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25.5.1897 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Dienstag dm 25. Mai

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Gießener A nzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

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Umiüdfw THM.

Bekanntmachung,

betreffend: Maul- und Klaueoseuche.

Nachdem tu der Heerde deS Georg Krieb in Lon- borf die Maul« und Klauenseuche amtlich festgestellr worden ist,, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dieselbe unter Sperre gestellt ist.

Gießen, den 23. Mat 1897.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung,

betr.: Hauptversammlung des Oberhesfischen Obstbauvereins.

Die Hauptversammlung des Oberhesfischen Obftbauvereius findet in diesem Jahre in Friedberg Montag den »L.Mai l. I., Nachmittags 2»/, Uhr, imPfälzer Hof" statt.

Tagesordnung:

1. Bericht über das abgelaufene BereinSjahr.

2. Rechnungslage pro 1896/97.

8. Voranschlag pro 1897/98.

4. Bethetligung an den Obstausstellungen in Frank­furt a. M. und Hamburg. Referent: Der Director der Geschäftsstelle Dr. v. Peter.

5 BereinSauSstelluug in Büdingen. Referent: Herr Landwtrthschaftslehrer Andrä, Büdingen.

6. lieber die zur Zeit bestehenden staatlichen Verord­nungen, den Ostbau betreffend. Referent: Der Secretär de« Verein« Herr C. Reichelt.

7. Anstellung von VrreinSbezirkSbaumwarten.

8. Geschäftliche Mittheilungin.

Za zahlreicher Betheiligung beehrt sich einzuladen

Der Präsident des Oberhessi'chen ObstbauoereinS: Dr. Braden.

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Deut-eh er NeichsLa-.

227. Sitzung. SamStag. den 22. Mai 1897.

Bei anfänglich sehr schwacher Besetzung fährt da« HauS in der Berathung der Handwerkervorlage fort.

Bei § 100a liegt ein Antrag Schneider (frs. 93p.) vor, wo­nach behuss Erklärung über die Zustimmung zur Bildung der Zwangs- tnnung eine besondere Mttthellung an die Betheiltgten erforderlich sein und ortsübliche Bekanntmachung nicht genügen soll.

Für den Antrag treten die Abgg. Kopsch (frs. 93p.), Osann nat.-ltb.) und Richter (frs. 93p.) ein, betonend, das Ausschellen ge­nüge nicht, um oie Masse der Betheiltgten zur Abgabe ihrer Wtllens- mctnung zu veranlassen. Bei einer so wichtigen Sache, wie btr BeitrittSzwang zu einer Innung sei, müsse es allen Betheiltgten nahe gelegt werden, sich zu erklären. Schon die unerläßliche Ab­grenzung von den Großbetrieben mache eine directe Mittheilung an jeden Bethetligten nöthtg. Selbst die Bekanntmachung in der Orts­presse reiche nicht aus, zumal in den größeren Städten, wo eine einzelne Zeitungs-Annonce zu sehr in der Fülle der Inserate ver­schwinde und nicht überall gelegen werde.

Mtkiister Brefeld sptcht sich gegen den Antrag aus. Es werde AlleS geschehen, um die wirkliche Mehrheit zu ermitteln. Aber der vorliegende Antrag belaste nur die Innung mit Kosten. Wer nicht mttsttmme, der müsse eben als der Zwangstnnung zustimmend ange- sehen werden.

Abg. Hitze bemerkt, richtiger wäre eS denn doch, wenn der An- irag lautete: durch besondere Mttthellung und ortsübliche Bekannt­machung, denn letztere ist doch unbedingt nöthtg.

Abg. Richter modificirt den Antrag dementsprechend.

Dte Abstimmung ergibt 58 Stimmen für, 103 gegen den An- trag Schneider-Richter, das HauS ist also beschlußunfähig.

Präsident v. Buol beraumt dte nächste Sitzung auf 1 Uhr 50 Mtnulen an. (Schluß 1 Ühr 20 Min.)

Die neue Sitzung wird um 2 Uhr eröffnet. Die Abstimmung bber den Antrag Richter-Schneider, für den die Linke, dte Polen, Einzelne vom Centrum, Prinz Alexander Hohenlohe und Schultz- lapitz stimmen, bleibt wieder zweifelhaft. Dte Zählung ergibt 65 für, 113 gegen den Antrag.

Das HauS ist wieder beschlußunfähig.

Präsident v. Buol beraumt dte nächste Sitzung auf 21/, Uhr tn, also wieder eine halbe Stunde Pause, mit der Tagesordnung Cervistalif. (Große Heiterkeit.) Schluß 2 Uhr 5 Min.

Dte neue Sitzung beginnt nach 2Vs Uhr. Auf der Tages- mdnung steht die Seroistartf-Dorlage. Dte Beraihung beginnt bei her Klasseneintheilung der Orte. Die Commiffton hat hier eine Reihe von Amberungen beschloffen. Außerdem liegen zahlreiche Anträge aus dem Hause vor auf Versetzung von Orten in eine höhere Klasse. Die Beschlüsse der Commission werden durchweg an- fiarrdslos genehmigt, die darüber htnauSgehenden Anträge dagegen {oft durchweg abgelebnt, mit Ausnahme von Leobschütz, welches um ein* Servtsklasse erhöht wurde, desgleichen Marne in Holstein, Ohra Mi Danzig. t

Nach Erledigung der Klasseneintheilung vertagt sich das Haus.

Abg. v. Levetzow stellt mit Bedauern fest, daß einige Abge- irb-nete die Geschäfte des HauseS dadurch verzögerten, daß sie vorhin bei den Zählungen sich absichtlich zurückgehalten hätten. Es sei dieS MfichtSios und schädige die Würde des HauseS.

Abg. Singer begreift nicht, woher Abg. v. Levetzow daS Recht nehme, sich als Mahner und Warner und Wahrer der Würde des HauseS zu gertren. Seine (Singers) Freunde hätten übrigens an der Zählung Thetl genommen.

Abg. Speiser (südd. 93p ) erklärt, er selbst und einige Freunde seien in Unkenntntß der staltfindenden Zählung durch eine falsche Thür in den Sitzungssaal gekommen. Jedenfalls absichtslos.

Abg. v. Levetzow: Herr Singer hat mir in keiner Weise vor- zuschretben, was ich thun oder lassen soll. Die Herren Singer und seine Freunde habe ich nicht gemeint, ebensowenig die Herren Speiser und Genoffen. Jedenfalls könnte ich Namen nennen, will das aber nicht thun.

Abg. Benoit erklärt, er und seine Freunde seien ebenfalls an dem Vorgänge unbetheiligt.

Nächste Sitzung Montag 12 Uhr: Serotstarif, Handwerker­vorlage, dann die neue Gewerbenovelle betr. ConfecttonS-Jndustrie. (Schluß 6»/, Uhr.)

Anstand.

Paris, 22. Mai. Der deutsche Botschafter Graf Münster hat sich nach Berlin begeben, um den Sitzungen des Herrenhauses betzuwohnen. Während seiner auf acht Tage berechneten Abwesenheit wird Botschaftsrath v. Müller dte Geschäfte führen.

Loudon, 22. Mai. Der Prinz und dte Prinzessin von Wales eröffneten heute unter großer Feierlichkeit den Black- w a l l«T u u n e l unter der Themse. Der Tunnel, ein große« Werk der Jngenteurkunst, deffen Bau fünf Jahre in Anspruch nahm, ist für Fuhrwerke und Fußgänger eingerichtet,- seine Gesammtlänge beträgt 6200, dte Brette 16 Fuß mit zwei Fußsteigen.

Washington, 20. Mat. China hat auf dem Posi- congreß dte Absicht erklärt, dem Weltpostverein bei- zutreten, dte Festsetzung des Zeitpunktes ist Vorbehalten. Auch Korea will den Weltpostvertrog unterzeichnen. Dte Anschlußrrklärurig des Oranje Freistaates ist in Vorbereitung.

Wolff« telegraphisches Torrespondenr-Bnr««.

Wirschkowitz, 23. Mai. Nach dem allgemeinen Kirch­gang um 10 Uhr nahm Seine Majestät der Kaiser das Frühstück ein. Sodann war eine Spazierfahrt in den!Wald und ein Ausflug nach dem herrlichen HedwigSthal in Aus­sicht genommen. Zur Mittagstafel sind wiederum mehrere Gäste geladen, darunter der Oberpräfideut Fürst Hatzfeldt- Trachenberg.

Hamburg, 23. Mai. Zum 50jährigen Jubiläum der Hamburg-Amertkantfchen Packetfahrt-Aktien« Gesellschaft (Hamburg Amerika Linie) trifft am Donners­tag den 27. Mat als Vertreter Seiner Majestät des Kaisers Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen Mittags von Kiel hier ein und wird am Bahnhofe von einer Depu­tation des Senats und der Hamburg-Amerika-Ltnte em­pfangen.

Athen, 23. Mai. Meldung derAgence HavaS". Bet Zaverda hat zwischen den ttalieniichen Freiwilligen des Obersten Berthet und Bürgern ein blutiger Zusammen­stoß stattgefunden. Zwei Personen wurden dabei getödtet und 10 verwundet. Dte italienische Truppe wird unter Begleitung zweier Kriegsschiffe nach Italien zurückgeschicke werden.

Kauea, 23. Mai. Meldung derAgence HavaS". Oberst StoikoS hat sich heute Vormittag mit den letzten griechi­schen Truppen eingeschifft.

Depeschen deS Bureau »Herold/

Wien, 23. Mat. Authenltsche Athener Berichte lasten die Lage deS Königshauses in düsterstem Lichte erscheinen. Dte Volksstimmung macht den Kronprinzen für das National- Unglück verantwortlich. Gegen den König erhebt man den Vorwurf, daß er nicht zur Armee gegangen sei. Die Mächte sind unbedingt entschlosten, die bedrängte Köntgsfamilte, deren Situation seit 24 Stunden höchst bedenklich geworden ist, zu schützen. Dte Admirale im BlokadeRayon haben bereits Ordre erhalten, Schiffe nach Phaleron zu entsenden. Für den Schatz der königlichen Familie wird genügend gesorgt sein, ob es aber möglich sein wird, die Dynastie auch zu erhalten, ist zweifelhast. Zur Conferenz bezüglich deS Friedensschluffes, welche in Konstantinopel stattfindet, erhielt Griechenland dte Aufforderung, einen Diplomaten und einen militärischen Vertreter zu entsenden.

Budapest, 23. Mai. Im südlichen Ungarn gingen starke Hagelwetter nieder. Der Schaden ist bedeutend. Dte gesammie Obsternte ist vernichtet.

Sffegg, 23. Mai. In BoSntake fand eine fürchter- ltche Wahl sch lacht statt. Die Wähler griffen dte zweite Compagnie des 78. Jufanterie-Regiments an, worauf letztere

feuerte. 14 Tobte und über 30 Verwundete blieben auf dem Schlachtfelde. Drei Jniantertsten wurden verwundet.

Rom, 23. Mai. Dte Botschafter in Konstanttnopel er­hielten Instruction, der Türket die Grenzberichtiguugen strategischen CharacterS mit dem Vorbehalt zuzugesteheu, daß dte abzutretenden Landstriche nicht bewohnt fein dürfen. Bi« zur völligen Kriegsentschädigung dürfen dte Türken nur Bola und Larissa besetzt halten.

Berlin, 24. Mai. Ein erschütternd er Unglück«« fall ereignete fich gestern Abend während der Vorstellung in einem hiesigen Spectalttätentheater. Ein Kuustfchütze wollte eine Glatkugel von einem Stabe heruuterschießen, den eine ihm asfistirende Dame fich an die Wange hielt, so daß die Glaskugel auf Kopshöhe stand. Der Schütze hielt einen Spiegel vor sich, legte fich die Pistole auf dte Schulter und traf die Dame versehentlich, so daß sie tödtlich verwundet zusammenbrach.

Pari«, 24. Mai. Die S oct alt st en legten gestern au den Gräbern der Commuuarden von 1871 Kränze nieder. Reden wurden nicht gehalten. Eine Verhaftung wurde vor­genommen.

Oran, 24. Mai. Gestern entstand im Hafenstadtviertel ein neuer Aufruhr. DaS Material und dte Bücher eine« ttaltenischen Schiffsagenten wurden tnS Meer geworfen.

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vießeu, den 24. Mai.

**P.A. Sport« und Volksfest in Gießen. Bet der Aus­wahl der Platzkarten zum taternattonalen Wettfahren am nächsten Sonntag auf der neuen Rennbahn an der Hardt möge für das Publikum Folgendes zur Ortentirung dienen: Alle Sitzplätze find amphtrheatralisch angelegt und gewähren einen völligen Rundblick auf dte Rennbahn. Die Tribüne ist dabet noch gedeckt. Dte Sperrsitze find Stuhlplätze, in Logen ä 4 Plätze etngetheilt. Da diese Sitzplätze trotz bedeutenden Kostenaufwandes nur in beschränkter Zahl angelegt werden konnten, so empfiehlt es fich, Karren für dieselben frühzeitig fich zu verschaffen. Der Sattelplatz ist der Raum innerhalb der Rennbahn, er bietet keine Sitzplätze, gestattet daher aber freie Bewegung und gibt vorzügliche Gelegenheit, jedes Fahren in nächster Nähe verfolgen zu können. Karten für diesen Platz find gewissermaßen Pasae-partouts, da sie zum Eintritt in den eigentlichen Sportplatz berechtigen. Sie gelten auch, ebenso wie die Tribünen« und Sperrsitzkarten zum Eintritt zum Commers von SamStag Abend sowohl, als auch zur PreiSvertheilung und zum Ball am Sonntag Abend in SteinS Garten. Der Vorverkauf dieser Karten zu er­mäßigten Preisen dauert nur vom Dienstag bis zum SamStag Abend. Dte Steh- und Terraffenkarteu berechtigen nur zum Zutritt zur Umgebung der Rennbahn und zu der mit ausreichenden Sitzplätzen versehenen Terraffe, von der man einen freien Blick auf dte Rennbahn hat, und ferner zmu besonders oberhalb der Terraffe angelegten Juxplatz.

'* Sommerfest de8 WohlthatigkeitSvereiuS Conteutia. Da« Sommer fest des Veretns war recht gut besucht. Biele Hundert Personen aus Gießen und Umgegend waren zusammeu- geströmt, um zu dem wohlthätigen Zwecke, den der Verein verfolgt, ihr Scherflein beizutragen. Nachdem dte Kinder­spiele beendet, sollte der Riesenluftballon steigen. Durch den herrschenden Wind jedoch gerieth der Luftballon in Brand und nur Ueberreste desselben flogen in der Luft herum. Nack Abrechnung sämmtlicher Unkosten wird ein hübsche« Sümmchen für den WohlthätigkeitSzweck verbleiben.

* MoutagS-Concert auf derSchönen Aussicht". Da« Bierconcert, das heute Montag stattfinden sollte, findet heute nicht statt. Dagegen wird daS nächste Bierconcert infolge Verhinderung der Capelle ausnahmsweise vom Mon­tag den 31. Mai auf Dienstag den 1. Juni verlegt.

* * Silberne Hochzeit feierte im Kreise seiner Familie, Verwandten und Freunde Herr August Kaiser, Beamter der Main «Weser-Bahn, vergangenen SamStag auf dem Lenz'schen Felsenkeller".

* * Befitzvechsel. Herr Andreas Euler verkaufte sei» Steinftraße 15/17 belegeneS Doppelhaus für den Preis von 62,000 Mk. an Herrn Wiih. Gerhardt, Cigarren-Engro«- Geschäft. DaS HauS Steinftraße 14, ebenfalls Herrn Andreas Euler gehörig, ging für 19,200Mk. in den Besitz deS Herrn Locomotivführer Max SadowSky über.

* * Gauturufahrt des Gaue« Hessin nach Krofdorf. Bo« schönsten Wetter begünstigt, war der turnerische Besuch der gestern nach Krofdorf veranstalteten Gauturufahrt ein über Erwarten guter. ES waren besonder« stark vertrete« dte Vereine aus Marburg, Wetzlar sowie dte Gießener Turuer-