der Bauer, der eben langsam seinen Namen unter die Quittungen malte, sah ihn von der Seite au und schob chm widerwillig das Bestellgeld zu.
„Noch nicht einmal einen kleinen Schnaps zum Erwär- men bei solchem Wetter", murmelte der Briefträger im WeÜerschreiten.
Nun stürmte ihm eine Schaar kleiner Blondköpfe entgegen mit rothen Nasen und steif gefrorenen Händen; aber wa» achteten sie das am heutigen Tage? „Hat das Christkindchen uns was mitgeschickt?" schreien sie ihm entgegen.
Er nickte und händigte, während sie ihn ungestüm umdrängten, der Mutter das Packet aus, da» sie lachend in Sicherheit brachte. Der Briefträger muß schnell die kleine Herzstärkung nehmen, die sie für ihn bereit hatte und sie fragte nach seinen Kindern.
Er schüttelte traurig den Kopf. „Es geht schlecht", war die ganze Antwort.
Als er weiter ging, sah ihm die junge, blühende Frau thellnehmend nach. MUnb dann fort zu müssen und in solch Hundewetter hinaus! Was macht sich da für ein Schneesturm auf! Wie gut haben's da die Reichen und Vornehmen. Eben fuhr der verdeckte Schlitten der Herrschaft vorbei, der den jungen Herrn von der Bahn abholt. Das wird auch große Freude auf dem Schlosse geben, er war ja so lange auf Reisen".
Der Briefträger war bis an's Ende des Dorfes gekommen; er beschleunigte seine Schritte und wandte den Kopf zur Seite; das bleiche Mädchen that ihm zu leid, die dort auf ihn wartete; das war nun seit Monaten immer vergeblich und früher hatte er ihr doch so oft einen Brief gebracht. „Zu Weihnachten wird er sicher schreiben", hatte sie in der letzten Zeit gesagt, und er hatte doch wieder Nichts für sie. Ohne sie anzusehen, ging er weiter und sie rief ihm auch nicht eine Frage zu.
Nun war er draußen; der Wind heulte, der Schnee peitschte ihm ins Gesicht; das Forttommen wurde immer beschwerlicher und er konnte kaum die nächsten Bäume sehen. Wie der Tag vorschritt, verließen ihn die Kräfte und er fühlte sich sehr müde, kaum ein Wunder nach den vielen |
Nachtwachen bei dem kranke« Kinde und den wachsenden Entbehrungen der letzten Zett!
Es gab nur noch einen Brief zu bestellen, an die alte Frau, deren Gehöft ganz einsam, etwa« abseits am Wege lag. Sie hatte eine reiche Tochter in der Stadt und selbst mehr als genug; ihre einzige Freude bildete das Geld. Die Tochter schickte ihr öfters einen Schein, den sie stets in den Brief einlegte, um das Porto zu sparen. Auch heute war das der Fall, man konnte bje blaue Farbe burdj das dünne Papier schimmern sehen, wenn man dies gegen das Licht hielt. Warum that er das? Was ging's ihn an? Er fragte sich müde danach und bald drehte sich all sein Denken und Sinnen darum. Wozu den Umweg machen, der so beschwerlich war, denn das Haus lag hoch! Wie oft ging ein Brief verloren! Die Alte legte den Schein nur zu den übrigen, der brachte keinem Menschen Freude und Nutzen. Wie würde ihm selbst das Geld helfen! Vielleicht auch dem Kinde noch, um ihm eine Labung zu verschaffen, und eine Stärkung für die erschöpfte Mutter und einen Festtagsschmaus für die darbenden Kinder und für ihn etwas Ruhe von der quälenden Sorge.
So sprach es zu ihm, wie mit lauter Stimme, immer lauter und gebieterischer, er hatte nicht mehr die Kraft sich zu wehren. Er nahm den Brief heraus, eine entschlossene Bewegung und der Umschlag war geöffnet, das Geld ruhte sicher auf feiner Brust und die zerrissenen Fetzen des Schreibens verwehte der Schneesturm. Niemand konnte das Schick- fal eines verloren gegangenen Briefes ihm zur Last legen. Und er war fo müde und der Aufstieg würde «fern fo schwer fallen! Statt dessen konnte er sich ruhen und kehrte fo viel eher in fein Heim zurück, das er fo veiffchönern würde durch das gestohlene Geld.
Pfui! Welch häßliches Wort! E» traf ihn wie ein Peitschenhieb und schreckte ihn auf, wie ein Blitzstrahl erleuchtete es die dunkle Verwirrung seiner Seele. Wie hatte er nur fo etwas denken können! Er verabscheute sich selbst. Mit Zusammenraffung seiner letzten Kraft schritt er auf das Gehöft zu und übergab der Alten den Brief, die ihm nach ihrer mürrischen Art nicht einmal dankte, sondern davon lief, wie ein scheues Thier, das eine Beute in Sicherheit bringt.
Er kämpfte sich wetter, aber er konnte nicht mehr, eine überwälttgende Müdigkeit hatte sich seiner bemächtigt, und dabei fiel der Schnee stets dichter und der Sturm brauste stet» stärker. Er wußte, Stillestehen — Au»ruhen bedeutete Tod und doch beherrschte chn nur noch die» Verlangen. Noch schleppte er sich weiter, halb wie im Traum, immer lang- famer — die Augen fielen chm zu, die Füße versagten ihren Dienst. Der Sturm trieb ihn vorwärts — e« bot sich chm ein Hall — feine Hände erfaßten die eisernen Stäbe eine» starken Gitter» — einen Moment lehnte er sich dagegen, dayn sank er am Eingänge de» gräflichen Parke» nieder und die herniederwirbelnden Schneeflocken bedeckten chn, während er von feinen Kindern, dem Christbaum, dem bleichen Mäd chen, dem er den Brief entwendet hatte, träumte; er konnte ihren kummervollen Blick nicht ertragen, er hielt ihr den Geldschein hin, der chr eine purpurrothe Farbe angenommen hatte, aber sie wandte sich ab und sagte nur: „Dieb".
Die Pferde des herbeifausenden Schlitten» scheuten am Parkthor und der junge Graf sprang herab, um den Dienern beizustehen, die einen erstarrten Menschen unter der Schneewehe hervorzogen. Auf dem Schlosse wurde ihm jeder Beistand geleistet und das Leben kehrte noch einmal zurück.
„Einer jener braven Stephansboten, die in treuer Pflichterfüllung ihr Leben einfetzen", sagte der Graf mitleidig.
Da» Wort schlug an da» Ohr de» Erwachenden und er ächzte schwer, es traf ihn fast härter al» jene», da» er im Traume vernommen hatte. Al» er sich erholt hatte und so viel Güte und Theilnahme um sich sah, konnte er nicht schweigen, er beichtete die Versuchung, der er beinahe erlegen war.
Aber er fand milde Richter; er war ja auch Sieger geblieben in der Stunde der Roth. Der Graf schickte ihn wohlve - wahrt gegen Sturm und Schnee im Schlitten heim, weil er begriff, wie es ihn zu den Seinen zog und fein reiche» Christ - gescheut hielt die Roth und Sorge in Bann. Al» er aber in die Thür der niedrigen Stube trat, fiel ihm feine Frau weinend um den Hal».
„Ist unser Kind tobt ?" fragte er mit versagender Stimme.
„Gott Lob, gerettet", erwiderte sie und bann feierten sie ben Christabenb zusammen.
Bekanntmachung.
Reuregulirung bezw. Ermäßigung des Wasserpreises für größere Abnehmer betreffend
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß in der Stadt- üerorbneten $erfammlung vom 18. November d. I. eine Reureguliruug der Wasserpreise sür größere Abnehmer beschlossen wurde.
Die seitherigen Wasserpreise nämlich: von 1—500 cbm 25 Pfg. für 1 cbm „ 500-1000 ,, 22 „ „ 1 „
„ 1000—10000 „ 20 „ „1 „
bleiben noch bi» 31. März 1898 in Anwendung. — Vom 1. April 1898 ab kommen dagegen die Preise der folgenden Scala bei Berechnung des Jahresverbrauchs auf einem zusammenhängenden Grundstück und bei einem und demselben Wafferverbrauchenden bis auf
Weiteres zur Anwendung:
O—500 cbm 500—1000 „
1000—2500 „
2500-5000 „
5000—10000 „ 10000-15000 „
25 Pfg. für 1 cbm
22 „ „ 1 „
20 „ „ 1 „
18 „ „ 1 „
lb „ „ 1 //
14 , „1 „
Die Beträge für den Wasserverbrauch sind vierteljährlich zu entrichten und zwar zu dem Grundpreis von 25 Psg. für 1 cbm.
Nach Schluß de« vom 1. April bis 1. April laufenden Geschäftsjahres wird der betreffende Nachlaß verrechnet
Die Miudestbeträge des jährlichen Verbrauchs bleiben dagegen dieselben wie vorher, nämlich:
Für Häuser mit kleineren Wohnungen bis zn drei Zimmer einschließlich:
für ein Gebäude von einer Familie bewohnt ... 8 Mk.
„ „ „ „ zwei Familien „ ... 16 „
,, „ „ „ drei u. mehr Familien bewohnt 24 „
Für Häuser mit größeren Wohnungen — mit mehr als
drei Zimmern —
für ein Gebäude von einer Familie bewohnt ... 15 Mk.
„ „ „ „ zwei Familien „ ... 25 „
„ „ „ „ drei u. mehr Familien bewohnt 35 „
Familien, welche kein Wasser brziehen, werden dabei nicht gerechnet.
Gießen, den 16. December 1897.
Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergen.
11401
Nützliche Weihnachts-Geschenke:
Reguliröseu Irische Oefeu Kochherde Waschtöpfe Wärmflaschen Reibmaschineu Messer u. Gabeln Brotkapseln
Küchenwaagen Waffeleisen Flkischhackmaschiikv Taselglockeu Bügeleisen Vogelkäfige Werkzeugbretter Laubsägebretter
Kerbschuitzbretter Schlittschuhe Schlitten Ofenschirme Kohleukafteu Ofenvorsetzer Schirmständer Blumentische
Carl Hensel
Eiseuhandluug, Wallthorstraste. 1,424
11088
Gustav Walter, Mäusburg 13»
Versteigerungen.
Freitag den 24 December,
Nachmittag» 21/» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dem Max Scheuer in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 3U710 — ISA qm Hofraithe in der Kaplansgaffe,
Flur 1 Nr. 352Vio — 27 qm Grabgarten daselbst
freiwUUg meistbietend unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden sehr günstigen Bedingungen versteigert werden.
Gießen, den 18. December 1897. Großh OrtSgericht Güßen __I. A.: Vogt. 11460
Bauholz- Versteigerung der Gemeinde Langsdorf am Douuerstag, deu 30. December 1897, Morgens IO Uhr. Beginnend am Wald- crngang de» Laugsdors-Nonneu- rother Weges.
1. 106 Frchtenstärnme — ca. 100 fm, 15 bis 23 m lang, 15 bi« 37 cm Durchmesser (hierunter ca. 15 fm Schnittholz)
2. 17 fm Kiefem-Bauholz, 12 bis 15 m lang, 15 bis 30 cm Durch- messer.
3. 1400 Fichteu-Derbstaugeu, tauglich zu Sparren, Spangen und Latten.
Langsdorf, den 16. Decbr. 1897. Großh. Bürgermeisterei Langsdorf.
Köhler. 11422
Mittwoch drn22.Dccbr.1897,
Nachmittag» 2 Uhr, im Adler zu Gießen «erden öffentlich gegen Baarzahlung versteigert:
1 Sopha, eine Partie Cigarre» und Tabak.
11477 «Ustel, Gerichtsvollzieher
Suppentafeln
(als Grünkern, Reis, Sage, Erbsen, Bohnen, Linsen, Krattnähr, Gersten-Snppe) Erbswurst, mit und ohne Öpeck, Marke ..Saultas“ nur bei 10700
Carl Retter,
Lindenplatz.
KAFFEE
roh von 80 Pfg. bis 1,60 Mk.
gebr. von 1,00 bis 1,80 Mk., empfiehlt 11199
Robert Stuhl.
000000000000000000
Zur bevorstehenden
Ueihnachtssaison
Aechte Dresdener Chriftstollen, Rheinische und Holländische Spreu- latius in vorzüglicher Güte, sowie Avis, Buttcrgebackeucs, Lebkuchen und Chriftbaumcoufect empfiehlt die 11286
Konditorei und Aäckerei
W. Amend,
58. Bahnhofstraße 58.
Avis, Suttkkams, Feb- Kvchev,Anis-u.Citrollkll- ! pläfedjrn, MkniG, Cakes, Zimulktwaffelll, hochfein, empsiehlt 11296
J. Klingelhöffer,
_________Afterweg.________
Feinste Cervelatwurst und Mettwurst empfiehtt 1U63!
________Metzger Vier, Neuen-Bäue.
Für die Feiertage
empfehle 11479
lebende Karpfen, Hechte, Zander, Schollen, Schellfische etc.
Gefl Borausbestellungen erbeten.
J. Mo Schulhof.
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Hiermit bringe ich die bekannten Marken von
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(preisgekrönt) 10261 in Vi, Vi und V« Flaschen in empfehlende Erinnerung.
W. Kilbinger, «Lörven-Arogerie, Giessen, Seltersweg 52.
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Wallthorfir. 14 Walliborftr. 14.
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I Gestllschaston kti Al» and )ang | — Nürmisch, Britrrfcrtt — ItTootrnf», otrlth* sich mit preis M. 1. bO)
J. Ricker’sche
5 Süd an läge 5.
Alle
Raucher, von. Hausherrn bi» herab zum Bediensteten sind hocherfreut, wenn fie
neben anderen Geschenken, auch ein Kistchen Weihnacht»-Cigarren unter dem Chmstbaum finden. Sie er
halten solche in tadellos guter Qualität und in schönster Weihnachtspackung von 25,50 u. 100 Stück zum Preise von Mk. 1.25 bis zu den theuerften in dem Cigarrengeschäft von Richard Vochacker, Neuen Baue 11, gegenüb.d.Weidengaffe.
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Große parthik leinene TSchrr 45 und 50 cm gesäumt, per Dtzd. Mk. 2.—, 2.50, 8.— und 3.50.
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