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Sonntag den 24. Januar
Nr. 20
Aints- und rluze-geblatt für den ISreU Sichen.
HratisSeitage: Gießener Kamikienötätter
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
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Gefunden: 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Taschenmesser, 3 Taschentücher, 1 Pinsel, 1 Strumpf mit 1 Schlüssel, 1 Stock, 1 Schraubenschlüssel.
Gießen, den 23. Januar 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Das Gr. Steuer-Eommissariat Gießen an die Gr. Ortsgerichte Albach, Alten-Buseck, Burkhardsfelden, Garbenteich, Gießen, Laug- Göns, Oppenrod, Staufenberg, Trohe und Watzenborn-Steinberg.
Wir ersuchen Sie um umgehende Einsendung der Bau« und Culturveränderungsverzeichnifle.
Gießen, am 23. Januar 1897.
Bähr.
haben oder dort spielen, und zwar: 1. BranhtldenS Ankunft | in WormS, 2. HochzeitSzug der Brunhilde, 3. Rosenwunder der heil. Elisabeth, 4. Krönung der heil. Elisabeth, 5. Philipp des Großmüthigen Abschied, 6. Landgräfin Karoline von H-sien bei Friedrich dem Großen, 7. Sch ller am Hofe zu Darmstadt, 8. Verlobung der Königin Luise und ihrer Schwester am Darmstädter Hose. Die künstlerische Einstudirung der Operette: „Zehn Mädchen und kein Mann", die außerdem in der ersten Abthetlung zu Gehör gebracht werden soll, liegt in Händen des Herrn CapellmeisterS Rehbock, während die Regie über das Lustspiel Herr Ottbert, der Lustspiel- regisieur unserer Hosbühne übernommen hat. Um das Arrangement des Ganzen werden sich außerdem die Herren Regisieur Valdeck und Gallerteinspector Dr. B:ck verdient machen. Die Darstellung der verschiedenen Rollen wird lediglich durch Damen und Herren auS hiesigen Hof- und Bürgerkretsen erfolgen.
Die Direction deS Großh. HoftheaterS scheint nun endlich den gesuchten Heldentenor gefunden zu haben. Herr Julius de Grack vom Stadttheater in Leipzig hatte gleich bei seinem ersten Auftreten als Stegmund in Wagners „Walküre" dank seiner außerordentlich umfangreichen Stimm- mittel und seiner vornehmen Vortragsweise einen wirklichen großen Erfolg. Auch sein zweites Gastspiel als „Rieuzi" in Wagners gleichnamiger Oper absolvirte der Sänger unter günstigen Anzeichen, wenn auch der Gesammtetndruck der gebotenen Leistung nicht an den des vorhergegangenen Abends heranreichte. Mittlerweile ist eS der Direction gelungen, die beliebte Coloratursängeriu Frau Pfeifer-Rtßmann unserem Institute zu erhalten und aufS Neue Eontract mit ihr abzuschließen.
Im Schauspiel brachte die abgelaufene Woche Wilden- bruchS vieractige Tragödie „König Heinrich", die jetzt genau vor einem Jahre am „Berliner Theater" in Berlin ihre Erstausführung erlebte. DaS Stück bildet den ersten Thetl
Wslffs telegraphische «-rretvondenz-Burr-m.
Berlin, 22. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." weist nochmals die Behauptungen der „Vosi. Ztg." und „Freis. Ztg.", daß die Reichspostverwaltung die Post- ze itungS-Tarifreform absichtlich verzögert habe, min- bestens als unbegründet zurück. Wenn bei den ReichStags- verhandlungen vom 20. und 2l. Januar 1896 Staatssekretär v. Stephan betonte, daß fortwährend von ZeitungSoerlegern,
ErMs Blatt.
Biertelfähriger Avonncmentsprcisr 2 Mart 20 Pfg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mar! 50 Pfg.
Redactton, Expedition, und Druckerei:
Kchutstraße Fr.7.
Fernsprecher 51.
Alle Anuoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Theil.
Bekanntmachung, betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Gießen. Nachdem in der Gemarkung Gießen die Maul- und Klauenseuche erloschen ist, werden die angeordneten Sperr- maßregeln hiermit wieder ausgehoben.
Gießen, den 23. Januar 1897.
Grobherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Der Kießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS.
Die Gießener Kamiticnbtälter werden dem Anzeiger wöchenittch dreimal beigelegt.
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Feuilleton.
Wochendriefe aus der Residen).
(Origtnalbericht des ^Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 21. Januar.
Do« Victoria MeMa Verein. — Theater. — Concerte.
Die Vorbereitungen für den unter dem Protectorate Ihrer Kgl. Hoheit der Großherzogin zu veranstaltenden Bazar und die Dorst-llung zum Besten des Genesungshauses und des Lehrerinnenheims nehmen Dank des regen JntereffeS, das die hohe Frau an den Arbeiten nimmt, und Dank des rührigen Eifers, den alle Mirwtrkenden betätigen, den erfreulichsten Fortgang. Bereits haben eine Anzahl Damen aus den ersten Kreisen der hiesigen Gesellschaft einen Aufruf an alle die erlösten, die daS wohlthätige Unternehmen mit Geschenken re. unterstützen wollen. Auch daS detaillirte Programm für die im Großh. Hoftheater beabsichtigte Aufführung ist in den Tagesblättern erschienen. Die Vorstellung wird eröffnet mit einer Ouvertüre, die von der Hofmufik unter Leitung des HofcapellmetfterS Willem de Haan gespielt wird. Einen eigens zu dem Feste gedichteten Prolog spricht dann Frl A. Locher, eine Dame aus der hiesigen Gesellschaft. Ein Lustsptelchen „Das Gift" folgt darauf. Ferner ist -S dem Eomits gelungen, eine junge ungarische Künstlerin für die Veranstaltung zu gewinnen, welche bereits vor einiger Ze t ki- Sh« h.chg-n H°s- v°r A°-rhSchst-° H»-.
schäften concertiren zu dürfen und dort sehr viel Beifall erntete. Die Dame, Fr!. Irene von Brennerberg, wird ein Violivstück au dem Abend vortragen, deffen Begleitung Lerr Hofcapellmeifter de Haan freundlichst übernommen hat. — Den zweiten Thetl des Programms bilden die von den Äerren Profefforen Noack und Müller entworfenen acht lebenden Bilder. Dieselben werden Momente bringen auS der deutschen Geschichte und Sage, die auf das Heffenland Bezug
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der zwei Abende umfassenden Tragödie Heinrich und Heinrichs Geschlecht und schildert allerdings nicht mit historischer Treue in kräftig gemalten Strichen die vielfachen Kämpfe zwischen Papstthum und Kaiserthum in den Tagen Gregor- VII. und Heinrichs IV. Das geniale Werk erforderte eine solche Anzahl von Personen, daß nicht nur von mehreren Mit- wirkenden zwei Rollen übernommen, sondern fast noch das ganze Opernpersonal aufgeboten werden mußte. Der Erfolg, den das Riesenwerk erntete, lohnte indesten auch die colvsiale aufgewandte Mühe. Das HauS war nahezu ausverkauft unb das enthustasmirte Publikum wollte nicht müde werden, die Darsteller durch lauten Applaus und Hervorruf aus- zuzeichnen.
An musikalischen Darbietungen größeren Stils brachte die letzte Woche neben einem meist moderne Werke bietenden Liederabend des Seuss'schen Ehepaares ein vom Musik - dtrector Fritz Kaiser geleitetes Concert des Männerchor« „HumanitaS", daS den guten Ruf deS Vereins aufs Neue bewährte. Vorzügliches stimmliches Material, tüchtige Schulung des Einzelnen und umsichtige Leitung deS Ganzen wirken hier derart zusammen, daß der Chor ruhig jeder Coocurrenz die Spitze bieten kann, sein Vortrag von MozartS „O Schutzgeist alles Schönen" gleich zu Anfang des Concert« riß das zahlreich erschienene Publikum zu lebhaftem Beifall hin. Herr Concertsänger Franz HarreS, dessen Namen an dieser Stelle schon öfters lobend erwähnt wurde, trug wiederum mehrere Balladen vor, die sein ausgesprochenes Talent für diese Gesangsgattung im hellsten Lichte erkennen ließen. Dem Concerte hatte außerdem die Hofschauspielerm Frl. A. Cramer ihre bewährte Kraft geliehen, die durch Vortrag eines Prologs und mehrerer oberbaherischer Dialect- dtchtungen eine angenehme Abwechselung h das hübsche Programm brachten.
Gießener Anzeiger
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Deutscher Reichstag
159. Plenarsitzung. Freitag den 22 Januar 1897.
Das Haus sitzt die Berathung des Extraordinariums des Reichtzamls des Innern, Titel: Untersuchungen über Maul- und WflUCabß$®raf Stolberg (c.): Die Quarantänen seien unentbehrlich, wirklich helfen könne aber nur die generelle Sperrung der Grenzen. Ausländisches Vieh brauchten wir überhaupt gar nicht. Die generelle Sperrung müsse daher auch eine dauernde sein.
Abg. Werner (Rcf.P): Die Seuchen würden d'-rch die Viehhändler ins Land geschleppt, vornehmlich durch die jüdischen. Darauf vor Allem müsse die Regierung ein Auge haben, ferner müsse die Deeinfection der Viehw gen eine bessere werden.
Abg. Gerstenberger (Ctr.) wünscht, wenn e'ne generelle Sperrung zu erreichen sei, wenigstens eine g'ößtre Sicherung gegen Oesterreich hin. sowie eine ebenso lange Quarantäne für da^Schlacht- Meh der Großhändler, wie für da« Vieh, das der kleine Bauet einführe. Man sollte eine Entschädigung für gefallenes Vieh vom Reiche aus einführen, dann würde das Reich schon für schärfere
ÄdwiUhschastsminister von Hammerstein: Innerhalb der vertraglichen Grenzen geht die Handhabung der Veterinärpolizei bei uns bis an die äußersten Grenzen, so daß man im Ausland zuweilen gar meint, wir gingen zu weit. Diesen Vorwurf haben wir. aber stets zu widerlegen vermocht. Etgenthumlich ist es, daß ebenso, wie bet uns behauptet wird, die Seuchen wären vom Auslande nach Deutschland eingeschleppt, im Auslände behauptet wird, sie wurden aus Deutschland dorthin verschleppt. Ebenso wie unter den Menschen Krankheiten spontan auftrehn, geschieht dies auch beim Dtth, ohne Einschleppung. Daß mir unseren Bedarf an Vieh auf die Dauer selber zu decken irn Stande sein würden, glaube ich allerdings auch. Der Etat fordert Mittel für Untersuchungen. Für sväler ist ein Seuchen Institut in Verbindung mit der Thierarzneischule beabsichtigt. Man sucht zunächst das Eontagium zu finden und glaubt sogar bercitö das Präservative gefunden zu haben. Trotz Eontingen- ti.ung der Schweine-Einfuhr aus Rußland sind die Schweinepreise doch wieder auf den alten Stand zuiückgegangen. Es besteht daher nicht die geringste Besorgntß wegen der Versorgung unseres Ostens mit Schweinen und wir erwägen bereits eine völlige Sperrung der Schweineausfuhr aus Rußland (Bravo! rechts) Das Geschrei, daß die Versorgung unterer östlichen Arbeiter mit Schweinefleisch unzulänglich sei, hat sich als ganz unberechtigt herausgestellt. (Beifall rechts.) Man verweist immer auf England, ab t England ist, wenn es auf materielle Verhältnisse ankommt, der größte Schutzzöllner der Welt. Wir haben überdies wegen unserer territorialen Lage unsere besonderen Interessen wahrzunehmen. Dem Abg. Gerstenberger bemerke ich noch, daß das eingeführte Schlachtvieh ja sofort in der Quarantäne unter der strengsten Eontrole getödtet wird. Wir 315:6.1 noch so gewissenhaft unsere Pflicht thun, wir können es doch nicht allen recht machen.
Abg. Feddersen (nL): Zu einer Sperre gegen Dänemark liegt nicht der geringste Grund vor, da dort seit 5 Jahren nur ein einziger Verdachtssall vorgekommen ist und da genügt völlig die Quarantäne. Wir in Schleswig-Holstein w ssen ohnehin nicht, wo mir mit den Schafen hin sollen, die wir früher nach England ex- POtltrs!b0. Pachnicke (fr. Vg.) wendet sich gegen eine allgemeine Sperre. Gleichviel ob Absicht ober ob bloßer Erfolg, ebenfalls würde eine generelle Sperre eine starke Verteuerung der Fleisch- pieise nach sich ziehen, ohne daß seststehe, ob den Landwirthen damit etwas genützt werde. Daß die deutsche Landwirthschast den Bedarf Den schlands decken könne, sei eine 20 Jahre alte Behauptung, die sich bisher noch nicht bewahi h-itet habe. Den Jnteresien der Herren des Bundes der Landwi'the ständen die Jnteresien von Millionen der kleinsten Landleute gegenüber, die Magervieh kaufen müßten und die Interessen des Arbeiters, von dem der Satz gelte: sein einziger Reichthum ist sein Schwein! (Lachen.) , . r. ,
Abg. Plötz (cons.) hält Piohibittomaßregeln im Jnlande, auf die StaatSsecretär v. Bötticher so großes Gewicht lege, für ganz unzureichend; Hauptsache bleibe der Schutz an der Grenze. Im preußischen Abgeordnetenhause würden seine Freunde darlegen, wie es an den Grenzen zugehe. Die gemeine Atzcrei der Freisinnigen auf dem Lande bezwecke nur Trennung der Bauern und Grotzb.sttzer.
Abgg. Hilpert (fractionsloS) und Aichbichler (Ctr.) plabtrcn für allgemeine Sp rre. _ K,
Abg. vr. Hahn (fractiontzlrS): Gegen Dänemark genüge die Quarantäne nicht, roeil die Jncubattonsieit länger dauere, als man glaube. Wolle man die Grenze gegen Dänemark nicht sperren, so müsse man die Quarantäne mindestens auf 4 Wochen ausdehnen. Auch dos viele minderwenhige Fleisch von d>rt müsse man aussperren. Dasselbe gelte betreffs Holland. Maßregeln im Innern helfen nichts ohne Sperrung der Grenze. Die Landwirthe wollten nicht die Preise oertbeuern, sondern nur Preise haben, bei denen sie existiren können. Minister Frhr. v. Hammerstein bestreitet die von Hahn behauptete Länge der Jncubationsdauer. Gegen die etwaigen Ansteckungtzttoffe, die in den Haaren r. haften, wurde aber auch eine vierwöchige Quarantäne nichts nützen.
Abg. Graf Kanitz (cons.): Gegen die Dieheinfuhr auS Dänemark könnten wir unbedenklich vorgehen, denn mit Dänemark hätten wir keinen Vertrag. Das Umsichgr ifen d-r Maul- und Klauenseuche datirt erst seit der Öffnung unterer Grenzen.
Nachd m sich noch Abg. Graf Oriola für, Abgg. Wurm, Ulrich (Soc.) unb Lessing (fr. 93p.) gegen eine totale Syrre ausgesprochen, wirb der Titel genehmigt.
Morgen 1 Uhr: Etats bet Reichsschuld und des Rechnungshofes.
Schluß 6 Uhr. ______________
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Bekanntmachung, betreffend: Die Ergänzungswahl des Vorstandes der israelitischen ReligionSgemeinde Gießen.
Bei der am 22. d. MtS. vorgenommenen Wahl ist Herr Joseph Stern dahier zum Mitglieds des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde dahier wiedergewählt worden.
ES wird dies mit dem Anfüg-n öffentlich bekannt gemacht, daß während dreier Tage, nämlich am 25., 26. und 27. d. MtS , das Wahfprotocoll mit allen Anlagen auf dem Bureau deS 1. Vorstehers, Herrn Commerzienratb S. Heichelheim dahier, offen gelegt sein wird und daß während der uner- streckltchen Frist dieser drei Tage die Stimmberechtigten, sowie der Gewählte von dem Wahlprotocoll und deffen Anlagen Einsicht nehmen und Einwendungen gegen die Wahl oder pegen den Gewählten, bezw. auch eine Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses bei Grohherzoglichem KreiSamt Gießen vorbringen können.
Gießen, den 22. Januar 1897.
Der von Großh. KreiSamt Gießen ernannte Wahlcommiffär: Hach.
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