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folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borin. 10 Uhr. ^TUUHU tlimU IUU Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Ilmtlicber Thell.
Gießen, ben 20. Februar 1897.
Betr.: Das Landgestüt, hier den Abgang der LandgestütS- befchäler nach den Landgestütsstationen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
«die Gr»hh. Bürger« eist ereie« des Kreises.
Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden bekannt machen zu lasten, daß die Landgestütsbeschäler für die Land- gestütSftationen Berstadt, Butzbach und Grünberg abgegangeu find.
v. Gagern.
" Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Bettenhausen und Gießen.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche zu Bettenhausen und Gießen erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaßregeln hiermit wieder aufgehoben.
Gießen, den 23. Februar 1897.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Deutscher Reichstag.
182. Sitzung. Montag den 22. Februar 1897.
Etat des Auswärtigen Amts. Gehalt des Staats- SecretärS.
Prinz v. Arenberg ((Str.) als Referent berichtet über die Verhandlungen der Commission und berührt dabet die Frage der griechischen Staatspaptere. -M»
Abg. Hasse (natl.) hält eS für angemessen, trotz der Zurückhaltung des Reichstages in der auswäcttgen Politik an die Frage der griechischen Wirren heranzugehm, die ganz Deutschland bewegt. Redner erhofft Aufklärungen Seitens des Staatssecretärs v. Marschall, soweit dies jetzt möglich sei. WünschenSwerth s<i eine weitere Unterstützung der deutschen Schulen im Auslande und eine Regelung des Mrlttärdienües unserer Colontsten. Redner bringt einzelne Wünsche betreffend unsere auswärtigen Handelsbeziehungen vor.
Staatssecrekär Frhr. o. Marschall: Auf die Anfrage des Herrn Vorredners bezüglich bet kretischen Frage bemerke ich: S. M. Schiff „Kaiserin Augusta" ist gestern Vormittag vor Kanea eingetroffen und hat sofort 50 Mann in der Stadt gelandet. Nachmittags ist das Schiff in Action getreten. Auf Grund der Vereinbarungen der commandirenden Offiziere haben russtsche, österreichische, englische Sch ffe und unser Schiff geschofien aus eine griechische Jnsurgentenschaar, die unter griechischer Flagge von Osten gegen Kanea in feindseliger Weise vorrückte. Die Insurgenten wurden durch die Schüsse vertrieben. So begreiflich ich den Wunsch^des Hauses finde, über den Stand der Dinge auf Kreta Näheres zu erfahren, so muß ick doch in diesem Augenblick darauf verzichten, darüber eingehende Mtttheilungen zu machen. Was ich sagen kann, ist, daß die Linie der deutschen Politik auch hier klar vorgezetchnet
ist: entschlossenes Eintreten für die Erhaltung des Friedens. Deutschland hat im Orient keine Sondertntereffen zu verfolgen. (Sehr richtig!) Mit um so festerer Haltung können wir uns der großen Ausgabe widmen und mit unfern ganzen Kräften beitragen zur Erhaltung des Friedens. Das einzige Mittel, die Pacificirung Kretas, die die Mächte ernstlich unternommen haben, ist gestört durch das völkerrechtswidrige Vorgehen Griechenlands. (Sehr richtig!) Aus Bericht-n, die mir vorliegen, erhellt, daß die Landung regulärer griechischer Truppen, weit entfernt die Insel zu beruhigen, im Gegen- theil eine in jedem Augenblick wachsende Anarchie daselbst herbet- geführt hat. Die Fortdauer dieses Zustandes enthält an.sich in der Rückwirkung auf andere Völker eine fchwere Gefährdung des Friedens. Um diese Gefährdung deS Friedens zu beseitigen, gilt es, mit den wirksamsten Mitteln auf Kreta Ruhe zu fchaffen bis zu einer definitiven dauernden Ordnung der Dinge auf Kreta, was sehr wohl möglich ist, ohne die Integrität des oltomanischen Reiches anzutasten. Ueber die Mittel, die zu ergreifen find, um dieses zu erreichen, schweben zur Zeit Verhandlungen zwilchen den Mächten, über die ich, wie gesagt, in diesem Augenblick nicht sprechen möchte. Ich bin vom Herrn Reichskanzler ermächtigt, zu erklären, daß wir, sobald die Zeit gekommen ist, gern bereit sein werden, über Alles, waS von deutscher Seite unternommen worden ist, dem hohen Hause Aufschluß zu gewähren. Man appelltrt in der jüngsten Zeit sehr häufig, und nicht ohne Erfolg, an die christliche Humanität. Ich meine, angesichts dieser Thatsache ist der Hinweis vielleicht angebracht, daß wir den Forderungen der alß berechtigt anerkannten Humanität in sehr weitem Umfange gerecht werden, wenn wir alle Kräfte anspannen, um die Gefahren deS griechischen Vorgehens abzuwenden, die namenloses Elend über weite Landstrecken mit sich bringen würden. (Beifall.)
Director im Auswärtigen Amt Hellwig erwidert dem Abg. Hasse, die Angelegenheit der deutschen Schulen im Auslande sei Sache des Reichsamts des Innern.
Director Reichardt fügt hinzu, ein Auswanderungsgesetz werde dem Hause hoffentlich schon in wenigen Wochen zugehen.
Abg. Lieber (Ctr.) meint, was Kreta anlangt, so wünsche seine Partei zwar lebhaft, daß die Mißhandlungen christlicher Unter- thanen in der Türkei ein Ende nähmen. Aber seine Partei sei andererseits überzeugt: im gegenwärtigen Augenblicke bestehe die wahre christliche Humanität in der Erhaltung des europäischen Friedens, des Weltfrieden». Auch wenn daS Vorgehen Griechenlands nicht völkerrechtswidrig wäre, wie der StaatSsecretär es nannte, dann würde das Centrum in Griechenland zu allerletzt den Vertreter christlicher Jntereffen auf Kreta erblicken. Wir beurteilen, so schließt Redner, das Vorgehen Griechenlands als ein anmaßliches und wünschen, eS möge gelingen, sobald als möglich, bieten kleinen Gernegroß auf Kreta zu Paaren zu treiben. Redner drückt dann noch Namens seiner Partei dem auswärtigen Amte volles Vertrauen auS, daß es demselben gelingen möge, den Frieden zu erhalten.
Abg. Richter (freit. Vp.) ist der Ansicht, daß die Zurückhaltung des Reichstages auf dem Gebiete der auswärtigen Politik auf die BtSmarck'sche Tradition zürückzuführen fei; das müsse endlich aufhören, Redner fragt des Weiteren, woher es denn komme, daß Deutschland gerade mit seinem Blockadevorschlage die Führung in Kreta zu Übernehmen scheine. Der Vorschlag sei bekanntlich gescheitert am Widerstände Englands. Damit habe man sich eine diplomatische Niederlage geholt. Die Beseitigung der Türkenherrschast fei für Europa von weittragendster Bedeutung, weil es zuletzt darauf hinauslaufe, wer in ben Besitz von Konstantinopel komme. Der Vorschlag deS englischen Premierministers, Kreta autonom zu machen, sei acceptabel. Schließlich würde man eS aber auch nicht für ein Unglück halten, wenn Kreta mit Griechenland vereinigt würde. Ein späteres Prä- cedens für Macedonien zu verhindern, habe Oesterreich Ungarn das nächste Jntereffe. ES wäre nun aber an der Zeit, wenn klare und
bestimmte Absichten der Großmächte bezüglich der Reformen hervor- träten und Zeichen von Einigkeit, die biS jetzt fehlten. (Beifall.)
Abg. v. Marquardsen (nl.) bemerkt, er könne im Allaemet- nen dem Gedanken deS Abg. Richter Über die Art der Pac'fication Kretas, durch Gewährung der Autonomie, zustimmen. Jedenfalls werde feine Partei die Regierung auf dem,Wege zur Erhaltung deS Friedens unterstützen.
Abg. Lieber (Ctr) bespricht die römische Frage 1870, dabei Hoffmd, das Programm, sich unter keinem Vorwande und in keiner Form einzumischen, werde fortan nicht wiederkehren. Und wie viele Parteien auch in diesem Hause seien, schwarze, weiße, rothe, so werde doch der Reichstag in der Unterstützung der Regierung nach außen hin einmütig schwarz weiß-roth sein. (Beifall.)
Auf eine Anregung des Abg. Schmidt-Warburg (Ctr.) bemerkt noch Staatssecretär Frhr. v. Marfchall betreffs der deutschen Gläubiger des griechifchen Staates, dir Regierung werde nach 5kräftm nach wie vor für dessen Jntereffen eintreten.
Hierauf wird der Titel „Gehalt des Staatssecretärs" genehmigt.
Beim Titel: „Eine halbe Million für geheime Ausgaben" fragt Abg. Stadthagen (Soc), wozu denn dieser Fonds nötig sei, etwa für Lockspitzel ober andere Lumpen?
Eine Antwort darauf erfolgt nicht.
Ohne weitere Debatten wird der Etat deS Auswärtigen Amts genehmigt.
Es folgt der Etat der Schutzgebiete.
Beim Etat für Ostafrika zweifelt Abg. v. Vollmar (Soc.), daß daselbst wirklich dem Sclavenbandel ganz daS Handwerk gelegt sei. Sogar in nächster Nähe der deutschen Küstenorte sei derselbe neuerdings noch beobachtet worden. Sollen doch sogar auf unserer Ostafrikalinie Sclaventransporte von der Küste nach Sansibar fiatt- gefunben haben.
Director ber Colonialabtheilung v. Richthofen entgegnet, es hanble sich hierbei um Angaben aus 1893, bie längst wiberlegt feien. Es geschehe Alles, um ben Sclavmhanbel zu unterbrücken, unb zwar mit Erfolg.
Beim Etat für Kamerun kommt Abg. Beckh (frf. Vp.) darauf zurück, daß der Gouverneur v. Puttkamer in Abwesenheit seines Stellvertreters v. Stetten deffen Sachen durchstöbert und sich Eigenthum desselben angeeignet habe. Auffälligerweise sei auch von Stetten trotz seiner großen Verdienste ©eiten® der Colonialabtheilung zurückgesetzt worden, denn ihm hätte eigentlich bie Stelle als Gouverneur gebührt.
Director v. Richthofen führt aus, baß sein AmtSoorgänger in ber Wahl bes Herrn v. Stetten nicht glücklich gewesen sei. Herr v. Puttkamer bestreite, was ihm Herr v. Stetten zur Last gelegt, unb habe gegen benselbm Strafantrag gestellt. Die Zeugenvernehmungen seien bereit« im Gange.
Auf eine Beschwerde des Abg. Schall (cons.) bemerkt noch
Director v. Richthofen, gegen übermäßige Branntwein-Einfuhr könne, um nicht den deutfchm Handel einseitig zu beeinträchtigen, nur im Einvernehmen mit den Nachbarstaaten vorgegangen werden.
Der Etat für Kamerun wird genehmigt, ebenso der Etat für Togo.
Beim Etat für Südwestafrika wünscht Abg. GrasArnim (Rchsp.) eine Eisenbahn für dieses Gebiet, welche dringender sei, als sonst irgendwo in unteren Colonien.
Director v. Richt Hof en hofft, daß daS Haus demnächst die Mittel für eine Eisenbahn bewilligen werde. Der Zolltarif sei einst- roeilen nur ein provisorischer.
Abg. Richter (frs. Vp) hofft im Gegensatz zum Regierungsoertreter, daß der nächste Etat die Mittel für eine Eselbahn, dmn nur um eine solche könne es sich handeln, nicht enthalten werde.
Feuilleton.
Schillers Hochzeit.
Ein Ertnnerungsblatt zum 22. Februar.
Von Dr. Ernst Maasburg.
(Nachdruck verboten.)
DaS Genie ist unstät, mindestens in der Jugend. Welt- stürmende Projecte drängen von innen nach außen, der junge Gigant kämpft den Löwenkampf um ein erhabenes Ziel. Noch sucht er das Glück außerhalb, unter den Menschen, in den Verhältniffen.
„Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man ihn rennen unb jagen."
Aber da winkt Entläuschung auf Enttäuschung, Zwiespalt und SkepticimuS find die Folgen. Die Seele verzweifelt an der Heimath des Ideals auf Erden. Die Arme des Kämpfers sinken müde herab. Sein Auge senkt sich nach innen. Da nimmt die Liebe den Ermatteten in Empfang, läßt ihn ausruhen an ihrer treuen Brust. Unter ihren Liebkosungen erholt er sich, neue, herrliche Kraft durch- strömt den Ringenden, neue, edlere Ziele stehen vor ihm auf. Die Erkenntuiß schlägt Wurzel in seinem Innern, daß das Glück nicht in den Dingen um uns her, sondern in unserem Herzen seine bleibende Stätte hat.
„Es ist nicht draußen, da sucht eS bet Thor;
Es ist in Dir, Du bringst es ewig hervor!"
So ist aus dem kühnen Pilgrim, der über Schlünde Stege und Brücken durch den wilden Fluß baut, der ziel- bewußte Bürger geworden. Das ist auch Schillers LebenSgang, auch bet ihm hat die Liebe die vermittelnde Rolle gespielt. Im Jahre 1787, nach acht Jahren deS Sturmes und Dranges, begegnete ihm in dem lieblichen Rudolstadt Charlotte von Leuge selb. Sein Schicksal
war erfüllt. Er dachte an eine bleibende Stätte, weil er an Charlotte dachte. „Von nun an streiche mich nur au» der Liste der literarischen Vagabunden ans," schreibt er an seinen Freund Zumsteeg. „Du meinst, nun wird er wohl in meine Fußtapfen treten und ein ehrlicher Hausvater werden? Ja, lieber Zumsteeg, verschiedene meiner Meinungen find geflohen und haben sich mit mir verwandelt. Auch mein Kopf ist nicht mehr der Sonderling wie ehedem und darum sollst Du bald von mir vernehmen, daß ich eS nicht mehr gut achtete, allein zu sein."
Doch nicht die Liebe allein schuf daS Bedürfniß nach Ruhe, das letztere hatte ebenso viel Antheil an der Sehnsucht nach Liebe. Fast schwermüthig klingt seine Sehnsucht durch die Zeilen seiner Briefe an Körner hindurch: „Ich bedarf eines Mediums, durch da» ich die anderen Freuden genieße. Freundschaft, Geschmack, Wahrheit und Schönheit werden mehr auf mich wirken, wenn eine ununterbrochene Reihe feiner, wohlthätiger, häuslicher Empfindungen mich für die Freude stimmt und mein erstarrtes Wesen wieder durchwärmt. Ich bin bi» jetzt ein isolirter fremder Mensch in der Natur herumgeirrt und habe nicht« al» Eigenthum beseffen. Ich sehne mich nach einer bürgerlichen und häuslichen Existenz .... Ich habe seit vielen Jahren kein ganzes Glück gefühlt — und nicht sowohl, weil mir die Gegenstände dazu fehlten, sondern darum, weil ich die Freuden mehr naschte als genoß, weil eS mir an innerer, gleicher und sanfter Empfänglichkeit mangelte, die nur die Ruhe deS Familienleben» gibt . . ."
Ferner heißt es: „Dabei bleibt eS, daß ich heirathe. Ich muß ein Geschöpf um mich haben, da» mir gehört, daS ich glücklich machen kann unb muß, an beffen Dasein wein eigene» sich erfrischen kann."
Der Vermählung mußte indeffen die Seßhaftigkeit voraus-
gehen. Er mußte ber^eltebten eine Existenz bieten. Diese fand er in Jena, wohin ihn der Herzog von Weimar 1789 als Professor der Geschichte berief. Dem Titel „Profeffor" fügte der Herzog von Meiningen Anfang 1790 noch den „Hofrath" hinzu, so daß Schiller der adeligen Braut auch äußerlich eine standesgemäße Zukunft eröffnete. Denn ihr Adel genirte ihn anfangs, wenn er an die engen Verhältniffe dachte, er fürchtete, sich und sie „den größten PlatitÜden auszusetzen". Ueberhaupt fühlte er sich anfangs in Jena nicht wohl, erst allmählich versöhnte er sich mit dem Gedanken, in der freundlichen Bergstadt seinen dauernden Sitz zu nehmen. Als ihm der Herzog von Weimar jedoch den ersehnten festen Gehalt bewilligt hatte, betrachtete er alle Hinderniffe als überwunden. Trtumphtrend gab er seine Meinung der Mutter Charlotten» kund: „Bon außen hindert unsere Bereinigung jetzt nichts mehr . . . Hier in Jena find die nothwendtgsten Anordnungen in wenigen Wochen gemacht. Ich behalte meine gegenwärtige Wohnung, weil dieses Haus in jedem Betracht eines der besten ist, die ich hier finden könnte. BloS einige Zimmer mehr brauche ich zu miethen, und ich kann fie auf derselben Etage haben. Mein LogiS ist meublirt unb recht anständig . . . ich wäre nicht dafür, jetzt gleich etwas auf eigene Meubles zu verwenden. Ebensowenig wäre e» nöthig, dächte ich, sogleich eine eigene Menage anzufangen. Wie viel Umstände werden dadurch erspart. Ich brauche dann nur eine Domestique für Lottchen - im Hause finde ich alle sonst nöthige Bedienung. Die übrigen Artikel, z. B. Wäsche, haben hier alle eine so billige Taxe, daß man bei einer kleinen Haushaltung, wie die unserige sein wird, fast beffer thut, fie außer dem Hause besorgen zu laffen."
(Schluß folgte)


