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26.2.1897 Zweites Blatt
 
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Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aiamirieudkätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

(Gießener Anzeiger

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Zlints- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieszen.

] Hratisbeitage; Gießener Kamilienötätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

All« Annonccn-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgeg«.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: Staub und Klauenseuche zu Reiskirchen.

Nachdem die zu Reiskirchen auSgebrochen gewesene vkaul« und Klauenseuche wieder erloschen ist, werden die an» geordneten Sperrmahregeln hterm t ausgehoben.

Gtehen, den 26 Februar 1897.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gtehen.

v. Gagern.

Deutfd^er ReichstcrA.

185. Sitzung. Donnerstag, den 25. Februar 1897.

Bei Anwesenheit von etwa 30 bis 40 Abgeordneten beginnt bk erste Berathung des Antrages Colbus betr. Neuregelung der Wahlen zum Landesausschusse von Elsaß - Lothringen. Der Antrag verlangt allgemeine, dtrecte und geheime Wahl und je «inen Abgeordneten auf 30,000 Einwohner.

Abg. Win ter er (b. k. Fr.) begründet den Antrag. Die jetzt bestehende tndirecte und corporattve Wahl bringe die wirklichen An- ßichten der Bevölkerung nicht zum Ausdruck.

Abg. Prettz (b. k. Fr.) äußert sich in gleichem Sinne. Die gegenwärtige Landesvertretung in Elsaß-Lothringen sei lediglich ein Scheinparlament ohne Macht und Machtgefühl. Bet den Wahlen pptelten nur Rücksichten auf persönliche Freundschaft und Bekannt- itchaft und sehr oft auch kleinlicher Ehrgeiz mit, und wie die Majo- »ität im LandeSausschusse bestehe aus abhängigen Beamten, so daß Wer Ausschuß nur das ironische Bild einer Volksvertretung darstelle, Wer jede stolze und nöthigenfalls auch einmal trotzige Sprache ab- «ehe. Redner kommt dann auf die bekannten Vorgänge an der Universität Straßburg zurück. Da« Verhalten der dortigen ein- Wetmtschen Studenten sei rühmlich, dasjenige der Untversitätsbehörde dagegen unrühmlich gewesen.

Geh. Ob-r-Reg.Rath Halley widerspricht den Angaben der Vorredner. Der Landesausschuß sei durchaus kein bloßes Rentner- nb Beamten-Parlament und er sei auch keineswegs im Lande un­populär; dem widerspreche z. B., daß die »maßgebenden Mitglieder Immer wieder gewählt würden. (Lachen 6fr den Elsässern.) Von keinen Ausführungen neulich über die Vorgänge an der Universität Straßburg habe er nichts zurückzunehmen. Die betr. Studenten hätten in übertriebenem Selbstgefühl zu spielen geglaubt, seien aber doch nur geschoben worden. Preiß habe auch aus eine Rede des Statthalters Bezug genommen. Welcher Art die in dieser Rede er­wähnten Maßnahmen betreffs der Preffe sein würden, werde jeden­falls davon abhängen, wie die Preffe sich nach den Mahnungen des Statthalters richten werde.

Abg. Bueb (Soc.) verbreitet sich ausführlich über den Dic- taturzustand tu den Reichslanden. Nicht einmal ihren Bürgermeister Würsten sich die Gemeinden frei wählen; man zwinge ihnen einen tewesenen Unteroffijier auf. Zu dem Landesausschusse, der nur nach er Pfeife der Regierung tanze, habe die Bevölkerung nicht das mindeste Vertrauen.

Geh. Rath Halley: Daß die Gemeinden dergestalt, wie der Vorredner es behauptet, von der Landesverwaltung bevormundet werden, ist durchaus unrichtig. Die elsässischen Gemeinden find nie selbstständiger, nie freier gewesen, als seit Erlaß der neuen elsäs- -sischen Gemeindeordnung. Auch die Presse ist in zunehmendem Maße in ihrer Sprache freier und ungebundener geworden.

Abg. Lieber (Ctr.) bedauert, daß den Beschlüssen des Reichs­tages in Betreff der Auib-bung des Dictatur-Paragraphen sowie be­treff« Ausdehnung des Retchspreßgesetzes auf Elsaß-Lothringen noch immer keine Folge gegeben sei. Auf wiche Weise werde man zur Versöhnung der Bevölkerung in den Reichslanden wahrlich nicht beitragen. Das Centrum schließe fich dem vorliegenden Antrag durchaus an. Der Landesausschuß in Elsaß-Lothringen habe auch nicht die geringste Aehnlichkeit in Bezug auf die Art feiner Zufammen- letzuvg mit dem, was man sonst unter einem Parlament verstehe. Die stete Wiederwahl bei Mitglieder deS Landesausschusses beweise <ar nicht, daß die Bevölkerung damit zufrieden sei. Wenn die Wahlkörper dieselben bleiben, werden natürlich auch dieselben Leute fewählt. In dem Wahlkörper, da liege eben der Hund begraben! öas Geh. Rath Halley über die Presse gesagt, bedeute weiter nichts, als: entweder Zuckerbrot ober Peitsche! Wenn derselbe Herr be­klage, daß die Elsaß-Lothringer ihre Töchter zur Erziehung in« Aus­land schicken, ja, weShalb lasse man denn nicht die Unterrichtsorden, so z. B. Schwestern vom Herzen Jesu, wieder nach Elsaß-Lothringen hinein? (Beifall im Centrum.) Leiste man den elsaß-lothringischen Forderungen einen so zähen Widerstand, wie der Statthalter und sein spiritae familiaris, dann schaffe man Ktrchhossruhe; nur wenn diesen berechtigten Forderungen entsprochen werde, gewinne man die Bevölkerung.

Abg. Lenzmann (srs. Vp.) erklärt, baß seine Partei dem An­träge zustimme. Die Politik der Polizeiwillkür und Gewalt habe un6 Elsaß-Lothringen nicht näher gebracht, sondern eher noch ent­fernt. Gerade die Einführung birecter allgemeiner Wahlen werde die Elsaß-Lothringer zu besseren Deutschen machen.

Abg. v. Marquardfen (nt.) wendet gegen den Antrag ein, derselbe verlange ja viel mehr, als irgend ein anderer Etnzelstaat in Deutschland habe, denn noch in keinem derselben bestehe allge­meines directes Wahlrecht. Dies sei nur der Fall bei den Wahlen ium Reichstage selber, und da hätten ja natürlich die Elsässer schon Letzt genau dasselbe Wahlrecht, wie alle übrigen Einzelstaaten. In Bezug auf Einführung deS Reichspreßgcsetzes in Elsaß-Lothringen fei feine Partei bereit, mitzuwirken, obwohl allerdings nicht ohne Sautelen betreffs der ausländischen Preffe.

Abg. Rickert (fr. Vp.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde tu dem Anträge Colbus. Eine Annäherung Elsaß-Lothringens habe fich seit der Annexion zweifellos vollzogen, sie gehe aber nicht rasch genug. Eine raschere Angliederung werde man am besten dadurch

erreichen, daß man die Elsaß-Lothringer zu vollberechtigten Bürgern im Reiche mache.

Abg. Gras Stolberg (c.): Der Landesausfchuß sungtrt so gut und sachgemäß wie jedes andere deutsche Parlament. Wir wollen keine Experimente und lehnen deshalb den Antrag ColbuS ab.

Abg. Werner (Ref.-P.) erklärt, seine Fraction stimme für den Antrag.

Nach einem Schlußworte des Antragstellers Colbus wird sofort in die zweite Lesung eingetreten, in welcher der Antrag ColbuS angenommen wird.

Morgen 1 Uhr: Etat der ReichSeisrnbahnen und de« ReichS- Bersicherungsamts; Lohnbeschlagnahme- und Converttrungsvorlage in dritter Lesung, Zwangsversteigerung unb Grundduchorbnung in zweiter Lesung. Schluß 472 Uhr.

Deutsches Deich.

Berlin, 24. Februar. DerNordd. Allg. Ztg." wird aus Wien gemeldet: Der Verein der Oesterretcher in Berlin plant aus Anlaß des 50jährigen RegierungS-Jubi» läumS des Kaisers Franz Josef eine große Action, sn der sammtliche außerhalb Oesterreichs lebenden österreichi» scheu Angehörigen theilnehmen sollen. Ueber die Art dieser Action wird noch strengstes Geheimniß gewahrt. Nachdem zwischen dem Repräsentanten deS Vereins und dem österreich« ungarischen Botschafter v. Szögheny die Angelegenheit durch, berathen worden ist, ist der Präsident deS Vereins der Oesterretcher in Berlin in Wien etngetroffen, um dem Grafen GoluchowSkh die Sache borzutragen.

WslffS telegraphische« Toirefoondenr-Bursss.

Berlin, ,25. Februar. Die Budget-Commission deS Reichstages nahm einen Antrag Lieber (Centrum) an, den Reichskanzler aufzufordern, einen Nachtrags-Etat über 300,000 Mk. vorzulegen für Grunderwerb und Projekt- bearbeirung als erste Baurate für den Bau eines Reichstags» präfidialgebäudeS. Ferner stand diePostdampfer-SubventionS» Vorlage auf der Tagesordnung. Die Commission lehnte eS ab, in die materielle Besprechung des Entwurfes vorläufig eiuzutreten und stellte nur den Arbeitsplan für die künftige materielle Berathung der Vorlage unter Fixiruug bestimmter Gesichtspunkte auf.

Berlin, 25. Februar. Der BundeSrath ertheilte in seiner heutigen Sitzung dem Nachtragsantrag Preußens, betreffend die Ausführung des BärsengesetzeS vom 22. Juni 1896, seine Zustimmung.

Berlin, 25. Februar. Das BlattDie Zett" erfährt auS sicherer Quelle, der Senat der hiesigen Universität habe die Einführung volkSthümlicher Hochschulcnrfe an der Berliner Universität abgelehnt.

Karlsruhe, 25. Februar. Der Goetheforfcher Michael Bernays tft heute Nachmittag gestorben.

Christiania, 26. Februar. Der Slorthtng genehmigte einstimmig ohne Debatte die Errichtung einer Professur für Nansen au der hiesigen Universität.

Depeschen deS BureauHerold."

Berlin, 25. Februar. Wie aus Wilhelmshaven gemeldet wird, beabsichtigt nach den btSbertgen Bestimmungen der Kaiser, am 4. März dort der Rekruten-Bereidigung beizuwohnen.

Berlin, 25. Februar. Der Kaiser nahm in HubertuS- stock heute die Vorträge deS KrtegSmtntfterS v. Go hier, sowie deS Chefs des MilitärcabiuetS v. Hahuke entgegen. Im Laufe des morgigen Tages wird der Kaiser vom Jagd­schloß HubertuSstock nach Berlin zurückkehren und Abends einer Einladung zum Diner des ProvinztallandtageS der Provinz Brandenburg entsprechen.

Berlin, 25. Februar. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung betr. die Gerichtsbarkeit der deutschen Consuln in Egypten vom 15. Februar 1897.

Berlin, 25. Februar. Der preußische Verstehe- rungSbeirath ist zum 29. März zu seiner ersten Sitzung berufen, welche im Ministerium deS Innern stattfindet.

Berlin, 25. Februar. Wie gemeldet wird, ist auf eine Anfrage deS hiesigen griechischen Gesandten in Athen die Antwort etngetroffen, daß die Nachricht bezüglich Nicht­einlösung der nächsten griechischen Coupons un» zutreffend sein sollte.

Berlin, 25. Februar. Der Seniorenconvent des Reichstages hat, wie dieFreis. Ztg." berichtet, heute Nachmittag beschloffen, alle Sitzungen während der nächsten Woche auSzusetzen unter der Voraussetzung, daß die Budget- commisfion vom nächsten Donnerstag ab regelmäßige Sitzungen I hält. Die Budgetcommtssion beabsichtigt allerdings, vom

nächsten Donnerstag ab in die Berathung desAutomaten- gesetzcs" einzutreten. Die Budgetcommtssion hatte für die nächste Woche die Berathung deS MarineetatS tu Aussicht genommen, muhte aber davon Abstand nehmen, weil der StaarSsecretär Hollmann verhindert ist, zu erscheinen, durch den Befehl des Kaisers, ihn auf Reisen zu begleiten.

Wien, 25. Februar. DieNeue freie Preffe" meldet aus Koustanttnopel, die Situation ist bedeutend beruhigter, die türkischen Rüstungen sind defensiver Natur. Jeder Angriff türktscherseitS ist ausgeschlossen.

Wien, 25. Februar. Der ruthenische Journalist Bergun wurde verhaftet, weil er russophtle Agi­tation betrieb und einen Geheimbund Zwecks ruffophtler Propaganda zu gründen beabsichtigte.

Haag, 25. Februar. Der Colonialmintster wurde gestern auf dem Wege zum Ministerium an gefallen und mißhandelt. Der Thäter, angeblich ein Anarchist, wurde verhaftet.

Loudon, 25. Februar. Im Ministerrath, welcher gestern stattfand, wurden definitive Beschlüffe in Betreff Kretas nicht gefaßt.

Loudon, 25. Februar.Daily News" laffen fich auS Rom melden, daß italienische Freiwillige fich nach Kreta begeben haben.

Loudon, 25. Februar. AuS Saloniki wird hierher gemeldet, daß vier Bataillone Insurgenten, welche fich im südlichen Theile von Macedonten aufhalten, fich später aber zurückzogen, die Grenze überschritten haben.

Athen, 25. Februar. Nach amtlichen Angaben betragen die Verluste der Türken in den letzten Kämpfen etwa 500 Mann sowie 104 Gefangene. Oberst Das > oS war persönlich dem Feuer ausgesetzt. In seiner nächsten Nähe wurde ein Offizier getödtet.

Koustautiuopel, 25. Februar. Hier circulirt daS Gerücht, die Türkei beabstchttge ein Ultimatum an Griechen­land zu stellen, um Klarheit in die Situation zu bringen. Man vermuthet, daß das ein russischer Rathschlag sei.

Berlin, 26. Februar. Die gegenwärtige Verständigung der Mächte in der Kreta»Frage bafirt, derNat.-Ztg." zufolge, auf einem Vorschläge Rußlands, dem Deutschland sofort ohne Vorbehalt zustimmte und dem fich dann auch die anderen Mächte angcschloffen haben, erst Oesterreich und dann Frankceich und England.

Berlin, 26. Februar. Die Belohnung für die Ergreifung des Willi Große, des zweiten Mörders deS Justtzrath Lewy, wird so stattfinden, daß auf den Anthetl des Posthilfsboten Große und des ArzteS Dr. Rubinstein je 1250 Mark entfallen. Ferner wird dem Gendarmen, welcher den Bruno Werner in Zehlendorf verhaftete, die Hälfte der Belohnung von 2500 Mark ausbezahlt.

Kopenhagen, 26. Februar. König Georg von Griechenland telegraphirte dem Kronprinzen, er sei fest entschlossen, abzudanken, wenn er seinen Willen in der Kreta- Frage nicht durchsetzen könne.

Petersburg, 26. Februar. Rußland hat Griechen­land durch seinen Athener Gesandten auffordern lassen, innerhalb drei Tagen seine Truppen und Schiffe von Kreta zurückzuberufen. Im Weigerungsfälle erfolge die Blokade der griechischen Häfen.

Athen, 26. Februar. Der König äußerte, er werde keinen Schritt zurückwetchen. Sein ganzes Vertrauen ruhe jetzt auf der Armee.

Äonen, 26. Februar. Nach einem gemeinsamen Beschluß der fremden Capitäne wird die Verbindung zwischen den gelandeten griechischen Truppen und dem Heere durch ein englisches Torpedoboot vermittelt. Die Stimmung Hierselbst ist beruhigter. Die Türken verstärken andauernd die Grenzbesatzungen.

Saloniki, 26. Februar. Die Besetzung der Gebiete an der griechischen Grenze wird stark beschleunigt. Militär­züge verkehren Tag und Nacht. AuS Ober-Albanien treffen ebenfalls Truppen-TranSporte ein.

WB. Berlin, 26. Februar. Der ReichSbankd iscont wurde auf 3/*,pCt., der Lombardzinsfuß auf 4 bezw. 4>/,pCt. herabgesetzt.

WB. Kanea, 26. Februar. Die vor Kanea lagernden Türken griffen gestern die Christen an, welche die weiße Fahne hißten, um den Admiralen zu zeigen, daß nicht sie heraussorderten.

WB. Athen, 26. Februar. Die Stimmung gegen dieAuSläuder ist sehr erregt. Eine Petition circulirt, wonach den Ausländern der Zutritt zur Akropolis verwehrt