Ausgabe 
25.11.1897 Erstes Blatt
 
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H. Darmstadt, 24. 9iobembet. (Telephonmeldung.) Se. Röntgt. Hoheit der Großherzog übergab heute zwei Depu­tationen des neu errichteten 5. Infanterieregiments Nr. 168 -wet Fahnen, welche mit dem früheren 6. Regiment unter Prinz Emil die Feldzüge bereits mitgemacht haben. Anläß­lich der Feier fand im Neuen Palat» Militärtafel statt. Die Fahnen werden morgen, am Geburtstage des Großherzogs, tu Offenbach und Butzbach den Bataillonen übergeben werden.

Das Gietzener Volksbad.

In der Mitte unserer Stadt, zugänglich und sichtbar von den beiden Hauptverkehrsadern SelterSweg und Bahnhofstraße hat sich in den letzten Monaten ein Bau erhoben, deffen große, geschmackvolle, originell construirte Fatzade heute die Augen eines Jeden auf sich lenkt, der den SelterSweg entlang geht. Frisch und fernhin sichtbar hebt sich von dem weißen Grunde die AufschriftvolkSbad" und die Schaar derer, die sich dafür iuteresfiren, was denn Lieser Bal^ birgt, waS er unserer Bevölkerung und der Um- gegend bieten soll und wird, wächst von Tag zu Tag. Nach« dem die Pläne deS Baues acht Tage lang in den Schau» fenstern der Firma W. Reiber ausgestellt waren, dürfte auch eine genaue Beschreibung des Bades unseren Lesern will» kommen sein.

Die dem SelterSweg zugekehrte Hauptfaeade soll durch die farbigen Verblendglasuren und bunten Friese schon nach Außen den Character eine» BadehauseS zum Ausdruck bringen. In der Mitte dieser Fayade in der Achse deS Zugangs» wegeS liegen die beiden HaupteingangSthüren, zu welchen eine breit angelegte Freitreppe führen wird. Durch diese EiogangSthüren tritt man in ein geräumiges Vestibül und zu der dem Eingang dtrect gegenüber liegenden Kasse und Wäscheausgabe. Links und rechts der Kaffe führen sechs» stufige Marmortreppen zu den geräumigen Warteräumen und von diesen gelangt man zu den Wannenbädern und der Schwimmhalle, links find der Warteraum und die Wannen­bäder für Männer, rechts diejenigen für Frauen.

vom Vestibül aus führt ferner links vom Eingang eine Treppe in das Souterrain zu den zwölf Brausebädern, recht« vom Eingang zu dem oberen Stocke, zu der Wohnung des Verwalters im rechten Flügel und den Dampf» und Heißluftbädern im linken Flügel de- Vorderbaues.

Die ganze Anordnung der Zugänge ist hiernach derartig, daß der Kaffenbeamte von der Kaffe aus den Haupteingäng und die Zugänge zu den einzelnen Bädern stets im Auge hat und Coutrolle üben kann.

Die Wannenbäder fiad in zwei vollständig ge* trennten Abteilungen vorhanden, recht» die Frauenabtheilung, links die Männerabtheilung. Jede «btheilung enthält drei Bäder 1. Klaffe und sechs Bäder 2. Klaffe. Die Bäder erster Klaffe liegen im Vorderbau, die Bäder zweiter Klaffe in den nur ein Stockwerk hohen Seitenbauten längs der Schwimmhalle. Der Unterschied zwischen den beiden Bäder» klaffen besteht lediglich in der besseren Ausstattung der Zellen. Die Wannen sind überall gleichmäßig mit feinen Porzellan- Platten hergestellt, jede Zelle erhält eine regulirbare Brause i nad) dem bewährten System der Firma H. Schaffstaedt.

In jeder Abthrilung werden ein oder zwei Zellen zur Abgabe von Medtcinalbädern, Soolbädern rc. benutzt werden.

Durch eine dritte Thüre des Warteraums gelangt man io die Schwimmhalle und zwar zunächst in einen an drei Setten der Schwimmhalle herlaufeudeu Umgang,- von diesrm äußeren Umgang tritt man in die Auskleide» zellen, deren sich an den beiden Längsseiten des Schwimm­bassins je 16 befinden.

Die nach innen sich öffnende Zellenthüre wird geschloffen, ®lt oV<r be^nl)lt4e Klappsitz heruntergelegt und damit die Zelle nach dem äußeren Umgang sicher abgeschlossen. In der Z lle befindet sich u. A. Spiegel und zur Aufbewahrung von Werthsachen rc. ein verschließbares Kästchen. Nach dem Bassin hin, wird die gelle durch einen Vorhang verschloffeu. Nach dem AuSkleiden betritt der Badende den inneren Um- gang um das Schwimmbassin, deffen Betreten mit Schuhen verboten ist, und begiebt sich zunächst, muh sich begeben, nach dem an der inneren Schmalseite des Bassins befind­lichen sogen. RetnigungSraum. In diesem Reinigung»- raum ist eine größere Anzahl der verschiedensten Douchen, außer­dem sechs Becken auS feiner Fayence mit ständig fließendem Waffer zum Reinigen der Füße. Die Wände diese- Reint- gungSraumeS find mit weihen Porzellanvlatten bekleidet.

Nun erst darf da- Schwimmbassin benutzt werden. Die Schwimmhalle, deren Decke aus Kiefern» und'

St. Johann find drei Kinder des WirthschaftSbefitzerS um­gekommen.

Landon, 23. November. Ans Braß wird gemeldet, daß eine Abthrilung der Rigercompagnte die Festung Ktffi eingenommen hat. Prinz Arku, der Sohn deS Königs Jgara, hat die Flucht ergriffen.

Berlin, 24. November. Wie aus Kiel gemeldet wird, übernimmt Capltän zur See Freiherr v. Bodenhausen, Cowmandant der kaiserlichen Yacht -Hohenzollern", für den Prinzen Heinrich die erste Marineinspection. Die Ausreise der KriegsschiffeDeutschland* und@efton* nach China erfolgt am 10. December.

Hile a. S.. 24. November. In Eilenburg wurde bet der Revision der Sparkaffe ein Deficit von 162000 Mk. entdeckt. Die Unterschleife datiren 30 Jabre zurück.

Pion, 24. November. Bei der gestrigen ReichStagS- erfatzwahl im Plöa-Oldenbnrger Kreise wurden bisher gezählt für Tungeln (cons.) 7130, Weinheber (Soc.) 2441, Damaschke (natl.) 2295, Schmidt (frf. Bp.) 1571, Hoeck (fcs. vgg.) 1359 Stimmen. Zwischen v. Tungeln und Weinheber kommt es wahrscheinlich zur Stichwahl.

Rom, 24. November. Der neue deutsche Botschafter Freiherr v. Saurma-Jeltsch ist heute Mittag hier ein» getroffen.

1 Tannenholz geschmackvoll auSgeführt ist, wird tageshell durch zwei große mit mattem und farbigem Glase versehene Ober- lichter und die farbigen Seitenfenster erleuchtet, Abend» werden drei große, mit je drei Auerbrenneru versehene, von den eisernen, schön verzierten Drckenbiuderu herabhängende Sugelbeleuchtungen da- erforderliche Licht spenden.

In der äußeren nordwestlichen Schmalseite der Halle ist eine große Deckenmuschel mit Malereien angebracht, in der I sich Nischen befinden, für welche Freunde deS Bade- hoffent- I lich recht bald schöne Spiegel stiften. Die höfliche Ein-

I ladung dazu sei hiermit erfolgt. Erhöht auch die sonstige I architektonische und malerische Ausschmückung der Halle daS Gefühl der Behaglichkeit, Annehmlichkeit, so soll da» Basfin

I selbst doch die Hauptzierde bilden und zur fleißigen Benutzung I verlocken und verführen.

Das Bassin ist 9 Meter breit, 19,50 Meter lang, an I der seichtesten Stelle am oberen Eingang 0,80 Meter, am I unteren Ende 2,80 Meter tief und durch ein Tau in zwei Theile für Schwimmer und Nichtschwimmer getheilt. Wände I und Boden des 34 Cubtkmeter Wasser haltenden Balfin» I werden mit blauen und weißen Porzellanplatten und farbigen I Friesen bekleidet, und wird man deßhalb stet- den Eindruck I eine- reinen crhftallklaren Wasser- haben. Da- 17» bi- I 18-grädige Wasser fließt am oberen Ende de- Bassin- au- I Drachenköpfen in daS Basfin und wird beständig erneuert. I Vollständige Reinigung des Basfin- findet wöchentlich so oft I statt, al- die Benutzung e- erforderlich macht- mindesten» I zwei Mal.

Die Temperatur der Luft wird durch eine Dampfheizung I stet- gleichmäßig behaglich gehalten, im Sommer werden I wasserzerstäubende Düsen für die erforderliche Abkühlung und I Erfrischung der Luft sorgen. Kurz, eS ist, so weit man dies I übersehen kann, Alle- vorgesehen, da- erwünscht und geeignet ist, um da- Verweilen in der Schwimmhalle, da- Körper und Geist erfrischende Schwimmen in dem prächtigen Bassin so angenehm wie irgend möglich zu machen. E- bleibe schließ- lich nicht unerwähnt, daß über dem Reinigung-raum sich eine Gallerte mit ca. 100 Sitzplätzen, ein Maffeau-kleideraum für die Jugend befindet- der Zugang erfolgt vom äußeren Um- | gang vermittelst einer Treppe, eine Treppe führt hinab in den Reinigung-raum.

Können die Wannenbäder zu jeder Tage-zeit von den beiden Geschlechtern benutzt werden, so ist dies bezüglich des Schwimmbassin- natürlich nicht möglich. GS wird voraus- fichtlich die Zeiteintheilung derart fein, daß Morgen» von 6 bzw. 7 bzw. 8 Uhr ab je nach der Jahreszeit bis 9 oder 10 Uhr die Männer, von 9 bzw. 10 bis 11 Uhr die Frauen, von 11 bis 1 Uhr die Männer, von 2 bis 5 Uhr die Frauen und von 5 Uhr bis Abends 9 Uhr die Männer Zutritt haben. Die gleiche Zeiteintheilung wird fich auch für die Benutzung der im oberen Stockwerk eiuzurichteuden Dampf» und Heißluftbäder empfehlen bezw. noth- weodig erweisen, zu deren Beschreibung wir uns jetzt wenden wollen. Zu diesen Bädern gelangt man, wie Eingangs er­wähnt, vom Vestibül aus vermittels einer Treppe, die unS zunächft in den durch ein Oberlicht freundlich beleuchteten AuSkleide- und Ruheraum führt. Dieser Ruheraum ist ein­gerichtet zur Aufnahme von acht Zellen, die durch Bretter- verschlüge von einander getrennt, nach dem Gang hin durch Vorhänge verschließbar find und mit allen Bcquemlichkeiten für AuSkleiden, Toilette und zum behaglichen AuSruheu nach dem Bade auSgestattet find.

Von diesem Ruheraum gelangt man in den Abtrocken­raum und in das Dampfbad, in dem aus einer Wandnische der Wafferdampf entströmt, Stühle unb Pritschen zum Sitzen und Liegen angebracht find- von dem Dampfbad geht man zum Maffageraum, von diesem in den Warm- und dann in den Heißlustraum (Römtsch-trischeS Bad) und aus diesem schließlich in den Brausenraum und in den Abtrockenraum. Alle diese Räume find aufs Beste veutilirt, mit Platten be- kleidet und bemalt; farbige und mit mattem Glase versehene Fenster geben denselben ein gemüthliches, wohnliche- Aus­sehen. In dem Brausenraum find die verschiedensten Douchen: Strahlen-, Mantel-, Sttzdouchen und ein kaltes Vollbad vor­gesehen. All dies kann geschaffen werden, wird aber nur geschaffen werden, wenn noch weitere Geldmittel von unseren Mitbürgern beigefteuert werden. Bis jetzt ist nur die Ausführung von vier Ruhebetten und die Einrichtung des Dampsraums vorgesehen- alle übrigen Räume bleiben unbe­nutzt, werden nicht eingerichtet, nicht inftallirt. Und doch wäre ci, wie in einem früheren Artikel von ärztlicher Seite bereits mit Recht hervorgehoben, dringend erwünscht, gerade diese Bäder sofort herzuftellen. Denn c» sind Heilbäder, in ihren Wirkungen ganz außerordentlich wohlthuend, für den Arzt der Gegenwart bei der Behandlung zahlreicher Krank­heiten kaum noch entbehrlich. Gerade durch vollkommene Ausstattung dieser Bäder würden wir eine Anstalt schaffen, deren segensreiche Wirkung fich weit über da» Weichbild unserer Stadt hinan» erstrecken wird, Kranke au» den um­liegenden Dörfern und Städtchen würden gerade diese Bäder benutzen, von ihren Aerzten hierher gesandt werden, um Schwatz- und Massagekuren durchzumachen. Heilung und Genesung würde Mancher finden, der heute fich Jahre lang mit Gicht, Rheumatismus, schwerem Katarrh rc. Herum­schleppen muß, weil ihm die Mittel fehlen, einen weit ent­fernten, kostspieligen Badeort aufzufuchen und fich dort einer längeren Rur zu unterwerfen.

Aber auch jeder Gesunde, der einmal ein solches Damps- ober Heihluftbad genommen und deffen wohlthäiige Wirkung empfunden, wird den dringenden Wunsch haben, daß hier wegen 6-8000 Mk. Mehrkosten nicht die Gelegenheit ver­säumt wird, uns diese Bäder zu verschaffen. Denn noch größer als die heilende Wirkung dieser Bäder ist vielleicht deren vorbeugende. Wenn deßhalb der Vorstand der Aktien­gesellschaft volkSbad jetzt noch einmal an unsere wohlhabenderen Bürger mit der Bitte herantritt, noch Aktien zu zeichnen, so hoffen wir, daß diese Bitte von bestem Erfolge gekrönt sei. Gedenke ein Jeder der armen Kranken und Leidenden, die

nicht in der Lage find, zur Linderung ihrer Leiden auswärtige Bäder aufzusuchen. Gerade ihnen soll hier eine Stätte gt» schaffen werden, au der fie Heilung, mindestens Linderung finden können. Dessen eingedenk, steuere ein Jeder nach seinen Kräften bet, damit e» ermöglicht wird, eine möglichst vollkommene Anstalt alsbald zu schaffen. Warten heißt hier verschwenden, denn an einem fertigen Gebäude nachträglich Aenderungen vornehmen, ist ein sehr kostspieliges Unter- nehmen, stört den ganzen Betrieb, und Stückwerk bleibt Stückwerk. Doppelt gibt, wer bald gibt. (Ein zweiter Artikel folgt.)

Cocalt# unb prwinsielUs

Gieße», den 24. November 1897.

* Se. Köaigi. Hoheit der Großherzog begeht morgen in dem von seinen treuen Untertanen stets gewünschten Wohlbefinden die Feier seine» Geburtstages. Ein glücklicher Zufall hat es gefügt, daß an dem gleichen Tage auch Ihre König!. Hoheit die Fran Großherzogin ihren Geburtstag feiern kann und somit in unserer verehrten Herrscherfamilie fich eine erhabene Doppelfeier vollzieht. Bei den Sympathien und der Verehrung, die unserem Fürstenhaus seit Jahrhunderten daS treue Hessenvolk in Freud und Leid bewahrt, Angesicht» der regen Teilnahme, die Hessens Fürsten allezeit an dem Geschicke des Volkes auf dem geistigen und wirthschaftlichen Gebiete desselben betätigt, schlagen auch am morgigen Tage sicher die Herzen Tausender unserem Großherzoglichen Hause entgegen, bitten Tausende unfern Schöpfer, daß er auch fernerhin mit dem treuen Volke segnen möge unfern Groß- Herzog Ernst Ludwig und unsere Großherzogin Victoria Melitta.

* Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allerguädigst geruht, am 17. November dem Pfarrverwalter Gustav Weiß gerb er zu Eich, Dekanat Oppenheim, die evangelische Psarrstelle daselbst zu übertragen.

* * Die Süddeutsche Bank ist am Donnerstag au» Anlaß de- Geburtstag» Sr. König!. Hoheit de» Großherzog» von Mittag» 12 Uhr ab geschiossen.

* * liebet bei Laienelement in der Rechtspflege sprach am Montag Abend Herr Professor Frank im Verein»hause de» Kaufmännischen Verein». Bon der Wahrnehmung ausgehend, daß man auf dem Gebiete der Recht»pflege von dem fich aus anderen Gebieten auSbreitenden Specialtsteuthum nicht- wissen wolle, ging Redner zunächst auf Einführung der Schwur­gerichte ein, mit denen da» Datenelement tn die Rechts­pflege eingeführt und später zu den Handel-- und Sewerbe- gerichten herangezogen wurde- er bemerkte, daß die Rechts» pflege die al- Specialisten zu betrachtenden Laien nicht ent­behren und vom gelehrten Richter als einzelnen Mci scheu nicht verlangen könne, daß er auf allen Gebieten unsere» öffentlichen Leben» die zur Fällung seine» Urtheil» uöthigen Erfahrungen habe. Den Schwur- und Schöffengerichten ähnliche Institutionen hatte man zur Zeit Karl» de» Großen, später änderte fich dieser Zustand allmählich und wurde die Rechtsprechung lediglich in die Hände der gelehrten Richter gelegt, doch gerieth das Ansehen de» Gesetze» in Verfall, wie die Zustände der letzten zwei Jahrhunderte beweijen. Redner gab dann einen geschichtlichen Ueberblick über Ur­sprung und Entwickelung der heute fälschlich al» Laiengerichte bezeichneten Sachverständigen Gerichte, betonend, daß tn der sogen. Demagogenzeit die Burschenschafter e» waren, welche für die Schwurgerichte Propaganda machten- 1848 wurde das Schwurgericht eingeführt und durch da» neue Gericht»- verfaffung-gesetz von 1879 einheitlich au-gestaltet. Weiter erläuterte Redner den Unterschied zwischen Schwur- und Schöffengericht und erklärte, entschiedener Anhänger de» Laien- gericht» zu sein. Der Laie verdiene al» Richter den un­mittelbaren Vorzug de»JntereffeS für den Einzelfall und der individuellen Behandlung wegen, die damit bedingt sei. Der gelehrte Richter falle bei der Behandlung einer Sache der Ermüdung, in die er leicht Gefahr laufe zu geraden, leicht der Schablone bei der Behandlung der Sache anheim. De» ernsten Vorschlag, der gemacht werde, die Schwurgerichte ganz zu beseitigen, müffe man entgegentreten; btnn tarne e» hier­zu, so würde da» größte Mißtrauen im Volke erweckt gegen die Handhabung unserer Rechtspflege, und da» Vertrauen de» Volke- auf die Strafjustiz ist einer der bedeutendsten Faktoren im Staat-leben. Die Frage jedoch, ob die Gesetzgebung den Geschworenen nicht eine Ausgabe gestellt, der sie nicht ge­wachsen sind, müffe man entschieden bejahen. Der Ge­schworene habe nicht über die Thatsrage, sondern über die Schuldfrage zu urtheilen und in dieser stecke auch die Recht»- frage, die zu lösen unter Umständen für den gelehrten Kichter seine großen Schwierigkeiten hat. Der Geschworene ist auf sein Gedächtniß, auf seine Urtheil»kraft allein ange­wiesen bei der Findung de» Recht», und die Güte der Urtheil-krast hängt auch von der Begabung, von der Intelli­genz deS Einzelnen ab. Der gelehrte Richter hat bet Prüf­ung und Feststellung aller Momente, die bei der Beurtheilung eine» Falle» in Frage kommen, Cowwentare zur Hand, in denen er nachsehen und fich unterrichten kann. Hierzu kommt aber, daß man nicht nachprüfen kann, aus welchen Gründen >er Geschworene zu seinem Urtheil gelangt ist, er darf die Gründe nicht angeben, e» ist ihm die» gesetzlich verboten, und ein Urtheil de» Schwurgericht» ist unanfechtbar, el sei denn wegen falscher RechtSanwendung im verfahren selbst. Die Au»gestaltung unserer deutschen Gerichte, wie bereit» rüher einmal geplant, halte et, so e klärt der Redner, für >aS Zweckmäßigste, eine gute und sichere Rechtspflege in der Strafjustiz zu gewährleisten. Anstatt der Schwurgerichte eien grvße Schöffengerichte, anstatt der Strafkammern mittlere Schöffengerichte zu etablirtn, wobei die bestehende» al» kleine Schöffengerichte weiter bestehen bleiben. Eine