20. December. «in Artikel des .National* sagt, Genera! Wehler glaube, daß seine Hauptaufgabe gegenwärtig darin bestehe, den Ruf der Armee gegen die Beleidigungen in der Botschaft Mac Kinley- zu der- thridigeu. Er habe bereits dagegen beim Srieg-minifter protestier, und werde nach Eingang des Wortlaut- der Botschaft bei der König^n-Regeutiu protestireu uud feine Haud- lungeu rechtfertigen. Er schätze die Sympathien des Heere- vor Allem hoch, uud werde bestrebt sein, fich dieselben zu verdienen. Gerüchtweise verlautet, daß einige hohe Offiziere zu Ehreu Wehlers nach seinem Proteste bei der Königin- Regentin ein Bankett veranstalten wollen. Bei diesem sollen keinerlei Reden gehalten werden.
Depesche» de- Bure« .Herold/
Berlin, 20. December. Wie der „Nordd. Allgem. Ztg." gemeldet wird, ist die Einberufung deS preußischen Landtage- zum 11. Januar in Aussicht genommen. Die für diese Tagung beabfichtigten wichtigen Vorlagen, darunter der Staatshaushalt-.Star für 1898 uud eine Creditforderung von 100 Millionen für AofiedelungSzwrcke in Posen und Westpreußev behuft Stärkung de- DeutschthumS werden dem Landtage sofort bei seinem Zusammentritt zugehev.
Berlin, 20. December. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge eotbehrt die Londoner Nachricht, daß zwischen Deutschland uud Italien ein Abkommen wegen eventueller Ueber- lassung einer Kohlenstation auf Sicilten au Deutschland getroffen worden sei, jeder Begründung.
Berlin, 20. December. Die Frage der Bekämpfung der Lungenschwindsucht ist bekanntlich seit Jahren im Reich-gesuudheit-amt Gegenstand ernster wiffevschastlicher Untersuchungen. Wie die „Berliner Börsenzeitung" vernimmt, steht die Veröffentlichung der bezüglichen Forschungen Seiten- der genannten Medicinalbehörde nunmehr in allernächster Zeit bevor.
Köln, 20. December. Die „Köln. Zig." erfährt au- gut unterrichteter Quelle, daß bereit- vor acht Tagen der englische Kreuzer „Daphne" trotz der ausdrücklichen Verwahrung und de- Verbot- deS chinefischen Hafencommaudanten in den inneren Hafen von Port Arthur eingelaufen ist, angeblich um fich zu überzeugen, ob russische Schiffe im Hafen ankern. DaS Schiff hat den Hafen wieder verlaffen und e- wird daselbst nunmehr da- Einlaufen de- englischen Geschwader- erwartet, welche- seit einigen Wochen in auffälliger Weise im gelben Meere kreuzt. Die chinesische Regierung hat fich al-bald über da- gewaltthätige Vorgehen deS englischen Dampfer- bei den Vertretern der Mächte in Peking beschwert. Hiermit dürfte auch daS im Etnveruehmru mit Ehina erfolgte Einlaufen de- rusfischen Geschwader- in Port Acihur im Zusammenhang stehen.
Straßburg, 20. December. Heute früh 4 Uhr lief der in den Bahnhof Colmar einfahrende Güterzug Nr. 1202 auf den im Geleise stehenden Güterzug Nr. 1200, wodurch zehn Wagen entgleisten uud stark beschädigt wurden. Zwei Fahrbeamte wurden leicht verletzt.
Prag, 20. December. Der Verband der tschechischen Juden, welcher bisher jungtschechisch war, beschloß in einer gestern Abend abgehaltenen Versammlung mit Rücksicht darauf, daß bei den letzten Exceffen neben den deurschen auch tschechische Juden geplündert worden sind, der tschechischen Partei die Gemeinschaft zu kündigen. Gegen den Prager Bürgermeister und mehrere tschechische Führer wurden Mißtrauensvoten angenommen.
Genua, 20. December. Wie schon bekannt, soll die Kaiserin Elisabeth im Februar hier einen mehrwöchent- lichen Aufenthalt nehmen. Zu dieser Zeit wird auch Kaiser Franz Josef erwartet unv dürste dann die längst angekündigte Zusammenkunft zwischen dem österreichischen Kaiser und König Humbert stattfinden.
Rom, 20. December. In der heutigen Kammer- sttzuug waren 350 Deputiere erschienen. Trotzdem die Gruppen Priuetti, Forti, Giolitti, Covalotti fich geeinigt haben, die heutige Erklärung der Regierung zur Debatte zu stellen, h fft die Regierung doch mit einer Mehrheit von 35 bis 40 Stimmen durchzudringen.
Barcelona, 20. December. Der Polizei ist e- gelungen, einen der Männer festzunehmen, welche da- Individuum überrede» hatten, den General Weyler zu ermorden. Die Polizei fahndet jetzt noch auf zwei andere Männer.
Loudon, 20. December. Nach Privatmeldungen au- Shanghat sollen die Berather der Kaiser- von China demselben die Ueberfiedeluvg deS HoflagerS nach Nanking vorgeschlagen haben. China habe den Engländern Avancen dahin gemacht, ihnen daS Uang-tse-Thal zu übergeben und den Westriver unter Englands Schutz zu stellen. Die englische Flotte, welche zur Zeit in den chinesischen Gewässern 28 Schiffe zählt, soll um weitere 20 vermehrt werden.
Loudon, 20. December. Das deutsche Flaggschiff „Deutschland" wurde gestern früh in Portsmouth erwartet und al- daffelbe bis 6 Uhr Abends von Dover noch nicht signalifirt war, glaubte man, daß eß durch den herrschenden starken Nebel aufgehalten sei. Gegen 6 Uhr 20 Minuten trafen die Schiffe „Deutschland" uod „Gefion" in Port-mouth ein und gingen bei Spithead vor Anker. Admiral Seymour machte fich sofort auf, um deo Prinzen Heinrich zu bewillkommnen. Ferner begab sich der Botschaft-- fecretär Graf Hatzfeld, der Militärattache Corvetteucopitän Gülich uud der deutsche Consul Bcale an Bord der „Deutsch- land". Um 7 Uhr begab fich Prinz Ludwig von Battenberg an Bord der „Deutschland", um im Auftrage der Königin von England den Prinzen Heinrich zu begrüßen, worauf dieser später an Land fuhr und nach OSborue reiste. Morgen wird das deutsche Geschwader die Reise nach Ostafieu fortsetzen. Die Fahrt der deutschen Schiffe durch den Nebel und ohne Verbindung mit einer Signalstation wird ia Marinekreisen nl- eine glänzende seemännische Leistung betrachtet.
)Ub, 21. December. Nudiui Zellte sich gestern dem Parlamente vor. In der Kammer wurden die Minister heftig angegriffen. Alle Redner erklärten, zu diesem Cabiuete kein vertrauen zu habe». RudiuiS Antwort erregte Heiterkeit. Schließlich gelangte eine Tage-ordvung zur Abstimmung, welche besagt: „Die Kammer sei überzeugt, daß bei der jetzigen Zusammensetzung de- Cabiuet- die Verwirklichung eineß Programm- unmöglich sei." Diese Tagesordnung wurde mit 184 gegen 200 Stimmen abgelehnt. Zehn Abgeordnete enthielten fich der Abstimmung. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß infolge diese- Votum- Bi-couti venosta zurückzutreten beabsichtige. Auch ist e- leicht möglich, daß heute bereit- die Demission de- Cabinet- erfolge. Seine Autorität ist eine zu geringe, um lauge im Amte zu bleiben.
London,21.December. Prinz Heinrich nahm gestern Abschied von der Königin fand kehrte an Bord der „Deutschland" zurück, von dort geht Priuz Heinrich nach Loudon, wo er mit de« Prinzen Ludwig von Battenberg zusammeutrifft. Die Kreuzer „Deutschlaud" und „Gefiou" werden heute vormittag 9 Uhr Spithead verlaffen, wenn eß ihnen möglich ist, Kohlen einzuoehwen. Die See geht sehr hoch mit Sturm, sodaß eß der hohen Wellen wegen den Kohlenschiffeu unmöglich ist, an die Läugßseite der Kreuzer zu gelaugeu.
WB. Berlin, 21. December. Die Fürstin Hohenlohe, Gemahlin beß Reichßkauzlerß, ist heute Vormittag au Lungenentzünduuo gestorben. __
Locales un& prot>itt)ic!tes*
Gießen, den 21. December 1897.
♦ ♦ Ernennungen Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allerguädigst geruht, die Kaufleute Commer- cieurath Sigmund Heichelheim, Gustav Müller, Hrch. Schirmer und Karl Kliugspor in Gießen zu Handelsrichtern, sowie die Kaufleute Richard Scheel uud Adolf Ziußer daselbst zu Ergänzungßrichtern ander bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen gebildeten Kammer für Handelssachen mit dem Sitze in Gießen mit Wirkung vom 1. Januar 1898 biß 31. December 1900, zu ernennen.
• • Erlaubuiß zur Annahme und Tragen eine- fremden Orden-. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem ordentlichen Profeffor au der LandeS-Univerfität Geheimen Hofrath Dr. Oockeu zu Gießen die Erlaubniß zur Annahme uud zum Tragen beß ihm von Sr. Maj. dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Kreuzeß der Comthure beß HauSorbeuß von Hohen- zollern zu ertheileu.
— Sektion Oberheffen de- Deutschen und Oesterreichifchen Alpenverein-. Die Section Oberheffen beß Deutschen und Oesterreichifchen Alpenvereinß hielt Mittwoch den 16. December b. I. im Verein-local, „Kaiserhof", Gießen, ihre zwölfte monatliche Hauptfitzung ab, bie zahlreich besucht war. Der von bem Vorsitzenden erstattete Sectionßbericht pro 1897 entrollte ein recht erfreuliches Bild über Wachßthum, Thättg- feit und allseitiges Gedeihen der jungen Section. Eß wurden im betroffenen Jahre zwölf SestionSauSflüge auß- geführt und außerdem haben, fo weit bem Vorstände bekannt wurde, 30 BereinSmitglieder Touren in daS deutsche Mittelgebirge und in die deutschen und österreichischen Alpen unternommen. Acht gut besuchte Vorträge bienten dem wissenschaftlichen wie dem touristischen Jutereffe. Die Gründung einer Bereinßbibliothek und das durch gütige Stiftungen beförderte rasche Anwachsen derselben legen Zeugniß ab von dem ernstlichen Streben der Mitglieder, bie Zwecke des Vereins zu pflegen. Die Section, am 21. December 1896 mit 48 Mitgliedern gegründet, weist z. Zt. einen Bestand von 106 Mitgliedern auf, wozu noch neun Neuaufnahmen kommen, so daß die Section heute schon mit 115 Mitgliedern rechnen darf. Wie s. Zt. bekannt gegeben, nahm die Section von vornherein Abstand von regelmäßiger Berichterstattung über ihre Thätigkeit für daS sogenannte große Publikum, sie beschloß vielmehr, fich im Allgemeinen auf kurze, für die Mitglieder bestimmte Anzeigen zu beschränken, dafür jedoch am Schluffe des Jahres einen Jahresbericht heraußzugeben, der sowohl für Mitglieder, als auch sonstigen Interessenten erhältlich sein soll. Die Tagesordnung führte weiter zum Vortrag beß SectionSmitgliebeS Herrn Assistenz- Arzt vr. Koch über „Erlebnisse in Ostafrika". Durch Ballotage erfolgte noch bie Aufnahme von neun neu ange- meldeten Mitgliedern. Der Vorstand pro 1898 besteht aus uachgenannten Herren: Verlagsbuchhändler Otto Roth, Amtsrichter Neuen Hag en, Staatsanwalt Zimmermann uud Fabrikant Hrch. Schirmer.
• • Saalbau in Gießen. Wir erfahren miß sicherer Quelle, daß Herr Restaurateur Stein hiesigen Architecten den Auftrag ettheilt hat, einen Plan zum gänzlichen Umbau seine-EtabliffementS au-zuarbeiten. Es ist beabsichtigt, einen großstädtischen Concertsaal mit Logen herzustellen, der Raum gewährt für 1500 biß 1800 Personen. Hierbei ist gedacht, daß bie Länge beß jetzigen bie Breite beß zukünftigen Saaleß bildet. Selbstverständlich wird der neue Saal wesentlich höher alß der jetzige Raum. Die Durchführung dieser Idee ist ohne Frage die glücklichste Lösung der Gießener Saalbaufrage, womit allerdings die Theaterfrage nicht gelöst ist- eß wäre, wenn daß Stein'sche Project verwirklicht, nun für einen Verein eine dankbare Aufgabe, für die Schaffung einer würdigen Stätte für die dramatische Kunst in nnserm Gießen zu sorgen.
• * Bolkßbad. Der Bildhauer Scheuer ouß Frankfurt bat über dem Hauptportal beß VolkSbadeß zwei Köpfe auß Sandstein außgemeiselt, welche allgemeines Jntereffe erregen. Beide Typen find aber auch wohlgelungen und kunstvollendet auSgeführt.
* * Weihuacht-feier. Seit einigen Jahren find dahier in der Weihnachtszeit Schauspiele religiösen Inhaltes zur Auf- sührung gekommen, bie eine sehr beifällige Aufnahme ge- funben haben. Für biefeß Jahr ist baß Weih uachtß-
Oratorium von G. F. Müller gewählt worden. Diele- Oratorium, daß der verfaffer infolge der Anregung durch bie Oberammergauer Pasfionßspiele geschaffen hat, wurde im Jahre 1879 zum ersten Male aufgeführr, und diese erste Aufführung entschteb über sein Schicksal. Bon einem wahren Beifallssturm begleitet nahm eß seinen Triumphzug bnrch bie Länber deutscher Zunge - eß fand seinen Weg sogar nach Rußland und Italien, nach Amerika, Südafrika und Asien, Überall erbauend und begeisternd; eß ist jetzt in 25. Auflage erschienen und hat in mehr alß 1500 Orten bie Zuschauer entzückt, die Zuhörer begeistert. Eß steht außer Zweifel, daß die Aufführuug deßselben am ersten Feiertage dahier in „Steins Gatten" den Besuchern Stunden der reinsten und edelsten Freude bereiten wird.
•• Wie kann «an Porto spannt Bekanntlich richtet fich daß Porto für die über 5 Kilogramm schweren Packete nach der größeren oder geringeren Entfernung vom Ve- stimmungßorte auß, zu welchem Zwecke 6 Zonen angenommen find, deren erste biß zu 10 geographische Meilen, bie zweite von 10 biß 20, bie britte von 20 biß 50, bie vierte von 50 biß 100, bie fünfte von 100 biß 150 nab bie sechßte die Emfernuug von über 150 Meilen hinaus in sich schließt. Für jede- augefaugeue Kilogramm über 5 Kilogramm wird nuu ein Zuschlag von 10, 20, 30, 40 oder 50 Pfg. (in der sechsten Zone) erhoben. Durch Theilung größerer Packete, hauptsächlich der über 8 Kilo» gramm schweren, in zwei oder mehrere kann man sich schon eine ganz wesentliche Portoersparniß verschaffen. Ein gegen 9 Kilogramm schwere- Packet würde z. B. nach der vierten Zone (50 bi- 100 Meilen) in eine Sendung verpackt 1,70 Mk. kosten, dagegen getheilt in zwei Packete 1 Mk. Bei einem Packete von 9 biß 10 Kilogramm macht die Er- sparuiß bereit- in der dritten Zone 50 Pfg., in der vierten Zone 1 Mk. und in der 6. Zone sogar 2 Mk. au-, wenn die über 10 Kilogramm schweren Packete in drei und «ehr Packete getheilt werden. Schließlich sei noch bemerkt, daß vom Publikum vielfach versäumt wird, au- Sparsamkeitsrückfichten Packete werthvollen Inhalts unter Werthangabe zu versenden. Dabei wiffen Viele nicht, daß bie Gebühr hierfür bis zu 60 Mark nur 10 Pfg. beträgt. Bis zu drei Packete können an einen und denselben Empfänger auf einer Packetadreffe versandt werden.
•* Wetterbericht. Ueber Nordeuropa hat der^Luftdruck an Intensität gewonnen und lagert über Scandinavien der Kern eine- barometrischen Maximnmß von mehr alß 775 Millimeter. Bon demselben verläuft über den Contineu» ein breiter Rücken hohen Drucke-, durch welchen zwei DepreifioaS« gebiete, ein höheres über Osteuropa, sowie ein flacheres Über dem SÜdwesten von einander geschieden find. Letztere- scheint fich ostwärts im Mittelmeergebiet aufhalten zu wollen. Die Witterung ist im Flachland vorwiegend nebelig. Die Hochstationen melden wolkenlosen Himmel, an letzteren sind die Temperaturen merklich gestiegen. — Voraussichtliche Witterung: Meist nebelige- oder trübe- Frostwetter mit einzelnen Schneefällen.
n, Staben, 19. December. Heute fand hier eine Versammlung von Vertretern der Gemeinden Ranstadt, Dauernheim, Ober- und Nieder-Mockstadt, Staden, Ober« und Nieder Florstadt, Stammheim und Friedberg statt, zweck- Besprechung te< einleitenden Schritte zur Erbauung einer Nebenbahn von Ranstadt nach Friedberg. Einstimmig wurde die Bedürfnißfrage bejaht und auch au- den gegebenen Mit- theiluugen festgeftellt, daß die Rentabilität keine geringere fein könne, al» bei den Linien Nidda—Friedberg und Hungen—Friedberg. Um die Sache rasch zu fördern, wurde heute schon ein Comite, bestehend auß den Herrn Bürger- meistern AlleS-Nieder-Florstadt, Brann-Staden, Mickel Ober- Mockstadt, und Reuther-Nieder-Mockstadt gewählt und die anwesenden Bürgermeister gebeten, Protokolle aufzustellen, in denen fich der Gemeinderath zur kosten- und lastenfreien Geländestellung seitens der beteiligten Gemeinden verpflichtet.
* Stabe (Provinz Hannover), 18. December. Daß in unserer sonst so aufgeklärten Gegend der Hexenglaube noch exifttrt und für „kluge Frauen", die die Dummen an der Nase herumzuziehen verstehen, eine recht gute Einnahmequelle bildet, zeigt folgende fast unglaubliche, aber buchstäb- lich wahre Geschichte, die auß der benachbarten Ortschaft Horneburg berichtet wird. Alß am 1. bß. Mtß. in einer Gemeinde in bet nächsten Nähe Horneburgs bet bonige Lehtet seines Amte- als Zähler bei der Viehzählung waltete, fanb er ein Hau-, in dem ein kinderlose- Ebepaar wohnt, fest verschloffen. Al- auf sein Pochen fich erst Niemand sehen ließ, fragte er auf der Nachbarschaft an, ob die Leute vielleicht nicht zu Hanse seien. „De ward wohl noch fiepen", wurde ihm da gesagt- „de sind vornacht (letzte Nacht) Klock een mit be Hexen to gang wesen". Als nun ber L-hrer stärker an baS Fenster klopfte, kam endlich der Ehemann au- dem Bett und erklärte auf das Verlangen, die Thür zu öffnen, baß könne er nicht, feine Frau sei nach Hamburg gefahren, um ein neueß Hexenmittel zu holen- baß alte helfe nicht mehr, und da habe fie die einzige Thür im Hause ver- schloffen, weil sonst die Hexen in da- HanS könnten, und baß Mittel bann nichts nütze. Um baß erste Mittel, baß bariu bestand, daß die Frau barfuß und im bloßen Hemde NachtS von 11 bis 1 Uhr Nadeln kochen mußte, mit denen die Thüren besteckt wurden, zu erhalten, mußte sie der klugen Frau in Hamburg einen Schinken, einen Rinderbraten uud angeschnittene SchweinSrippen mitbringen. Zn dem neuen Mittel habe fie ein neues 10 Mark-Stück und eine Mettwurst mitnehmen wüsten.
• Auß Sleiwih meldet die „Köln. Ztg.": Der Ober- bürgermetfter Kreide!, der eine Forderung beß Bürgermeister- Miethe abgeledut hatte, machte bie Wahrnehmung, daß die Offiziere der Garnison ihn nicht beamteten. Er wurde zu-


