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23.10.1897 Zweites Blatt
 
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1897

Nr. 249 Zweite? Blatt. EmuAa, d« 23 Octob«

Der tHtwt asthemt täglich, Ä >»Snahme bei Montags.

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folgenden Tag erscheinenden Nvanner bi- Dorr».I Hratisöeikage: chießener KamMenötätter. I

Anrtlnchcv Lyell.

Oberhesfischer Obstbauverem, Vereinsbezirk Gießen.

Am Dienstag den S6. Oktober d. I. (nicht am 23. und nicht am 30. October d. I.), Abend» 8 Uhr, findet im Gasthause zum Wilden Mann in Grün- berg eine Versammlung statt, in welcher der Geschäftsführer bei Vereins, Herr K. Reichen, Lehrer für Naturwissenschaften «nd Obstbau an der Großh. Obstbauschule und landw. Winter­schule in Friedberg, sprechen wird über:

1. Auswahl werthvoller Obstsorten,

2. Obstverwerthung im Haushalt.

Mit den Vorträgen find Demonstrationen verbunden.

Die Mtglieder des Oberhesfischen Obstbauvereins, sowie sonstige Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen.

Gießen, den 21. October 1897.

Der Vorsitzende

bM Vereinsbezirks Gießen des Oberhesfischen Obstbauvereins. Dr. Wallau, RegierungSrath.

Die serbische Ministerkrifis.

Schon vor einiger Zeit verlautete, das Belgrader Labinet habe dem Könige Alexander telegraphisch seine Demission an- geboten- aber die Gerüchte verstummten bald und traten erst wieder auf, als der junge Monarch auf der Rückreise be­griffen war, die er in Begleitung seine» VaterS Milan «achte. Gleich nach der Ankunft de» Königs in Belgrad reichte baß radicale Ministerium Simic seine Entlassung ein, die auch angenommen wurde. Hebet die Gründe der KrifiS laufen verschiedene Berfioueu um. Schon vor der Reise Alexanders ins Ausland sollen Differenzen zwischen ihm und de» Ministerpräsidenten in finanziellen und militärischen Fragen entstauben sein, die damals nur nothdürftig geschlichtet worden waren. Außerdem drang Simic darauf, daß der König endlich in die Gewährung einer Berfaffung für das Land io freiheitlicherem Sinne willige. Die iw Jahre 1888 gegebene Constitution war infolge der Umtriebe der Radi« caleu im Jahre 1894 von Alexander aufgehoben, und die­jenige des Jahres 1868 wieder eiugeführt worden, welche dem König einen übergroßen Etrfluß auf die Geschicke de»

Feuilleton.

Hnmalh.

Novelle von H. Ren«.

(2. Fortsetzung.)

Die Maschine keuchte, der Zug ging langsamer- man «ar mitten in den Bergen.

Der Diamantenhändler Robert Heider, der noch vor einer Woche zwischen Myrrhen und Rosenlorbeer am Bosporus nsam gewandelt, breitete seine Arme au» nach den finsteren Riefentonnen, die dort am Abgrund wuchsen.

DaS war sein schönes Heimathland, dem er ein treuer Bürger hätte werden sollen, da» Land, daS die Schulgefährteu begeisterungsvoll mir ihrem Blut geschützt, dem fie dienten mit Einsatz aller ihrer Kräfte.

Und was hatte er geleistet? Er hatte fich von einer Grisette heirathen lassen, ihren schuftigen Vater beerbt.

Heiser lachte er auf, dann starrte er in die Landschaft, an welcher der Zug vorüberflog. Hier war er an deS VaterS Hand, ein fröhliche» Kind, gewandert, dort mit lustigen Kameraden zum Botanistreu hinauSgezogen. Und hier, hier durch diesen Wald war er, Wuth und brennende Scham im Herzen, geflohen, al» der empörte Vater ihn, den großen Menschen, mit der Reitpeitsche gezüchtigt hmte wie einen Hund. Die gütige Mutter hatte fich vergeben» dazwischen peworfen, den Gatten beschwichtigt, den Sohn unter Thränen t t chworen. Der große, thörichte Knabe batte damals ge­weint, den Urheber diese» Schimpfes glühend zu Haffen- der einsame, alternde Mann hätte gern die strafende Baterhaud mn an die Lippen gezogen.

Der verlorene Sohn der Bibel erschien ihm beneiden»- werth, für ihn wurde festlicher Empfang gerüstet. Und wa» sollnd er? Zwei Gräber.

Station Sch. Sein Reiseziel.

Run durchwanderte er da» morgenstille Städtchen, immer ft h ftagend, wa» ihn eigentlich hergeführt.

Wie bekannt ihm die Straßen winkten! Ja, Häuser afitern nicht so schnell, theilen nicht da» Schicksal der Menschen.

Landes gewährt, dem Volke aber fast jede Mitwirkung an der Leitung der Staatsangelegenheiten versagt. Schon oft hat Simic versucht, in freiheitlicherem Sinne zu wirken, aber König Alexander scheint noch allzu sehr unter de« Einflüsse seines Vater» Milan zu stehen und fich von diesem leiten zu lassen. Die Parteileidenschaften find in Serbien unter der Regierung Milan» auf da» Höchste gestiegen, wa» viel «itgewirkt hat, da» Ansehen der Serben im Aus­lände zu schwächen. Wahrlich, man kann es Simic nicht verdenken, daß er die Geschäfte niederlegt, nun Milan wieder einmal nach Belgrad kommt und zwar vermuthlich mit recht leeren Taschen. Wenn auch baß jetzige Eabinet keine sehr großen Erfolge aufzuweisen hat, so ist es doch ganz würde­voll ausgetreten, eS hat die Ruhe im Lande aufrecht erhalten und dafür gesorgt, daß Serbien seinen Verpflichtungen dem Auslande gegenüber uachgekowmen ist.

Die Regierung soll nunmehr den Liberalen zufalleu, doch soll da» neue Eabinet keinen ausgesprochen en Partei- character tragen. ES werden eine ganze Reihe von Namen genannt, welche berufen fein sollen, demnächst die Geschicke des Landes zu leiten. So viel steht fest, daß ein rein liberale» Ministerium nur eine kurze Dauer haben wird, da fich eine Regierung ohne die Theilnahme der Radikalen nicht lange halten kann. Die Gewährung einer freiheitlichen Ver­fassung wird auch unter einem liberalen Eabinet Über kurz ober lang geschehen müssen, da fich die Forderungen de» Lande» in dieser Beziehung nicht länger ungestraft auf» schieben lassen.

Man behauptet, auch in der äußeren Politik Serbien» solle eine Aenderung eintreten, und zwar werde es fich mehr an Oesterreich-Ungarn anschließen. DaS würde nur gut­geheißen werden können, da Serbien in wirthschaftlicher Be­ziehung auf den Kaiserstaat an der Donau angewiesen ist und e» der Wiener Regierung seit dem serbisch-bulgarischen Kriege großen Dank schuldet, weil auf deren Veranlassung Bulgarien von einer gänzlichen Niederwerfung und DemÜthignng Serbiens abgesehen und dem Feinde keine Gebietsabtretung dictirt hatte.

Die jetzige Dynastie Obrenowitfch steht nicht auf sehr festen Füßen, aber fie dürfte durch den großen westlichen Nachbar gestützt werden, um nicht Wirren auf dem Balkan hervorzurufen von vielleicht unendlicher Tragweite. Deshalb sollte die serbische Regierung Alles daran setzen, um fich des

Schutzes würdig zu zeigen und zur Eonfilidirung der Ver­hältnisse im Innern des Laude» beizutrageu. (xx)

Deutsche» Reich

Darmstadt, 21. October. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland, Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, Ihre König!. Hoheiten die Prinzessin Heinrich von Preußen und Prinzessin Victoria von Schaumburg-Lippe, so­wie Ihre Großherzogl. Hoheit Prinzessin Ludwig von Battenberg begaben Sich heute vormittag in da» Revier Koberstadt, wo unter Leitung de» Hofrath» Kofler Aus­grabungen stattfinden. Seine Königl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen und Prinz Adolph von Schaumburg-Lippe haben Sich heute vormittag zur Jagd in den Groß-Gerauer Park begeben.

Berlin, 21. October. Graf Aosadowsky hat fich von feiner kurzen Erkrankung wieder vollständig erholt und bereit» gestern die Amtsgeschäfte im ganzen Umfange wieder aufgenommen.

Berlin, 21. Oktober. Zu der gestrigen Meldung de» ,®erl. Tagebl.", daß die Regierung im Reichstage größere Sredite verlangen wolle für Zwecke, die mit der Bewaffauug de» Heeres zusammeuhangt, sagt diePost", e» fei Grund zu der Annahme vorhanden, daß die Regierung weder in diesem Augenblick noch in absehbarer Zeit mit solchen Forde­rungen hervortreten werde.

- Zum Eapitel:MajestätSbeleidigungen" schreibt dieBerliner GerichtSztg.": In erschrecklichem Maße häufen fich die Prozesse wegen MajestätSbeleidigungen. G» vergeht kaum ein Tag, au dem nicht die Presse gezwungen ist, von verurtheilungen auf Grund des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen zu berichten. Eine Revision de» Strafgesetz­buches erscheint dringend erforderlich. Bor Alle« ist e» noth- wendig, die Verpflichtung der Staatsanwaltschaft auszuheben, alle Anzeigen über Majestätsbeleidigungen, die an sie gelangen, nun auch zu verfolgen. E» ist Thatsache, daß höchste Justiz­personen selbst ihr Bedauern darüber ausgesprochen haben, daß die Staatsanwaltschaft gehalten sein soll, eine große Zahl von Prozessen einzuleiten, die sie viel lieber nicht ein- geleitet gesehen hätte. Der preußische Justizminister hat im Reichstage am 12. December 1895 tn dieser Beziehung fich

Die Kaufläden wurden geöffnet, in den Ausspannungen war eS längst Tag geworden und Überall eilten spiegelblank gekämmte Schulkinder an ihm vorüber. Alle» genau noch so, wie vor fünfundzwanzig Jahren.

Trotz feiner ausländischen Reisetracht schenkte man ihm wenig Beachtung. Seitdem man die Bahn bekommen hatte, war man des Fremdenverkehrs gewöhnt.

»Gewiß ein spleenhafter Engländer, der nicht weiß, wo er mit dem (Selbe hin soll," seufzte der ApothekerjÜngling, der fich an seinem letzten freien Sonntag für den Rest des Monat» mattgefetzt hatte.

3a, das Gold ist nur EhimSre," tröstete er fich, einem niedlichen Dienstmädchen für zehn Pfennige Haaröl eingießend.

Ja, das Gold ist nur Ehiueäre!" wiederholte der große, finstere Mann, der in der Heimathstadt nur auf fremde Gesichter stieß.

Nun lag der freundliche Ringplatz vor ihm. Wie klein er ihm erschien, und wie weit, wie unermeßlich groß war er ihm bei seinen Knabenspielen vorgekommen! Roch immer funkelte die Morgensoove in dem Wasser der ehernen Brunnen- schale. Roch immer hob der heilige Nepomuk segnend die rechte Hand und noch immer lüfteten die vorübergehenden nach altem frommem Brauch den Hut vor dem steinerne« Heiligeobilde. Alles noch wie sonst!

Nun mußte er aber doch nach der anderen Seite blicken. Dort daS einstöckige Häuschen mit den grünen Läden und der breitästigen Kastanie vor den Fenstern war sein Vater­haus gewesen. In der ehemaligen Wohnstube stand ein Fenster offen, man hantirte dort mit Staubtuch und Blsen. Wie mit Übernatürlicher Gewalt zog e» ihn näher. Schim­merte dort hinter den Scheiben nicht der Mutter liebes Ge­sicht? Erklang nicht im Flur de» Vaters tiefe Stimme? Alles Täuschung. Auf einer Südscrinsel war er nicht fremder als hier.

Durch das Seitengäßchea an der Giebelwand «ar er oft über den Hof in» Haus geschlichen, wenn er daS strenge Vaterauge gescheut hatte. Auch heute ging er diesen Weg. Hinter der Mauer schimmerte eS grün. Hochaufathmend hielt er inne.

DaS war er, der kühle, schattige Garten, von dem er unter dem fremden Himmel manchmal mit offenen Augen geträumt, nach dem er sich noch gestern, inmitten von Staub und Hitze, wie ein verschmachtender gesehnt hatte. Die Linde blühte, die Centifolie duftete und im Morgenwind schwankte leise die stolze, weiße Lilie. Alle» noch wie einst, doch dort drüben an dem altersgrauen Steintifch die Frau, nicht so schön und stattlich wie die Mutter, war eine Fremde, und jene Kinder, die fich jubelnd hinter grünem Buschwerk ver­steckten, gehörten jetzt hierher. Doch draußen an der Mauer stand er, ein AuSgestogener, einer, der frevelnd einst gemeint, ohne Liebe, ohne Familienbande ließe e» fich leben in der Welt, ein Reicher, und doch der Aerrnsten einer.

Siehe doch, Mama, ein fremder Herr- wa» mag er wollen?"

Ein Knabe rief e». So keck und dunkeläugig mochte er früher wohl auch gewesen sein.

Da zog er den Hut tief in die Stirn und wanderte weiter. Wie mit Flammenschrift stand vor seinen Augen der Ausruf, der fich daun noch oft in den ausländischen Zeitnngen wiederholt, jener Aufruf, in dem seine trostlosen Eltern ihren flüchtigen Sohn Robert beschworen, zu ihnen heimzukehren. Damals war noch sein Herz mit Wuth und Trotz erfüllt, baß wilde Abenteurerleben gefiel ihm. Später hielt ihn falsche Scham zurück, als Lump vor fie hinzutreten- niemals! Und dann war alle» zu spät.

Zu spät!"

Schreckliche» Wort. Er glaubte, die Vögel über seinem Haupte zwitscherten ihm zu, er meinte e» an der Sirch- hofspforte zu lesen, die jetzt fein Fuß betrat. Hier fand er die meiste Veränderung. Bis in» Unabfehbare waren die grünen Reihen angewachsen, Hügel an Hügel, ein weite», stilles Leichenfeld. Ja, Schnitter Tod hatte unten im Städtchen reiche Ernte gehalten, darum kein bekannte» Ge- ficht auf der Gaffe. Die Alten waren längst dahin, die Jungen von damals alt und fremd geworden.

.(Fortsetzung folgt.)