Feuilleton.
Der gestohlene Dhrring.
Von E. Fahrow.
(Fortsetzung.)
An demselben Nachmittag ließ sich ein Herr bet dem Polizeipräsidenten melden.
„Baron van Zayden" stand auf der Karte.
„Ah, _ ctn verwandter der schönen Gräfin/ dachte der Präfident. „Wahrscheinlich wieder io der Juwelen- angelegenheit."
Er hatte Recht.
Der Fremde, ein schlanker, blonder Mann mit einem spitzen Bollbart und einem Klemmer stellte fich als der Bruder der Gräfin DeSberg vor.
„Ich bin io der größten Verlegenheit/ sagte er mit einem liebenswürdigen Lächeln. „Meine Schwester schickt mich olS Boten her, weil fie selbst fich schämt, so viel Lärm um nichts angestiftet zu haben. Sie bittet Sie durch mich um Entschuldigung. Der Ohrring —*
„Hat fich gefunden?" rief der Polizeipräfident.-
„AllerdtngS — hier ist er. Er hing in den Spitzen ihre» Kleides."
Dabei legte der Baron da» Seitenstück zu dem Schmuck- gegenständ auf den Tisch.
Der Präsident erhob fich und holte den wohlverschlofieueu anderen Ohrring herbei, den er neben den wtedergefundeven legte.
„Ich freue mich sehr," sagte er verbindlich, „daß die ganze Sache nur ein Schreckschuß strar. Bitte, drücken Sie der Gräfin meine Glückwünsche aus, — es wäre ewig schade um diese herrlichen Juwelen gewesen."
„Nicht wahr?" sagte der Baron. „ES find alte Erb stücke, — ich freue mich ebenfalls, daß sie beide wieder da sind."
Dabei verwahrte er sorgsam die beiden Ohrgehänge in seiner Brieftasche, bedankte fich vielmals und empfahl fich.
Zufällig traf am nächsten Tage der Präfident die Gräfin bei einem Diner.
Sie hatte ein weißes Kleid an und trug Perlen dazu.
„Nun, gnädigste Gräfin/ sagte er, „Sie tragen Ihre Rubinen nicht? Sind Sie nachträglich ängstlich geworden?"
Sie sah ihn erstaunt an, wollte er fie verspotten?
„Meine Rnbiueu? WaS «einen Sie denn, Herr Präsident?"
„Nun — die wtedergefundeneu. Ihr Herr Bruder hat doch nicht etwa vergeffen, fie Ihnen abzugeben?"
„Mein Herr Bruder? — Mein Gott — ich begreife nicht — ich habe doch gar keinen Bruder."
Tableau!
Der Polizeipräfideot war außer fich.
Nicht nur, daß die schöne Gräfin nun beider Ohrringe verlustig gegangen war, nein, er — er selbst war das Opfer eines geriebenen Schwindlers geworden.
Pfui Teufel, war das eine Blamage! — Und haben wir damals gelacht! Er stürzte von jenem Diner weg, um sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen, die er am Tage vorher zur Ruhe befohlen hatte.
Die Gräfin aber hatte begreiflicherweise ihr vertrauen zu der Staatspolizei verloren und wandte fich jetzt au uns.
Unser Bureau betraute mich mit der schwierigen Aufgabe und ich übernahm sie gern. Glaubte ich doch schon einen feinen, feinen Faden durch das Gaunergewebe schimmern zu sehen, der mir einen Anhalt geben konnte.
Wie die kostbaren Ohrgehänge auSsahen, wußte ich ja zur Genüge auS eigener Anschauung. Ich fürchtete nur, daß der Dieb fie allzu schnell ihrer Faflung berauben und die Steine irgendwo im AuSlande zu verkaufen suchen würde.
Zunächst hielt ich in der Stadt selbst Umschau, doch überzeugte ich mich bald, daß weder bet einem Juwelier noch bei denjenigen „Vertrauensmännern", die Mittel genug hatten, um den hohen Preis für so w'.rthvolle Steine zu zahlen, auch nur der versuch zu einem verkauf gemacht war.
Immerhin machte ich bet meinen Spürgängen eine in-
tereffante Entdeckung: ein Hochstapler, auf den wir seit einigen Wochen von der Reichshauptstadt aufmerksam gemacht worden waren, hatte sich io einem der vornehmsten Hotels eingefuudeo (wenigstens war ich überzeugt, daß er der Fremde Namens Berköahl, der so luxuriös auftrat, war) — aber da er bislang seine Rechnungen pünktlich bezahlt hatte, konnte man ihm zunächst nichts anhaben.
Ich wartete.
Denn ich hatte bemerkt, daß Herr Berkdahl, trotzdem er keinen Bollbart, sondern nur einen Schnurrbart trug, noch dazu einen kastanienfarbenen, doch eine gewiße Aehnlichkeit mit dem Herrn von dem Festabend hatte, dem Herrn, der ohne Zweifel auch die Rolle des holländischen Baron- bei dem Präsidenten gespielt hatte.
vielleicht bildete ich mir eS auch nur ein . . .
So viel batte ich herauSgebracht, daß er an dem Festabend im Frack fortgegaogen und erst gegen Morgen wieder- ' gekommen war.
Allein, was wollte das sagen!
Ich beschloß, da ich absolut kein schneller zum Ziele führendes Mittel wußte, mich ebenfalls in dem Hotel em- zulogiren und den fremden Bogel zu fangen.
Zu diesem Behufe muhte ich selbst die Rolle einet SchwtodlerS spielen.
Ich traf also etneS Tages, vom Bahnhofe kommend, mit Gepäck in dem Hotel eia und verlangte „zwei gute Z mmer" im ersten Stock. Dadurch ward ich von vornherein in die Klaffe der reichen, alletnreisenden Herren, wie Herr Berkdahl einer war, gehoben und auf demselben Flur m t ihm placirt.
DaS gerade hatte ich beabsichtigt/ ich wollte vor alle« dem Herrn die Augen ein wenig verblenden; vielleicht brachte ich ihn gar dazu, mich selbst alS gute Beute zu betrachten ....
Und wahrhaftig, er ging auf den Leim.
(Schluß folgt.)
jßehörd^
Aufgebot.
Der Isaak König von Cassel hat durch den Rechtsanwalt Holzapfel in Gießen als letzter Inhaber der Theilobligation Lit. B Nr. 300 der hypothekarischen Anleihe der Eisenwerke Hirzenhain und Lollar zu Hirzen- Hain über500 Mark deutscher Reichs- Währung vom 1. August 1895, ausge- stellt auf den Namen des Bankhauses Salomon Oppenheim jr. & Comp. in Cöln, übertragen durch Blankoindoffa- ment mit Couponbogen enthaltend Coupons ab 1.October 1896, unter der Angabe, daß er dieses Werthpapier in der Zeit zwischen October 1896 und April 1897, wahrscheinlich im No vember oder Dezember 1896 verloren habe, das Aufgebotsverfahren beantragt.
Der Inhaber dieses Werthpapiers wird demzufolge aufgefordert,spätestens im Aufgebotstermin:
GamStag deuLL. October LS0L Bormittags 9 Uhr
seine Rechte bei Gericht anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Krastloserklärung der Urkunde erfolgen wird.
Gießen, den 29. Juni 1897. Grobherzogliches Amtsgericht.
gez. Schudt.
Bekannt gemacht: 7042 Orth, Gerichtsschreiber.
Eroßh. fanbrsbaugcwtrlif^iilt ;u Darmstadt.
Beginn des WtnierunterrichteS am 1. November d. I., Vormittags 8V, Uhr, Schluß Mitte März.
Die Schule umfaßt im Winter vier Abtbetlungen: drei für Bavhaud- werter (Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Schreiner, Glaser, Weißbinder. Stukkateure u. s. ro ), eine für Maschtnendauer und Schlöffe-.
DaS Schulgeld beträgt 40 Mark.
Programme und «nmeideformu- Urt find durch die Direciion °der Lande«- baugewerkschule, Darmstadt, Neckarstr. 3, zu erhalten.
Schluß der Anmeldefrist am 1. Sept. __________________Die Direktion.
Arbkitsmstrigerung.
Die zur Restauration de« Kirchen, daches in Holzheim nothwendigen Arbeiten sollen Mittwoch, den 28. lsd. Mts., Vormittags 9 Uhr, durch Versteigerung im Rathhause vergeben werden. Die Versteigerung-- bedingungen liegen auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. 6914
Holzheim, den 19. Juli 1897.
Der Kirchen Borstand.
Bekanntmachung
Die BahnhofSwirthschaft in Hungen soll vom 1. October 1897 ab verpachtet werden. Die Bedingungen können in unserem Dienstgebäude — Gießen, Liebig- straße 23 — etngesehen, auch gegen portofreie Einsendung von 50 Pfg. in baar bezogen werden.
Bewerber wollen ihre Angebote unter Angabe des Pachtpreises, Beifügung ihrer Befähigungsnachweise und einer kurzen Lebensbeschreibung mit der Auffchrist: „Angebot auf Pachtung der Bahnhofs- wirthschaft zu Hungen" versiegelt und portofrei biS zum 18. Augnff, 10 Uhr Vormittags an unS einsenden.
Die Oeffnung der Angebote erfolgt zur angegebenen Zeit in Gegenwart der erschienenen Bewerber.
Zuschlagsfrist 14 Tage. 7036
Gießen, den 23. Juli 1897.
Großh. Hess.
Eisenbahn,BetriebS-Jnspection 2.
Mobilien-Versteigerung.
Montag, den 26. Juli, Abends 7 Uhr, werden in meiner Wohnung folgende Gegenstände gegen Baarzahlung versteigert: 1 Pferd 1 Brodwagen, 1 Oeconomiewagen 14 Schafe, 9 Gänse, 8 Hühner und sonstige zur Oeconornie gehörige Ge räthschaften. 7040
August Deibel, Wieseck.
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