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24.12.1897 Zweites Blatt
 
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1807

Nr. 302

Zweites Blatt

Freitag de» 24. December

Aints- unb Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

Hratisöeikage: Gießener Aamitienökätter. |

(«nannte von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, folgenden Tag rrftfifinmben Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux bei In- und LuZlande» Irehm« Anzeigen für de,Gießener Auzeißer^ entgeh«.

Redaction, Lstxditioa und Druckerei:

-chntstratzeNr.7,

Fernsprecher Wc

Vierteljährig« AConntmtnUptdSt 2 Mark 20 Pfg. «tt Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener »«mitte,btälter werden dem Anzeiger »Lchttttlick dreimal beigelegt.

Der

Gießener Anzeiger «fchemt täglich, WM LnZnahme des Montags.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Mnzeigcr.

Nnatlrcder Theil

Gießen, den 13. December 1897.

Betr.: Die Kranken», JnvalidträlS und AlterS-Berfiche- rnng der KretSstraßenwarte.

Das Großherzogliche Kreisamt Gietzen n die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Tie wollen den Gemeinde Einnehmer anweiseo, bezüglich der bis Ende December l. I. für die Kreisstrasteuwarte vorlag-weise gezahlten Beiträge zu den Kosten der Gemeinde- krankenverficherung, sowie derjenigen für Invalidität-- und Altersversicherung mit der Kreiskasse abzurechuen und die Vorlage gegen Äb&Qbt der Quittungen hierüber, zu welchen die den Gemeinde-Einnehmern demnächst zugehenden Forum- larien zu benutzen find, in Empfang zu nehmen.

Bezüglich der Kraukeuversichernug fügen wir an, daß die Beiträge hierfür, sowohl für das laufende Jahr, al- auch für die Zukunft, der Einfachheit halber für 52 Wochen zu berechnen sind uno daß diese Beiträge bi» zum 31. März 1. I-., d. h. für 13 Wochru, ganz, vom 1. April l. IS. ab, d. h. für 89 Wochen, dagegen nur zu Vi von der KreiS- kaffe getragen werden, während 3/s derselben von den KreiS- straßeuwarten aufzubringen find.

Ferner find die Beiträge des Kreises zur Juvalldi- tütS- «ud Altersversicherung für diejenigen Kreis- straßenwarte, welche am 1. April 1.. in den Dienst des Kreise» übernommen worden find, von der mit dem 4. April l. I. beginnenden Kalenderwoche ab zu berechnen.

Wir sehen Ihrem Bericht darüber, daß die gedachte Abrechnung stattgefuuden hat, bi« spätesten- 1. Februar 1898 entgegen.

v. Gagern.

Deutsche» Leich

Berlin, 20. December. Nachdem die Persoualveränder- uugen im Heere durch die Entscheidungen dieses Monat- für da» laufende Jahr zum Abschlüsse gelaunt find, läßt sich seit de« Erscheinen der Rangliste für 1897, welche mit dem Stande vom 4. Mal abschließt, eine Uebersicht der Be­wegung im OfftztercorpS gewinnen. In den nach- stehenden Angaben ist da- württembergische Armeecorps mit

einbegriffen, well es in Bezug auf die Beförderungen mit dem preußischen Heere ein einheitliches Ganze- bildet. In dem erwähnten Zeiträume schieden au- dem OsfiziercorpS im Ganzen 496 Offiziere aus, davon 446 durch Verabschiedung und 50 durch Tod, wovon auf die Generalität 50 Verab­schiedungen und 4 Todesfälle, auf die StabSoffiz'ere 132 Verabschiedungen und 6 Todesfälle kommen. Die einzelnen Chargen und Waffen find in folgender Weise an den Abgängen betheiligt, wobei die Todesfälle jedeSmal in Klammern beigesetzt find. ES schieden in dem Zeitraum von acht Monaten aus: Generäle 3 (2), Generallteutenant» 9, Generalmajor- 38 (2); ferner, an Obersten: der Infanterie 15 (1), Cavallerie 7, Feldartillerie 5, Fußartillerie 2, In­genieure 4; OberstlieuteuavtS: der Infanterie 9, Cavallerie 3 (1), Feldartillerie 2, Fußartillerie 1, Ingenieure 0 (1), Train 1, Gendarmerie 3; Major-: der Infanterie 48, Ca­vallerie 15, Feldartillerie 10 (2), Fußartillerie 3, Ingenieure 3, Gendarmerie 0 (1); Hauptleute bezw. Rittmeister: In­fanterie 48 (6), Cavallerie 8 (4),-Feldartillerie 8(1), Fuß» artillerie 2, Ingenieure 3 (1), Train 2, Zcugoffiziere 5, FeuerwerkSosfiziere 2; Premierlieutenants: der Infanterie 24 (7), Cavallerie 12 (1), Feldartillerie 6 (1), Fußartillerie 2, Ingenieure 3 (1), Train 1 (1), Zeugoffiziere 0 (1), Feuerwerk-offiztere 1; SecondelieutenantS: der Infanterie 58 (9), Cavallerie 31 (3), Feldartillerie 12 (4), Fußartillerie 6, Ingenieure 5, Train 3, Zeugoffiztere 1, Feuerwerk«- Offiziere 1. Unter den AuSgefchiedenen befinden fich 20 Offi­ziere, von denen ein Major zum Obereommando der Schutz­truppe, 7 Offiziere nach Afrika und 12 Offiziere zur Marine-Infanterie übertraten. Davon entfallen auf die Schutztruppe für Afrika 2 Hauptleute und 4 Secondelieute- uantö der Infanterie sowie ein Secondelieutenant der Feld­artillerie- auf die Martne-Jofanterie von der Infanterie 2 Premier- und 5 Secondelientenant», von der Feldartillerie ein Premierlieutenant, von der Fußartillerie ein Premier- und ein Secondelieutenant, von den Jagenieuren ein Haupt­mann und ein Premierlieutenant. Hierbei find die für die Kiautschau-Bucht überwiesenen Offiziere de» Laudheere« bereit« mit berücksichtigt. Außer den angeführten verlor die Armee noch durch den Tod zwei RegimentSchef« und drei ä la suite stehende Generäle. Neu besetzt wurden: zwei GeneralcommaudoS (GardecorpS und 4. ArmeecorpS), die Stelle als Chef der Landgendarmerie, 11 Divisionen, eine Fußartillerie-Jnspection, 26 Infanterie, 14 Cavallerie-, 6 Feldartillerie-, 2 Fußartillerie-Brtgaden, je eine Ingenieur-

Fsttilleton.

Mine Weihnachtsübrrrsschung.

Sine Vorgeschichte, die unterm Chriftbaum endet.

Don Lina Fabian.

(Rachdrock verboten.)

Ich konnte zählen und rechnen, wie immer ich wollte, «ein Weihnachtsgeld reichte nicht au«. Schlittschuhe, eine Pelzmütze, Handschuhe und einen Anzug für "leinen Sohn: Puppe, Kleid, Strümpfe und die üblichen Spielsachen für «eine Tochter, einen Schlafrock für "»einen Mann, Jaquet und Schürzen für da- Mädchen, für 150 Mark lonnte idb da» nicht alles anschaffen, selbst wenn ich mehr auf dir Quantität als auf die Qualität fah. ES mußte Seßhalb eine Attacke auf da» Portemonnaie meine- Mann,S nutervommeu werden, was durchaus keine so leichte A f- 0ObCHör «al, Ernstcheu," sagte ich resolut zu ihm, «ich habe keta Geld mehr." f .. ,nln

.Sein Geld habe ich selber," antwortete er gleichgiltig.

Nein, ernstlich gesprochen," fuhr ich fort,ich komme «tt meinem Weihnacht-gelde "icht °us- SA Mud»

und da- Mädchen laugt» ja, aber stehst ® J

. . . und tch möchte Dir doch jo gerne ne rechte Freude

ist sehr nett Dir/ meinte er geschmeichelt, alfo für mein Geld willst Du mir eine Freude machen . . Worin soll denn die bestehen?«

,86er, mein Lieber,« wehrte ich ab, .da» w 'd dbch ».-her nicht nerrntheu, e« fall doch eine Weihnacht,über- raschnn^ nickte er zustimmend, »wenn^ch

nun einmal in den lauten »pfel betfeen mufe und mit theatralilcher Pose legte er einen .»lauen auf 610 ^-ll Freude griff ich danach, I« schnell und leicht hatte ich noch keine finanzielle Operation erledigt, «der mo- Nth-

mau muß nur den Egoismus der Männer wecken, dann laffen fie fich um den Finger wickeln.

Jetzt aber stand ich vor der viel schwereren Frage: WaS sollte ich meinem Manne wohl scheokm? ES mußte möglichst wenig kosten und nach sehr viel auSsehen, denn für den weitaus größten Theil de« Hundertmarkscheines hatte ich viel wichtigere Verwendung. Ra, noch hatte tch ja so au die vierzehn Tage Zeit, da würde mir schon eine kluge Idee kommen, und wenn nicht, dann konnte ich mich noch immer auf den Zufall verlaffm, auf einem meiner Buwmelgange durch die Stadt würde tch schon tu den AuS- lagen etwas sehen, wa» weisen Wünschen entsprach.

__Die furchtbare Arbeit, die in diesen Weihnacht-» Wochen auf mir lastete, ließ mir natürlich keine kluge Idee kommen, also ging tch gestern auf gut Glück Io». Unterwegs erhellte ich meinen Gedanken Audienz: ein Schlafrock wäre ja ganz hübsch gewesen, aber da mußte tch schon ein Sümmchen anlegen, denn metn Mann kannte annähernd die Pret-lagen. Außerdem war ja noch der alte Schlafrock da, der sah zwar sehr schäbig und schmutzig au», aber metn Mann fand ihn immer noch sehr schön. Nun, und wenn der ihn noch schön fand . . . mir lag ja auch nicht- dran, viel Geld für ein Möbel auszugeben, das die Bequemlichkeit der Männer nur noch erhöht. Ich blieb vor einer Buchhandlung stehen, pah, Bücher hatte er genug- dann kam ein Wäschegeschäft, ich hatte ihm erst an seinem Geburtstage Oberhemden und Kragen geschenkt- endlich eine Cigarrenh^ndlung, - er rauchte aber nur feine Sorte, alles andere war für ihn »elendes Kraut"- dagegenüber eine vogelhandlung, - halt, da» war vielleicht etwas! Ich kannte meine-Mannes Bor- liebe für allerhand Gethier tm Allgemeinen und für Vögel im Besonderen. Wen« fie schön sangen, hatte tch fie auch ganz gern, aber fie machten doch viel Schmutzerei und da« regelmäßige Füttern und Käfigrrtnigen war auch eine lang- wellige Sache. Aber vielleicht konnte ich meinen Mann da­zu bewegen, daß er das selber besorgte, Zeit hatte er ja früh, ehe er nach dem Bureau ging

Kanarienhähne habe ich in großer Auswahl , erklärte

und Pionier-Jnspeetion, 2 Oberquartiermeister, eine Jnspection der technischen Institute, ferner an RegimentScommandeur- stellev 37 Jnfantrrie-, 25 Cavallerie», 9 Feldartillerie-, 5 Fußartillerie Regimenter, 4 FestungSinspectionen, ein Com- mando der Pioniere, ein Etsrnbahnregtment, eine Direction der Militär-Eisenbahn, eine Hauptcadettenanstalt, eine Com- mandantur, 4 Chef« der Generalstabs bei ArmeecorpS und ein AbtheilungSchrf tm großen Generalstabe.

Ein »euer russischer KriegLhafeu soll an der Ostsee er­richtet werden; so meldet diePol. Corr." aus St. Peters­burg. ES scheint nunmehr beschlossene Sache zu sein, den Windauer Hafen umzubauen oder vielmehr einen ganz neuen Hafen daselbst auszuführen, welcher selbst den größten Kriegs­schiffen zugänglich sein würde. Die Lage WindauS ist, was die EiSverhältntfle betrifft, eine überaus günstige, und als vor Jahren die Frage erörtert wurde, in welcher Stadt der Ostsee die rusfische Kriegsmarine stationirt werden soll, er­hoben fich viele Stimmen dafür, in Windau und nicht in Ltdau den wichtigsten KriegShasen Rußlands an der Ostsee auzulegen. Allein diese Stimmen wurden zu jener Zeit weniger beachtet. Nunmehr wird im nächstjährigen Budget al« erste Rate für den Umbau des Windauer Hafens ein Betrag von 800,000 Rubel eingestellt. Dem vorgelegten Projecte ist zu entnehmen, daß es zur Sicherung der Ein­fahrt in den Hafen nothwrndig fein wird, zwei Molen zu bauen, einen nördlichen und einen südlichen Molo. Ferner muß der Einfahrtskanal eine Tiefe von wenigsten» 8 und eine Breite von 150 Meter erhalten. Auch an dem zu er­richtenden Quai muß der Hafen eine Tiefe von 8 Meter haben, und dem Windau Flusse muß läng» der Quais eine Breite von 120 Meter gegeben werden. Die ganze Arbeit soll so ausgeführt werden, daß der Hafen künftig nach Er- sordrrniß bis auf 9 Meter vertieft werden könne. Endlich muß auch ein starker Eisbrecher angeschafft werden.

Locale» unb provinzielle-.

W. «ul der Wetteran, 22. December. Für Bogel- freunde aller Art und Beterinärärzte dürste nachstehende kurze Notiz von Interesse sein. Schon seit vielen Wochen machte eine sonst ausgezeichnete Lege- und Brutgans den Versuch, zu legen oder zu brüten. Zuletzt wurde fie fett gemacht und geschlachtet, wobei fich ergab, daß die Gan» ein

mir der Händler,Gluckroller, Hohl-, Klingel-, Knarr- und Baßroller. Die besten machen Touren bis zu fünf Minuten und noch länger."

DüS ist Nichts für mich", meinte ich,wenn man da mal Kopfweh hat. . . ."

Mit den einheimischen Waldvögeln ist um bte jetzige Jahreszeit nicht viel los", erläuterte der Händler toet.tr, viele liegen in der Mauser, zu fingen fangen fie erst im Frühjahr an. Aber Exoten habe tch hier, wahre Pracht­exemplare: Jnseparables, Weberfinkeo, Wellrnfittiche und erst Papageien, sehen Sie mal diesen Graupapagei, daS ist ein ganz heller Junge, der spricht wie ein Buch."

Sprechen kann er auch?" fragte ich.

Aber tch bitte Sie, da« ist ja der reine P-ioat- doceut", renommirte er,einen so sprachbegabten Bogel können Sie in ganz Europa nicht mehr auftreiben. De' hat fich schon mit dem Schiffreapttän während der Ueberschrt unterhalten, als ob er bereit- tausend Jahre Sprachstudien betrieben hätte."

Nun gut", sagte tch,so lassen Sie ihn mal sprechen."

Der Händler trat au den Käfig heran und flötete: Lora, meine süße kleine Lora. ..." Lora drehte ihm den Rücken und steckte den Kopf in- Gefieder.

Ja, e» ist merkwürdig," seufzte der Händler,von fremden Leuten wollen diese Thiere eben nicht- wissen. Wären Sie blo- nicht so dicht an den Käfig herangetreten, dann hätte er Sie ficher mttguten Morgen, herzige» Frauchen" begrüßt undSteh tch in finstrer Mitternacht" gepfiffen. Aber diese Thiere gewöhnen fich bald ein, sobald Lora hier heran- ist und weiß, daß Sie ihre Herrin find, wird fie Ihnen aus der Hand fressen, denn meine Lora »st ein äußerst gutwüthiger Bogel, nicht wahr, Lora?"

Lora rührte fich nicht vom Fleck, schüttelte fich und hob da» eine Vein hoch.

Er hält jetzt feine MtttagSruhe," entschuldigte fich der Händler,da läßt «an ihn am besten in Frieden. Ueber- Haupt nicht reizen und rationell füttern, da- ist die Seele von'- BogelgeschSft."