlofferarbeiten, weshalb der Termin bis zum l
Montag, den 31. ds. Mts., Vorm. 11 Uhr verlängert wird.
Gießen, den 26. Mai 1897.
Das Stadtbauamt.
Schmandt. 5208
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