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Erstes Blatt
Samstag de» 24 Avril
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Hratisöeikage: Gießener Kamitienökätter,
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auch keine Freiwilligen nach Griechenland entsenden. — In einer dem Gesandten aus Athen zugegangenen Depesche wird erklärt, daß kein türkischer Unterthan auS Griechenland aus- gewtesen werden würde, so lange sein Verhalten keinen Anlaß i» Klagen gebe.
Athen, 22. April. Nach einer Depesche aus Art« von heute srüh 4 Uhr hat Major SoutzoS mit zwei EtcadronS Cavallerte drei Dörfer besetzt, die zwei türkische Bataillone inne hatten. Eine EScadron besetzte daS Fort Salagma, das von den Türken geräumt war. Die Griechen fanden drei Kanonen und Dynamit vor. — Gerüchtweise verlautet, das Panzergeschwader habe sich in Bewegung gesetzt, um der türkischen Flotte zu begegnen.
Bombay, 22. April. Meldung deS Reuterschen Bureaus. Teit AuSbruch der Pest sind 11706 Erkrankungen und 10020 Todesfälle zu verzeichnen. Die gesammte Sterblich- keitSziffer beläuft sich durchschnittlich in einer Woche auf 836. Die Flüchtlinge kehren zum größten Thetl in ihre Wohnorte zurück.
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Berlin, 22. April. Die „Statistische Correspondenz" beziffert den Saatenstand im Königreich Preußen um die Mitte des April: Winterweizen 2,5, Wtnterspelz 2,1, Wtuterroggen 2,5, Klee 2,5, Wiesen 2; und zwar bedeutet 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering. Die Wetzen- und Roggensaaten sind fast durchweg gut durchwintert. Die übergroße Nässe und Nachtfröste bis in die letzte Zett hinein hemmten jedoch die gedeihliche Weiterentwickelung. Ebenso störend wirkte die Witterung auf die Bestellung der Sommerfrucht. Ein Umpflügen der Winterfrucht war nur ganz verschwindend selten erforderlich.
Wien, 22. April. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm verlieh dem Mtnifterpräfidenten Grafen Badeni das Großkreuz des Rothen Adlerordens, dessen Insignien der deutsche Botschafter Graf zu Eulenburg dem Grafen Badeni persönlich überreichte.
Rom, 22. April. Heute Nachmittag 2% Uhr, als König Humbert auf der Fahrt nach dem Rennplätze von Capanuella begriffen war, führte ein arbeitslofer Schmied Namens Pietro Aeeiarito einen Dolchstoß nach ihm aus. Der König wurde nicht verletzt und fetzte die Fahrt nach dem Rennplätze fort; bei der Ankunft dafelbst wurde er vom Publikum aufs lebhafteste begrüßt. Der Verbrecher wurde verhaftet; er zeigt ein exal- tirtes Wefeu und erklärte, keine Mitschuldigen j zu haben.
Et Razatre, 22. April. Die Polizei verhaftete vier Anarchisten und nahm in deren Wohnungen Haussuchungen vor, wobei wichtige Papiere beschlagnahmt wurden, insbesondere die Zeichnung einer Knallsilberbombe.
Pari-, 22. April. Bor der griechischen Gesandt« I schäft herrschte heute eine gewisse Erregung. Etwa 50 Personen hatten sich vor der Gesandtschaft eingefunden, die verlangten, nach Griechenland abzugehen. Da der Gesandte indessen keine bezüglichen Befehle erhalten hat, so konnte er I
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.23- April. Gestern Abend fand zu Ehren Kaiser Wilhelms in der Hofburg eine Galatafel statt, an welcher 162 Personen theilnahmen. Die Tafel hatte vorwiegend militärischen Character. Kaiser Wilhelm erschien in « A*"rikoollen Uniform eines ungarischen Generals der Kavallerie. Kaiser Franz Josef trug preußische Marschall», uniform. Toaste wurden nicht ausgebracht, was offenbar aus dem Grunde unterlassen wurde, um jede politische Deutung zu vermeiden. Nach Aufhebung der Tafel reiste Kaiser Wilhelm mit der Nordweftbahn nach Dresden ab.
Rom, 23. April. Zu dem Attentat auf den König wird weiter gemeldet: Der Attentäter ist 24 Jahre alt und von kleiner Gestalt. Derselbe hat schon gestern in Osteria geäußert, morgen werde er Jemand umbrtngen, wovon die werde. Der Attentäter, ein arbeitsloser Schlosser, genoß bisher einen guten Leumund. Die Behörden nehmen deshalb an, daß er die Thar in einem Wahnsinns- anfall begangen hat. Als Motiv gibt der Thäter Hanger an. Das Attentat wurde dadurch vereitelt, daß der König den Dolchstoß mit dem rechten Arm abwehrte, so daß die Klinge in daS Wagcnkiffen fuhr und dieses völlig durchbohrte. Der König wohrne dem Rennen gleichmüthig bis zu Ende bet und äußerte zu seiner Umgebung: Wenn man König ist muß man solche Dinge mit in Kauf nehmen. Die Königin kam auf dem Rennplatz erst nach dem Könige an und hatte von dem Borgefalleuen keine Ahnung. Der König ging der
sendung von zwei Bataillonen zurVerstärkung der Grenz« I wache in die Dobrudscha verfügt.
Bukarest, 22. April. Die Erregung ist hier ungeheuer. Die letzte Altersklasse wurde jetzt etnberufen. Während des gestrigen Gottesdienstes waren alle Geschäfte geschlossen.
Athen, 22. April. Einer neueren Meldung zufolge hat Edhem Pascha 40,000 Mann Verstärkung verlangt.
Athen, 22. April. Die hiesige Garnison, 2500 Mann stark, ist nach Volo abgerückt.
Athen, 22. April. Die Türken versuchten den Paß Prophet Elias, welcher auf dem Wege nach Turnaro liegt, zu nehmen, wurden aber zurückgeschlagen. DaS Lager von Jmaret, in welchem die Türken starke Batterien etablirt hatten, wurde von den Griechen besetzt. Oberst ManoS hat Sertdtna und Phillppiadha eingenommen und wird gegen den Abhang Pighadia vorrücken, wo sich die Türken eilig con- eentriren. — Der Kronprinz verließ gestern Abend Larissa und begab sich auf das Schlachtfeld, wo wahrscheinlich heute ein großer Zusammenstoß mit den Türken stattfinden wird.
Athen, 22. April. Aus Larissa wird gemeldet, daß der gestrige Kampf bet Damasi unentschieden geblieben ist.
Koustautiuopel, 22. April. Allen griechischen Schiffen wurde verboten, fich in den türkischen Gewässern aufzuhalten. Die Leuchtthürme im Golf von Salonicki wurden angewiesen, ihre Lichter zu löschen.
Montevideo, 22. April. Gestern wurde auf den Präsidenten geschossen,- der Schuß ging fehl. Der Attentäter wurde verhaftet.
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22. April. Ein Telegramm aus Könau das hiesige auswärtige Amt meldet, daß den Türken nach heftigem Kampfe eingenommen
22. April. Der Kriegsminister hat die Ent-
dre» Kaiser tn der Orteutfrage sei eine Bürgschaft für den Frieden.
Re«, 22. April. AuS Athen wird gemeldet, daß mau dort, nachdem Larissa eingenommen ist, einen allgemeinen BolkSaufstand befürchtet.
Paris, 22. April. Der englische Dampfer „Zuletka" ist im Lookmeerbusen untergegangen,- nur neun Personen wurden gerettet.
Toulon, 22. April. Eine Abteilung von 3 0 0 M a r t n e - soldaten ist gestern zur Verstärkung der französischen Truppen auf Kreta abgegangeu.
ÄauteS, 22. April. Bei seiner Ankunft wurde Präsident Faure hicrselbft von den Republikanern und Royalisten und den Senatoren begrüßt. Der socialtsttsche Gemeinde« rath betheiligte fich dagegen an keiner Festlichkeit zu Ehren de» Präsidenten.
Loudon, 22. April. Au» Elassona wird telegraphirt, daß die entscheidende Schlacht vor Larissa allem Anscheine nach heute erfolgen werde. Angesicht» der numerischen Ueberlegenheit der Türken sollen die griechischen Führer beabsichtigen, im Innern Griechenlands jeden entscheidenden Kampf zu vermeiden und tn den Gebirgen einen Guerillakrieg zu führen.
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Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern hat dem Verband der oberbadischen Zuchtgenoffenschafien die Erlaubutß ertheilt, die Loose einer anläßlich des am 21. September l. IS. zu Radolfzell stattfindenden ZuchiviehmarktS zu veran- stattenden Verloosung von Zuchtkalbinnen innerhalb des Groß- herzogthumS zu vertreiben.
Indem wir dies zur öffentlichen Kenntniß bringen, bemerken wir, daß nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten VerloosungSplan 30,000 Loose ä 1 Mk. aus- gegeben werden dürfen und 19,000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden müssen.
Gießen, den 22. April 1897.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Der Witter Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montag-.
Die Gießener Aamitieuvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
Depeschen deS Bureau „Herold."
Berit«, 22. April. Wie au» Wien gemeldet wird, wurde heute Vormittag im Auftrage Kaiser Wilhelms auf dem Sarge des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich ein prachtvoller Kranz niedergelegt mit der Inschrift: „Kaiser Wilhelm II. seinem treuen Freunde."
Berlin, 22. April. Der türkische Botschafter hatte im Laufe deS heutigen Vormittags im auswärtigen Amte eine längere Unterredung mit dem StaatSsecretär Fret« I Herrn v. Marschall.
Berlin, 22. April. Generalmajor von der Goltz (Pascha), welcher aus Frankfurt a. d. O. hier eingetroffen | ist, hatte heute mit dem türkischen Botschafter eine einstündige I Unterredung.
Berlin, 22 April. Der mit der Stellvertretung de» StaatSsecretär» Hollmann beauftragte Sontreadmiral Tirpitz I hat von Nagasaki aus die Heimreise angetreten und wird I Mitte Mai hier etntreffen. Herr Hollmann wird eine längere I Seereise antreten.
Berlin, 22. April- Dr. Peter», dessen Prozeß vor I dem DtScipltnar-Gertcht-hof für die Eolonten am Sams« I tag stattfindet, ist gestern Abend, von London kommend, hier eingetroffen.
Berlin, 22. April. Fürst Ferdinand von Bul- garten hat heute Vormittag abermals einen Besuch in der türkischen Botschaft obgeftattet.
Berlin, 22. April. Eine gestern Abend abgehaltene, von etwa 800 Personen besuchte Versammlung nahm eine Resolution an, welche fich gegen die Verurtheilung I KoschemannS aussprach. Die Versammlung war von | Anarchisten etnberufen.
Königsberg, 22. April. Die freisinnige VolkSpartei wird den Gutsbesitzer Papendteck-Dahleheim als Reichstags« Eandidaten für den Wahlkreis Königsberg aufstellen.
Wien, 22. April. In Anwesenheit Kaiser' Wilhelms und Kaiser Franz Josefs, sowie der Erzherzöge, der Minister, deS diplomatischen CorpS und anderer j Würdenträger fand heute bet schönem Wetter die Parade statt. Gegen 8*/< Uhr erschien Kaiser Franz Josef. Derselbe ritt die Front ab und übernahm daS Commando. Bald darauf traf Kaiser Wilhelm tn der Oberstenuniform seines Husaren-Regiments auf dem Paradefelde ein. Kaiser Franz Josef ritt Kaiser Wilhelm entgegen und erstattete de« Rapport. Beide Kaiser ritten darauf die Fronten ab, I »oeauf Kaiser Wilhelm Aufstellung nahm, während fich Kaiser Franz Josef an die Spitze der Truppen setzte und diese an dem Gaste vorbeiführte. Als das 7. Husaren-Regiment in \ Sicht kam, ritt Kaiser Wilhelm demselben entgegen und führte I i es dem Kaiser Franz Josef vor, an dessen Seite er Platz nahm, bis der Vorbeimarsch beendet war. Unter begeisterten Kundgebungen des Publikums verließen die beiden Monarchen das Paradefeld. |
Wien, 22. April. Bei dem Frühstück, welche» das Husarenregtment Nr. 7 zu Ehren Kaiser Wilhelms gab, beantwortete letzterer den Toast des Obersten Stoehv, indem er die Haltung und den Geist des OsfiziercorpS lobte und seine Freude darüber ausdrückte, das Regiment nochmals gesehen zu haben. Schließlich erhob Kaiser Wilhelm sein GlaS und leerte eS auf da» Wohl des Kaisers Franz Josef, seines erlauchten Verbündeten, auf welchen er ein dreimaliges I Hoch autbrachte. — Der Kaiser überreichte dem Obersten I Stochn sein Portrait mit eigenhändiger Unterschrift.
Rom, 22. April. Gestern fand vor der griechischen Gesandtschaft eine Demonstration, welche von! Studenten tnsceniit wurde, statt. Der Gesandre, welcher mit der griechischen Fahne auf dem Balcon erschien, wurde | nütmif($ begrüßt. Sodann zog die Menge vor daS türkische Consulat, woselbst gezischt und gepfiffen wurde.
Rom, 22. April. Die „Oppinione" erklärt, der Besuch I des Deutschen Kaisers in Wien, sowie die Einheit der ' i
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Gieße«, den 21. April 1897.
Betr.: Die Ausführung des RetchSgrsetzeS vom 22. Juni 1889, betr.: Die Jnvaltditäts« und AlterSverficherung.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 12. März l. I. noch nicht nachgekommen find, werden an deren Erledigung binnen 5 Tagen erinnert.
__v. Gagern.
Gießen, den 17. April 1897. Detr.: Die Vertilgung der Raupennester.
Hch» Großherzogliche Kreisamt Gießen
Mi die Graßh. Bürgermeistereien de» Kreises.
Diejenigen, welche unserer Auflage vom 15. Februar 1897 »Gießener Anzeiger" Nr. 41 — noch nicht nachgekommen sind, werden an deren Erledigung erinnert.
v. Gagern.
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