Ausgabe 
24.9.1897 Zweites Blatt
 
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wußte- Gewüth-lebrn. Seltsam verbindet sich der Feen- und Dämonenglaube, welcher für ucs mit dem Kinderspielzeug verschwinden soll, mit der Religion und Poesie, welche be­rufen find on- durch die blühenden Fluren der Jugend bi» auf die klaren, kühlen Höhen de- Alters zu begleiten. Die Muiter, welche ihren Llebiiug für die Nacht aus ihrer schützenden Wachsamkeit entlaffeu muß, giebt ihm einen stets wachenden Schutzengel mit in den Traum. Ja, einer ist ihr nicht genug, 14 Engel stehen in dem holden, kleinen Kindergebet dem schla­fenden, doppelt schutzbedürftigen Kinde zu Häopten, zu Füßen, zur Rechten und zur Linken, schenken ihm im Schlummer Ahnungen paradiesischer Seligkeit und wecken e» wieder am lichten, sonnigen Tage. Ist ein Kind so unglücklich, die Mutier durch den Tod zu verlieren, dann erscheint diese selbst in dunkler, sanft von Mond- und Sternenschein verklärter Nacht, um ihr geliebte» Klod zu behüten.

Die ersten Erzählungen, welche da» Kind hört, find wunderbare Märchen: In den Blumen wohnen liebliche Elsen, in den Wellen singende N xen, im Nebel flattern Erlkönig»- töchter mit wallenden Schleiern, auf den Sümpfen schweben die bösen, lockenden Irrlichter mit feurigen Kronen---

Auf ihre Beweggründe geprüft, ist diese erste, seltsame Art, dem Kinde Jntereffe und Liebe für die Natur, zugleich aber Furcht vor den in ihr verborgenen Gefahren einzu- flößev, dadurch entstanden, daß dem kleinen Wesen die Be­

griffe: groß, klein, ehrwürdig, schlecht, schön, häßlich, ewig und vergänglich erst durch Bilder klar gemacht werden sollen. Der große Kampf aber, der ewig oothwendige, zu dem jede» Menschenherz berufen ist, so lange e» schlägt, der, dem Guten zum Siege über das Schlechte zu verhelfen, in uns und um un», soll durch die Parteinahme für da» personisicirte Gute gegen das personisicirte Schlechte, geweckt werden. Auch zum Mitleid mit der Blumenelfe, welche sterben muß, wenn die Blume, in welcher sie wohnt, nicht gepflegt wird, zur Vorsicht, nicht allein in die dunkle Nacht zu gehen, wo Kobolde und böse Geister ihr Deien treiben, soll der Märchen- zauber führen. Den WeihnachtSbaum bringt da» Christkind vom Himmel herab, damit eine besondere Weihe ihn um­schwebe und nicht ein Stäubchen de» Alltagsleben» daran haften möge. Aber von dem Augenblick an, wo da» Kind in da» Leben eingeführt wird, da» heißt, wo rS anfängt zu lernen, beginnt die Wuoderwelt zu verblüffen, und je mehr es zum Beobachten, zum thätigen Handeln angeleitet wird, desto undeutlicher werden ihre leuchtenden Farben.

Einem Kiade ist seine gavze Umgebung wundersam: Sonnen- und Mondschein, Blumen und Thiere, Musik und Tanz Alle» wirkt auf seine empfängliche junge Seele, e» ist gar nicht erstaunlich, daß die Märchen es nicht mehr überraschen, al» die Wirklichkeit, daß es Beiden glaubt. Weshalb führt man es in zwei Welten zugleich ein, wodurch

mit den Jahren vielleicht das Leben platt und prosaisch findet, weil nicht freundliche Genien eS zu ihrem Liebling erheben und alle Schwierigkeiten mühelo» beseitigen, oder daS Wunderreich der Faotafie erscheint ihm nur für da» enge Kinderz wmer paffend, als ein vachfichtig geduldeter Gast?

Wäre e» nicht beffer, dem Kiade seine Umgebung im Hellen klaren TageSschetn schöner Wirklichkeit zu zeigen, und wenn eS fich eia wenig darin zarecht gefunden hat, ihm noch daS goldene Land der Fautafie zu eröffnen, welche» dem mehr erwachten GemüthSleben ungleich herrlicher erscheint, als den fragend erstaunten Angen, die ans einem Köpfchen blicken, in dem die träumende Gedankenwelt erst geweckt werden soll?

Die Unwahrheit, welcher der Erzähler fich schuldig macht, indem er Engel und Dämonen mit zu Gehilfen seiner Lehren macht der schwarze Mann, die gütige Fee erschüttern mit Recht in dem klaren, beobachtenden Kinde seine Glaub­würdigkeit. Meiner Empfindung nach ist da» Wunder al» solche» ungleich poetischer, als wenn e» zum Dienste der Alltäglichkeit herabgezogen wird. Die Mythen der Griechen sprechen nicht weniger eindrucksvoll zu dem aufhorcheudrn Kinde, als die Geschichte, obgleich e» betont wird, daß die letztere nur Wirklichkeit, die erstere tief empfundene Alle- gorieo find.

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Alleinige Verkauf stell en in Giessen:

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Montag, den 27. d. ®t<»., Vormittag» 10 Ubr anfangend, soll da« der Gemeinde Osthetm gehörige Obst, bestehend in ca. 230 Malter Aepfeln und ca. 10 Malter Birnen, abtbetlungSweise versteigert werden.

D'.e vorzügliche Qualität diese» Obste» ist allgemein bekannt unb Osthetm durch die Haltestelle der Main Weser-Bahn leicht erreichbar

Ost he im, den 21. September 1897.

Großherzogltche Bürgermeisterei Ostheim. Schneider.

Die bei verschiedenen Herstellungen im Rentamtsgebäude zu Gießen vor­kommende Weißbinderarbeit soll öffent­lich verdungen werden.

Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unse­rem Amtszimmer zur Einsicht offen, und können letztere daselbst, mit Vor­druck zu dem bezüglichen Angebots- vermerk versehen, zum Selbstkosten- preis bezogen werden. Für die Be- oerbung um diese Arbeiten, sowie ür die Ausführung derselben sind )ie Bestimmungen des Ministerin!- Erlaffes vom 16. Juni 1893 maß­gebend.

Angebote sind bis zum 27. Sep­tember 1897, Vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit der nöthigen Auf­schrift versehen, portofrei an uns abzugeben.

Zuschlagsfrist drei Tage.

Gießen, 21. September 1897.

Großh. Hochbauamt Gießen.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.

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^Giessen, Löberstr. 24.

; ' Unterricht, nach Klassen getrennt, in allen für Töchterschulen vorgeschriebenen Fächern durch geprüfte Lehrer und Lehrerinnen. Aufnahme der Kinder vom 6. Jahre an. Gelegenheit für junge Damen, an einzelnen Stunden in den obersten Klassen theilzunehmen: en gl. und franz. Conversation, Litteratur, Kunst, Kirchen- und Welt­geschichte. Musik: Klavier, Violine, Theorie. Besondere Malcurse.

Beginnn des Winterhalbjahres: Montag, den 20. September. Anmeldungen nimmt jederzeit die Vorsteherin entgegen. 8604

auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen auf dem Verwaltungsbureau, Nach­mittags von 35 Uhr, offen.

Offerten find versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 16. Oktober d. I. auf dem erwähnten Bureau abzugeben.

Der Zuschlag erfolgt am 29. Oc­tober er.

Gießen, 16. September 1897. Großh. Verwaltung» - Direction der chirurg. und ophthalm. Univ.-Klinik.

Bose. Vossius.

Bekanntmachung.

Freitag, 24 September 1897, Nachmittags » Uhr be- ginnend, soll das Tpätobft von den städtischen Bäumen am Wiesecker- weg, Krofdorferweg, in der Südanlage, in der Friedhofsanlage, auf dem Lutherberg, an der Licherstraße, am Anneröderweg, im Lärchenwäldchen und in dem früher von Rabenau'schen Garten meistbietend versteigert werden.

Die Zusammenkunft ist auf der Marburgerstraße am Wieseckerweg.

Gießen, den 22. September 1897.

Prima Aepfelmost

im 8735

Frankfurter Hof.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.

Garteustrasie 2.

«agedot der : 1 Krankenpflegerin, 1 Schuhmacher.

Schreiner, 1 Magazinarbeiter, 1 Magazinier, 1 Rettender, 1 Bureaugehülse, Einkasfirer, 2 Ausläufer bezw> Colporteurr, 3 HauSburschen, 2 Lauffrauen, AuShülsSköchin, 1 Putzfrau, 3 Dienstmädchen ,

der «rdettaeder r 2 Krankenpfleger, 2 Bauschlosser, 1 Schmied, _ Wagner, 5 Schuhmacher, 2 Schneider, 3 Schreiner, 1 Taglöhner, 1 Fahrburschr, 18 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit.

Holz-Lieferung.

Die Lieferung des Holzbedarfs unserer Gruben in den Revieren Wetzlar, Weilburg, Dillenburg und Oberheffen für da» Jahr 1898 soll vergeben werden.

Reflectanten können das Nähere auf unserem Centralbureau Wetzlar, Hauserthorstraße 0. 119 a, erfahren, woselbst die Bedingungen, Bedarfs- listen und Angebotbogen abgegeben werden.

Wetzlar, den 18. September 1897. 8764

Buderus'sche Eisenwerke.

Samstag, den 16. $rtbr. 1897

Mittags 12 Uhr

auf dem oben erwähnten Bureau einzureichen. Zuschlag erfolgt am 20. October 1897.

Gießen, 18. September 1897. Großh. Verwaltung« - Direction der 8705 neuen Kliniken.

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