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25.9.1897 Erstes Blatt
 
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Atr. 225 Erstes Blatt SmuStag den 25. September

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Der #U|rtifr Anzetger erscheint täglich, eilt Ausnahme des Montag».

Die Gießener A« mi tten vlütter werden dem Anzeiger »dchenNich dreimal deigelegt.

Weßener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Viert, ltilferig» >8»wnrm#Nt*|ird»i y Mark 90 Vln Bdl Vringerlahn. Durch die Pafl bezog«, 2 Mark ßO Vlfl

RcbacHon, »»pedltto« und Druckerei:

>chusfl, atz, Mr.«. geru|p»echer bl.

2lnrts- und Anzeigeblatt fflr deir Itrek Mieszen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für bm folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Hratisöeilage;

Kießener Aamikienbsüttl'r.

AN, Annaueen-Vurrau» de» In- und Wullanb,« iul)inre Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger" entgeh«.

Spanien und die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Al» vor einiger Zeit gemeldet wurde, der nord- amerikanische Botschafter in Berlin treffe mit seinem Kollegen au» Madrid in Pari» zusammen, um mit diesem die Maß« nahmen zu beratheu, welche in Sachen der cubantschen In« surgenten getroffen werden könnten und welche uvthig wären, um die Interessen der Union aus Cuba zu wahren, da wurde überall die Uederzeugung wachgerusen, daß die Washingtoner Regierung endlich die Schritte thun werde, welche man von ihr allgemein erwartet hatte. General Woodsord, der Ge­sandte in Madrid, soll nun thatsächlich ein Ultimatum seiner Regierung an Spanien überreicht haben. Und wenn auch von Madrider osficivser Seite dieser Vorgang abgeläugnet oder abgeschwächt wird, so entbehrt er doch nicht innerer Wahrscheinlichkeit und kann, wenn er wirklich noch nicht er­folgt sein sollte, jeden Augenblick in» Werk gesetzt werden. Denn seit dem Regierungsantritt Mc. Kinley» und seit der Uebernahwe der auswärtigen Angelegenheiten durch den Senator Shermann war eine kräftigere Initiative der Ber­einigten Staaten in der cubantschen Angelegenheit wahrschein­lich geworden. Lediglich der Unentschloffenheit de» vorigen Präsidenten Lleveland ist e» zuzuschreiben, daß bisher die Bereinigten Staaten nicht offen Partei für die Cubaner er­griffen, da bekanntlich schon am Anfang vorigen Jahre» der Washingtoner Senat mit großer Mehrheit den Antrag an­genommen hatte, die Aufständischen al» kriegführende Macht anzuerkennen. Gerade Shermann ließ e» damals an scharfen Ausfällen gegen Spanten nicht fehlen und drückte den Wunsch au», daß sein Land der Herrschaft der Spanier auf lLuba gewaltsam ein Ende bereiten möchte.

Und wahrlich, wenn man die Berichte liest, welche von der früherenPerle der Antillen" herüberkommcn, die ver- Wüstungen und Grausamkeiten verfolgt, die der j.tzige spanische Obercommandirende aus lLuba, General Wehler, ins Werk gesetzt hat, wenn man ferner in Erwägung zieht, daß da» Ende de» Aufstandes und damit auch da» Gude der Grau­samkeiten noch lange nicht gekommen zu sein scheint, so kann man cS den Amerikanern nicht verdenken, wenn sie endlich die Geduld verlieren und auf Herbeiführung geordneter Zustände auf der Insel dringen, mit welcher sie früher in lebhaften Handel»- beztehungen standen. Daß die Geschäfte aus Euba vollständig darntederltegen, daß Handel und Verkehr unterbrochen sind und daß die Zustände auf der Insel in wirthschaftlicher Be­ziehung sich sür jetzt und die nähere Zukunst iu wahrhaft trostlosen gestalten, liegt aus der Hand. Und der Nord- vmertkaner wird ungemüthlich, wenn man ihm seine HandelS- deztehuugen abschnetdet, denn ihm geht ebenso wie dem Eng- läiider nichts über da» money, und er schlägt Denjenigen rücksichtslos nieder, welcher ihn verhindert, seine Dollars zu holen. Was helfen jetzt noch alle Reformen, welche man nun auf Euba einführen rolU; vor zwei oder drei Jahren wären dieselben noch am Platze gewesen, heute aber versagen sie ihre Wirkung.

Wenn e» auch unwahrscheinlich ist, daß Mr. Woodford sitr die Beendigung des Aufstande» einen so kurzen Termin don 1'/, Monaten gestellt har, so ist doch, wie wir schon oben fihten, auzuuehmen, daß die Regierung der Bereinigten Staaten ernstliche Beschwerde in Madrid geführt hat Uber dir grausame Kriegführung der Spanier, und daß sie eventuell Naßuahmt» in Aussicht gestellt hat. Die Ideen der Nouroe-Doctrtn findet gerade jetzt wieder in der nord- smerikantschen Union warme Bertheidiger, und die Annexion Hawaii« hat gezeigt, daß man in Washington einer Gebiet», ttweiterung heute gar nicht mehr so abhold ist wie srüher. Deßhalb würden die gesetzgebenden Körperschaften auch kaum ihre Genehmigung versagen, wenn etwa Spanien bereit fein sollte, Euba freiwillig an Nordamerika abzutreten. Diese» »ine zweifellos der vernünftigste Schritt, den die Madrider -iegierung thun könnte. Aber ehe sie sich dazu entschließt, blir-fle noch geraume Zeit vergehen. Denn vorläufig Über- »iegt in Spanien die Entrüstung über da» angeblich un- ürechtigte Einmischen der Bereinigten Staaten in interne spanische Angelegenheiten, und man rasselt vernehmlich mit Mai Säbel, der aber gar nicht so scharf ist, da die inneren Zustände in Spanien zu trübe sind, als daß man sich in eine große kriegerische Action einlaffen könnte.

Jedenfalls dürfte in nicht allzuferner Zeit die Euba- Iraflt zu einer ernstlichen Ausetnandersktzung zwischen Spanien vvd den Bereinigten Staaten sühren, und wenn ersteres klug ist, so bezähmt eS seinen Nattonaldünkel, der keinen positiven «i-th mehr hat, und gibt nach. (xx)

Deutsches Reich.

Iu der 69. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, die gegenwärtig in Braunschweig tagt, hielt Generalarzt 1. Klaffe I)r. Eilert-Altenburg u. A. einen Vortrag über die Aussichten sür die ärztliche Lhätigkeit im künstigen Kriege. Der Redner knüpfte an die scharfe Kritik an, welche der verstorbene berühmte Chirurg Billroth vor mehreren Jahren an dem Danitätscorp» der österreichischen Armee geübt hatte. Damals mußten sich auch die deutschen Militär-Aerzte die Frage vorlegen, ob unser Sanitätsdienst in einem künstigen Kriege den herantretenden nngehrneren Anforderungen gewachsen sein würde. Der letzte Krieg hat un», bet sonst vortrefflicher Function des ganzen Apparates, doch ans gewtffe Mängel, wie da« zu lange Liegenbletben der Verwundeten ohne ärztliche Hilfe, aufmerksam gemacht. Inzwischen sind die Heere coloffal angewachsen, daS Magazin­gewehr ist erfanden worden. Wa« den ersten Punkt anbe- trifft, so können wir in Deutschland beruhigt sein: daü SanitätScoip» ist in gleichem Mahstobe vermehrt. Bon dem neuen Gewehr mit seiner enormen Durchschlagskraft glaubt man aber allgemein, daß e« die Zahl der verwundeten unge- mein vergrößern werde. Da« ist nach Ansicht de» Redners ein Jrrthum: im Durchschnitt wird die Zahl der verwun­deten höchst wahrscheinlich vermindert werden. Dann hört man auch viel von den sogenannten humaneren Verwttndungen de» neuen Gewehr» reden. Bor diesen Hoffnungen kann man nicht eindringlich genug warnen. ES ist die Bildung einer unabhängig von den einzelnen Eorp» gestellten Sanität«- resrrve zu erstreben, welche im Nothfall dort etngretfen soll, wo die Verlustziffer Über den vorgesehenen Durchschnitt hin- auSgeht, die vorhandenen Kräfte nicht auSrelchen. Die An- Wendung des electrischen Licht« auf dem Scblachtfelde da­gegen hielt der Redner nicht sür Vortheilhast. Die Sektionen für Hygiene und KniderHeilkunde hielten eine ge­meinsame Sitzung ab, die l)r. W. Hesse- Dresden mit einem Bortrage über:Ein neue« Ersatzmittel der Muttermilch" einleitete. Wenn man Rahm in der Weise verdünnt, daß er sich auö 1,2 pEt. Casein, 0,12 Albnmin, 8,8 Fett, 1,8 Milchzucker, 0,8 Asche und 92,8 Wasser zu- sammenfetzt, so kann man ihn in seiner chemischen Beschaffen­heit der Muttermilch beinahe gleichmachen, wenn man 0,88 Albumin und 4,2 Milchzucker zusetzi. Da« neue Surrogat habe sich für Kinder sehr bewährt. Gehetmrath Heubner- Berlin meint, daß wir mit der ganzen KinderernährungS- frage wieder Abwegen zustruerten. Der klintiche versuch werde zu sehr vernachlässigt; am Menscheu nur könne man Uber Werth und Unwerth eine» solchen Mittel» entscheiden. Rach dec chemischen Zusammensetzttug könne ein Präparat tadellos und geradezu ideal erscheinen, da» nachher gar nicht von den Kindern vertragen werde und umgekehrt. Or. Schloßmann-Dresden rühmt die Erfahrungen, die er mit der Hesse'schen Milch gehabt habe. Die neueren Unter- suchungen hätten übrigen« die Richtvertragbarkeit von Milch- forten und Surrogaten ergeben, die im Wesentlichen auf die Phosphorkörper zurllckzusühren sei, und e» bestehe Aussicht, diese Störungen auSzuichalten.

wolsf« telegraphische» Correspondenz-Bureau.

Berlin. 28. September. DieRordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Großmächte waren vor Eintritt in die Friedensverhandlungen in den Besitz einer schrift­lichen Erklärung de» Athener EabinetS gelangt, die von allen an dem Eoncert betheiligten Regierungen, namentlich denen, welchen Griechenland besonder» die sürsorgliche Wahrnehmung seiner Interessen zuzuschreiben geneigt war, als Ertheiluug einer unbeschränkten Vollmacht zur Bereinbarung der wesent­lichen FriedeuSbedingungen aufgesaßt wurde. Die Möglich­keit eine» nachträglichen Ableugnen« dieser in formeller Weise abgegebenen Erklärung war namentlich dadurch auSgeschlosfeu, daß die griechische Regierung später nochmal« unzweideutig zu erkennen gab, sie habe nie daran gedacht, die Frieden«- bedi^gungen späterhin etwa nicht anzunehmen, nachdem sie sich einmal der Bermtttelung der Großmächte formell unter warfen. DieRordd. Allgem. Zig." bemerkt, daß lediglich diese wiederholten, der Pforte durch die Botschafter der Mächte mitgetheilten Versicherungen de« Athener Eabinet« die BorauSsetzung bildeten, auf Grund deren die Türket zur Annahme der Bermtttelung de« europäischen Eoncert» in dem Streitfälle mit Griechenland sich bereit finden ließe.

Münchberg, 28. September. DieMünchberg-Helm brechtfer Zeitung" meldet: Heute Rächt 1 Uhr wurde die Scheune und da» Wohnhaus de» Baumeister» Fester in Münchberg durch Feuer zerstört. Dabei sind eine 75jährige

Wittwe und eine andere ebenfalls 75 Jahre alte Frau verbrannt.

Vwinemünde. 28. September. Der DampferUuronla", auf der Reife von Libau nach Stettin begriffen, brachte heute hier die an» drei Mann bestehende Besatzung der holländischen TjalkWeina Kramer" ein, die aus der Reise von Memel nach Bremen in der Rächt znm 21. d». Mi», leck geworben war nnd von derCnronia" nördlich von Danzig sinkend angetroffen wurde.

Kiel. 28. September. Die 17. Jahre»versammlnng de» Deutschen Verein» für öfsentliche Arme «pflege wurde von Seiffardt (Crefeld) eröffnet. Bürgermeister Loreh begrüßte sie Romen« der Stadt Kiel. Der Vorsitzende ver­breitete sich in seiner dankenden Erwiderung über die Stellung und die Ziele de» Verein« nnd betonte, daß man an der Selbstverwaltung in der Armenpflege festhalten, aber auch ihre idealen Ausgaben Im Ange behalten müsse. Zu Vor­sitzenden der Versammlung wurden gewählt Seiffardt, Stähle (Dtnttgart), Schmidt (Riel); zu Schriftführern Ludwig-Wolff (Leipzig) und Soetbeer (Kiel). Der Verein zählt 405 Mit glieder. Bürgermeister Brinkmami (Königsberg) sprach über die Armenpflege In ihren Beziehungen zu den Letftnngen der Soctalgesetzgebung.

Hamburg, 28. September. Da» SchiffArve", Capi- tän Lldmann, ist unweit Bjerregaard (Jütland) gestrandet. Der Eapitäu und vier Mann sind ertrnnken

Cuxhaven, 28. September. Die Herzoge Adolf, Friedrich und Heinrich zn Mecklenburg sind hier eingetroffen, um die Bergung der Leiche ihre» Bruder«, de» Herzog« Friedrich Wilhelm, abzuwarteu. Prinz Heinrich von Preußen trifft an Bord de» Aviso»Greif" im Laufe de» heurigen Nachmittag« hier ein.

Cuxhaven, 28. September. Prinz Heinrich Ist mit dem AvisoGreif" heute Rachmittag 4 Uhr hier eingetroffen Der Herzog Heinrich von Mecklenburg begab sich all- bald an Bord. Die Stelle, an der da» Torpedoboot H 20 untergegangen ist, ist durch eine Bote bezeichnet.

Schwerin (In Mecklenburg), 28. September. Der Hof- marschall der Großherzogin Marie, Herr von d e r S ch u l e n - bürg, hat sich nach Cuxhaven begeben. Die ganze Stadt hat Trauerschmuck angelegt. Da» Hofiheater wurde ge­schloffen. Alle PrlvatvergnUgurigen sind abgesagt.

Wien, 28. September. Die Mitglieder de« intet' nationalen Congresse» der Gesellschaften vom Rothen Kreuz ivurden heute Nachmittag von der Gemeindevertretung Namen« der Stadt Wien empsaugen. Der Bürgermeister Dr, Lueger begrüßte die Gäste mit einer Ansprache, die mit dem Wunsche schloß, daß die Tendenz de» Rothen Kreuze» allgemeinen Boden fasse. Bundespräsident Falken- Hagen dankte sür die ausländischen Gäste für den ihnen be­reiteten Empfang. Nach Besichtigung de» Festsaale» erfolgte die Einnahme eine« Imbisse».

Budapest, 28. September. Die Stadt beraii|talttie gestern Abend ein Banket zu Ehren der den tscheu Jour­nalisten, welche« einen sehr glänzeirden Verlauf uahm.

Pari», 28. September. Die Exkaiserin Eugeuie, Prä- sident gaure, sowie der KriegSminlster sandten der Wittwr de« General» Bourbaki Beileidsdepeschen. Die Blätter widmen dem verstorbenen warme Nachrufe.

Stockholm, 28. September. Da» KöuigSpaar em­pfing gestern Mittag im Schloßhose einen Aufzug von 1500 Studenten schwedischer Universitäten, deren Wortführer dem Könige die Huldigungen der akademischen Jugend dar­brachte. Am Abend fand ein Galaball statt, zu dem drei­tausend Einladungen ergangen waren.

Brindisi, 28. September. Der durch den vorgestrigen Wirbelsturm im Bezirke von Brindisi angerichtete Schaden wird auf mehrere Millionen geschätzt.

Depeschen bi» vurea» »Herold *

Berlin, 28. September. Der Kaiser traf heute früh 8 Uhr 15 Mln. In Trakehnen ein und begab sich alsbald, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, mit dem Grafen Dohna in vierspännigem Wagen nach dem Jagdschloß Rvmlnten.

Berlin, 28. September. Da« Staatsministerium trat heute Rahmittag 2 Uhr in seinem Dienstgebllude unter dem Vorsitz de» Flnanzminifter« Miguel zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 28. September. DemVerl. Tagebl." zufolge verlautet au« Marinekreisen, daß trotz aller Dementi» die Erwerbung einer Flotten- und Kohlen st ation in OstasIen bevorsteht. Die Verhandlungen sollen dem Abschluß nahe sein. E« seien nur einige Formalitäten mit der chinesi­schen Negierung zu erledigen, bevor die Besitzergreifung und Besetzung der Station erfolgen könne.