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26.11.1897 Erstes Blatt
 
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aromatische Sisentinctur auf der Brüsseler «ul- ftellunp mit der goldenen Medaille prämiirt worden ist, hat in Parts wieder einen glänzenden Erfolg zu Der zeichnen. Der PaScoe'schen Etsenttnctur wurde auf der daselbst stattfindenden medieintfchen hygienischen Ausstellung die goldene Medaille nebst Diplom zu erkannt.

** Eine neue Hofr«ithe. Herr Hoflohnkutscher Huhn hat in der Rittergasse eine vollständig neue und ge­räumige Hofraithe, w«e fie für sein Geschäft im Mittel- Punk der Altstatt schwerlich besser zu schaffen, hergest Ht. H rr Huhn hat hierzu die neben seinem seitherigen Besitz thum in der Ritiergasse belegene Ktnkel'sche Besitzung erworben. Durch Abriß der alten Gebäude auf beiden Grundstücken bis auf das Klvkel'sche Wohihaus und durch neue stimucke Berblendsteinbauten zur Unterbringung deS Huhn'ichen bediutendkn PferdebeftandeS, sowie für dessen Eqatpagen Paxk, ist ein geräumiger Hosraum geblieben, welcher nach der engen Gaffe durch eine Mauer abgeschloffen ift. Durch d ese Umwandlung ist auch in dem früher engen Winkel der Rittergaffe mehr Luft und Licht geschaffen.

Zum eenen Güterbahnhofe. Am Montag wurde die Hammstratze, die neue Unterführung deS Bahndammes an der Westaulape und der neue Güterbahnhof dem Verkehr übergeben. Bereits am Sonntag wurde diese Neuanlage Don zahlreichen Passanten besichtigt. Zwar können sich die In- tereffeaten auf dem Güterbahnhof noch nicht zurecht finden, eS gtebt hier und da Klagen, aber wenn die Verhältnisse dort erst geregelt sein werden, wird eine bedeutende Ver­besserung deS BerkehrSlebenS für unsere Stadt nicht ver­kannt werden können. Die Bureauräume der Güierhalle sind praktisch angelegt; an dieselben schließt sich der geräumige Schuppen für Stückgut. Dann kommt der etwas abseits stehende Zollichuppen, die Vieh- und die Petroleum-Rampe. Der Güter Bahnhof hat drei Zugänge; erstens vom Neu- städterthor her durch die Hammstraße, dann durch die Unter« führung an der Weftanlage und von der Frankfurterstraße/ wenn man die im Zuge der Klinikstraße befindliche Ueberführung des BahnrahonS Überschreitet. Die neue Straße wird zur Hebung deS Verkehrs in dem jenseilS deS Bahndammes an der Lahn gelegenen Stadttheil wesentlich beitragen und die Anlage von rechrwinklich abzweigenden Straßen die Baulust in bezeichneter Gegend fördern. Eine erhebliche Steigung des Verkehrs wird auch die Bieberthalbahn mit sich bringen. Der Dirhmarkt gestern und vorgestern brachte ebenfalls regen Verkehr, indem das mit der Bahn ankommende Vieh auf kürzerem Wege über die Hammstraße befördert werden konnte, wodurch die Bahnhofstraße unb Westanlage entlastet wurden.

Gieße» in Frauengestalt. In den Schaufenstern des Photographen Herrn Wilhelm Becker in der Bahnhof­straße wie im Seltersweg bemerken wir seit einigen Tagen ein Lichtbild, welches durch feine außergewöhnliche Ausstattung vor den modernen Bildern aus der Gegenwart besonders auffällt. ES ist das personificirte Gießen, welches das Bild darstellt. Eine anmuthige hohe Frauengestalt, deren dunkles Haar ausgelöst über die Schultern fällt, bekrönt mit der Mauerkrone des Gießener Wappen«, deren Thürwe genau vachgebildet find. Auf der Brust erblicken wir das Gießener Wappen, den geflügelten Löwen im Buchstaben G. stehend. In dem schwarzen Sammetmantel, der leicht über die Schultern fällt, fehen wir ebenfalls Löwenfiguren eingesteckt. Da* Ganze ist von einem in Barokstil auSgesührten Rahmen von starkem Carton umgeben, der in seinem unteren Theil eine feine Zeichnung der Umgegend von Gießen mit den Burgen Gleiberg und Vetzberg zeigt.

* Belr. der Koste» der Verpflegung von Gefangenen in den Krankenanstalten wurde an die Justtzverwaliungen folgendes Mimsterialaußschreiben erlaffen: ,9a mehreren Emzeisällen sind Meinungsverschiedenheiten zwilchen Justiz- und Verwal- tungsdedörden darüber entstanden, in welchem Umfange eine Krankenanstalt berechtigt ist, anS Mitteln der Justizverwaltung Erstattung von Kar- und VerpflegungSkosten für Gefangene zu erlangen, die ihr von Justizbehörden zur Verpflegung überwiesen werden. Das Bundesamt für Heimathwesen hat sich in wiederholten Entscheidungen dahin ausgesprochen, daß Gerichtsgefangene, die krankheitshalber von den Justizbehörden aus der Haft entlaffen und Gemeinde­krankenanstallen zur Verpflegung übergeben worden find, gleichwohl nach wie vor als Gefangene anzujehen seien, die zur Verfügung der Justizbehörden verbleiben unb auf Kosten ber Justizverwaltungen zu verpflegen find, sobald bei ihrer Entlassung auS der Haft Vorbehalten war, fie nach beendigter Kur in das Gefängniß zurückzunehmen. Im Hinblick auf diele Rechtsprechung werden in Fällen der er­wähnten Art die Kosten der Krankenpflege den Kranken- anstalten auS der Eriminalkaffe oder ter Strafanftaltskaffe zu erstatten fein. Zugleich aber werden die Justizbehörden unb Beamten, welche die Uebertührung von Gefangenen in Krankenanstalten anordnen, jedesmal zu erwägen haben, ob die Untersuchungshaft aufzuheben oder die Strafhaft zu unter­brechen, oder ob der Gefangene nur vorübergehend zu seiner Verpflegung einer von der Gesangenanstalt getrennten Kranken­anstalt zu überweisen ist.

* Viehmarkt. Der gestrige Kuhmarkt war mit Vieh aller Gattungen sehr gut befahren. ES standen etwa 6700 Kühe und ca. 250300 Kälber zum Verkauf. Der Handel setzte flott ein. Käufer waren besonders stark aus der Wetterau gekommen, auch Frankfurt war vertreten, doch waren eS von diesem Platz nur Reflectanten auf Kälber. Trotzdem gingen die Preise für diese Waare gegen den letzten Markt stark zurück, während für Prima-Waare frischmelkender und tragender Kühe die Preise bedeutend anzogen. ES wur­den gehandelt Milchkühe 1. Qualität 500550 Mark; 2. Qualität 350400 Mark. Kühe zum Abmelken je nach Werth. Kälber kosteten schwerste Waare 5860 Mark, ge­ringere Sorte 5254 Mark pro Sentner Schlachtgewicht. Auf dem gestrigen Ochsenmarkt waren ca. 80 bis 90 Stück Vieh aufgefahren. Der Handel entwickelte sich verhältnißmäßig sehr gut. Bezahlt wurden für Gang- ochsen in guter Waare 700800 Mark per Paar. Auch der Vorrath von Mastochsen wurde verhältnißmäßig gut verkauft. ES wurden für gute Waare 3133 Mark pro Gentner lebend Gewicht angelegt. Geringere Waare war für 2930 Mark zu haben. Der Handel auf dem Schweinemarkte war ebenfalls ein recht flotter. Be­gehrt wurden hauptsächlich Einlegschweine, bet denen sich die hohen Preise des lrtzten Marktes auch in Folge davon er­hielten. Bei den Ferkeln waren jedoch die Preise um eine Kleinigkeit gegen den letzten Markt zurückgegangen. Ferkel kosteten, 6 Wochen alte, 3438 Mark; 12 Wochen alte 45 bis 52 Mark. Läufer wurden gehandelt Vz-jährige 90 bis 100 Mark, »/.-jährige 140180 Mark per Paar.

** Wetterbericht. Die nördliche Depression bringt zwar ostwärts in das Innere Rußlands vor, hat jedoch ihren Wirkungskieis in südlicher Richtung über den Osten deö ErdtheilS ausgedehnt. Dabei hat auch in Central-Europa ber Luftdruck noch meist abgenommen und weicht daS Maxi- malgebiet nach Westen zurück. Außerdem treten innerhalb desselben mehrfach kleinere Unregelmäßigkeiten auf. In Süddeuifchland bestand am Morgen noch ruhiges unb zumeist

nebelige* Wetter. Im Alpenvorlande unb an den Hoch­stationen war der Himmel zwar Leiter, doch hat in den höheren Lagen die Luftbeweaung ti ea ruhigeren Eharacter angenommen und sind daselbst a ch die Temperaturen merk­lich zurückgegangen. Voraussichtliche Witterung: Kühles, meist trübe« odr nebelige* Wetter.

Drrmtfdyte*»

A* Gladenbach, 22; November. Gestern Abend gerieth der Händler Johanne* Schwarz mit seinem Sohne Karl, der au* einer Wirthschaft hrimkehrte, in Streit, in dessen Verlaufe der Alle die Axt ergriff und seinem Sohne die Brust auf schlug. Der Schwerverletzte taumelte noch einige Schritte vorwärts unb brach bann vor der THÜre blutübeift ömt zusammen. Der Thäter wurde sofort ver­haftet unb infl hiesige Amtsgerichtsgesängriß eingelieftrt.

* Die Schuhmacher »ad Schneider solle» mehr turnen, so empfiehlt eS der erste Bürgermeister Anker zu Lauds- b e|r g a. W. in einem Rundschreiben, welche* er an die dortige Schuhmacher- und Schneider-Innung, sowie an de» Vorstand de* Turnverein* und den Leiter der Jugendspiele gerichtet hat. Ja dem Schreiben heißt e* folgendermaßen: Bei der diesjährigen Musterung habe ich wiederum die Wahrnehmung gemacht, daß von den jungen Leuten da* Turnen leider sehr vernachiäsfigt wird, natürlich zum erheb­lichen Nachtheil ihrer Gesundheit. Besonder* tritt dieser Uebelstand bei Handwerkern in sitzender Lebensweise, wie Schuhmachern und Schneidern, hervor. G* müssen die jungen Leute mehr zu Leibesübungen herangezogen werden. Ich bitte den Vorstand, sich auch in dieser Hinsicht der Gesellen und Lehrlinge mit warmem Herzen anzunehmen und seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Lehrherren diese mit ihnen arbeitenden jungen Leute zum Eintritt tu den Turn­verein unb zur Theilnahme an den Jugend- unb Dolksspielen anhalten. Meine* Erachten* bedarf es nur der ersten An­regung; ist dieser erst Folge gegeben, so werden die jungen Leute selbst an diesen ßeibelübungen Gefallen finden unb sich Körper und Seele gern gesund unb frisch erhalten. Der Segen wirb nicht auSbleiben und die Janungen uab Lehr­herren werden ihre Freude haben."

Hntoerfitäts - Nachrichten.

Heidelberg, 22. November: Das Stiftungsfest der Uuiverstiät wurde heute Vormittag in üblicher Weise begangen. Die Festrede hielt der derzeitige Prorector Geh. Hofrath Georg Meyer, herüber dieEntstehung und Ausbildung des allgemeinen Stimmrechts" sprach. Der Redner sprach zu Gunsten des allgemeinen Wahlrecht*, stellte ihm aber die allgemeine Wahlpflicht gegenüber. Bei der mit der Feier verbundenen PreiSoertheilung erhielten Preise: in der philosophischen Faculiät cand. jur. et. hiator. Paul Pick und in der medicinischen Faculiät cand. med. Dr. Franz Müller. Die von den übrigen Facultäten gestellten Preisausgaben sanden keine Bearbeiter. Die Frequenz beträgt in diesem Semester mit Einschluß der Hörerinnen 1198 gegen 1115 im vorigen Winter­semester.

Aus Edinburgh, 20. November, wird berichtet: Der Professor der Ethik an der hiesigen Universität, Dr. Henry Calder- wood, ist gestern, 74 Jahre alt, gestorben.

Gottesdienst in der Syuagog

Samstag den 27. November 1897.

Vorabend 4 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittag* 3 Uhr, SnbbatbauSgang 5" Uhr.

Verkehr, Caub* unfc Votikswirrhschäft-

8tw»wee. 24 November. Fruchtmarkt. Roth er Weizen X 16.60, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10.99, Gerste X 10 63, Hafer x 6.91.

Bekanntmachung.

Die Rechnung der Armenkasse und der Plockifchen Stiftung für 1896/97 liegt vom 26. d. Mt*. ab auf acht Tage zu Jedermanns Einsicht offen.

Gießen, 22. November 1897. 10822

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Rodheim a. d. H. für 1898/99 liegt vom 26. d. Ms. an acht Tage lang auf hiesiger Bürger­meisterei zur Einsicht der Interessenten offen.

Rodheim a. d. Horloff, den 24. November 1897.

Grobherzogliche Bürgermeisterei.

Schäfer. 10810

Bekauurmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Geilshausen für 1898/99 liegt vom 26. November an auf hiesigem Bürgermeisterei- bureau acht Tage lang zu Jedermanns Einsicht offen.

Geilshausen, den 24. November 1897.

Großh. Bürgermeisterei Geilshausen.

Pfeiff. 10815

BehördlicheAnzeigen

Der Wechdmoer Heinrich Ruhl von Gießen und dessen Ehefrau, Christine geb. Belloff, haben durch Vertrag vom 9. b. Mts. Güter- itrennung vereinbart.

Gießen, 22. November 1897. Großh Amtsgericht.

Wien er.

10811 Neidhart.

In den Gemarkungen A tz b a ch und Dorlar soll ein Feldweg planirt und theilweise chaussirt werden; Kostenanschlag 2250 Mk. Project- stücke können hier eingesehen werden. Angebote sind bi* zum 10. December d. I. hierher einzureichen.

Krofdorf, den 24. Novbr. 1897. 10816 Da* Bürgermeister-Amt.

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