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Nr. 196 Erstes Blatt Sonntag den 22. August
Der
Lietzener Anjeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme deS
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Die Gießener Alamitierrvlätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegl.
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General-Anzeiger.
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UmttidHr C^eiL
Bekanntmachung.
Die am 22. Juli l. I. angeoroncte Sperre der MäuS- »arg wird aufgehoben.
Gießen, den 21. August 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
___v. Bechtold.____________________
Gefunden: 2 Portemonnaies, 1 mit, 1 ohne Inhalt, 1 Spazierstock, 1 Handtuch, 1 Kinderschuh, 1 Pferdetepptch imb 11 BriefcouvertS.
Gießen, den 21. August 1897.
Großherzogliche» Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 20. August. Aus Jagdschloß Wolfsgarten, 19. August, wird der „Darmst. Ztg." berichtet: Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin be- ßaben Sich zu Wagen auf den Truppen-Uebungsplatz bet Griesheim, stiegen dort zu Pferde, wohnten der Besichtigung der 83. Infanterie-Brigade und 25. Cavallerie-Brigade durch Ke. Exz. den commandirenden General des 11. Armeecorps d. Wittich bet und begaben Sich zu Wagen wieder nach Wolfsgarten zurück.
WolffS telegraphisches Csrrespondmz-Bureau.
Berlin, 20. August. Die „Berl. Corr." schreibt: Durch Verfügung deS FinanzmintsterS ist die Aufmerksamkeit -er Behörden in den von den diesjährigen Hochwasser- schäden betroffenen Bezirken aus die Einziehung der direkten Staatssteuern gelenkt worden. Danach soll in der Anwendung -eS Zwangsverfahrens gegen Steuerschuldner, welche anläßlich der Wafferschäden in eine bedrängte Lage gerathen find, eine möglichst milde Praxis befolgt und jedenfalls rücksichtslosen Executivmaßregeln durch Ertheilung entsprechender Anweisungen an die betheiltgten Localbehörden im Voraus be- xeguet werden. Deshalb wird empfohlen für Restanten vorerst Stundung der Steuern zu bewilligen- außerdem Äonen in geeigneten Fällen zuläffige Steuererlasse eintreten.
Wien, 20. August. Dem „Wiener K. K. Telegr.- Eorresp.-Büreau" wird aus Konstantinopel gemeldet: In
Feuilleton.
Kitty und Litty.
Sine Manövergeschichte von Hermann Birkenseld.
(Nachdruck verboten.)
Tara — ta — tara — tata — raratata — tadom — Trompetergeschmetter und Trommelschall!
Der Radetzkymarsch.
Wie das packte, den Schuljungen in Fellenberg, die heute der großen Ereigniffe halber einen Vocanztag genoffen, in die nichtsnutzigen Beine fuhr und den Mädeln von fünfzehn bis fünfunddretßig Jahren in Kopf und Herz hinein.
'S war doch schön, einmal Einquartierung zu bekommen — war fast seit Menschengedeoken nicht mehr dagewesen war — und Fahnen wehten, Tücher wurden geschwenkt, alle Schornsteine rauchten, und manch Mütterlein ließ die Mittags- fiippc für ihren Musketier anbrennen, um Zeugin des großen Einzuges zu sein.
Felleoberg — dies kleine münstrrländische Nest — liegt ein bischen abseits der großen Heerstraße- diesmal aber hatte mau das Manäverterrain erweitert und auch das Städtchen glorreich bedacht.
„Der Ort wird stark belegt werden, meine Herren. Ich muß Sie drßhalb bitten, Ihre Ansprüche durchaus auf das Mindestmaß zu beschränken," hatte Oberst v. Blombeck msch heute Morgen beim Rendezvous zu seinen Offizieren gesagt.
Jedenfalls aber fehlte es den Fellenbergern nicht an gutem Willen.
Hauptmann v. Pollhammer von Seiner Majestät sechster Lompaguie hatte längst sein Quartierbillet in Händen, aber nach keine Zeit gehabt, einen Blick darauf zu werfen. ES war das erste Mal, daß er eine Compagnie inS Manöver Mhrte, sein Eifer deßhalb groß.
Endlich, nach einer reichlichen öiertelftunbe, waren aimmtliche nothwendigsten Ermahnungen an die Lompagoie
dem Kohlenbergwerke Herdikle am Schwarzen Meere fand eine große Schlägerei zwischen Kurden und Montenegrinern statt, der viele Personen zum Opfer fielen. Der Gouverneur ließ eine große Anzahl von Montenegrinern zu Schiff nach Konstantinopel bringen.
Bern, 20. August. Das sehr rasche Schmelzen de» Schnees und die nachfolgenden außergewöhnlich starken zwei Tage dauernden Regengüffe haben in der Nacht zum Donnerstag ein äußerst gefährliches Anschwellen aller Ge- birgSflüffe bewirkt. In dem Berner Oberland war der Verkehr vielfach unterbrochen. In der vergangenen Nacht herrschte im ganzen schweizerischen Gebirge bis auf eine Höhe von 1000 Meter herab starker Schneefall. Heute hat sich das Wetter bei stark abgekühlter Temperatur aufgeheitert- die Gefahr ist beseitigt.
San Sebastian, 20. August. Angiolillo, der Mörder des Ministerpräsidenten CanovaS, ist heute Bormittag 11 Uhr hingerichtet worden.
Bergara, 20. August. Die hiesige Polizei hat einen italienischen Anarchisten Namens Giuseppe Roffi verhaftet. Derselbe wurde von den Polizeibehörden Frankreichs, Italiens und Spaniens gesucht.
Stockholm, 20. August. Der internationale Steno« graphen'Congreß wurde heute geschlossen, nachdem eine Reihe weiterer fachmännischer Vorträge gehalten worden waren. Der nächste Congreß findet im Jahre 1900 in Paris statt.
Depeschen de« Bureau „Herold."
Berlin, 20. August. Die Verleihung des Alexander« Newsky Ordens an den Botschafter v. Bülow wird heute im „Reichsanzeiger" publicirt.
Berlin, 20. August. Ein Berichterstatter meldet der „Kreuzzeitung": Durch die Blätter ist die Nachricht gegangen, daß der Kaiser einen Bericht über die durch daS Hochwasser angerichteten Schäden eiugefordert habe. Dem gegenüber wird uns verfichert, daß seitens der Staats» regierung fortwährend Berichte über den Stand der Angelegenheit erstattet worden find. In der gestrigen Staats« ministerialsttzung hat es fich nm die Stellungnahme zu den Hochwasserschäden gehandelt. Die drei nach Schlesien gereisten Minister haben ihre Erfahrungen dem Collegium vor- getrageu und ihre gefaßten Vorschläge unterbreitet, die fich in der schon früher angebeuteten Richtung bewegen, theil» um dem augenblicklichen Schaden abzuhelfen, theils um künftigem vorzubeugen. Das StaatSministerium hat fich in dem«
erledigt und der „Vater" dieser hundertundzwanzig Kriegsleute sah fich nach seinem Burschen um.
DaS war nicht schwer, denn Fernand Schrattenholz, rundlich, wie fich'S für einen unverheiratheten Hauptmannsburschen gehört, rothwangig, blaßblöndlich-schnurrbärtig und mit ein biSchen was Pfiffigem im Gesicht, stand langst hinter ihm, an der Hand seine Karline.
Karline war Herrn v. PollhammerS Lehmfuchs, eine lammfromme Stute, wie sie ein Hauptmann haben muß, dem daS Gepäffker der Salven immer nur so um die Ohren flattert.
„Führe Karline inS Quartier, Fernand. Ich sehe, sie ist nicht bei mir untergebracht, aber hoffentlich nicht wett. Zeig mal das Btllet!"
Fernand wies seinen ober vielmehr KarlinenS Schein vor.
„. . . . Consul Stenglein — — ein Osfizierpferd zweiten Bataillons, hm! — Ist gut, Fernand. Sobald Du mit dem Pferde fertig bist, kommst Du zu mir."
„Zu Befehl, Herr Hauptmann!"
Fernand Schrattenholz und Karline trabten, der Herr Hauptmann schritt davon.
So ift's in der Ordnung.
Nun erst besah Pollhammer auch seinen Quartierschein.
„Dachsgrube neunzehn — Fuhrherr GraSmück — —* ES klang nicht verlockend.
Aber Erich v. Pollhammer war ein anspruchsloser Mensch, „einfach bis zur Ekligkeit", characterisirte ihn Flattrich, sein ältester Seconde in der Compagnie. Und die DachSgrube war nicht weit. In Fellenberg war Überhaupt nichts weit. Dazu war daS Nest zu klein.
„Johannes GraSmück, Fuhrwerksbefitzer. Herrschaften können Equipagen bestehlen."
Da staudS und darüber die Hausnummer 19. Sah nichts weniger als feudal auS und das unorthographische Schild zeugte nicht von hervorragender Bildung des Eigen- thümerS.
„Ach was, Bildung! — Wenn- Bett nur Halbweg» ist," dachte Pollhammer.
leiben Sinne entschieden. — Wie die „Post" vernimmt, hat da» StaatSministerium in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, für die Provinz Schlesien namhafte Unterstützungsbeträge zu bewilligen.
Berlin, 20. August. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge werden fich in nächster Zeit Commiffare der zunächst bethei- ligten Minister in die vom Hochwasser schwer betroffenen Theile der Provinz Brandenburg begeben, um einen Ueberblick über die angerichteten Verheerungen zu gewinnen und fich ein Bild darüber zu machen, wie die vorhandenen Schäden zu lindern und in welcher Weife ihrer Wiederkehr dauernd vorzubengen fein wird. ES dürften bei den Bereifungen namentlich die Kreise CottbuS, Goran und Guben, sowie die Stadt Forst in Betracht kommen.
Berlin, 20. August. Nach einer Meldung au» Königsberg hat der Regierungspräsident die landespolizeiliche Verordnung vom 16. August, betreffend die dreitägige Quarantäne für das ans Rußland eingeführteHandelSgeflügel wieder aufgehoben.
Berlin, 20. August. Dem „Berl. Tagebl." wird an» Madrid telegraphirt, daß die politische Lage sehr verwickelt ist. Niemand glaubt an eine lange Lebensdauer de» CabinetS unter der Leitung des Krieg-Minister». Der Hof wird wahrscheinlich schon Anfang September hierher zurück- kehren. Die Berufung SagastaS und die Auflösung der CorteS im Herbst gilt als sicher, zumal die conservative Partei, welche durch CanovaS' Autorität allein zusammen- gehalten wurde, bereit» Spuren ihrer Zersplitterung zeigt.
Frankfurt a. d. O., 20. August. Gestern wurden auf der Grube „Bach" bei Ziebingen sieben Personen verschüttet, von denen vier tobt find.
BreSlan, 20. August. In dem UeberfchwemmungSgebiet tritt infolge deS HochwafferS der Typhu» auf. In Ohlau sind 12 Mann de» Husarenregiment» v. Schill vom Typhus befallen.
Königsberg, 20. August. Die Socialdemokraten nahmen eine Entschließung für die Betheiligung an den Laub« tagswahlen an.
Wilhelmshaven, 20. August. Nach Schluß der Herbst- manöoer werden verschiedene Veränderungen in den Commandostellen der Marine statifinden. Unter Andern wird Prinz Heinrich Jnspector der ersten Marine- Jnspection werden.
Kaffel, 20. August. Der Botschafter v. Bülow und der Chef des Civilcabinets, v. LucanuS, find nach Berlin zurückgereist.
„Herein!"
Er batte an die erste beste Stubenthür geklopft.
„Jeff' Mar' Joffep! — Jan-Bernd, willste her!" kreischte eine Frauensperson. Sie war eben daran gewesen, einem Jungen, so um sechs herum, die Rückwand zu flicken, und Jan-Bernd harrte währenddem als Sansculotte. Nun war sie aufgesprungen, schob Jan-Bernd hinter fich, geb dem nächstfolgenden Rangen, einem drallen FlachSkopf, der mit dem Finger in irgend etwa» Flüssigem auf dem Tisck wischte, einen Klapps, schnäuzte da» zweijährige Nesthäkchen, anscheinend ein Mädel, das ihr an der Schürze herumkrabbelte, und fragte:
„’n Wagen, Herr Offizier? — Je — mein Mann ist nun nicht da und ich weiß nicht —41
Erich Pollhammer schüttelte lächelnd den Kopf. Er war eine überaus gutherzige Seele. „Für den ist sogar der Vagabund auf der Landstraße ein Mensch," pflegte Flattrich von ihm zu sagen.
Jetzt wies er sein Quartierbillet vor.
Frau GraSmück schlug die Hände zusammen.
„Je — nee--so'n hangen Offsehr! US hett se
man van en Pird wat seggt. Aewer dat's een Dohn*)j niehmen mot'k Sä, un bat dauh'k aut gtrne, blo» mit bat Acten —“
Der „Herr Offizier" machte ihr klar, daß er auf Verpflegung keinen Anspruch habe.
„Ein Zimmer und ein saubere» Bett, liebe Frau."
„I Du min Seel', Sä fallt jo gtrn in de Bestestuwen, wenn Sä ment en ganz birken warten willt."
Drei Ecken der „besten Stube" waren nämlich vollgepackt: die eine mit Pferdegeschirr, die andere mit reifen Erbsen zum Trocknen, die dritte mit einem Häufchen reines Wäsche. In der vierten stand der eiserne Ofen.
•) Anm.: een Dohn — ein Thun — einerlei.
(Fortsetzung folgt.)


