Ausgabe 
23.12.1897 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 23 December

und Anzeigeblcrtt für den Kreis Giefzen.

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unter C. reifliche Erwägung der gedachten Beschlusses zu.

Der Abg. Osann und Genossen haben jetzt eine An» frage an Großherzogliches Staatsministerium gerichtet, ob diese Erwägungen nunmehr stattgefunden und zu welchem

hat sich Tocmtag Abend um 8 Uhr in der Schulzendorfer. straße Nr. 12 abgespielt. Der 21 Jahre alte Eisemoaaren- händler WaUer Buckow hat hier seine am 31. Oktober 16 Jahre alt gewordene Braut Gertrud Rumps erschossen und dann versucht, sich selbst durch einen Schuß in den Kopf zu tödten. Buckow, dessen Stiefmutter in Schöneberg lebt, wohnte seit längerer Zett in der Schulzrndorferstraße Nr. 12 bet dem Stuckateur Raphaeli und war tu der Etseuwaarew Handlung von Sounenbrodt in der Müllerstraße Nr. 182 beschäftigt. Gr hatte seit mehr als einem Jahre ein Liebe«, verhältmß mit der Gertrud Rumpf, einer Tochter der Schau­spielerin G. Rumpf aus der Langestraße Nr. 5. Das Mädchen war in der Knopffabrik von Sreru in der Küpe-

Und ich gedenke der Tage, wo wir Kinder vor den Fenstern des Weihnachtszimmers kleine Bündel Heu auf. hängten, damit des Christkindchens Eselein Futter fände, wenn es in der Nacht vor dem Fenster wartete, während Christkindlein seine Schätze ausbreitete. Und diese Freude, wenn wir am Morgen bei genauem Untersuchen fanden, daß wirklich einige Halme fehlten und das Eselein unsere Gabe nicht verschmähte. O, heiliger Kinderglaube!

Das Aurschmücken der Fest, und Wohnräume gehört ebenso zu den weihnachtlichen Vorbereitungen, wie das Zieren des Baumes und Unfertigen von Geschenken. Tannenzwetge hinter Spiegel und Bilder, in Vasen und Schale ist wohl zum weihnachtlichen Zimmerschmuck unerläßlich, es sollten aber große, bunte Papierrosen in dem duftenden Gezweig nicht fehlen. Die Blumen dürfen phantastische Formen haben, das giebt einen märchenhaften Anblick. Ein Tannengewinde um die Thüre zum Bescheerungszimmer, durchsteckt mit Rosen, Aepfeln und goldenen Nüssen, ist ein poefievoller Festschmuck. Ist diese Zierde angebracht, so beginnt erst der recht weih, nächtliche Hauch durchs Haus zu strömen.

Wie leuchten aber die Augen der Kinder, wenn sich unter oder neben dem Wechnachtsbaum eine Krippe aufr breitet, mit Wiesenplänen und Wegen. Seen, Felsen und Gebirgen. Burgen und Landhäusern, und welch ein Vergnügen, solche Herrlichkeiten selbst aufzubauen. Wie einfach ist e» doch, einen malerischen GeblrgS- oder Landsee herzustellen.

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Parlamentarisches aus Hessen.

Die Steueraufseher haben bei der Zweiten Kammer ein Gesuch eingereicht, mit welchem sie nachzuweisen suchen, daß sie weder in der Besoldungsordnung, noch hinsichtlich Vergütung für auswärtige Geschäfte genügend berücksichtigt feien. Der hierüber berichtende Ausschuß beantragt, das Gesuch der Steueraufseher vorerst für erledigt zu erklären.

Der Abg. Brunner u. Gen. haben bei der Zweiten Kammer den schleunigen Antrag eingebracht, die Kammer wolle Großh. Staatsregierung ersuchen, die Bundesraths­bevollmächtigten für Hessen dahin zu instruiren, daß dieselben, bei Verhandlung über den Beschluß des Reichstags, betr. die Aufhebung der Zollcredite für eingeführte» Getreide, für den Beschluß des Reichstags eintreten.

Der Stadtvorstand zu Alsfeld und eine Anzahl ober» hessischer Gemeinden haben an die Zweite Kammer eine Ein­gabe gerichtet, worin die Bitte ausgesprochen wird, Großh. Staatsregierung zu veranlassen, baldmöglichst ein Project für eine Bahn von Alsfeld nach Hersfeld ausarbetten zu lassen und dasselbe der Zweiten Kammer zur Bewilligung vorzu- legen. In dem wohlbegründeten Gesuch wird nachgewiesen, daß die Erbauung einer Bahn von Alsseld nach Hersfeld für die betreffenden Gemeinden geradezu eine Lebensfrage ist.

Die Gemeindeforstwarte haben im Januar 1897 sine Vorstellung, betr. Verbesserung ihrer Lage, an die Kam- «er gerichtet, in welcher sie darauf verweisen, daß Großh. Regierung schon des Oefteren versucht habe, durch Gesetzes. Vorlagen an die Stände, zum letzten Mal im vorigen Land­tage, ihre Lage zu verbessern, immer sei die Sache an dem Widerspruch der Kammer gescheitert.

Ein Spieg l mit möglichst schmalem Rahmen wird an pas- sender Stelle hingelegt, der Rahmen mit Moos bedeckt, hier insWasser" vorspringend, dort zurücktretend, so daß die viereckige Spiegelform nicht mehr zu erkennen ist. An den Ufern stehen Schilfbüschel (aus grünem Papier geschnitten) und hier und da ragt ein malerisch geformtes Felrstück aus dem Wasser hervor. Teichrosenblätter und -Blüthen schwim­men auf der Fläche und Enten und Schwäne tummeln sich darauf. An der schmälsten Stelle unseres künstlichen See» spannt sich eine aus Naturholz hergeftellle Brücke, zu der durch den moosigen Wiesengrund sich ein Weg schängelt, um sich an der andem Seite weüersührend im Gebirge zu ver­lieren. So bildet dieseWasserkunst" den anziehendsten Theil der ganzen Landschaft.

Von nicht minder malerischer Wirkung kann da» .den Hintergrund bildende Gebirge sein. Er läßt sich mit Grotten- stein, die im Sommer wieder Verwendung im Garten finden können, in Verbindung mit Gebirgsmatten aus Mooslatschen, schon Hübsche» machen; aber zur Herstellung einer recht wirkungsvollen Felsenwand, die den Vorcheil hat, jahrelang in chrem fertigen Zustande aufbewahrt werden zu tonnen, möchte ich ein anderes Material empfehlen. E» ist die» die Rinde der Korkeiche, eine Borke, die verwittertem und zer­klüftetem Gestein ähnlich fieht und fich sehr bequem ver- arbeiten läßt.

Sportkreisen nicht unbekannt war. Sonntag Nachmittag gegen 4 Uhr kam sie, um Buckow zu besuchen, wie e» schon oft geschehen war. Buckow kam um 5 Uhr in die Wirthschast von Wurf und nahm von dort eine Flasche Champagner mit in seine Wohnung. Hier trank er den Wein mit seiner Braut au». Kurz vorher schon hatten beide einen Rohrpostbrief an die Mitglieder des Radsaarverein« Hohenzolleru ge­richtet und außerdem noch mehrere Briefe geschrieben, die die Polizei beschlagnahmt hat. Buckow hatte dann eia Gesangbuch aufgeschlagen und darin gelesen. Die Stell-', die man später aufgeschlagen sand, hatte die Ueberschrift Ein besonderer Tag im ehelichen Leben am TrauungStage." Ihren letzten Willen schrieben beide in BerSform tu ihre Stammbücher. Nachdem sie zwei starke brennende Lichter auf den Tisch gestellt hatten, rückten sie diesen vom Sopha, knieten daun beide vor dem Sopha nieder und sprachen ein gemeinsames Gebet. Hierauf nahm Buckow einen Revolver Kaliber 9 und tödtete seine Geliebte durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Da» Mädchen sank hintenüber mit dem Kopf auf den Teppich und verschied in demselben Augenblick. Buckow brachte sich dann einen Schuß tu die rechte Kopfseite bei und brach nach reckt« hinüber zusammen. Die beiden Schüsse allarmirten die Wirthßleute. Auf deren wiederholte« Klopfen antwortete Buckow endlich:Ich kann ja nicht, ich bin tobt!" Rasch wurde nun ein Schlosser uud die Polizei geholt. Mau fand nun da« Mädchen entseelt auf dem

Teppich liegen. Buckow war bet voller Befiuoung uud konnte der Polizei einen vollständigen Bericht Über den Ber lauf der Blutthat geben. Die Leiche de« Mädchen« wurde nm 9Vi Uhr nach dem Schauhause abgeholt. Buckow wurde nach der Charitä gebracht. Die Verletzung de« Letzteren ist nach einer späteren Mittheilung schwerer, al« man Anfang« glaubte. Buckow verlor im Laufe de« Spätabends da« Bewußtsein uud hat e« bi« jetzt noch nicht wiedererlaugt. Der Prinzipal Buckow« hatte ihn bereit« augezeigt uud war schon am-Freitag Nachmittag mit einem Krimtualbeamteu in seiner Wohnung, in der verschiedene au« dem Geschäft ent­wendete Sachen gefunden uud beschlagnahmt wurden. Der junge Mann schrieb daraufhin am Freitag Abend an Herrn Sounenbrodt, bet dem er erst seit Oktober d. I. in Stellung war, einen Brief, den er ihm mit einigen entwendeten Sachen durch einen Dienstmann zuschlckre. Hierin hißt <8:Haben Sie Srbarm-n mit einem Unglücklichen, der ourch bodenlosen Leichtsinn ruivirt worden ist!" Der Prinzipal tonnte jedoch an der Sache nicht« mehr ändern, da die Anzeige bereit­erstattet war.

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Berlin, 19. December. Tine Ltebeßtragödie

Nr. 301 Zweites Blatt.

Ergebniß dieselben geführt haben?

Die vereinigten Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher haben an das Großherzogliche Ministerium der Justiz die Bitte gerichtet: Großherzogliches Ministerium der Justiz wolle in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen bei Ein­führung der neuen Justizgefetze die Großherzoglichen Orts­gerichte als Hülfsbehörden der Justiz erhalten und entspre­chende Bestimmungen in die Hessischen Ausführungsgesetze aufnehmen. Die Petenten richten auch an die Zweite Kam­mer die Bitte, vorstehendes Gesuch durch einen bezüglichen Beschluß zu unterstützen.

Die vereinigten Bürgermeister de» Großherzogthums Hessen haben ein Gesuch an oas Großherzogliche Ministerium des Innern gerichtet, dasselbe wolle durch Act der Gesetz­gebung veranlassen, daß 1)Die Bureaukosten der Groß- herzoglichen Bürgermeister des gesammten Großherzogthums auf mindestens eine Mark pro Kopf der Einwohnerzahl der Gemeinden festgesetzt werden und so von einer zur anderen Volkszählung steigen ober fallen, ohne daß die Großherzog, lichen Bürgermeister sich der, im Gesuch ausgeführten, sehr mißlichen Lage auszusetzen gezwungen sind; 2) Eine den durch die Großherzoglichen Bürgermeister dem Staate ge» leisteten Dienste, entsprechende Vergütung an dieselben zur Auszahlung gelange und 3) Den abgehenden Bürgermeistern der Landgemeinden eine, den Verhältnissen ihrer Dienstzeit und ihres Diensteinkommens entsprechende Pension (eventuell aus der Staatskasse) gewährt werde". Die Petenten ersuchen auch die Kammer, dieses Gesuch zu unterstützen.

Die Gerichtsschreiber-Afpiranten richten an die Zweite Kammer eine Petition, es wolle hoher Kammer ge fallen, darauf hinzuwirken, daß im Staatsbudget eine Summe eingestellt werde, welche es der hohen Regierung ermöglicht, den älteren Aspiranten eine Remuneration bis zu 1600 Mk. zu verwilligen. N. H. V

L-cbr. 1897, Bb,

1891.

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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, Wt Ausnahme bei Montag«.

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»erben bem Anzeiger »«cheinlich dreimal brigelcgt.

Gießener Anzeiger

Kmeral-Anzeiger.

FeuMetsn.

WeihnschtUcher Festschmuck.

Son Gustav Heick.

(Nachdruck verboten.)

KO Es giebt Leute, die ihren Kindern sagen, wie es wirklich ist. Dos Christkindlein bringt ihnen bie Geschenke nickt, unb mal sicher nicht birect oom &immel, und den Weihnachtsbaum baut es nicht auf, und die Engelzunben hi* nickt an. Müssen das aber vernünftige Leute fein! und ihre Kinder wollen sie zu eben solchen vernünftigen Menschen erziehen. Arme Kinder! Giebt e» denn etwa« vo sievolleres, als die Weihnachtszeit mit ihrem gehermmß- vollen Knistern und Rauschen? Warum der Kindheit diesen Zauber nehmen?

Ich denke noch daran, wie in meinen Kindheitstagen allmählich der Gedanke in mir auftauchte, daß es m t den Lhristkindchengaben doch so ganz richtig nicht sei, wie ich mich mit aller Gewalt ober gegen diese Aufklärung stemmte. Ut2 al» endlich mir nicht» andere» übrig blieb, al» glauben daß die Eltern es find, die die Geschenke aufbauen und den Weihnachtsbaum schmücken, da war mir -»erst, a » ob aller Zauder mr» der Weihnachtszeit gewichen fei, bi« er, al» ich Älter wurde, mit mmm Glanze mich umstrahlte.

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Annahme. Der Landtagsabfchied vom 27. Juli 1896 sichert I Leute waren sich gegenseitig sehe zngethan. Buckow lebte ~ ~ - - .. ........... aber über seine Verhältnisse hinan« und gerieth dadurch auf

Abwege. Am 31. October veranstaltete er zum Geburtstage seiner Braut im Restaurant von Schoenwälder in der Oranten- straße Nr. 158 für seine Sportgenossen ein Festessen mit nach- folgendem Tanzkränzchen. Seine Einnahmen waren keine-weg« hoch. So kam es, daß er im Geschäft nicht nur Geld unter- schlug, sondern fich auch Maaren, z. B. Schlittschuhe, an« eignete, um fie zu Geld zu machen. In dieser Beziehung scheint e« nun zu einer Entdeckung gekommen zu sein. Die Geliebte Buckow« war ein lebenslustige« Mädchen, da« in

Großherzogliche Regierung hat dem berichtenden Aus­schuß mitgecheilt, daß die Absicht besteht, dem in dieser Ein- gäbe vorgetragenen Wunsche um Vorlage eines Gesetzes- Sutwurfe» über die Organisation des Forstschutzes, zu ent­sprechen. Der dritte Ausschuß beantragt hiernach: 1) die Vorstellung der Gemeindeforstwarte vom Januar 1897 vor­erst für erledigt zu erklären; 2) Großherzogliche Regierung zu ersuchen, den beabsichtigten Gesetzes-Entwurf in obigem Betrag möglichst bald, jedenfalls diesem Landtag vorzulegen.

Der Abgeordnete Dr. Heidenreich hat in der Zweiten Kammer den Antrag eingebracht, Hohe Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, dem Landtage eine Vorlage, den Bau einer Nebenbahn von Wahlen nach Hammelbach betreffend, chuulichst bald zugehen zu lassen. .

Die Molkereigenossenschaften im Großherzogthum Hessen haben an die Zweite Kammer eine Vorstellung ge- richtet, worin dieselben bitten: Hohe Zweite Kammer der Stände wolle an die Grobherzogliche ©taatflregierung das Ersuchm richten, eine Molkereischule in Darmstadt und eine zweite Molkereischzrle, speciell für Meierinnen, in Nieder- Wöllstadt errichten zu wollen.

Das Gesuch der hessischen Mitglieder des deutschen Krieg»- und Jnvalidenverbandes um Pensionserhöhung, wel­che» auf dem vorigen Landtage eingebracht worden war, fand BU»rit®rURamme6r beTÖff-om NF°bru°?I8SK I n7gfr«r.~X18'««.Mt. Di-

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