Ausgabe 
25.11.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 277

Erstes Blatt

Donnerstag den 25. November

1897

Amts- und Anzeigeblatt föt den Tiveis Giefzem

Hratisöeitage: Gießener Jamilienötätter.

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Besuche.

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>a»ah»r von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgende« Tag erscheinendm Nummer bi» Lor«. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und AurlandeS nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgehn.

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Berlin, Admirale v.

chinesischen Gebietes nicht in die Lage kommt.

Ein vielfach osficiös bediente- Berliner Blatt weiß zu berichten, daß die EveutuolitSt der Besetzung chinesischen Ge­biet- bereit- bei den letzten Monarcheu-Eutrevueu Gegenstand

Die Gießmer D««irie»-kS11er werden dem Anzerger wöchentlich dreimal beigelegt.

mit dem Kaiser conferirt, wie es scheint wegen der ost- asiatischen und der Haiti-Angelegenheit. In unterrichteten Kreisen nimmt man, wie diePost" bestätigt, an, daß der Kaiser in die Bildung einer zweiten Kreuzer-Dioifiou unter dem Commando deS Prinzen Heinrich eingewtlligt hat. Zwei Tage bevor die Besetzung der Kiao-Tschau Bucht durch deutsche Matrosen bekannt wurde, hatte nach demselben Blatte der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hier eine lauge Unterredung mit dem russischen Botschafter Grafen v. d. Often'Sackeu.

der Besprechung gewesen ist. Das ist um so wahrscheinlicher, als eS bekannt ist, daß unser Kaiser eine offenherzige Aus­sprache liebt und kein Freund davon ist, mit seinen Gedanken hinter dem Berge zu halten. Selbstverständlich ist über die weiteren Pläne, welche die deutsche Regierung in Ostafieu verfolgt, nicht- Nähere- bekannt. Will Deutschland dort eine Marinestation anlegeu, so müßte da- von dem Gesichtspunkte aus geschehen, daß von dort au- ein wirksamer Schutz der Deutschen in China etnzuletten ist und daß diese Station der AuSgangSpnnkt für die Entfaltung des deutschen Handels in China wird. Da- Absatzgebiet, welches dort vor uns liegt, ist ein ganz gewaltige- und sehr wohl besonderer Aufwendungen unsererseits werth. Wir haben freilich die Concurrnnz anderer Länder zu überwinden, aber e- liegt kein Grund dafür vor, daß wir nicht siegreich au- diesem Kawpse hervorgehen können. Vielleicht hat die Haltung, welche Deutschland im japanisch- chinesischen Kriege einnahm, doch ihr gute- und beginnt jetzt, ihre Früchte zu tragen. Jedenfalls kann mau davon über­zeugt sein, daß do» zielbewußte Vorgehen der deutschen Re­gierung in Ostafieu unser Ansehen bedeutend hebt, und daß wir kaum in die Verlegenheit kommen werden, mit unseren Abfichten internationale Conflicte heraufzubeschwören. .. ________________________________(xx)

Depesche« de» Bure«Herold."

23. November. DerPoft" zufolge haben die Knorr und Tirpttz gestern und heute tu Kiel

Der tteftenrt Anzeiger erscheint täglich, nt Ausnahme deS Montags.

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Hause, wo General Weyler abgestiegen ist, Hochrufe au-- brachte, erschien Weyler auf dem Balkon und rief:Hoch

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Wolff« telegraphische« Correspondmz-Bure«.

Brrliu, 23. November. DerStatistischen Corresp." zufolge war der Saateustand tu Preußen Mttte November: Wivterweizen 2,6, Wtuterspelz 2,2, Winter- »oggeu 2,6, Klee, auch Luzerne, 2,4, wobest 1 sehr gut, 2 gut und 3 mittel bedeutet. Der Ernteertrag nach Probe- drüschea beträgt in Hafer 1378 Kg., Erbseu 927 Kg. bom Hector, die Eruteschätzung in Kartoffeln 11,213 Kg., Klee- heu, auch Luzerne, 4869 Kg., Wtesenheu 3799 Kg. vom Hectar. Trockenes Wetter und kalte Nächte schädigten die Saaten nicht bemerkenswerth. Die Haferernte wird auf 2 pCt. unter Mittel-Ernte und 5 pCt. unter da- Vorjahr, die Kartoffelernte auf 1 pCt. über da« Vorjahr und 4 pCt. über Mittel-Erute geschätzt. Der Klee-Ertrag wird auf 50 pCt., der Wtesenertrag auf 37 pCt. über Mittel Ernte geschätzt.

Berlin, 23. November. Mehreres Blättern zufolge wurde der KreuzerGeter" heute in Dienst gestellt und geht tu» Mtttelmeer. Er wird iu Kauea ein Detachement au Stelle de- von derKaiserin Augusta" wieder an Bord genomweuen landen. Ueber die Verwendung derGefion" find bestimmte Dispofitioneu noch nicht getroffen.

Berlin, 23. November. Der Oberpräsident genehmigte die Vermehrung der Berliner Stadtverordneten- Mandate um 18.

Berlin, 23. November. In der pyrotechnischen Fabrik Wilhelm Israel u. Co., Schöuhauserstraße 78, fand heute Nachmittag eine Explosion statt, wobei ein Arbeiter und zwei Mädchen getödtet uud sieben wettere Personen verletzt wurden. Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt. Der entstandene Brand war uur uodedeuteud uud wurde alsbald gelöscht.

Kiel, 23. November. Der Kaiser ging heute Nach­mittag mit dem Prinzen Heinrich, dem commandirendeu Admiral v. Knorr mit dem PanzerWeißenburg" tu See. Nach der Rückkehr nahm der Kaiser an der Abendtafel bet dem Prinzenpaar Heinrich Thetl. Hierzu waren verschiedene Einladungen ergangen.

Leipzig, 23. November. Der bisherige Oberlande-« gerichtöralh Dr. Lahnsen vom hanseatischen Oberlandes- geeicht io Hamburg ist, wie dasLeipz. Tagebl." meldet, zum ReichSgerichtSrath ernannt worden.

Barcelona, 23. November. Als die Menge vor dem

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Berlin, 23. November. DieNordd. Allgem. Ztg." betont in einem Leitartikel mit der UeberschriftGegen den Absolutismus" mit allem Nachdruck, daß alle der Regierung untergeschobenen absolutistischen Hintergedanken ledigl ch Truggebilde des RadtcaltSmuS und alle maßgebenden Faetoreu im preußischen Staate und auch im Reiche nach wie vor darin einig find, die Rechte der Volksvertretung uud die Verfaffung hoch zu halten.

Berlin, 23. November. DieBerl. Reuest. Nachr." schreiben zu der Haiti-Angelegenheit, daß dem Ver­nehmen nach in derselben die letzten Beschlüsse hier noch nicht gefaßt worden seien, sie ständen aber in den nächsten Tagen bevor. An den maßgebenden Stellen sei man eutschloffen, eine nachhaltige Einwirkung auf Regierung und Volk von Haiti heroorzubringeo. Wie von verschiedenen Seiten ver- lautet, soll nur eine sehr geringe Entschädigung von Haiti verlangt werde», welche die Summe von 50 000 Dollar» voch lange nicht erreicht und nur zur Schadloshaltung von Lüders dient.

Berlin, 23. November. Indem dieNordd. Allg. Ztg." sich gegen eine Au-laffuug derFreis. Ztg." betreffend die Marinevorlage wendet und dabei auf die englische Naval- Defence-Acte von 1889 hinweist, welche sie wörtlich ausührt, betont sie, daß nach ihren Informationen die Mariuevorlage in keiner Weise so wett gehen werde, wie die Naval-Defence- Acte gingen. Auch soll die Technik nicht in der Weise fest­gelegt werden, wie eS die englische Marioe-Autorität und da» englische Parlament unbedenklich geglaubt hatten thun zu dürfen. Man versichert dem Blatte vielmehr, daß der Ent­wickelung der Technik durch die Marinevorlage vollständig freier Spielraum gelaffeu würde.

Berlm, 23. 'November. DerPoft" zufolge ist der BundeSrath jetzt tu den Commissionen mit der Durch- berathung der Special Etats beschäftigt. Die Zahl und die Dauer der Sitzungen ist sehr groß. Am Donnerstag wird da» Plenum im BundeSrath sich mit dem Etat beschäftigen, ihn aber vorläufig noch nicht erledigen. Am Montag dürfte eine Extra-Plenarsitzung deS BundeSrath- nothwendig werden.

Berlin, 23. November. Ja der gestrigen Sitzung deS StaatSmiuistertum- standen, wie verlautet, die von PodbtelSkt tu Aussicht genommenen Reformen der Post­verwaltung zur Berathuug. An der Sitzung, welche fast sechs Stunden, von 2 bi- gegen 8 Uhr dauerte, nahmen außer den Ministern auch die Staatssekretäre des Reichspostamts uud des Reichsschatzamts Thetl.

Berlin, 23. November. Wie dieBerl. Polst. Nachr." melden, begrüßte gestern der Kaiser bet der Rekruten- veretdtgung in Siel die russischen Seeleute tu russischer Sprache. Als der Kaiser Nachmittags in russischer Admirals- uniform an Bord desWladimir Monomach" erschien, wurden 17 Salutschüsse gelöst.

Berlin. 23. November. DenBerl. Pol. Nachr." zufolge wird der Verein deutscher Eifeu- und Stahl- industrieller am 9. Decewber hier eine VorstandSfitzuug abhalteu. Auf der Tagesordnung stehen u. A. Stellung­nahme zu der im Jahre 1900 iu Parts stattfiodendeu Welt­ausstellung und Stellung der Industrie zur Novelle der Unfallversicherung und zu den ReichStagScommtsfionSbefchlüffen.

Frankfurt a. M., 23. November. Der hier Mittags fällige Schnellzug von Freiburg fuhr, wie Blätter melden, heute Vormittag kurz vor 10 Uhr auf der Station Kirchheim bet Heidelberg gegen einen dort raugirenden Güterzug. Durch den Anprall wurden die ersten Wagen des Schnell­zuges zusammengedrückt. Zwei in dem ersten Wagen befind­liche Fahrgäste erlitten durch das Zusammenschieben der Bänke Verletzungen an den Beinen. Beide mußten durch die Fenster den AuSweg ins Freie nehmen. Sonstige Verletzungen von Personen find nicht vorgekommen. Der Zug kam hier mit eiustündiger Verspätung au.

Wielbaden, 23. November. Der Profeffor der Theologie Dr. Maurer vom theologischen Seminar in Herborn wurde zum General-Superintendenten im Coufiftorialbeztrk Wiesbaden ernannt.

Kola, 23. November. Der heute Morgen 7 Uhr 47 Miu. hier fällige Nord-Expreßzug erlitt tu der Nähe der Station Stendal einen Unfall und hatte infolge dessen be­deutende Verspätung. Daselbst pasfirte ein Fuhrwerk, al­ber Zug heranbraustk, den nicht geschloffenen Bahnübergang. Der Fuhrmann und die beiden Pferde wurden getödtet.

Bremen, 23. November. In der hiefigeu Umgegend, namentlich in Achim, herrscht die eghptische Augen- kravkheit iu heftiger Weise. Eine Reihe von Schulen mußte auf zwei Wochen geschloffen werden.

Innsbruck, 23. November. Bei einem Brande in

mußte man fein durch die zustimmenden Aeußeruugen der englischen Presse, die eine Erklärung dadurch finden, daß England erwartete, wir würden infolge unsere» Vor­gehens in Ostafieu mit den russischen Interessen colli- direu und in einen Conflict mit dem englischen Rivalen !gerathen, welcher in Ostafieu große politische uud wirthschaft- liche Interessen zu vertreten hat. Daß dieser selbe liebens- würdige Wunsch auch von den Franzosen gehegt wurde, braucht kaum besonders betont zu werden. Aber man hat sowohl au der Themse wie an der Seine nicht mit unserer überaus vorsichtigen, nach keiner Sette hin anstoßenden Regierung ge-

Rußland» in Ostafien kaum jemals ein Hinderniß in den Arg legen wird und hierzu auch durch die Besetzung eine»

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Bekanntmachung,

betr.: Schafräude zu Mainzlar.

Nachdem unter der Schafheerde des Schäfers Daniel Eckhardt z« Mainzlar die Räude festgestellt ist, haben wir die Sperre der Heerde verfügt- derselben wird durch Grohh. Bürgermeisterei Mainzlar ein bestimmter Weidebezirk angewiesen werden, welchen fie nicht überschreiten darf. Ferner haben wir die polizeiliche Beobachtung der Heerde deS Schäfers Adam Wißuer augeordnet, wenngleich die letztere bisher verdächtige Erscheinungen noch nicht gezeigt hat.

ES ist deßhalb bis auf Weiteres die Ausführung von Schafen aus der Gemarkung Mainzlar nur zum Zweck so­fortiger Abschlachtung und nur mit unserer jedeSmal besonders einzuholender polizeilichen Erlaubuiß zulässig.

Gießen, den 23. November 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. G a g e r n.

Deutschland

und der ostafiatische Zwischenfall.

Allem Anscheine nach hat die deutsche Regierung große Dinge in Ostafien vor- der jüngste Zwischenfall dürfte alS AuSgaogSpuvkt benutzt werden, um unsere Stellung daselbst völlig umzugrstalten. Man darf daran nicht mehr zweifeln, wenn eS fich bewahrheitet, daß die Regierung eine zweite Kreuzerdivifion nach jenem fernen Gebiete entsenden will und daß der Bruder unsere» Kaisers, Prinz Henrich von Preußen, die Fahrt mitzumachen gedenkt. Gleich bei der am Montag erfolgten Ankunft de» Kaisers in Kiel dürften bestimmte Abmachungen in dieser Hinsicht zu Stande gekommen sein. Der große Apparat, den die Regierung aufbietet, fällt um |o mehr in» Auge, als ja bekanntlich 'unsere Marinever- waltung nicht über all zu viel Schiffe verfügt und immer erst reiflich überlegen muß, ehe fie die Verwendung einzelner derselben zu einem bestimmten, besonderen Zweck genehmigen kann. Wenn in diesem Falle eine Ausnahme gemacht wird, so geht daraus hervor, daß unsere maßgebenden Kreise auf die künftige Stellung Deutschlands in Ostafien einen ganz hervorragenden Werth legen, und daß der letzte Zwischenfall nur einen Borwand bietet für längst bestehende, weitgehende Pläne.

Officiö» ist über die letzteren freilich noch nichts be­kannt geworden- in den amtlichen oder halbamtlichen Mel­dungen über die Angelegenheit handelt es fich nur um die Bestrafung der Mörder deutscher Staatsangehöriger und um Erlangung ausreichender Garantien dafür, daß solche Vor­fälle sich nicht wiederholen. Aber eS besteht wohl kein Zweifel mehr daran, daß Deutschland fich dauernd in Ostafien fest­zusetzen gedenkt und daß es fich dabei um ein größere- Ge­biet handelt, als dasjenige ist, welche- die deutschen Marine­soldaten gegenwärtig an der Kiao-TschauBucht besetzt halten. Daß Deutschland hierbei nicht einseitig vorgehen kann und sich der stillschweigenden Zustimmung der Mächte, inSbesovdere auch Chinas versichert haben muß, ist selbstverständlich. AlS die ersten Mittheilungen über den Schritt, welchen unsere Marine in Ostafien gethan, in die Oeffentlichkett gelangten, da wurde die Angelegenheit sofort von der ausländischen Presse ausgenommen und lebhaft erörtert, und man konnte bemerken, wie viel Haß und Feindschaft an einzelnen Stellen noch gegen da- Deutsche Reich gehegt wird. Ueberrascht

ui rechnet, welche so weitgehende Pläne nicht verfolgen würde, ohne fich vorher der Zustimmung Rußlands zu verfichern, die u so bereitwilliger gegeben werden konnte, als die Peter--

1C Lnr0eY Regierung sicher ist, daß Deutschland den Absichten

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Neustadt 11. ckwolle, zu bt» 10488

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