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24.9.1897 Erstes Blatt
 
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«??v. 224 Erstes Blatt Freitao dm 24. September

Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, nut Ausnahme des Montags.

Die Gießener Ka mikien d tälier werden dem Anzeiger «öchentlich dreimal beigelegt.

Keßener Anzeiger

Kmerak-Wnzeiger.

189»

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Der Präliminarfriede zwischen Türkei und Griechenland.

Hat man nun wirklich eine Berechtigung, FrtedenShymnen anzusttmmen? Freilich ist der P,äitmtnarfrieden«oertrag von den Vertretern d»r Pforte und der Großmächte unter» zeichnet worden, aber es fehlt noch die Zustimmung der griechischen Regierung. Seit fünf Monaten dauern die Der» Handlungen, die nun endlich zum Abschluß gebracht worden stad,- viel Geduld haben die Botschafter bet dieser Gelegen- heit beweisen müsten und gar ost mußten sie sich von der Pforte nasführen lasten. Es war das bekannte, auch von uns mehrfach gekennzeichnete Spiel der türkischen Diplomaten, heute etwas zu versprechen, was morgen nicht gehalten oder widerrufen wurde. Daß der Sultan von seinen ursprüvg« blichen Forderungen viel werde nachgeben müsten, war klar; "daß dem griechischen Staate aber eine empfindliche Buße auf­erlegt würde dafür, daß er den Krieg so leichtfertig provo- ctrte, gilt als gerecht und hoffentlich nachwirkend.

Biel umstritten war die künftige Grenze zwischen der Türkei und Griechenland. Bekanntlich beanspruchte die Pforte anfänglich das ganze von den türkischen Truppen besetzte theffaltschc Gebiet, worauf sich aber die Großmächte nicht etnlaffen konnten, da alSdann der Umfang des griechischen Staates sich allzusehr verringert hätte und die Einkünfte desselben den Bedarf nicht mehr gedeckt haben würden. ES konnte also nur eine strategische Grenzregulirung sein, welche die Türkei zugestandeu erhielt. BestimmieS ist über die hierauf bezüglichen Bestimmungen des Friedensvertrages nicht bekannt, doch scheint rS, als ob der Pforte einige Zugeständ- «tffe gemacht worden sind.

Die Frage der von Griechenland zu zahlenden Kriegs­entschädigung bildete zuerst einen Hauptpunkt der Berhand» langen. Mehr und mehr schwächte sich jedoch daS Interesse htersür ab, da vorauSzusehen war, daß der griechische Staat nicht in der Lage sein würde, eine den Aufwendungen der Pforte entsprechende Entschädigung zu zahlen. Bon den an­fänglich geforderten zehn Millionen türkische Pfund wurden von den Vertretern der Großmächte eine Million nach der anderen obgehandelt, sodaß nur noch vier Millionen ver­blieben, die dann auch in den Friedensvertrag ausgenommen find. Daß die Pforte eine gewiffe Garantie verlangte für die Zahlung der Kriegsentschädigung, war nicht mehr al- billig, ebenso gerecht war eS aber auch, Bestimmungen zu treffen, damit durch die neu einzugehende Schuld die alten Gläubiger Griechenlands nicht zu sehr benachtheiligt würden. In Bezug auf die Regultrung ihrer Schulden ist die grie­chische Regierung bekanntlich sehr unzuverlässig, weshalb die Mächte eine Controle über die Finanzen in Griechenland vereinbarten ähnlich derjenigen, wie sie in Aegypten be­steht. Dieser Schritt rief im Lande der Hellenen großes Geschrei hervor- man erinnert sich noch der aus Athen ein» gelangten Meldungen, wonach man lieber kämpfen wolle bi-

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Feuilleton.

Fünfzig Jahre am Großen Salzsee.

Von Friedrich Thieme.

(Fortsetzung.)

In Ohio, im Hause seines Anhänger- Peter Whitwer, begründete er am 6. April 1830 die Kirche der Heiligen vom jüngsten Tage. Die neue Gemeinde zählte bet diesem Acte nicht mehr als sechs Personen. Von vornherein mochte ihn und seinen Genossen Rigdon wohl gar nichr die Absicht, eine neue Kirche zu gründen, geleitet haben, sie gedachten nur durch den angeblichen Fund Aufsehen zu erregen und ein gutes Geschäft mit dem Buche zu machen. Nachdem jedoch die Sache eine so glückliche Wendung nahm, ließ er fidj durch einige Betrüger und Betrogene die Aechtheit feiner Platten bestätigen, begann zu predigen, sowie eine Offenbarung nach der andern zu empfangen, für die er trotz des ungeschickten Englisch, in welchem sich Jehova ihm offen» barte, jederzeit Gläubige fand.

Inzwischen traten auch gelehrtere Elemente hinzu, die Zahl der Prediger wuchs und mit ihr die der Anhänger. Bereit- 1831 bestand in Kirtland eine mormonische Ge» meinbe mit 2000 Seelen. Die neue Sekte zog sich indessen r-asch genug die allgemeine Feindschaft zu, besonders dadurch, d^ß sie gegen die Sclaverei Stellung nahm. In ihrer Mitte, hieß es, lebten Falschmünzer und Gauner. Der Prophet vor allem war mannigfachen Verfolgungen aus­gesetzt. Einmal wurde er getheert und gefedert, ein ander­mal entging er nur mit Mühe dem Tode. Ein dritte-

zum letzien Mann, als sich erniedrigen uno unter öic Over aufsicht der Großmächte stellen. Schließlich Hot man doch klein beigegeben und sich gefügt, was daS Vernünftigste und einzig Mögliche war.

Die Räumung Thessaliens Seitens der dieses Gebiet noch occuptrenden türkischen Armee hat viele Verhandlung-» rage in Anspruch genommen. Bestimmte Abmachungen hier­über sind noch nicht bekannt, doch scheint eS auch über diese heikle Frage zu einer Verständigung gekommen zu sein und die Türken werden einen Thell de» besetzten Gebietes sofort nach der Unterzeichnung deS Friedens räumen, den übrigen Theil aber je nach Zahlung der Kriegsentschädigung. Erst wenn diese getilgt ist, wird der letzte türkische Soldat Thessa­lien verlassen.

WaS die übrigen Bestimmungen de- Präliminarfriedens- vertrageS betrifft, so find dieselben unwesentlicher Natur. Die Pforte hat, entgegen den zuerst verbreiteten Meldungen, die Capitulationen aufrecht erhalten- danach bleiben die Privilegien und Immunitäten, welche die griechischen Unter» thanen in der Türkei vor dem Kriege genossen haben, auf­recht. Wichtig ist, daß etwaige Differenzen, welche im Ver­laufe der Unterhandlungen zwischen der Türkei und Griechen­land entstehen, ein aus Vertretern der Großmächte zusammen­gesetztes Schiedsgericht schlichten soll.

Zum Abschluß des definitiven Frieden- werden die Ver­handlungen alSbald nach Unterzeichnung des Prältminarver- trage- beginnen. Griechenland wird, so schwer ihm auch werden mag, in den säuern Apfel beißen und den Vertrag gutheißen müffen- das Athener Parlament wird keine Wahl haben, nachdem die Hoffnungen, welche man auf England ge­setzt hatte, unerfüllt geblieben find. Daß die Kriegsentschädi» gungssumme sicher gestellt werden wird und auch die alten Gläubiger Griechenland- nicht geschädigt werden, ist übrigen- baß Verdienst Deutschland», welche» nach hartem Kampfe mit seiner Forderung zur Einsetzung einer Finanzcontrole durch­gedrungen ist. (XX)

Deutsches Reich,

Berlin, 22. September. Daß Diplom, womit der NeguS Menelik II. von Abessinien dem Fürsten BiSmarck daß Großkreuz deß Ordens des Sternes von Aethiopien verliehen hat, ist in amharischer Sprache abgesaßt und lautet in deutscher Uebersetzung folgendermaßen:ES hat gesiegt der Löwe vom Stamme Juda, der zweite Menelik, Statthalter Gottes, König der Könige von Aethiopien. Allen Menschen, welche diesen Brief sehen werden, gebe ich meinen Gruß! Wie die Könige ihre durch Wissen, Kenntniß, Kraft und Geschicklichkeit erhabenen Helden, Freunde und Diener zu schmücken pflegen, so haben auch wir unseren Freund, der durch sein ruhmvolles, große» Werk die ganze Welt erleuchtet hat, den treuen Rathgeber dreier großen Könige, den Fürsten BiSmarck, mit dem erhabenen Orden des Ersten Sternes

unitree Reiche» geschmückt, weil man auch auf afrikanischem Boden das gute Werk erkannt hat, baß er aus Sorge für die menschliche Creatur gethan. Und wir bitten ihn, daß er diesen Schmuck des Orden» an feiner Seite trage. Geschrieben tm Monat Geubot, am 29. Tage, in der Stadt Addis Abbaba, im Jahre 1889 der Gnade."

London, 21. September. Ein deutscher Offizier bei Eongoftaare- veröffentlicht in einem hiesigen Blatte Einzel­heiten über im Congostaate verübte Grau famkeir en. Darin heißt es: Mehr als 20 Dörfer seien Niedergebra' nt worden, weil die Eingeborenen nicht genug Elfenbein liefern konnten. Der Offizier wurde feines Postens enthoben, weil er sich dem Händeabhauen widersetzte.

Wolff» telegraphische» Correfpondem-Burerm.

Berlin, 22. September. DieStatistische Correlp." beziffert für Preußen die Ernteaussichten für Kartoffeln auf 2,8, Klee 2,5, Rüben 2,7 - den Saatenstand von Winnr- weizen auf 2,5, Winterspelz 2,1, Winterroggen 2,8, Klee 2.3; den Ernteertrag auf Grund von Probedmfchen bei Winter- roggen 1342, bet Sommerroggen 816 Kilogramm pro Hectar.

Berlin, 22. September. In dem am 21. December vor.. zwischen dem Deutschen Reiche und den Nsiederlanden unterzeichneten Auslieferung-Vertrag war Vorbehalten, den Gegenstand sür die Schutzgebiete be­sonders zu regeln. Demgemäß ist gestern tm Auswärtigen Amte mit dem niederländischen Gesandten ein Vertrag zur Regelung der Auslieferung zwischen dem deutschen Schutz» gebiete und den Niederlanden, sowie deren Colonien unter­zeichnet worden.

Köln, 22 September. DieKöln. Ztg." schreibt über die Aussichten der griechischen Gläubiger: Die wiederholt auftauchende, neuerdings von Edgar Vincent ver­fochtene Ansicht, die Mächte würden sich für die griechische Kriegsanleihe in irgend welcher Form verbürgen müffen, erkläre sich leicht aus dem Wunsche der griechischen Regie­rung und der auf die Emission rechnenden griechischen Bankier». ES sei fraglich, ob mehrere Mächte zu einer derartigen Ver­bürgung bereit seien. Deutschland werde daS keines­falls übernehmen. Die Thatsache der Ftnanzüberwachung werde dazu benutzt, um bei den griechischen Gläubigern unerfüllbare Hoffnungen zu erregen. Die allgemeine finanzielle Lage Griechenlands sei durch den Krieg erheblich verschlechtert; seine Leistungsfähigkeit sei allermindestens keine größere al- 1896. WaS damals in dem Pariser Vergleich zwischen den Gläubigern Griechenlands von den ersteren ausreichend aner­kannt, werde voraussichtlich für die jetzige Regelung all Grundlage dienen müssen. Darüber hinausgehende Erwar-

Mal sperrte man ihn längere Zeit ein, weil er eine Bank gegründet und ohne StaatSertaubniß Noten auSgegeben hatte, zu deren Einlösung es an Geld fehlte. Seiner Strafe entzog er sich mit feinen Genossen durch die Flucht.

Nach wenigen Jahren ganz auß Ohio und Missouri vertrieben, fiedelten sich die Mormonen in Illinois an, wo sie eine in kurzer Zeit zu hoher Blüthe sich entfaltende Stadt,Nauvoo" (die Schöne), gründeten. Von den Be» wohnern freundlich aufgenommen, wußte Smith durch kluge Politik, indem er bald mit den Demokraten, bald mit den Whigs paktirte, ter Gemeinde wichtige Privilegien zu ver­schaffen. Ein Tempel erhob sich an Stelle des in Kirtland zerstörten, die Zahl der Bewohner stieg innerhalb fünf Jahren auf 20,000, ein eigenes kleines Heer diente den selbstsüchtigen Zwecken de» Propheten. Smith wußte die Interessen des Kirchenfürsten mit denen des klugen HauS» Wirths gut zu vereinigen. Eine Offenbarung belehrte die Mormonen, daß sie ihren Propheten ernähren und kleiden sollten (und er lebte nicht schlecht), er übte alS Prophet und Präsident fast königliche Gewalt ans, maß ihn jedoch nicht abhielt, außerdem auch alS Bürgermeister, General, Bankhalter und Hotelier thätig zu sein. Gott selbst hatte ihm in einer Offenbarung den Auftrag erthetlt, ein Gast­haus zu errichten, und man darf wohl annehmen, daß er keine schlechten Geschäfte machte. Er und seine Apostel thaten jetzt auch Wunder, heilten Krankheiten u. f. w. Im Jahre 1843 befahl ihm Golt durch eine sogenannte Offen­barung die Einführung der Vielweiberei, ein Befehl, gegen den seine Gattin Emma lebhaft protestirte und mit dem sich erst sein Nachfolger im Prophetenamte offen herauSwagte.

Lauge blieben die Heiligen auch in Illinois nicht in

Frieden, sie verdarben eS bald mit ihren Nachbarn, immer häufigere Reibereien kamen vor, endlich kam es zu blutigen ©eenen. Joseph Smith und sein Bruder Hyrum, verschie­dener Verbrechen beschuldigt, wußten sich inmitten ihrer Anhänger mehrere Jahre der ihnen drohenden Verhaftung durch die Behörden der Union zu entziehen, endlich drohte ein Angriff auf Nauvoo und sie zogen vor, fich frei­willig zu stellen. So groß war aber die Erbitterung gegen die Verhaßten, daß der Prophet nebst seinem Bruder schon am Tage nach seiner Gefangennahme (am 17. Juni 1844) von wütheoden Milizsoldaten im Gefängniß zu Chartage erschossen wurde. Die Mormonen selbst vertrieb man mit Waffengewalt aus brm Staate und erfolgte nun unter Führung Brighaw Uouvgß, deS Nachfolger- Smiths, der berühmte Exodus durch die Präriewildniß de- Westens.

Unter unsäglichen Strapazen und Entbehrnngen, unter Kämpfen mit Indianern, wanderten die Heiligen nach dem entlegenen Staate Utah, wo sie sich am Großen Salzsee ein neue- Zion, Neu Jerusalem oder Sait Lake-City (Salz- seestadt) unter ungeheuren Opfern erbauten. Während bei ersten Winter- mußten fie theilweise wie die Wilden von Wurzeln und Kräutern leben. Trotzdem schossen die Häuser wie Pilze au- der Erde, der Boden wurde systematisch be­wässert und bedeckte fich mit üppigen Kulturen. Schon nach wenigen Jahren bewohnten 20,000 flüchtige Menschen die Mormonenstadt, zu welcher Brighaw Aoung am 31. Juli 1847 den Grundstein gelegt hatte. Tempel, Waarenhaul, Ballhau-, Theater, alle» war in der schnell aufblühenden Stadt vertreten.

(Schluß folgt.)