• Wie«, 19. December. Da- „N. W. Journal^ hat die \
die Jungen. Wir brauche», wie sich die- schon bei andere» Gelegenheiten gezeigt, keine „Fremdenlegion", um unsere
glückliche Idee gehabt, ganz armen Studern eine Weihnacht-freude dadurch zu bereiten, daß sie zur Bescheeruog in wohlhabende Familien eiugeladeu werden. Da- Blatt hat einerseits Anmeldungen zu einer solchen Einladung und anderseits Aaerbieteo von armen Familien ent- gegengeuommen. Bereit- haben sich 140 Familien gemeldet, die ein arme- Kind gleichzeitig mit ihren eigenen Kindern beschenken, und weit größer ist die Zahl der armen Familien, die weotgstenS einem Kinde auf diese Weise eine Freude wachen wollen. DaS Blatt hat bei dieser Gelegenheit von armen Eltern Zuschriften erhalten, die einen Blick in die entsetzliche Noth werfen lasten; so z. B. find viele Eltern schon glücklich bet dem Gedanken, daß ihr Kind am Weihnachtsabend wenigstens ein warmeS Abeudeffeu haben werde. Am besten kennen die Lehrer da- Elend der Kinder. Im 10. Bezirk hat sich ein HtlsScowit« gebildet, da- armen Kindern ebenfalls etoe WethnachtSfreude verschaffen will- dasselbe hat einen Aufruf erlassen, in dem ein Lehrer da» Elend der Kinder im Bezirk Favoriten schildert. Es heißt darin: „Bon 14,000 Schulkindern überhaupt können 3953 von den Eltern höchst unzureichend ernährt werden. 800 speist der Centralverein für Beköstigung armer Schulkinder. Hebet 3000 hungrige, bedürftige gehen täglich leer auS. Au Soun- und Feiertagen und von Mitte März an bekommen sie nichts. Unter 100 bedürftigen Schulkindern kann die Schule 20 mit Speisemarken beteiligen. Für eine Klasse find zwei bis drei Anweisungen an die Wärmestube, auf einen halben Schöpflöffel Suppe und ein Stückchen Brod vorhanden. Dazu melden fich jedoch 40 bis 50 Schüler. Bon 4167 bedürftigen Kindern, worunter 818 Waisen find, gehen in dieser rauhen Jahre-zeit noch viele barfuß in Holzpantoffeln, viele können wegen plötzlichen Mangels an Fußbekleidung die Schule gar nicht besuchen." OhnmachtS- anfälle bet Kindern wegen Hungers und gänzlicher Entkräftung feien nichts Seltenes. Die traurigsten Erscheinungen, eine notwendige Folge der immer mehr überhandnehmenden Verelendung, seien die zahlreichen Diebstähle, namentlich an Leben-mitteln, welche Kinder verüben. Darüber könnte daS Polizeicommiffariat Favoriten Aufschlüsse gebru. All diesen Dingen stehe der Lehrer ohnmächtig, mit blutendem Herzen gegenüber.
• Freiwillige vor! Dem „Schwab. Merk." wird au» Berltn geschrieben: Erfreulich ist die Wahrnehmung, die fich gelegentlich der Flotteuexpeditiou nach China geäußert hat, zu der bekanntlich eine Anzahl Freiwilliger aufgeboten wurde. Die Anmeldungen gingen massenhaft ein, so daß nur der kleinste Thetl Berücksichtigung finden konnte. Bei den hiesigen Garderegimetern meldeten fich Hunderte, u. a. trat eine Compagnie wie ein Manu vor, ebenso vom badischen Letbgrenadier Regiment 120 Manu usw. Die AuSgeloosten wurden vou ihren zurückbleibendeu Kameraden beneidet. Hier gilt wohl das bekannte: Wie die Alteu jungen, so zwitschern
Sträuße au-zufechteu, da- besorgen wir allein. Möge über dem Untern?hmeu ein günstiger Stern leuchten und fich dasselbe zu eitern segru-reichen und fruchtbringenden gestalten!
* Sür „iutereßanter Patient" ist dieser Tage ist S t e t t i v gestorben, der Tteuer-Seeretär Ttede, welcher vor mehreren Jahren da- Interesse weiter medieiutscher Kreise erregt hatte. Er war damals am Magenkrebs erkrankt, Hülfe schien a«»- geschlossev, bis fich der Oberarzt, Prof. Schuchard vom Stettiner Allgemeinen Krankerrhau», entschloß, durch einen operativen Eingriff dem Kranken den ganzen Magen herauS- zunehmen und durch Erweiterung de- folgenden Darm- abschuitteS einen künstlichen Magen herzustellen. Die schwierige Operation gelang, uud Tiede lebte fortan ohne jede Beschwerde,- Appetit und Berdauung waren bei ihm stet» tu bester Orduuog. Jetzt ist sein Tod in Folge einer Brustfell- Entzündung erfolgt.
* Sine der überraschenden Erfindungen der Neuzeit will, awerikautschen Blättern zufolge, ein Professor Keely gemacht haben. Dichter, Romanschriftsteller und Philosophen sprechen ost von jener gehetmnißvollen Anziehungskraft der Seelen, welche fie Wahlverwandtschaft nennen, aber e» fehlt ein praktischer Erfinder, wie fie jetzt Mode sind, der eine Art und Weise ersänne, um jenem seelischen Gefühl äußere und körperliche Form zu geben. Dies behauptet Keely erreicht zu haben. Jede» menschliche Wesen hat, wie er sagt, hervorragende Charakterzüge uud Ströme von Mitgefühl uud Widerwille», welche durch Erziehung, Vorstellung und Liebe vorübergehend beeinflußt werden, aber schließlich immer wieder die Oberhand gewinnen. Bon jedem Wesen strahlen electrlsche Wellen an-, welche, obgleich sehr dünn, doch deutlich bemerkbar find, wenn mau sehr feine Apparate benutzt. In diesen Ausstrahlungen ist nach Keely die wahre Natur der Person, von der fie au-gehen, enthalten. Er setzt nun die betreffende Person einige Secuuden laug mit seinem electrischeu Apparat in Verbindung, und dieser gibt dann einen Ton vou fich, der bei jedem Menschen verschieden sein soll. Die Erfindung hat einen menschenfreundlichen Zweck. Der Professor will die unglücklichen Ehen verhindern. Jedes Brautpaar soll, ehe eS den Bund sür das Leben schließt, versuchen, ob ihre beiden Naturen einen Accord bilden. Hat die Braut D und der Bräutigam C, so kann man sicher fein, daß fie nicht glück» lich werden, obgleich ein vorübergehendes Verliebtseiu fie täuschte. Keely behauptet, er habe seine Erfindung schon au 3000 verheiratheten oder verliebte» Personen probirt uud fast immer habe fie sich bewährt. Zugleich kann man au» der Stärke de- Tou» auch die Stärke de- CharacterS entnehmen. Wenn die Braut einen stärkeren Ton auf einem Apparat von fich giebt al» der Bräutigam, io wird sie gewiß im Hause die Hosen anhaben. Die Erfindung kommt uu» recht amerikanisch vor.
• „Die Cigarre der Zukunft" ist von dem Geh. Hofrath
Prof. Gerold in Halle hergestellt worden. Dir hundertfachen Versuche, die Sistwlrkung de» Tabakrauchea- durch hygienische Cigarrevspitzen aufzuhebeu, sind vou der Entdeckung Gerold- übertroffen, die da- Ncotiu in der Cigarre selbst paralifirt. Nach langen vergeblichen Experimenten fand Gerold im wilden Majoran einen Stoff, dessen Cast fich in ausgezeichneter Weise dazu eignet, in Verbindung mn Gerbstoffen al» Durchtränkung-mittel de» Tabak» verwandt zu werden, versuche führten zu einem vollen Erfolge. Die auf diese Weise behaodelteu Tabake sollen nunmehr vollkommen unschädlich fein, indem fie jede N!cotinwi,kuug au»- schließen, dabei behalten fie ihr schöne» Aeußere, ihren feinen Geschmack und ihr volles Aroma. Laut medlclnischer Zeitschriften bedeutet die neue Cigarre eine „neue Aera in der Geschichte des Tabak»". Sehr zu tadeln ist nur, daß die alleinige Herstellung dieser „Cigarre der Zukunft" durch ein Patent geschützt ist, so daß dadurch der allseitigen Benutzung diese- für die Gesundheit so wichtigen Verfahren» die Thüren verschloffen find.
* Immer Kaufmann „Herr Principal, der junge Schvockelberger ist uv» jetzt über 500000 Mark schuldig!" „Belasten Sie ihn mit meiner ältesten Tochter I"
1898er Zeitung» Der,eichniß der »mtouee«.Expedition von Hoosenftsi« «. Bogle» tu G. Der von allen freunden de» ZettungS- und Jnseratevwesens mit Recht geschätzte „ZeitungS- Katalog" der ältesten und wohlrenommirten Annoncen-Expedttion von Haaseustein & Vogler A. G- ist soeben in nunmehr ein» unddreißtgfler Auflage erschienen. Derselbe hat di« zahlreichen In- teressenten dieses, bei der Durchforschung der überreichen Zcitungs- literatur, zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel gewordenen Nachschlagewerks, durch den umfaffenden, abermals erweiterten Inhalt sowohl, als auch durch die äußerst geschmackvolle und luxuriöse Ausstattung aus da» Aagenehmste überrascht. Nach einem kurzen Vorwort, welches die Bedeutung der Presse als wirksamste BundeSgenosstn zur Herbeiführung geschLstltcher Erfolge treffend schildert, finden wir wieder den jedem Geschäftsmann willkommenen Tage?- und Notiz- Kalender, ferner di« wtssenswerthm Verordnungen über die Reichsbank und deren Geschäftsverkehr, sowie amtliche Vnöffentlichungrn bett, da» Post, und Telegraphenwesen. Das eigentliche Verzlichnitz der politischen Zeitungen, der Fach- und illuftrirten Zeitschriften, der KurS- und Adreßbücher sowie der Kalender Deutschlands und des Auslandes hat wieder «ine bemerkmSwrrthe Erweiterung durch Aufnahme der Spaltenanzahl aller Blätter und eine willkommene Ergänzung bis auf die neuesten publizistischen Erscheinungen hin erfahren. Daß ein derartiges mit rühmenSwerther Sachkenntniß und großem Fleiß zusammengestelltes Sammelwerk, welches fich zudem noch einer typographisch vollendeten Ausführung und technisch saubersten Ausstattung erfreut, von Jedermann gern in di« Hand genommen und mit Nutzen studirt werden wird, darf nicht bezweifelt werden. Bei der Fülle der Anregungen, die jedem Interessenten auS der Bekanntschaft mit dem Zeitungs-Katalog mit der Firm« Haasenstein & Vogler A. G. erwachsen muß, zweifeln wir nicht, daß dieses practische und interessante Adreßbuch oller existirenden Zeitungen, ausgestatttt mit allen zur Insertion wissenSwerthen Hinweisen, in immer weiteren Kreism Eingang finde« und fich in immer gesteigertem Maaße der Beachtung und erfolgreichen Benutzung des Publikums erfreuen wttd.
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Garteuftraße 2.
ttogefcot der Arbeitnehmer r 1 Bäcker, 1 Bauschlosser, 2 Schuhmacher, 2 Schreiner, 6 Laglöhner, 3 Hausburschen, 2 Lauffrauen, 1 HauSmädchen, 1 Dienstmädchen, 1 Näherin, 1 Bureaudiener, 1 SchreibgehÜlfe.
Nachfrage der Arbeitgeber t 3 Kesselschmiede, 3 Stemmer, 8 Schlosser, 2 Monteure, 3 Nieter, 1 VorzeiHner, sämmtlich für dauernde u. lohnende Accord- arbeit in ein großes Werk, 1 Drechsler für eine DawpfdrechSlerei, 1 tüchtiger Spengler, 1 tücht. Glaser (Rahmenmacherb 1 ftücht. Küfer, 2 tücht. Sattler, 1 junges HauSbürschchen. 2 Acker knechte, 1 Arbeiterin in eine Druckerei, 1 Köchin, 1 Beiköchin 10 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit________________________
Gas-Cokes.
Durch Stadtverordneten-Beschluß vom 30. September bezw. 28. October b. I. wurden die Preise unserer Gascokes bis auf Weiteres festgesetzt, sowie die Berkaufsweise eingerichtet, wie folgt:
Für den Centner ab Verkaufsstelle:
Stück-Cokes............. 1,10 Mk.
Nuß-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stuben-
Heizung und für veile und enge Ofeuschachte passend zerkleinert:
Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche
Korngröße des Anthracit, gangbarste Sorte . . 1,20 Mk.
Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit ...........1,25 Mk.
Für Anfuhr a« das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet.
NB- Sofern daS Verbringen der Cokes auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall ic.) mit keinem außergewöhnlichen Zettaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung.
Eine Preisermäßigung bei Entnahme von Wagenladungen erfolgt nicht mehr.
Der Verkauf nuferer Gascokes unter uud biS ein- schließlich 5 Centner findet bis auf Weiteres im Gaswerk nicht mehr ftatt, und werden daselbst nur Quantitäten von über 5 Centner verabfolgt. — Dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen ein
Kleinverkauf unserer Gascokes eingerichtet worden, nämlich bei den Herren:
Joh. Ötscher, Micestraße 19,
• Jakob Kahl, Frankfurterstraße 151. Cd. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Piftor Nachfolger, Marktstraße 10, Guftav Nuppel, Schillerftraße 5, Georg Schäfer, Licherstraße 2, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5.
Diese Firmen berechnen die gleichen Preise unserer GaScoke» sammt Anfuhr wie da» Gaswerk und schicken dieselben auch in Mengen unter 5 Centner zu.
Gießen, am 29. October 1897.
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.
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