Ausgabe 
26.1.1897 Erstes Blatt
 
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Dienstag den 26 Januar

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Hlcßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS.

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Keneral-Mnzeiger.

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Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen > Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

WolffS teltgraphischeS Lorresponde»r.»«re«».

P.sen, 24. Januar. Se. Majestät der Kaiser hat durch Allerhöchste Cabinetsordre vom 23. d. MtS. das Abschiedsgesuch des commaudtrenden Generals des 5. ArmeecorpS Generals der Infanterie v. Geeckt »«ter Stellung zur DtSpofition und L la suite des Infanterie-

Amtliche* TheU.

Bekanntmachung,

betreffend: AlterSrenteuanfprüche.

Bet Erhebung von Ansprüchen auf Bewilligung von Altersrenten wird von den Verficherten häufig Übersehen, »ah außer dem Nachweis, daß sie während der Jabre 1888, 1889 und 1890 tnsgesammt mindestens 141 Wochen hindurch thatfächlich in einem nach dem Jnvalidttäts- und AiteröverficherungSgesetz die VerficherungSpfltcht begründenden Arbeit-- und Dienstverhältniß gestanden haben, auch die Lurücklegung einer Wartezeit erforderlich ist. Diese Warte­zeit beträgt bet der Altersrente 1410 Beitragswochen, ver- mindert sich aber gemäß § 157 I - u. A.-B.-G. für Ver­sicherte, welche am 1. Januar 1891 das 40. Lebensjahr Dollendet hatten, um soviel Beitragswochen, als ihr Lebens­alter am 1. Januar 1891 das vollendete 40. Lebensjahr -überstiegen hat. Für die übrige Wartezeit muß der Versicherte thatsächlich in verficherungspflichtigem ArbeitS- oder Dienst- verhältniß gestanden haben und für ihn Beitrag geleistet worden sein.

Die Mindestzahl der hiernach anzurechneuden Beitrags­wochen bet Festsetzung von Altersrenten für Personen auS dem GeburtSjahrgange 1827 ergibt sich auS der nachstehenden auf Beranlaffung des RetchS-VersicherungSamt» aufgestellten Tabelle.

Die Leistung von Beiträgen hat nicht zu erfolgen für die Zett der Arbeitsunterbrechung in Folge einer mit Erwerbs­unfähigkeit verbundenen Krankheit von mindestens siebentägiger Dauer. Diese Zeit wird regelmäßig als BritragSzeit in Ansatz gebracht. Der Nachweis hierfür wird geführt durch eine Bescheinigung der Krankenkasse, welcher der Versicherte angehört, oder der Bürgermeisterei. Diese Bescheinigung ist von den Versicherten der örtlichen Jnvalidttäts- und AlterS- verficherungsstelle behufs Berücksichtigung bei Aufrechnung der QutttungSkarte zu übergeben. Die Verficherten, welche diese Vergünstigung vielfach unbeachtet laffen, werden besonders hierauf aufmerksam gemacht.

Gießen, den 21. Januar 1897.

GroßherzogltcheS Kreis amt Gießen.

v. Gageru.

Deutscher Reiche

verlt«, 23. Januar. Der Kaiser begab fich heute Vormittag 10 Uhr in daS Reichskanzler PalatS, woselbst Fürst Hohenlohe etvea Jmmedtat-Bortrag hielt. Die Anwesenheit deS Kaisers währte etwa anderthalb Stunden.

Berlin, 23. Januar. Die winhschaftliche Vereinigung des Herrenhauses hat heute beschloffen, im Plenum einen Antrag einzubrtngen, durch welchen die StaatSregieruvg er- sucht werden soll, im BundeSrath für Annahme eines Mar-

Tabelle

über die Mindestzahl der in Betracht kommenden BeitragS- wochen bei Festsetzung von Altersrenten für gesetzlich versicherte Personen auS dem Geburtsjahrgauge 1827.

gartcke- Gesetze- einzutreten, wie eS im vorigen Jahre vom Reichstage beschloffen ist.

Berlin, 23. Januar. Das Abgeordnetenhaus überwies heute den Gesetzentwurf, betreffend die Forstschutz- beamten der Gemeinden und öffentlichen Anstalten im Re­gierungsbezirk Wiesbaden, der Commission für die Hessen- naffauische Gemeinde Ordnung, und den Antrag LangerhanS, betreffend Aufhebung der brandenburgischen Confistorial- Ordnung vom Jahre 1573, an eine Commission von vierzehn Mitgliedern. Außerdem wurden Petitionen erledigt. Nächste Sitzung Freitag den 29. Januar. Tagesordnung: Interpellation des Abgeordneten CzarlinSk» (Pole), betreffend Auflösung von Versammlungen in Oberfchlefien, und Antrag Ring, betreffend Vtihetufuhr.

Berlin, 23. Januar. Wie dieNordd. Allgem. Ztg. erfährt, haben die Beratbungen deS Entwurfs einer Milt- tär-StrafgerichtS-Ordnung und des dazu gehörigen EtnführungSgesetzeS in den bethetligten BundeSraths Aus- schüsien nunmehr begonnen.

Berlin, 23. Januar. Die Ortsgruppe Berlin deSAll­deutschen VerbandeS" hat in Bezug auf die Flottenfrage folgende Resolution gefaßt und Seiner Durchlaucht dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-SchillingSfürft unter­breitet:Die Ortsgruppe Berlin desAlldeutschen Verbandes hält die Annahme der Flotteuvorlage und der Dampfer- Subvention-Vorlage für unbedingt nothwendig, g bt aber außerdem der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß demnächst von der Regierung ein der Weltstellung Deutschlands ent­sprechender Flottevplan vorgelegt werde."

Berlin, 23.Januar. Der Vorstand des Verein- der Berliner Getreide- und Productenhändler macht bekannt: Von Mittwoch den 27. d. M. ab ist der Besuch der Versammlungen nur Mitgliedern des Vereins und de« bei diesen aagestellten jungen Leuten gestattet. Den Letzteren werden auf Antrag ihres ChesS Karten verabfolgt, welche nur zum Eintritt berechtigen.

Breilau, 23. Januar. DerSchl. Ztg." wird auS Lteguitz gemeldet: In dem Wettbewerb für daS Kaiser Wilhelm-Denkmal wurde heute von den ein- gegangenen Entwürfen derjenige des Bildhauers Profeffor Johannes Bo es e Berlin zur Ausführung angenommen.

Hamburg, 23. Januar. Heute Vormittag fanden elf Versammlungen von ftrtkendeu Hafenarbeitern statt, in welchen eine bedingungslose Unterwerfung abgelehot wurde. Der Strike dauert also fort. Die Erregung unter den Ar­beitern ist groß.

Ausland.

Wien, 23. Januar. Die amtlicheWiener Zeitung" publicirt das kaiserliche Decret, nach welchem der Reichs- rath aufgelöst und Neuwahlen angeordnet werden. Der neue Reichsrath wird noch vor dem 27. März zusammen­berufen.

Lemberg, 23. Januar. Der hiesige Gemeinderath be- schloß die Gründung einer allgemeinen Arbeiterbörse.

Rom, 23. Januar. Die Regierung hat den Hafen von Mass au ah sür alle auS Indien kommenden Gch'ffe ge­sperrt. Die Hauptstädte SictlienS verlangen, daß die Jndiensahrer nicht in ihre Häfen einlaufen dürfen.

Paris, 23. Januar. Der muselmännische Deputirte Dr. Grenier zeigte fich bet seiner Befragung durch Mit­glieder der Cowmtsfiou zur Prüfung seiner Wahl vollkommen unzugänglich bezüglich Ablegung deS Burnus und seiner religiösen Gebräuche.

Paris, 23. Januar. DaS Zuchtpolizeigericht verurtheilte den ehemaligen Capitän Guillot, welcher sich im Jahre 1889 nach der Schweiz und dann nach Belgien geflüchtet hatte, zu 5 Jahren Gefängniß und 3000 Franc- Geldstrafe, weil er einer auswärtigen Macht geheime Pläne und Schrift­stücke auSgeltefert habe.

Loudon, 23. Januar. Ein heftiger Schueesturm wüthete gestern in London und vielen Gegenden Englands. Auch int Canal wüthete der Sturm heftig. Der Dampfer Salisbury" stieß mit einem noch unbekannten Zweimaster zusammen. DemSalisbury" wurde der Bug etugestoßen. Der Zweimaster ist anscheinend uutergegangeu.

Deutsches Reichstag.

160. Pleuarfitznng. SamStag den 23. Januar 1897.

Hingegangen: Entwürfe zum Handelsgesetzbuch und zur Grund­buchordnung. _ . _ .

Bet Beginn der Sitzung finden fich nach «nd nach ein Dutzend Abgeordnete ein.

Auf der Tagesordnung sieht zunächst der Etat der Reichsschuld. Abg. Dr. Lieber (Ctr.): Mil der Begebung von 3 procent. < Anleihen sei offenbar zu f.üh vorgegangen worden. Wir bätten dieselbe nur begeben mit 86 Vr, pCt. und dadurch 123461537 Mk. weniger an Capital erhalten, als wir an Schulden zugenommen haben. Wir müsstn also auch einmal 123 Mill. Mark mehr tilgen, al« wir erhalten haben. In Preußen liege die Sache ähnlich, hier berechne sich der Capitaloerlust auf 98 Mill. Dem Schöpfer des Reichsfinanzreformgedankens. Miquel, können wir somit tnsgesammt weit über 200 Mill, aufs Conto schreiben. Das sei der Dieb bewunderte Reformer im Reich und in Preußen. Wir hätten, wenn wir 3Vj pCt. begeben hätten, weniger Zinsen bezahlt und viel weniger an Capitalschuld auf uns geladen.

Schatzs.cretär Graf Posadowsky: Der Markt war mit Zi/z procent. Papieren übersättigt. Hätten wir diese gewählt, so wäre daher voraussichtlich der Kurs stark gedrückt roorben. Zu Gunsten des 3piocent. Typus sprach außerdem'die Erwägung, datz wir wünschen mußten, ein Paprer zu wählen, welches möglichst im Jnlande bleiben werde. Mathemattsch ist die Berechnung Liebers richtig, aber eine genaue Berechnung vergleichender Natur ließe sich doch nur dann aufstellen, wenn wir zu gleicher Zett 3 und 31/z procent. Papiere begeben hätten. So aber kann man gegen die Berechnung des Borredners den Einwand erheben, daß man aus dem Durchschnitisbegebungkcours der 31/2 procent. Anleihen gar keinen Schluß ziehen, vielmehr gar nicht wissen kann, welchen Cours wir erzielt haben würden, wenn wir die 3Vs procent. zu derselben Zett begeben hätten, zu der die Begebung der 3procent. .erfolgte. Ich kann es daher nicht für unrichtig erkennen, daß wir den 3procent. Typus gewählt haben. t . «n er »

Abg. Enneccerus (nl.): Ein Schaden durch die Wabl des 3procent. Typus sei nicht entstanden; wäre er aber wirklich ent­standen, wie könne dann Herr Lieber jetzt der kluge Mann sein, der darauf aufmerksam mache, jetzt, post festem l

Abg. v. Kardorfi: Herr Miquel hat lange geschwankt, und er hat sich auch nur zur Wahl der 3procent. Form bestimmen lasten durch die großen Bankhäuser, die ja ihre guten Gründe dazu gehabt haben mögen. Ich selbst habe stets die Begebung von 3/s procent. mit Herrn Lieber für richtiger gehalten.

Schatzsecretär Graf Posadowsky verliest einen alteren Bericht des Finanzrntntsters an den Kaiser, in welchem für die Wahl der 3procent. geltend gemacht wird, daß der Markt für 3Vaprocent. überfüllt sei, auch nach Ansicht des Retchsbankpräsidenten uno daß das Bankenconsorttum erklärt habe, einen weiteren größeren Betrag 3V, pEt. nicht mehr zu übernehmen.

Der Etar der Reichtzschuld wird genehmigt, ebenso der Etat des Rechnungshofes. t c, n

Es folgt erste Berathung der Unfallverstcherungsnovelle.

Abg. Rösicke (b. k. Fr.): Bei den Berufsgenostenschasten ständen Lssten und Rtsico in wichtigem Berhällniß zu einan'er. Bei einer territorialen Gltederung der Unfallversicherung würde das schwerlich in gleichem Maße der Fall sein. Auch die Unfall-Ver- Hütungs-Votschrtften würden nicht so zweckmäßig und wirksam sein können bet einer anderen, als der berufsgenostenschaftltchen Gliede­rung. Die Höhe der Verwaltungskosten laste nach, und wenn erst der Bebarrungvzustand eingetreten sein werbe, würden die Verwal­tungskosten sicher den Betrag von 10 pCt. der Entschädtgungsbeträge nicht mehr übersteigen. Ein besonderer Vorzug der Berussgerossen- schaften sei ihre Selbstverwaltung. Redner befürwortet die Erhebung des Reichsverstcherungsamts zu einem selbstständigen Reichsamt. Er bemängelt, daß in den Spruchsitzungen des Reichsvelsicherungs- amts Bundesrathsmttglieder mitwirkten und an Zahl sogar noch vermehrt werden sollten, denn diese seien doch nicht unbedingt un­parteiisch (Widerspruch am Bundesrathstische.) In der Novelle werde leider die Selbstständigkeit des Retchsoerstcherungtzamts noch abgeschwächt. Zu wünschen sei, daß die Handwerker in weiterem Umfange in die Versicherung einbezogen würden. Redner platdirt sodann für Herabsetzung der Karenzzeit, da, wenn diese erfolge, die Berussgenostenschaften noch mehr als schon bisher die Pflege Ver­unglückter den Krankenkassen gleich vom Tage des Unfalls cn ab­nehmen würden. Die Vorlage bilde eine geeignete Unterlage für dne ^bg.^nßefi (R.-P.) erkennt an, daß die Novelle eine Reihe von Derbesterungen bringe, so namentlich die Ausdehnung der De^ sicherung auf einige Klassen von Handwerkern. Nicht unbedenklich erscheine ihm aber die Einbezt.hung von Passanten in die Verfiche- rung, es werde das zur Folge haben, daß die Arbeitgeber die Fabriken für Passanten sperren. Große Bedenken erwecke seinen Freunden auch die Beschränkung des RecurseS sowie die Einschränkung der Thätigkett bezw. Befugnisse des Reichsverstcherungsamts.

Abg. v. Langen (c.) bedauert, daß nicht dieser Vorlage die Reform deS Jnvaliditätsgesktzes vorangegangen fei. Seine Partei finde in der Vorlage im Allgemeinen eine Verbesserung und werde ihr, von einzelnen Bestimmungen abgesehen, zustimmen. Namentlich einverstanden sei sie mit der geplanten Ausdehnung der Un all- Versicherung. Er bebaute nur, daß nicht auch -die Binnenschiffer einbezogen seien. m r, .

Hierauf tritt Vertagung ein. Persönlich bemerkt noch

Abg. v. Langen, durch einen Zwischenruf des Abg. Stadt­hagen prooocirt, er habe niemals einen politischen Gegner gebeten, auf die gegen ihn gerichtete Broschüre seines früheren Freundes Paasch nicht einzugehen. Er versichere dies und erwarte den Gegenbeweis.

Montag 1 Uhr: Fortsetzung und Wahlprusungen.

Fällt der Geburtstag des Rentenberechtigten i« die Zeit vom e

so müssen minvavev» Beilragöwochen nachgewielen sein

1

Fällt der Geburtstag des Rentenberechtigten in die Zeit vom

10 müssen sninnenen« 1 Beitragswochen nachgewiesen sein |

1. Jan. bis 6. Febr.

7. Febr. 13.

14. 20.

21. 27.

28. 6. März

7. März 13.

14. 20.

21. 27.

28. 3. April

4. April 10.

11. 17.

18. 24.

25. 1. Mai

2. Mai 8.

9- 15.

16. 22.

23. if 29.

30. 5. Juni

6. Juni 12.

13. n 11 IO-

20. 26.

27. 3. Juli

4. Juli 10.

11. 17.

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18. Juli bis 24. Juli

25. 31.

1. Aug. 7. Aug.

8. 14.

15. 21.

22. 28.

19. 4. Sept.

5. Sept. 11.

12. 18.

19. 25. ,,

26. 2. Oct.

3. Oct. 9

W. 16.

17. 23.

24. 30.

31. 6 Noo.

7. Noo. 13.

14. 20.

21. 27.

28. 4. Dec.

5 Dec. 11.

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