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♦Menet Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener A>a mikiendtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Aeneral-ZOnzeiger.
Bierteljährigoe Avonaementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Rcboction, Expedition und Druckerei:
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Adonnements^Einla-nng.
Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 3. Vierteljahr 1897 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstütztdurch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so füihzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschast wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück- sichttgung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und hetteren Inhaltes den erwünschten llnterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzuttetende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postsrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).
2imtlid>cr Theil.
Nr. 27 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 19. d. M., enthält:
(Nr. 2395.) Gesetz, betreffend den Verkehr mit' Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln. Vom 15. Juni 1897.
Gießen, den 23. Juni 1897.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutsche* Aeichstas.
234. Sitzung. DieoStag. den 22. Zant 1897.
Am Regierungstische: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, Staats- secretär v. Bötticher, Minister Brefeld.
Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der Gewerbe- Novelle (Organisation deS Handwerks).
Abg. Richter: Es würde mir leid thun, wmn gerade dieses Gesetz daS letzte wäre, welches o. Bötticher zur Verabschiedung bringt. Denn Interesse für dieses Gesetz besteht nirgends im Lande. Bei PersonaiverSnderung-n in der Regierung, wie sie jetzt vor sich gehen, isst eS sonst überall constitutioneller Brauch, das Parlament zu ver- lecgen. Gerade bet einem solchen Gesetz, wie dem vorliegenden, fnmmt es sehr darauf an, in weffen Händen die Ausführung des Gesetzes liegt.
Staatssecretär v. Bötticher: Ich kann den Abg. Richter in einer Beziehung beruhigen: ich habe mein Abschiedsgesuch noch nicht eingeretcht. (Heiterkeit.) Aber selbst wenn die Personen sich ändern,
so bleibt doch die Vertretung der Vorlage einem von dem Bundes- rathe dazu beauftragten Bevollmächtigten übertragen. Also Herr Richter möge seinen Trennungsschmerz vertagen. (Heiterkeit). Freilich, die Abschiedsstunde rückt vielleicht immer näher. (Heiterkeit.)
Abg. Viel haben (Ref.-P.) äußert sich gegen die Vorlage, die in der Fassung der zweiten Lesung nicht Fisch, nicht Fleisch sei. (Während der wetteren Ausführungen dieses Redners erscheint auch der Reichskanzler am BundeSrathstische.) An dem Verlangen nach Zwangstnnungen müsse unbedingt festgehalten werden.
Staatssecretär v. Bötticher constattrt einer Aeußerung deS Vorredners gegenüber, daß er selbst im preußischen Siaatsmtnistertum für die Vorlage gestimmt und außerdem jeder bezüglichen Sitzung des BundesrathS beigewobnt habe. Auch im Ausschuss« sei die preußische Regierung wirksem durch den Handelsmtnister vertreten gewesen.
Abg. Metzner (Ctr.) ist überzeugt, daß sich auf Grund dieses Gesetzes nur wenige Zwangsinnungen bilden und daß auch diese wenigen sehr bald wieder verschwinden würden. Denn diesen Zwangstnnungen fei ja jede Selbstständigkeit genommen. Uebrig würden schließlich nur die Handwerkerkammern bleiben, also lediglich das, was man früher als das bloße Dach des Gebäudes angesehen habe. Die Vorlage gebe dem Handwerk Steine statt Brod.
Abg. Jakobskötter (conf.) tritt dagegen lebhaft für die Vorlage ein.
Abg. Hitze (Ctr.): Vieles, was Metzner gegen dieses Gesetz geltend gemacht habe, richte sich doch erst recht gegen die obligatorischen Innungen, insorn sich ja diesen kein einziger Handwerker würde entziehen können.
In der Specialberathung beantragt Abg. Richter zu 8 81a und 81b, welche von den Aufgaben bezw. Befugnissen der Innungen handeln, die Entscheidung von Streitsachen durch die Innungen bezw. die Errichtung von Innungs-Schiedsgerichten nur an solchen Orten zuzulassen, für welche kein Gewerbegericht besteht oder errichtet wstd.
Nachdem der Abg. Fischbeck den Antrag empfohlen, ersucht Minister Brefeld um Ablehnung desselben. Erscheine wirklich einmal ein segensreich wirkendes Gewerbegericht durch Bildung eines JnnungSschiedsgertchtes gefährdet, so könne die Errichtung des letzteren ja abgelehnt werden.
An der Debatte betbeiligen sich Gamp gegen, Schmidt-Berlin, Bassermann, Stadthagen für und Hitze wiederum gegen den Antrag.
Der Antrag Richter wird sodann gegen die gesammte Linke abgelehnt.
Morgen 1 Uhr Fortsetzung. Schluß 51, Uhr.
Wolffs telegraphisches Correspondmz-Bureau.
Berlt», 22. Juni. Einem parlamentarischen Bericht« erstatter zufolge ging die Novelle zum BereinSgesetz bereits dem Herrenhause zu und wird am 24. Juni auf die Tagesordnung gesetzt.
Berlin, 22. Juni. Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt: Einem über Capstadt eiogetroffenen Telegramm deS Landeshauptmanns für Südwestafrika zufolge ist die Rinder» pest im Schutzgebiete festgestellt worden. Major Leutwein fügt hinzu, die Seuche schreite im Hererogebtete langsam fort, während es gelungen erscheine, sie bei Windhoek zu localifiren.
Bonn, 22. Juni. Der Professor der Philosophie, Jürgen Bona Meyer ist heute früh gestorben.
Helgoland, 22. Juni. Der Kaiser ist Abends bet herrlichem Wetter hier eingetroffen. Znm Empfange waren die Spitzen der Behörden, sämmtliche Vereine und 20 Ehren» jungfraurn in Alt.Helgoländer Tracht anwesend. DaS Souper nimmt der Kaiser beim Commandanten ein.
Eckernförde, 22. Juni. Die Kaiserin traf Nachmittags gegen 4 Uhr mit ihrem Gefolge hier ein und fuhr alsbald nach Grünholz weiter.
Znnsbrvck, 22. Juni. Auf dem Wege über das Pfitscher- joch nach dem Zillerthal wurde gestern Franz Bliem aus Brandberg im Zillerthal tobt aufgefunden. Wahcschein» lich ist Bliem in der Kälte und den Schneestürmen der letzten Tage erfroren.
Paris, 22. Juni. Wie die Blätter aus Nancy melden, erklärte der Kriegsminister, General Billot, dem dortigen Maire, er prüfe gegenwärtig ohne Voreingenommenheit die Frage der Befestigung der Stadt Nancy. Er werde sich der Entscheidung des obersten KriegSratheS anschließen und sich darauf beschränken, die Schlußfolgerungen deS obersten KriegSratheS der Kammer vorzulegen. — Richter Le Poittevtn beauftragte den französischen Generalconsul in London, Charles LessepS als Zeugen in der Artou-Affaire zu vernehmen.
Loudon, 22. Juni. Die Königin wohnte gestern Abend dem Galadiner im Buckingham-Palast bei und um 10 Uhr empfing fie die fremden Fürstlichkeiten und deren Gefolge, die indischen Offiziere und die Offiziersdeputatiou des preußischen 1. Garde-Dragoner-RrgimeutS. — AuS Anlaß des Jubiläums wurde dem englischen Botschafter in Wien, Sir Horace Rumbold, und dem Botschafter in Petersburg, Sir Roderick O'Conor, das Grvßkreuz des Bath-OrdeuS verliehen, während der Gesandte in Athen, Eg er ton, zum
Ritter des Bath-OrdenS ernannt wurde. — Der Herzog von Sachsen-Coburg ist zum Admiral der Flotte ernannt worden.
Loudou, 22. Juni. Um 10 Uhr heute Vormittag begab fich der Lordmayor Faudel-Phillips zu Pferde und in Begleitung des Sheriffs nach dem Temple-Bar, der alten Ostgrenze der Stadt London, wo er um IO1/* Uhr eintraf, um die Ankunft der Königin zu erwarten. Als der königliche Zug an dem Temple-Bar Halt gemacht hatte, trat der Lordmayor, der inzwischen abgesessen war, an den Wagen der Königin heran und überreichte dieser daS „Pearl"- Schwert der Stadt London. Die Königin nahm das Schwert entgegen, händigte es aber dem Lordmayor wieder aus, der darauf wieder zu Pferd stieg und fich mit den Sheriffs dem Zuge anschloß. Den zweiten Halt machte die königliche Prozession um 12*/* Uhr vor der Saint»Pauls Kathedrale, wo ein kurzer Gottesdienst im Freien stattfaud. Nach Ab- singung des Te Deum sprach der Bischof von Loudon, Mandell Creighton, das Dankgebet und der Erzbischof von Canterbury, Frederick Temple, den Segen. DaS Wetter hatte fich inzwischen aufgeklärt und die Ceremonie fand bu Hellem Sonnenschein statt. Nach deren Beendigung bewegte fich der Zug nach dem Manfion-House und dem Süden Londons weiter, während die Truppen, die auf der zurückgelegten Strecke und in der City Aufstellung genommen hatten, mit dem Abmarsch begannen. Die Königin wurde auf dem ganzen Wege mit unbeschreiblichem Jubel unter Schwenken von Taschentüchern aus den Fenstern und von den Tribünen aus begrüßt. Einen wahrhaft großartigen Anblick bildete die Stirnseite der Saiot»PauIS Kathedrale durch die glänzende Versammlung der reichsten Uniformen der in- und ausländischen Großwürdenträger, Abgesandten, Prinzen und Fürsten. Die Königin kehrte um V/a Uhr in den Buckingham- Palast zurück.
Kopeuhageu, 22. Juni. Siebzig ausländische Theil- nehmer am Journalisten»Congreß in Stockholm trafen heute Vormittag 11 Uhr auf der Reise nach Stockholm hier ein und wurden am Bahnhofe von einer Anzahl hiefiger Journalisten und dem Vorstande der hiesigen Jourualisten- vereine begrüßt.
Malmö, 22. Juni. Heute Nachmittag F/j Uhr trafen etwa neunzig Theilnehmer am Journalisteu-Congreß in Stockholm, von Lübeck kommend, hier ein und wurden am Hafen von dem zum Empfange eingesetzten FestauSschusie begrüßt. Zu Ehren der Gäste findet später ein Diner statt.
HelfiagforS, 22. Juni. Der Küsteudampfer „Ouni", von HelfiagforS nach Abo unterwegs, ist gestern 5 Meilen von EkonaeS entfernt verbrannt. Auf dem Dampfer befanden fich 140 Passagiere, wovon sechs in den Flammen umkamen, die übrigen wurden gerettet. Mehrere erhielten schwere Brandwunden. Die Ursache deS Brandes war eine umgeworfene SpirituSlampe.
Barcelona, 22. Juni. Gestern Vormittag wurde eine mit Sprengpulver geladene Bombe, ähnlich derjenigen f. Z. in der Villa Nueva gefundenen, auf einem Grundstück in der Umgebung Barcelonas aufgefunden. Am Nachmittag wurde eine zweite Bombe mit brennender Zündschnur an der Artilleriekaserne entdeckt- der Zünder wurde gelöscht.
Depeschen des Bureau .Herold/
Berlin, 22. Juni. Wie der „Voff. Ztg." auS Christiania gemeldet wird, trifft Kaiser Wilhelm am 8. Juli Nachmittags auf dem bekannten Touristenplatz Stalheim ein und wird dort bis zum 10. Juli verbleiben. Im Gefolge des Kaisers werden fich 25 Personen befinden.
Berlin, 22. Juni. „Eine Flotte ersten Ranges" lauten die Worte, die der Kaiser unter die umfangreiche graphische Darstellung der eußlischen Flotte gesetzt hat, die heute Mittag in der Wandelhalle deS Reichstages ausgestellt worden ist. Die Zeichnung umfaßt 73 Panzerschiffe (Schlachtschiffe und Küstenvertheidiger), 39 Kreuzer 1. Klaffe (davon 18 mit Seitcnpanzern), sowie 114 Kreuzer 2. und 3. Klaffe, zusammen 226 Schiffe — 56 Divisionen ä 4 Schiffe.
Berlin, 22. Juni. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Der kaiserliche Botschafter in Rom, von Bülow, wird dem Vernehmen nach heute von dorr abretsen, um fich an daS Hoflager des Kaisers zu begeben. Man geht wohl nicht fehl, wenn man aunimmt, daß diese Reise mit dem Gesundheitszustand des StaatSsecretärS Freiherrn von Marschall in Zusammenhang steht.
Berlin, 22. Juni. Die gestern unter dem Vorsitz deS Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe abgehaltene Sitzung des StaatsministeriumS dauerte fünf Stunden; au derselbe« nahmen sämmtliche aktiven StaatSminister außer Marschall und Schönstedt Theil.


