Ausgabe 
25.3.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

unb deren Sitz erst nach Anwendung von X'Strahlen ermittelt werden konnte. Die Operation wurde glücklich durchgeführt. Die Heilung der ziemlich großen Wunde wird einige Zeit beanspruchen.

Localer und Provinzieller.

Ließe», den 24. März.

Absperrung der Wasserleitung. Wir mähen auch an dieser Stelle auf die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas« und WafferwerkS aufmerksam, betr. die nächsten Freitag Vormittag» erfolgende Absperrung der Wasserleitung in der oberen Ludwigstraße und in einzelnen angrenzenden Straßen.

* Die dreifarbige Kokarde. Bei der Parade in Darm­stadt am 22. d. M. kam folgender Erlaß Sr. Kgl. Hoheit de» Großherzogs zur Verlesung:Im Anschluß an den Armeebefehl Sr. Maj. des Kaisers und Königs vom Heutigen bestimme Ich, daß die deutsche Kokarde auch bet Meinem Eontingent am heutigen Jubeltage zur Einführung kommt unter finngemäßer Anwendung der für das Tragen dieser Kokarde für die königlich preußische Armee erlassenen Aller­höchsten Bestimmungen.

Zur Gedenkfeier der Bereinigung Gießener Post- und Telegraphenasststeuten auS Anlaß des 100jährtgen Geburts­tages weiland Sr. Maj. Wilhelms des Großen hatte sich Sonntag, den 21. März, Abend» 9 Uhr, eine ansehnliche Festversammlung im Bereinssaale de» Cafs Ebel etugefunden. Nach dem Willkommengruß, welchem al» erstes allgemeines LiedDas Gelübde": Ich hab' mich ergeben, folgte, hielt Herr Postasfistent May einen sehr eingehenden Vortrag. Die verschiedenen Stufen der Entwickelung unserer Reichs« einheit kamen durch die etugrschobenen Gesänge, Musikspiele, lebenden Bilder, durch bengalische Beleuchtung und Feuer­werk vorzüglich zur Geltung, sodaß die Festtheilnehmer mit feierlichem Ernst und wachsender Begeisterung den trefflichen Rückblick auf da» gewaltige Werk unsere» höchftseligen Helden« kaiser» verfolgten.

** Für die Veteranen. Wie derReichsanzeiger" meldet, hat der Kaiser angefichtS der patriotischen Bewegung, welche allerorten im Lande durch die Feier der hundertjährigen Wiederkehr deS Geburtstages Kaiser Wilhelms I., insbesondere auch unter den alten, seiner Führung unterstellt gewesenen Kriegern hervorgetreten ist, befohlen, daß auch den Veteranen der Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 die vom Kaiser gestiftete GrtnnerungS-Medaille verliehen werden soll. Die Kosten der Herstellung der Medaille will der Kaiser auS eigenen Mitteln bestreiten.

* bäugervereiuiguug. Im Anschluß an unsere Notiz in gestriger Nummer sei noch erwähnt, daß die Sanger« Bereinigung die Ehre hatte, Herrn Beigeordneten Wolff bei ihrer Unterhaltung am vergangenen Montag Abend im Saale desHotel Einhorn" begrüßen zu dürfen. Derselbe dankte als Vertreter der Stadt Gießen der Sängervereinigung und insbesondere ihrem unermüdlichen und vortrefflichen Dirigenten, Herrn Franz Bauer für die außerordentlich tüchtigen gesanglichen Leistungen gelegentlich der Feier in Steins Saalbau" und sprach noch den Wunsch aus, daß die Sängervereiutgung auch fernerhin bet derartigen Gelegen­heiten ihre Dienste der Stadt widmen möge. Herr Wolff schloß mit einem beifällig aufgenommenen Hoch auf das Blühen und Gedeihen der Sängervereinigung Gießens. ES fei noch bemerkt, daß der GesangvereinBürgergesellschaft", welcher seither der Vereinigung fern gestanden, sich derselben nunmehr angeschloffen hat.

Parlamentarisches. Der Abgeordnete Br e im er be­antragt bei der Zweiten Kammer, die Regierung zu ersuchen, sie solle in daS nächste Budget Mk. 50- bis 60,000 zur Unterstützung bei Herstellung von Wasserleitungen für ärmere, mit hohen Communalsteuern belastete Gemeinden einstellen. Der Abgeordnete Schönberger beantragt, das ViehwährschaftSgesetz abzuändern.

**G. Neues Fischereigesetz. Die wöchentliche Schon­zeit sür alle Fischgattungen, mit Ausnahme von Lachs und Maifisch, erstreckt sich nunmehr auf die Zeit von Sonntag Morgen 6 Uhr bis zu dem darauffolgenden Montag Morgen 6 Uhr. In dieser Zeit ist jede Art des Fischfangs in allen offenen Ftfchwässeru untersagt. Früher war die wöchentliche Schonzeit von Samstag Abend 6 Uhr bis Sonntag Abend 6 Uhr. Ueber die Motive der Aenderung konnten wir nichts in Erfahrung bringen.

Stadttheater. Fräulein Thessa Klinkhammer vom Frankfurter Stadttheater wird am morgigen Donners­tag im hiesigen Theater zum letzten Male in dieser Saison auftreten, und zwar alsFrau von Pöchlaar" in Schön- than'Kadelburgö vieractigem LustspielGoldfische", einer Rolle, welche die Künstlerin kürzlich in Frankfurt a. M. mit größtem Erfolge zu wiederholten Malen gespielt hat.

Die Gießener Ruder-Gesellschast hat für die kommende Saison in Ntederschönweide-Berlin einen Achter und in Frankfurt a. M. einen Vierer zu bauen in Auftrag gegeben.

* * Der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen hat be­schlossen, am 13. Juni wieder wie im verflossenen Jahre eine Hund e «Ausstellung zu veranstalten.

Die lebenden Photographien sind nur noch bis Freitag Abend im Laden Neuen Bäueu 1 zu sehen. Au neuen Bildern find eingetroffen: Amerikanische Infanterie und Cavallerte, Verschwinden einer Dame, ein Schnellmaler, Kinderball in London, Serpentintänzerin. Der die Bilder vorführende ApparatVitagraph" ist die neueste Errungenschaft auf diesem Gebiete und läßt au Deutlichkeit und Schärfe der Bilder nicht» zu wünschen übrig. Die Wiedergabe der natürlichen Vorgänge von fahrenden Equipagen, Menschen und Thieren, Eisenbahnzug usw. wirkt fesselnd auf den Be­schauer, so daß sich ein Besuch als höchst lohnend und inter­essant erweist. Eine Viertelstunde vor Beginn jeder neuen Stunde ist für die beginnende Vorstellung geöffnet und läßt fich bei Berücksichtigung dieses ein Fehlgehen vermeiden.

Theater-Verein. Die Mitglieder des Verein» machen wir auf die heute, Mittwoch, Abend im Einhorn stattfindende außerordentliche Generalversammlung noch ein­mal aufmerksam, dürfte sie Mancher im Festtrubel ver­gessen haben. Die Frage, die heute Abend zum Austrag kommen soll, ist für das Kunstleben unserer Stadt äußerst wichtig und kann nur ersprießlich gelöst werden, wenn fich eine stattliche Mitgltederzahl einfindet. Der Vorstand hätte ja formell das Recht, die Angelegenheit selbstständig zu ent­scheiden, er verzichtet darauf, um auch den Schein einer Be­vormundung zu vermeiden.

Postalische». Eine neue Verordnung des Reichs« postamtS schreibt vor, daß zukünftig die für daS Publikum in den Postanstalten ausgestellten Pulte nur zur Erledigung von Telegrammen, zum Beschreiben von Postkarten und anderen, nur kurze Zett beanspruchenden Schreibarten benutzt werden dürfen und zwar höchstens für die Dauer von fünf Minuten. Wer das Pult länger benutzt, kann zu« Verlassen desselben aufgefordert werden. Der Zweck dieser Verordnung ist, der immer mehr zunehmenden Unsitte, daS Pult zu längeren Schreibereien zu benutzen und dadurch andere Personen zu be« nachtheiligen, nach Möglichkeit vorzubeugen.

* * Militärisches. Da» erste Bataillon deS 6. Großh. Hess. Infanterie-Regiment» Nr. 168, welche» nach Butzbach in Garnison kommt, wird zusammengesetzt auS den vierten Halbbataillonen des 115. und 116. Regiments. DaS Regi­ment, zu dessen Commandeur Oberst v. Havecken vom 10. Jägerbataillon in Colmar ernannt wurde, untersteht der 49. Jnfanterie-Brigade. Die Bataillone treten am 1. April zusammen und wird daS bisherige vierte Halbbataillon de» 116. Regiments per Fußmarsch nach Butzbach abrücken, wo­selbst nach Bereinigung mit dem per Extrazug um 3*/3 Uhr dort eintreffenden vierten Bataillon deS 115. Regiments der festliche Einzug in Butzbach erfolgt. Von Offizieren des 116. Regiment« treten zum 168. Regiment über: Major und Bat.-Commandeur Dommerich, Hauptmann Settz, Haupt­mann Clößner, Prem.-Lteuteoant Beck, Prem.-Lieutenant Jochim, Sec.-Lteutenant Stifft, Sec.-Lieutenant Poly, Sec.-Lieutenant Riehl, Sec.-Lieutenant Schmidt, Sec.- Lieutenant Frankenberg.

Militärdienstnachrichten. Major Deter vom Inf.« Regiment Kaiser Wilhelm dem Jnf.-Regt. Nr. 170 (Kehl) zugetheilt.

* * Eine empfindliche Sttafe verhängte gestern die Straf­kammer gegen den Viehhändler Gerson Steinberger von Alsfeld wegen Verletzung des § 328 d. R.-Str. G., weil er entgegen der Verordnung Großh. Ministeriums und des Kreis amtS zu Alsfeld die für diesen KretS erlassenen Vor­schriften zur Verhütung deS EinschleppenS und Verbreitens von Viehseuchen gehandelt hat. Der Angeklagte hat der Wittwe Birkenstock in Romrod im December vorigen Jahre» ein Kalb, welche» er 2 Tage vorher auf dem Fuldaer Markt erhandelt hatte, unter der ausdrücklichen Zusicherung weiter verkauft, entstamme dieses Thier auS einem seuchenfreien Stalle der nächsten Umgebung. Der Angeklagte war aber verpflichtet, das Kalb, welches er aus außerhalb hessischem Gebiet eingeführt hat, sieben Tage lang zur Beobachtung vorher einzustellen, ehe er e» weiter verkaufte. DaS Thier war zum Unglück noch mit der Maul- und Klauenseuche be­haftet und verbreitete fich infolge deffen diese Seuche nicht nur über den Diehstand der Wittwe Birkenstock, sondern diesem Handel wird auch die Schuld beigemeffen, daß durch Ansteckung diese Seuche fast über den ganzen Viehstand de» Ortes sich verbreitet hat. Die Staatsbehörde beantragte auf drei Monate Gefängniß zu erkennen, weil der Angeklagte schon wegen ähnlicher Delicte mehrfach vorbestraft sei. Der Gerichtshof war aber der Meinung, daß der Angeklagte nicht nur betrügerisch, sondern im höchsten Grade gemein- gefährlich gehandelt habe und hielt als angemessene Sühne eine sechsmonatliche Gefängnißstrafe für am Platze, beschloß auch, wegen der Höhe, auf die erkannt sei, den Angeklagten sofort in Hast zu nehmen.

* Ueber die Organisation der Staatsschuld ging den Landständen ein Gesetzentwurf zu. Im Jahre 1879 wurde die Staatsschuldentilgungskaffe mit der Hauptstaatskasse vereinigt, die Leitung der Geschäfte des Staatsschuldenwesens besorgt eine Commission (Director der Hauptstaatskasse, land- ständischeS Mitglied mit Controleur). Mit Rücksicht auf die gesteigerte Geschäftslast und zur organisatorischen Durchfüh­rung der principiell wichtigen Trennung der Kasse und Ver­waltung sieht der neue Gesetzentwurf eine besondere Behörde vor, die Großh. Staatsschuldenverwaltung, bestehend auS einem Mitgltede des Finanzministeriums als Vorsitzenden und einem abwechselnd von den beiden Kammern der Land­stände auf sechs Jahre zu wählenden Mitgltede. In gleicher Weise, jedoch ohne Beschränkung auf Mitglieder der Stände­kammer, wird der Controleur gewählt, die Kassengeschäfte und die Rechnungsftellung besorgt die Hauptstaatskasse. Au» der Begründung geht u. A. hervor, daß die im Jahre 1879 rund 46 Millionen betragende hessische Staatsschuld, die fich durch Tilgung vorübergehend bis auf 39 Millionen ermäßigt hatte, zur Zeit auf etwa 60 Millionen gestiegen ist und sich durch den Ankauf der LudwigSeisenbahn demnächst um 190 Millionen auf ca. 250 Millionen erhöht.

Nützlicher Wink für Reifende. Bekanntlich haben die Bundesstaaten Bayern und Württemberg, da sie dem deutschen Reichspostgebiete nicht angehören, eigene Postwerth- zeschen (Briefmarken, Postkarten u. s. w.), waS sich manchem Reisenden, der sich von zu Hause mit einem Vorrath von solchen versehen hat und ein solches Postgebier betritt, unlieb bemerkbar macht, da er sie nicht verwerthen kann. Ebenso ist, wenn von den im fremden Postgebiet gekauften Werth­zeichen einige übrig geblieben find. Um diesen Unbequem­lichkeiten zu begegnen, macht diePost reisender Kaufleute" darauf aufmerksam, daß man vor der Abreise nur Postkarten mit bezahlter Rückantwort kauft und nur die Rückantwort­karten mit auf die Reise nimmt. Solche Karten kann man in Bayern und Württemberg (und umgekehrt bayerische und I württembergische im Reichspostgebiet) jederzeit benützen.

Die Organisation der Unfallversicherung. Wie da» Finanzministerium bekannt gibt, wurde für den Bezirk der ' Eiseubahndirection Mainz der Großherzogl. KreiSamtmanu Dr. Usinger in Mainz zum Vorsitzenden de» Schieds­gericht» sür Unfallverficherung, sowie de» Schied»gertcht» für die Abtheilung A der Penfion»kaffe für die Arbeiter der preußischen StaatSeisenbahnverwaltung ernannt.

* Bdlbritfmatft. Der im Mai dieses Jahre» zu Washington zusammeutretendeCongreß de» Weltpostverein» wird fich neben Anderem auch mit dem Anträge auf Schaffung einer Weltpostmarke zu beschäftigen haben. Angeregt soll die Einsührung einer für alle Staaten de» Verein» giltigen Marke zum Preise von 25 Centime» für den inter­nationalen Briefoerkehr werden. Um einem au» den ver­schiedenen Währung»systemen der einzelnen Länder etwa er­wachsenden Arbitrageverkehr in solchen Marken vorzubeugen, will man der Marke den Werth von 25 Centime» in Gold geben. Der Verkaufspreis soll fich in allen Staaten nach dem TageScourse deS Londoner Sterlings richten.

* * Wetterbericht. Die nordöstliche Depression ist weiter in das Innere von Rußland abgezogen, dagegen ist daS Centrum deS nordwestlichen Minimums bi» zur mittleren norwegischen Grenze vorgedrungen und entsendet über da» Nordsee-Gebiet einen sackförmigen Ausläufer bis nach Mittel­deutschland herein. Außerdem ist über den dänischen Inseln ein Theilminimum zu erkennen. Der hohe Druck ist werter nach dem Süden zurückgewichen. Die Winde haben sich unter Tag« beträchtlich aufgefrischt. Die Morgen-Temperaturen waren in ganz Süddeutschland und besonder» an den Hoch­stationen bedeutend gestiegen. Ein neue» Minimum kündigt sich bereit» wieder im Westen Irland» an. voraus- stchtliche Witterung: Zunächst trübe» Wetter mit Niederschlägen und Abkühlung, dann wieder vorübergehende Befferung. ____________

n. Großen Linden, 23. Marz. Der 100jährige Ge­burtstag Kaiser Wilhelms I. wurde hier in recht würdiger Weise gefeiert. An der Kirchenparade am 21. d. M. beteiligten sich 78 Mitglieder des Kriegervereinö. Am 22. März Abends fand ein Fackelzug statt, voran marschirte eine Musikcapelle, folgten Gesangverein Germania, Turn­verein, Gesangverein Harmonie, Kriegerverein und zuletzt die freiwillige Feuerwehr. Der Ort war so reichlich illu- minirt, wie dies hier früher nie der Fall war. Ein einziger Hausbesitzer hatte 150 Lichter aufgestellt. In der Fallthor- ftraße waren alle Häuser ohne Ausnahme illuminirt. In Den übrigen Straßen waren einige Häuser prachtvoll beleuchte« und wäre noch viel mehr geschehen, aber waren keine JllumtnationSlämpchen mehr zu haben. Bor dem Schul­hause machte der Festzug Halt. Hier wurde die Ansprache gehalten, Hurrah auf den jetzigen Kaiser und Großherzog ausgebracht, Gesang und ein Gedicht über da» Leben und Wirken des ersten deutschen Kaiser» vorgetragen.

Burkhardsfelden, 23 März. Sonntag den 21. März dS. I». wurde von htefiger Gemeinde die Centenarfeier Kaiser Wilhelms I. begangen, indem fich die Theil- nehmer, ebenso der Kriegerverein und Kirchenchor im Schul­saal versammelten. Die Feier begann mit dem vom Kirchen­chor vorgetragenen Chor:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre!" Nach der einleitenden Ansprache de» Herrn Bürger­meister» Hoffmann schilderte Herr Lehrer Gersten­meier in warmen Worten die hohen Tugenden und die unvergleichlichen Verdienste Kaiser Wilhelms J. Declama­tioven der Schüler und Gesänge de» Kirchenchors waren paffend eingeschaltet. Mit gemeinsamen Gesang :Deutsch­land, Deutschland über Alles!" schloß diese Feier, worauf gemeinschaftlich Nachfeier in der Wtrthschaft der Frau Bürger­meister Th. Hoffmann Wtwe. folgte. Möge Kaiser Wil­helm I. von allen Deutschen ein ehrende» und dauernde» Andenken bewahrt bleiben.

-t- Homberg 8. d Ohm, 23. März. Die Jubiläums­feier wurde hier recht festlich begangen. Am Sonntag begaben sich die Vereine in geschlossenem Zug zum Fest- gotteSdienft, wahrend fich de» Abends ein stattlicher Lampion­zug unter den Klängen unserer Feuerwehrcapelle durch die auf» herrlichste decorirten und illuminirten Straßen bewegte. In dem fich anschließenden Commers herrschte die fröhlichste Stimmung. Der Festtag selbst wurde durch Schulfeierlich­keiten eingeleitet. In der Volksschule hielt Herr Oberlehrer Müller die Ansprache. Zahlreiche Gäste au» Homberg und den umliegenden Orten hatten fich zum Festact in der höheren Bürgerschule eingefunden. Mit beredten Worten führte Herr Dirigent KrauSmüller ein Bild de» großen Kaisers vor Augen. Der Festtag schloß mit einem Bankett, in welchem Herr Müller die Festrede hielt. Homberg kann mit Stolz auf die in allen Theileu gelungene Feier blicken.

§ Aus dem Vogelsberg, 22. März. Außergewöhnlich niedrige Preise werden zur Zeit für die Saugkälber bezahlt. Bei guter Preislage wurde für da» Pfund Lebendgewicht 35 bi» 38 Pfg., bei hoher sogar 38 bi» 40 Pfg. erzielt, jetzt aber giebt man im Durchschnitt nur 28 bi» 30 Pfg. für da» Pfund Lebendgewicht. Da» kommt einem Preisabschlag von 20 bi» 21 pCt. gleich. Der Land« wirth verliert immerhin durch diesen Preisrückgang in seine« Erlös aus Vieh einen nicht unbedeutenden Betrag. Da» Kalbfleisch ist bei den Metzgern wohl auch billger, al» bei höheren Preisen der Kälber, man konnte kürzlich sogar da» Pfund Kalbfleisch für 45 Pfg. erstehen. Dieser billige Prei» hatte aber nicht lange avgehalten, er stieg bald wieder auf 50 Pfg. Wenn aber Landmetzger bei diesen ungewöhnlich billigen Ankaufspreisen noch 60 Pfg. für da» Pfund fich bezahlen lassen, so muß hiermit festgestellt werden, daß dieser Verkaufspreis wohl im Berhältniß zu den früheren wett höheren Ankaufspreisen, keinesfalls aber zu den gegen­wärtigen steht. Auch die Preise sür die Schweine find zurückgegangen; man verkaufte dieselben seither mit 37 und 38 Pfg. für da» Pfund Lebendgewicht, jetzt aber wollen die Händler nur 35 und 36 Pfg. dafür geben. Dieser Preis­rückgang dürfte mit verursacht werden durch da» Massen-