Ausgabe 
26.1.1897 Erstes Blatt
 
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'Regiment- Graf Bülow von Dennewitz (6. Westfalisches) Nr. 55 genehmigt.

Braunschweig. 24. Januar. Infolge deS heftigen Schneefalles ist der Bahnverkehr gestört. Dämmt- ltche Züge von Magdeburg, vom Harz sowie von Holzminden nnd Hannover erleiden mehr oder weniger erhebliche Ver­spätungen.

Bochum, 24. Januar. Auf allen drei von Bochum aus­gehenden Strecken der electrischen Straßenbahn hat heute früh daS Fahrpersonal wegen Nichterfüllung seiner For­derungen den Dienst verweigert. Erst am Mittag wurde durch Hilfspersonal ein theilweiser Betrieb auf allen electrischen Bahnen eröffnet.

Depeschen des BureauHerold."

Bozen, 24. Januar. Am 1. Februar wird hier Graf Schuwalow eintrefftti, um eine Cur in Gries zu brauchen.

Budapest, 24. Januar. Die Majlath-Affaire nimmt für das Cabinet Banffy eine bedrohliche Form an. Der Nuntius Fabtani soll erklärt haben, er werde, falls die Regierung auf ihrem bisherigen Standpunkt beharre, gezwungen sein, feinen Posten zu verlassen. v.;/'- \

Rom, 24. Januar. Selbst die officiösen Blätter greisen General Baldissera heftig an, weil er angeblich seine Urlaubsreise unternommen hat, ohne davon Kenntniß zu haben, daß die Derwische sich concentriren und vorrücken. Baldtssera soll bereits vom KrtegSminister aufgefordert worden fein, sich zu rechtfertigen.

Parts, 24 Januar. ES liegen hier höchst alarmirende Nachrichten vor Überdas Vorrücken der Derwische. Der ganze Sudan soll sich in Aufregung befinden. Die Priester predigen den heiligen Krieg gegen die Europäer. Ein combinirter Angriff gegen Erithrea, Ober-Egypten und den Congostaat soll bevorsteheu.

Marseille, 24. Januar. In der Rue de la Republique find 9 Personen an verdächtiger Krankheit gestorben. Da Cholera befürchtet wird, find energische Maßregeln ge­troffen worden.

Cherbourg, 24. Januar. Ein norwegischer Drei­master wurde an daS Ufer geschleudert und arg beschädigt, die Rettuugsarbeiteu dauern fort.

Brüssel, 24. Januar. Infolge andauernden Schnee­falles erleiden die Expreßzüge Ostende-Wien-Petersburg große Verspätungen.

Rom, 25. Januar. Nach einer Meldung auS Massaua wurde in einer Schlacht zwischen RaS Alula und Ras AgoS der Letztere gerödtet, und seine Truppen zersprengt. Ras Agos war der Häuptling einer Truppe von Eingeborenen, die zu den Italienern übergegangen waren, jedoch bei Adua auf eigene Faust gegen die Italiener gekämpft hatte. Trotzdem hatten die Abessynter AgoS den Verrath nicht verziehen.

Paris, 25. Januar. Baron Mohrenhetm theilte dem Minister Hanotaux mit, daß der neu ernannte russische Minister des Aeußern, Murawjew, aus Befehl des Zaren am Donnerstag früh in Paris eintrifft, um sich dem Präsidenten Faure vorzustellen. Sein Aufenthalt in Paris dauert zwei Tage.

London, 25. Januar. Cecil RhodeS ist gestern Nacht auf Ersuchen der Regierung von Tiiburh mit einem Sprcal- zug hier eingetroffen, um Kundgebungen zu ver­meiden. Die in der südafrikanischen Politik compromit- tirteu Personen werden in einer Versammlung Mittel und Wege berarhen, um eine parlamentarische Untersuchung gegen RhodeS zu durchkreuzen.

Konstantinopel, 25. Januar. Gerüchten zufolge ist der Exsultan Murad Bey völlig genesen und bet klarem Verstände. DaS jungtürkische Comite lanzirt solche Gerüchte, um gegen den Sultan zu Hetzen und Mißstimmung zu erzeugen und so die Revolution vorzubcreiten.

Cmk» tmfc prevhjkllef,

Gießen, den 25. Januar 1897.

* Bon der Universität. Regierungsaffessor Dr. jur. et phil. E. Jung von Mainz hat sich an unserer Hochschule als Privatdocent für deutsches bürgerliches R.cht, Handels­recht und Rechtsphilosophie habilitirt. Ja der Gynägo- logischen Klinik find im Jahre 1896 407 Geburten, bei einer Tätigkeit von etwa 20 Praktikanten, zu verzeichnen, gegen 340 Entbindungen im Vorjahre. ES stebt dieses In­stitut in Bezug auf die Frrquenz und in Rücksicht auf die Zahl der dabei thätigen angehenden Aerzte an erster Stelle unter dergleichen Anstalten aller deutschen Hochschulen.

** Zur Parade des Infanterie Regiments Kaiser Wilhelm, welche, wie bereits mitgethetlt am Mittwoch Vormittag 111/2 Uhr im Hofe der neuen Kaserne stattfindet, hat das Publikum bereits von 11 Uhr ab Zutritt, nicht von 10 Uhr ab, wie irrthümlich in Nr. 19 d. Bl. mitgetheilt wurde.

** Die Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichi- schen Alpen-Vereios erläßt am schwarzen Brett der Unwerfität folgende Bekanntmachung:Der Vorstand der Sektion Gießen des ^Deutschen und Oesterreichischen Alpen Vereins erlaubt fich, die Herren Studierenden auf die Bestrebungen des Vereins aufmerksam zu machen. Derselbe will die Liebe zur herrlichen Alpenwelt wecken, ihre Kenntniß nach jeder Richtung hin fördern, die Bereisung erleichtern und hierdurch Gelegenheit zu naturwissenschaftlicher, sprachlicher und ethno- graphischer Forschung bieten, er g.ebt ferner Anregung zu Muth und Thatkraft stählenden HochgebirgStouren. Die durch den Verein geschaffene Einrichtung der Studcntenherbergen hilft diele Ziele für die Herren Studirenden leicht erreichen. Der Vorstand der Section Gießen hat fich mit einigen Herren Professoren in Verbindung gesetzt behufs Ausarbeitung von Reiseplänen zu bestimmten Forschungszwecken. Im Laufe des Jahres veranstaltet die Section eine größere Reihe von Vorträgen, theilS wissenschaftlichen theilS touristischen Inhalts und giebt durch monatlich stattfindende Ausflüge Gelegenheit I

zur Kenntniß der näheren und weiteren Umgebung Gießens - durch die Thättgkeit der Section ist dieselbe theilweise mit Wegmarkierung versehen. Die Vorträge finden am ersten Donnerstag jeden MonatS im Vereinölocal Cafe Ebel statt, jeden anderen Donnerstag ist außerdem von 911 Uhr Abends zwanglose Zusammenkunft, wobei die reichhaltige Bibliothek zur Benutzung offen steht. Die Herren Studirenden find als Gäste jederzeit herzlich willkommen." In der nächsten Wochenversammlung, Donnerstag den 28. d. Mts., Abends 9 Uhr pünktlich, wird Herr Rralphmnafiallehrer Hedderich im oberen Saale deSCafe Balzer" den zweiten Theil seines VortragsReise in den Centralkarpathen und in Ungarn" halten.

* Reichlicher Schnee, den ein scharfer Nordwind am Samstag unserer Gegend zugeführt, bedeckt nunmehr weithin die Fluren. ES gab stellenweise tüchtig zu räumen, um wenigsteus den Fußverkehr offen zu halten. Am gestrigen Sonntag wurden denn auch allenthalben Schlittenparrhien riscirt und scheint es, daß dieses Vergnügen den glücklichen Schlittenbesitzern für längere Zeit erhalten bleibt. Der Schnee bietet aber nicht nur Vergnügen, sondern bereitet auch Un­behagen, in erster Linie den Vögeln- deshalb fei hier der Bitte Ausdruck gegeben, durch Streuen von Futter an schnee­freien Plätzen die Noth der Vögel nach Kräften lindern zu helfen.

** Preußisch Hessische Bahnen. DerDarmst. Tgl. Anz." schreibt:Zunächst ist es für die volle Uebersührung der Verwaltung in den Staatsbetrieb, d. h. für die Stellung der seitherigen und künftigen Beamten in der gemeinschaft­lichen Bahnverwaltung, nothwendig, daß die gesetzlichen Be­stimmungen über die Pensionirung der im Dienste der Gemeinschaft verwendeten hesfischen Beamten und über die Versorgung ihrer Hinterbliebenen mit den bezüglichen Be­stimmungen der preußischen Gesetze in Einklang gebracht werden, mit der Maßgabe, daß das Recht der Hessischen Regierung, Pensionirungen ohne vorgängiges DiSciplinar- vrrfahren eintreten zu laffen, unberührt bleibt. Zu diesem Zweck muß, entsprechend dem Artikel 15 Absatz 7 des StaatS- vertrages zwischen Hessen und Preußen, daS preußische Pen- fionSrecht für alle hesfischen Bahnbeamten demnächst gesetzlich : eingeführt werden, soweit nicht besondere gesetzliche Abände- | ruvgen daran noch erfolgen. DaS Gleiche gilt hinsichtlich der Fürsorge für Beamten infolge von Betriebsunfällen, sodaß das einschlägige hessische Gesetz vom 18. Juni 1887 dann außer Kraft treten wird. Der Erlaß beider Gesetze setzt aber die Zustimmung der Stände voraus, und beide | neuen Gesetze sollen mit 1. April 1897 in Wirksamkeit treten. Der neue hessische Landtag ist^deShalb zum 9. Februar einberufen worden.

** Bevölkerungs-Zunahme. Nach dem üblichen Verfahren der Schätzung des Bevölkerungszuwachses muß für daS I laufende Jahr, und zwar in der Berechnung auf die Jahres- I mitte, die Einwohnerzahl der Stadt Mainz zu 78,500, in I Darmstadt zu 66,100, in Offenbach zu 40,800, in WormS I zu 29,600 und in Gießen zu 23,700 angenommen werden. I ES wird dabei lt.Darmst. Ztg." vorausgesetzt, daß die I Zahl der hierunter einbegriffenen activen Mtlitärpersonen neuerdings erhebliche Veränderungen nicht erfahren habe.

x Langd, 21. Januar. Bei den am 18. und 19. d. MtS. in den hiesigen fiskalischen Waldungen abgehaltencn Brenn- holzversteigerungen wurden für die Forstverwaltung recht annehmbare Preise erzielt. Es wurde im Durchschnitt bezahlt: Der Raummeter Buchen Scheitholz 1. Klasse mit 6*/z Mk., Buchen-Scheitholz 2. Klasse 5 Mk., Buchen-Stock- Holz 1. Klasse pro Raummeter etwas über 3 Mk., Stockholz 2. Klasse mit 2 Mk., Buchen-Reisig pro Meter 60 Pfg. Auch bei Bau- und Nutzholz-Versteigerungen wurden gute Preise erzielt. Im Feldheimer Wald wurden beispielsweise für den Festmeter Eichen Stammholz bis zu 70 Mk. bezahlt. Auch bei den anderen Holzverfteigerungen in unserer Gegend konnte man, namentlich beim Brennholze, ähnliche Preise wahrnehmen.

-h- Södel i. d. Wetterau, 23. Januar. Am 16. d. Mts. hatte ein hiesiger OrtSbürger das seltene Glück, sein neun­zigstes Lebensjahr in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische zu vollenden. Dem Jubilar, Lamorte mit Namen, wurden denn auch an diesem Tage von allen Seiten, von Verwandten und Freunden, sowie auch von unserem OrtS- geistlichen Ehrenbezeigungen in Form von Gratulationen und Geschenken in großer Anzahl zu Theil.

MW. Aus der mittleren Wetterau, 24. Januar. Wieder­holt ist in dieser Zeitung darauf hiugewiesen worden, welche n ter ess anten Funde bei dem neuen Bahnbau in un- erer Gegend gemacht worden sind. Den Freunden der AlterthumSkunde und der Raritäten dürfte folgende Notiz über diejenigen Sachen nicht unwillkommen sein, die dis jetzt Aufnahme im Darmstädter Museum gefunden haben: 1 Ring von Bronze, 3 römische Münzen, 2 Bruchstücke von Altären mit Inschriften, 1 Thonlämpchen, 9 Thongefäße, 1 Bruchstück eines solchen mit Stempel, 2 Steingerälhe. Unter diesen Sachen befinden fich die Stücke nicht, welche von Privatleuten an anderen Orten, die nicht in der Baultnie liegen, gemacht worden sind. Die Funde beweisen, daß die Römer vor 15001800 Jahren einen lebhaften Verkehr in unserer Gegend unterhalten haben müssen, viel lebhafter, als sich die Leute gewöhnlich vorzuftellen pflegen. Den Arbeitern, welche die Funde gemacht haben, wird ein kleines Fundgeld ausgezahlt werden.

H. Hungen, 24. Januar. Unserer höheren Bürgerschule, oder wie sie auch richtiger bezeichnet wird: erweiterten Volks­chule, die schön empor blüht, ist (in Zuschuß von 400 Mk. auS der Hauptstaatskasse bewilligt worden, welcher demnächst zur Auszahlung gelangt. Daß dieser Beweis von Wohl­wollen der obersten Schulbehörde am hiesigen Orte sehr ge- würdigt und dankbar angenommen wird, bedarf keiner be­sonderen Versicherung.

8. AoS dem Kreise AlSfeld, 24. Januar. Der Winter macht endlich Ernst, seit drei Tagen schneit es ununter' krochen. Schneeverwehungen haben heute Nacht die Wege streckenweise unpasfirbar gemacht, auf den Kreisstraßen wurde heute deßhalbgeschippt". Die Schlitten werden jetzt zrr ihrem Recht kommen. Ein scharferNordost" verleidet eben den Aufenthalt im Freien ganz und gar.

s. Romrod, 24. Januar. Die von Seiten der Gemeinde veranstaltete Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers wird Mittwoch Abend von 8 Uhr ab inSpaniers Saale" stattfinden. Auch von Auswärts wird auf etliche Betheiligung zu rechnen sein, mehrere Herren von Nteder- I Breidenbach haben chr Erscheinen schon zugefichert. Eta schöner, der Bedeutung der Feier würdiger Abend steht in Aussicht.

F. Bon der Feldkrücker Hohe, 22. Januar. Das aus­gezeichnete Winterwetter hat die Arbeiten in unseren Wald­ungen außerordentlich gefördert. Die gefällten Stämme können sehr rasch aufgearb-itet und nach den verschiedenen Sortimenten geordnet werden. Wir haben daher auch be­reits einige Ho lzv er st ei gerungen gehabt, bei denen nicht bloß sämmtliche Brennholzarten, sondern auch Bau-, Werk« und Nutzstücke zum AuSgebote gekommen find. Die Holzpreise sind recht befriedigend: daS Bau-, Werk- und Nutzholz erzielte 6070 Procenl mehr, als im Tarife vor- gesehen find. DaS Brennholz: Buche, Kiefer, Fichte und Aspe brachte es auf 2530 Procent über den Tarif. Aehnliche Preise für Derbftangen und Stämme, d. h. 50 biß 60 Procenr mehr für den Durchschnittspreis ergaben fich in der benachbarten Oberförsterei Ortenberg. Der Gebrauch von Schneeschuhen bürgert fich immer mehr bet uns ein, besonders, da man sie jetzt auch in unserer Gegend um den halben Preis anfertigt, also jetzt kein Heidengeld mehr nach Berlin schicken muh. Im hohen Vogelsberge regt es sich endlich wegen des neuen BahnbaueS. Die Leute an mehreren Orten standen der Sache sehr wenig sympathisch gegenüber, oder erhoben für mäßig werthvolleS Gelände so enorme Ansprüche, daß man den besten Wetterauer Boden dafür erwerben könnte. DaS brachte Stockung in die Sache. Jetzt scheint den Leuten eine bessere Einsicht zu kommen und es geht wieder vorwärts.

Wallerstädten, 21. Januar. Eine hiesige arme Fabrik­arbeitersfrau wurde am 13.. MtS. mit einem jungen Erdenbürger beglückt. Die Frau war leidend und wurde das Kind in den ersten sieben Tagen blos von der Hebamme besorgt- dasselbe war, nach Aussage der Hebamme, ein Knabe, wurde als solcher auf dem Standesamt an­gemeldet, und der Vater bestellte einen Pathen. Am fiebenten Tage versuchte die Frau aufzustehen und ihr Kind selbst zu besorgen, da, 0 Himmel, war auS dem Knaben ein Mädchen geworden. Die herbeigerufene Hebamme war starr vor Ueberraschung. Man ist gespannt, welche Folgen dieser Fall noch hat.

Eingesandt.

Gietze-l, den 24, Januar 1897.

Der ReituAterricht auf de« UniverfitLten.

Da soll Alle« besser geworden sein und immer spricht man von den großen Fortschritten unserer Zeit. Aber mit dem Rett unterricht auf den Universitäten ist es stark rückwärts gegangen. Im vorigen Jahrhundert, da gab es Reitprosessoren, die gleichen Rang hatten mit denen der Facultätsprofessoren und Unterricht er- theilten in der niederen und der hohen Schule. Mit dem Elend, welches die Revolutionskriege über Deutschland brachten, gingen zu­nächst starke Reductionen der Reitschulen an den Höfen und aus den Unimrsitäten Hand in Hand. Aber nach den Befreiungskriegen gab es doch n>- überall Universttälsstallmeister, welche 6 bis 12 Pferde hielten u . wenigstens in der Campagneschule Unterricht ertheilten

Cu war es noch bis vor wenigen Jahren hier in Gießen, biS leider der Tod des letzten Universttätsstallmeisters, Herrn Balser, dem hessischen Landtage Veranlassung gab, den ganzen Posten auS dem Etat zu stretchen. Das war nicht gerade ein schöner Anfang in Neuerungen, den da Hessen machte. Aber es fand sich doch ein Mann, der den Reitunterricht in Gießen aus eigenes Rrsico noch ferner ertheiten wollte in Herrn Max Creutzburg, und mäßige Zu­schüsse aus dem Dispositionsfonds der Universität und Stadt Gießen setzten ihn in den Stand, bis fitzt seine gute Absicht zu erfüllen.

Leider scheint es nun, als ob da« Bedürsniß. diese schöne erste aller ritterlichen Künste, welche ja von ihr ihren Namen tragen, zu zu erlernen in der Studentenschaft stark abgenommen hätte. Während vor 50 Jahren, als Schreiber dieses studtrte, wenigsten 25 bis 30 pCt. aller farbentragenden Studenten einige Rettcurs- nahmen, kommen jetzt nicht einmal 10 pCt. von solchen zusammen, und das halbe Dutzend gut gerittener Pferde, die sich Herr Stallmeister Creutzburg hält, stehen mehr müßig, als Herrn Creutzburg und den Pferden selbst lieb ist.

Woher kommt bad? Die Preise sind nicht hoch. Denn, wenn vor 50 Jahren eine Reitstunde im Abonnement 15 Silbergroschen (Mk. 1.50) kostete, so kann heute, wo die Preise für die Pferde das 3 bis 4fache, die für das Futter das 2- bis 3fache von damals be­trugen, ein Abonnementsprets von 2 Mk. pro Stunde nur billig erscheinen. Billiger ist Reitunterricht nirgends zu haben. Und ein Cursus ist gar nur auf 20 Stunden bemessen wie e8 scheint, eine Concession «n die größere Lernfähigkeit der heutigen Zett während er in älteren Zeilen immer 30 S'unden umfaßte.

Sollte der Frühschoppen so viel mehr die Börse der Herren Studiosen in An pruch nehmen ? oder ist das Radeln dem Reiten in Concurrenz über? oder endlich sind die hohen Vv'züge der Reit­kunst in Vergessenheit gerathen? Wir vermuthen daS letztere. Denn gegen den Frühschoppen haben berühmteste alte Häuser schon so viel gesprochen und geschrieben, daß das unmöglich unwirksam geblieben sein kann. Das Radeln aber steht der edlen Reitkunst doch sehr nach, es ist doch nur bei gutem Welter und auf guten Straßen zu treiben, ist zwar für gewisse Zwecke sehr practtsch, nimmt aber, wenn es irgend welchen Nutzen haben soll, viel mehr Zeit in Anspruch und thatsächlich sieht mau auch nicht, daß eB gerade bet den Musenföhnen groß in Ansehen stünde und geübt werde.

Wenn es auch gewisse Bein- und Bauchmuskeln übt, mit der Reitkunst kann es sich nicht messen weder an Nutzen im praktischen Leben, noch an Ausblildung des Körper und GersteB für dm aus­übenden SportSrnann.

In allen Ländern giebt es Reitthiere, für deren Benutzung die Reilkunst die Grundlage bildet, und mit ihnen kommt man fort auf allen Wegen, durch Wald und Feld, durch den Dreck, über Aecker weg, in der Ebene und im G drrge. Und, welch' ein Hoch­gefühl, ein fo intelligentes und gelehriges Thier, wie das edle Pferd, zu beherrschen, durch seine starken und geschwinden vier Beine die eigmen beiden in ihren Leistungen zu vervierfachml Dabei