Nr. 93 Zweites Matt
DmmerSta« de» 22. Avril
1897
Amts- irnd Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
chralisöeilage: Hießener Kamitienötätter
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
ÄQe Annoncen-Vureaox deS In- und Auslandes nehm« < Anzeigen für den „Gießener Anzeiger* rntgtgm.
fiod von ihm mannigfache Anregungen auch bei besonderen Stellen, wie bei Behörden, Schulen oder Einzelpersonen be- Hufs unmittelbarer Förderung der Spiele und verwandte« Leibesübungen gegeben worden. Im Weiteren hat der Central- Ausschuß im Juli 1896 zu München einen öffentlichen öon» greß für Volks und Jugendspiele abgehalteu und hier nicht nur wichtige allgemeine und besondere Fragen erörtert, sondern auch den zahlreichen Förderern in Deutschland, wie den Behörden, Städten, Schulen, Vereinen und einzelnen Gönnern Gelegenheit geboten, Anregung zu empfangen und solche z« geben. Auch wurde den Besuchern Seitens der Stadt München ein hochentwickeltes Sptrlleben ihrer Jugend wie weiterer DolkSkretse vorgeführt, worauf der Central-Ausschuß mit besonderem Danke zurückblickt. Endlich aber ist auch dos regel- mäßig erscheinende Jahrbuch für Volks- und Jugendsptele, herausgegeben von S. von Sch enckendor ff-Görlitz und vr. med. F. A. Schmidt-Bonn (6. Jahrgang 1897, Votgtläuder, Leipzig) der äußeren Thätigkeit zuzuzählen, da es als der geistige Sammelpunkt der Bewegung, ebenso Anregung für die fachlichen wie für alle wetteren Kreise de- deutschen Volkes zu geben vermag. ES bringt in seine« ersten Thetle eine Reihe von Abhandlungen, die theil- eine allgemeine Anregung geben, theil- über besondere Vorgänge Bericht erstatten. Im zweiten Thetle wird nicht weniger als über 16 verschiedene Richtungen dieser Bewegung im Jahre 1896 berichtet, besonder- in eingehender Weise auch über die wichtige Frage der Spielplätze. ES folgen dann noch der dritte bis fünfte Theil, welche über die Spiel- curse, über die Ausbreitung der Jugendsptele an den Volksschulen Preußens und über den Münchener Congreß berichten. Im Ganzen haben sich außer den Herausgebern 29 Mitarbeiter beteiligt, die größtentheils, wie Wirklicher Rath Weber, Hofrath Dr. Rolfs, Prof. Buchner und Reallehrer E. Walther-München, Prof. Dr. Koch, Turn-Jufpector Her- mann und Dr. Witte-Braunschweig, Freiherr von Fichard- Straßburg i. E., Dtrector Raydt-Leipzig, Prof. F. Wagner- Berlin, Oberlehrer Schnell-Altona, Oberlehrer Wtckenhageu- Rendsburg, v. Wotkowsky-Btedau-Berlin, Dr. Beher-Letpzig- GohliS u. A. m., zu den ersten Autoritäten auf dem Gebiete dieser Leibesübungen zählen. Von Jntereffe ist auch die erhebliche Zahl der Städte, die an den Central-Au-schuß Beiträge leisten, diese Zahl der Städte betrug tm Jahre 1896 im Ganzen 224, wozu eine Reihe Vereine und Privatpersonen traten, mit fast 7000 Mk. Beiträgen. Die staat- lichea Behörden, voran das preußische CultuS-Mintsterium, gewährten ebenfalls etwa 6000 Mk. Beihilfe. Nach den bisher gefaßten Beschlüffen wird der Central-AuSschuß im Herbst in Altona seine diesjährige Versammlung abhalteu.
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l. April, Äbtnot antatiin WM M.
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an die Schulvorstände de- Kreises.
Wir beauftragen Sie, die Lehrer Ihrer Gemeinden zu benachrichtigen, daß in diesem Frühjahre folgende Conferenzen stattftoden werden:
1. Montag den 8 Mai, Vormittags 10 Uhr, im Caf6 Ebel Conferenz für den Bezirk Gießen-
2. Mittwoch den 5. Mai, Vormittags 9Vs Uhr, tm Holländischen Hof tn Ltch Conferenz für den Bezirk Lich-Huugen-
3. Donnerstag den «. Mai, Vormittags 9'/, Uhr, im Hotel „Zum wilden Mann" zu Grünberg Conferenz für den Bezirk Grün berg.
Die Herren Referenten werden ersucht, ihre Referate zu vorstehenden Conferenzen bereit zu halten.
ES ist bei einigen früheren Conferenzen vorgekommen, daß Lehrer gefehlt haben, weil ihnen keine Benachrichtigung über den Termin der Conferenz zugegangen ist, weshalb wir die Schulvorstände hiermit ausdrücklich aufforderu, den Lehrern von allen unseren amtlichen Ausschreiben rechtzeitig Kenutniß zu geben.
v. Gagern.
Vierteljähriger Abonnementspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Nedaction, Expedition und Druckerei:
Schntstraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
plötzlich hellte sich sein Gesicht auf; er gab Herrn Kircher die Karte und sagte: „Ich habe Sie schon avifirt."
Und in demselben Augenblick erscholl ein Trompetentusch und drei Herren in Frack und weißer Binde stürzten aus dem Innern heraus, auf Herrn Kircher zu. Dieser überschaute sofort die Situation. Er hatte gewonnen, er war der Hunderttausendste, und ein Wonnetaumel überkam ihn. Was nun folgte, war wie ein Märchen ans Tausend und einer Nacht. Er mußte eine wohlgesetzte Rede au- hören, von der er nichts verstand und auf die er mit einem für die Andern nicht verständlichen Gemurmel erwiderte- der gutmüthige Präses faßte ihn, feine Rede unterbrechend, unter den Arm und führte ihn tn einen festlich geschmückten Salon, in dem sich eine lukullische Prunktafel zeigte. Der herrliche silberne Tafelaufsatz, der die Mitte zierte, war die Ehrengabe.
Bald erschiene» die übrigen AuSschußmttglieder- eS gab ein Vorstellen und Händeschütteln, die Herren freuten sich tm Stillen, einen so anständigen Mann wie den Kaufherrn Kircher in ihrer Mitte zu sehen (der Zufall hätte eS ja fügen können, daß ein Leineweber oder Bürstenbinder der Jubilar war) und es ging an ein fröhlicher Schmausen und Zechen. Da waren wirklich all die cultnarischen Herrlichkeiten, die Herr Kircher sich in seiner Phantasie ersehnt und in Wirklichkeit nicht gegönnt, und da floffen die edelsten Weine in Strömen: Mosel, Rheinwein, Sect! Und als sein Nachbar ihm kunstgerecht den feurigen Pommard mit perlendem Moet und Chandon mischte, da kannte da- Entzücken Herrn Kircher- keine Grenzen, und er erklärte mit wetnfroher Stimme, er habe sich vorgenommen, sich heute gaoz bestimmt einen kleinen Schwips zu holen.
(Schluß folgt.)
Bekanntmachung, betreffend: Die Maul- und Klauenseuche- hier die Abhaltung von Viehmärkten.
Das Großh. Ministerium des Innern hat die Abhaltung eines Viehmarktes zu Büdingen am 27. und 28. April d. I. unter den nachstehenden Bedingungen genehmigt:
1. Für Auf- und Abtrieb ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Der Marktort hat das nöthige Aufsichtspersonal zu stellen, damit den getroffenen Anordnungen genau nachgekommen wird.
2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten des Großherzogthums Hessen aufgetrieben werden, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchenfreiem Zustande zugebracht haben. Beim Auftrieb der Thiere ist durch eine streng zu handhabende Controls der betreffenden Ursprungsscheine
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Der fcUjener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamiltenvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.
Meßmer Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Feuilleton.
Der Hunderttsusendstr.
Von Hans Krieg.
(Fortsetzung.)
Diese Möglichkeit lohnte schon die Ausgabe von einer Mark- zudem war er noch nie tn der Ausstellung gewesen und einmal wußte er doch htngehen, und das Geld dazu hatte er sich gewiffermaßen auch schon verdient, da er ja diesen Abend auf den Wetngenuß Verzicht geleistet und nur drei kleine GlaS Bier getrunken hatte.
Aber wie eS anfangen, um die Nr. 100,000 sicher zu erhalten? Denn wenn er htnging, mußte er auch der Gewinner fein. Wozu hätte er sonst gelauscht und sich zu der Ausgabe entschlossen? Die Ausstellung wurde am folgenden Lage, es war am Sonntag, erst um zehn Uhr Morgens geöffnet. Er mußte pünktlich da sein, aber wie wollte er eS herausbekommen, wann die siebente Karte verkauft war? Ach, daS ließe sich mit Leichtigkeit machen, wenn eS kein Gedränge gab, und daS war um diese frühe Stunde nicht za fürchten, zumal doch Niemand um die edle Absicht der AuSstelluogScommtsfion wußte. Oder wollte er, um ganz sicher zu gehen, sieben Mann mitnehmen, ganz pünktlich erscheinen und hinter ihnen als achter an die Kaffe heran» treten? Aber dazu reichte sein Bureaupersonal nicht auS und die Sache mußte auffällig erscheinen. An eine solche Freigiebigkeit seinerseits war man nicht gewöhnt, und wenn dir Zufall e- wollte, daß trotz aller Vorsichtsmaßregeln gelabt sein dicker Buchhalter die richtige Karte erwischte — drr Mann war ihm so wie so zuwider mit seinem überleg,neu Lächeln, und tote kam er dazu, so dick zu sein, von seinrw Salair bestimmt nichts Nein, nein, er wollte keinen
Andern in fern Geheimntß ziehen - mußte er doch überhaupt auf der Hut sein, damit sein Lauscherthum nicht entdeckt werde.
Bet diesem Gedanken sträubte sich ihm daS Haar. Wenn ihn die Herren wiedererkannten k Er fuhr aus dem Bette und bald saß er in ziemlichem NegligS vor seinem Spiegel, das Rafirmesser in der Hand. Sein Backenbart wurde dem Untergänge geweiht, das war doppelt schmerzlich, denn es bedrückte seine Seele, und er fügte sich einige unangenehme Schrammen bei, die er nothdürftig mit Pflastern verklebte.
Am nächsten Morgen war er überpünktlich am Haupt- eingang. Die Nebeueingänge waren geschloffen, das wußte er. In dem Park, durch den man zum Berkauf-pavtllon kam, war wenig Leben, Pluvius hatte alle Schleusen ge- öffnet. Das paßte Herrn Kircher vortrefflich, wenn auch der Regen sich durch ein Loch seines Schirmes den Weg zu seinen Kleidern bahnte. Er beobachtete scharf- scheinbar studirte er an den Plakatsäulen, aber er zählte sorgfältig die spärlichen Besucher. DaS Herz klopfte ihm hörbar.
Der siebente Besucher hatte seine Karte genommen, Niemand folgte ihm. Kircher sah, wie der Kasfirer auf. sprang und auf etwa- drückte, wohl auf eine electrische Schelle. Ach, der gab jetzt das Signal, und er hatte sich verrechnet und war zu spät gekommen.
Während dieser Erwägungen, die ihm den Angstschweiß auf die Stirn trieben, war er schon an den Schalter heran- getreten, ein Rückzug war nicht mehr möglich. Er forderte eine Karte und der Kasfirer sah ihn verschmitzt lächelnd an. Langsam löste er die Karte von dem Bunde, stempelte fie und drehte fie hin und her, da- alles mit einer bei einem Kasfirer ungewöhnlichen Schwerfälligkeit, dann schaute er mehrmals durch die Fenster seines Kiosk in die Borhalle
Aintüche» Tyeit.
Gießen, den 20. April 1897.
Bett.: Lehrerconferenzeu.
Die
M verhüten, daß andere Thiere auf den Markt gebracht werden.
3. Außer der Controle der Ursprungszeugnisse hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen.
Büdingen, den 15. April 1897.
Großherzogliches Kreisamt Büdingen. ______________________Klietsch._____________________
CocaU» rrnd j-rovinzielles.
Vietze«, den 21. April.
** Heber den Fortgang der Vewegvug für BoUS- nnb Jugendsptele. Der Central-Ausschuß für Volks und Jugendspiele in Deutschland hat auch im Jahre 1896 eine Thätigkeit entwickelt, bte mehr und mehr ihre Früchte für daS Jugend- und Volksleben erblicken läßt. Nach dem unS zugegangenen Berichte umfaßte diese Thätigkeit in erster Linie den regen Verkehr mit einer großen Anzahl von Stellen, welche deS Rathes bedurften, sei es, daß fie neu in die Bewegung etntraten, oder daß fie tn ihrer bereits aufgenommenen Arbeit einer Förderung bedurften. Sodann find behufs Aus- bildung von Lehrkräften im Auftrage des Central-Ausschufles 18 Curse für Lehrer mit 568 Teilnehmern und 4 Curse für Lehrerinnen mit 169 Theilnehmerinnen abgehalten worden. Seit dem Beginn der Thätigkeit des Central Ausschusses, also seit 1891, find im Ganzen 84 Lehrer- und 30 Lehrerinnen- curse in allen Theilen Deutschlands zur Abhaltung gelaugt, in denen etwa 3000 Lehrer und etwa 1500 Lehrerinnen ihre Ausbildung erfahren haben. Nächstdem haben die Unter- ausschüffe eine rege Thätigkeit entfaltet. Der technische Aus- schuß hat eine weitere Anzahl von Spielregeln festgestrllt, und ebenso hat der Ausschuß für Volksfeste eine Reihe von Berathungen gepflogen. Endlich ist aus der inneren Thätig- keit des Central Ausschusses tm Jahre 1896 noch der Plan eines deutschen Nattonalfestes, d. i. eines deutsch- nationalen Olympia erwachsen. Da dieser zu einem Vater- ländischen Unternehmen herangereifte Plan indessen über den Rahmen der ursprünglichen Aufgabe deS Central-AuSschuffes hinausreicht, so ist derselbe mit Zustimmung deS letzteren jetzt aus dessen Arbeitsprogramm avszeschieden. Für ihn hat fich inzwischen eine völlig selbstständige Organisation gebildet. Gleichmäßig hat fich die äußere Thätigkeit des Central- Ausschusses im Jahre 1896 wirksam erwiesen. Wie seither hat derselbe es als eine seiner wesentlichen Aufgaben erachtet, durch gelegentliche Mittheilung an politische, pädagogische, medi- ctnische, sowie turnerische und sportliche Zeitungen das allgemeine Interesse und daS Verständntß für die Leibesübungen im deutschen Volke mehr und mehr zu verbreiten- sodann


