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22.1.1897 Erstes Blatt
 
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** Reueiutheiluug der AuShebuvgsbezirke. Bom 1. April ab wird für das Frievensverhättniß versuchsweise daS Groh- herzogthum in drei Mtlitär-AuShebungsbezirke, entsprechend den Provinzen, eivgetheilt. Der 49. Infanterie- Brigade ist Oberheffen zugetheilt. Rheinheffen bildet den 1. Bezirk der 50. Infanterie-Brigade und ist dem Comman- beut der 50. Jnfanterie-Brigade unterstellt, während Starken­burg als 2. Bezirk dem Commandeur der 25. Cavallerie- Brigade zufällt. Bisher gab es nur zwei AuShebungSbezirke, bezw. Ober-Erfatz-Commisfionen, und war Starkenburg zwischen die 49. und 50. Jnfanterie-Brigade getheilt.

Schotten, 19 Januar. Das Lehrerheim, dessen Wtrthfchaft jetzt wieder in Betrieb ist, war am verflossenen Sonntag trotz des unfreundlichen nebligen Wetter- äußerst zahlreich besucht. Viele mußten sogar, ohne sich in den ge- mllthlichen Räumen niederlasien zu können, umkehren. In ca. 14 Tagen wird den Saal des Lehrerheims auch ein Manino zieren. Zur Anschaffung eines Instrumentes wurden bekanntlich 400 Mk. aus Amerika gestiftet. DaS für daS Lehrerheim erworbene Piantno in Nußbaumgehäuse wird einen Werth von 700 Mk. repräsentiren und ist auS dem Pianoforte Lager des Herrn Wilh. Rudolph in Gießen. Herr Rudolph hatte die Güte, die Differenz von 300 Mk. dem Lehrerheim in dankenSwrrther Weife zu schenken.

B. Allg. Anz.

~h Lindheim, 20. Januar. Die durch ihren Wohl- tqätigkeitssinn bekannte Wittwe des verstorbenen, weithin in gutem Andenken stehenden, vormaligen Schriftstellers Leopold von Sacher-Mafoch hat dahier kürzlich eine Geflügel­züchterei nebst Brut- und Mastanstalt mit der Bezeichnung Geflügelhof Haffia, unter der FirmaH. von Sacher-Mafoch" begründet.

§ Ruppertenrod, 21. Januar. Kürzlich erschien in unserem Ort etn hochbetagtes Frauchen- es bettelte und blieb schließ­lich auf einem Trepp:nstein fitzen. Alle guten Worte, die man der Person gab, bewegten sie nicht, aufzust-hen und sich zu entfernen. Ebenso brachte man aber auch nicht auS ihr heraus, woher fie käme und wer fie sei. Da bei der herrschenden Kälte das KaSpar Hauser-Mütterlein doch un­möglich auf dem Treppenstein längere Zeit kampiren konnte, fo veranlaßte unsere Bürgermeisterei, der man den Fall mitgetheilt, ihre vorläufige Unterkunft. Nach vielen vergeb- lichen Versuchen, auS der Fremden zu erfahren, woher sie käme, brachte man schließlich heraus, daß sie aus Bernshaufen bei Suhl (Sachfen-Meiningen) wäre, wo sie wie fie sagte bet ihrer Mutter geweilt hätte. Die hiefige Bürger­meisterei wandte fich nun an das dortige Gemeindeamt, welches zurück berichtet, daß die betreffende Person schon fett zwanzig Jahren abwesend und ihre Mutter längst verstorben sei. Der hiesigen Ortsbehörde blieb nun nichts anderes übrig, als die altersschwache, geistig nicht normale Person in dauernde Kost und Pflege zu geben, die ihr in Hinficht der erforderlichen Mühe, da die wohl 70jährige Gretfin bettlägerig ist, für 1,50 Mk. pro Tag nun zu Theil wird. Zweifellos ist die alte Person von irgend einer anderen Gemeinde in ungesetzlicher Weise abgeschabt worden. Dieser gewiß eigenartige Fall ist ein Beweis dafür, daß daS Fehlen eines Siechenhauses in der Provinz ein Mangel ist. Wäre eine solche Anstalt vorhanden, so könnten derartige Personen eenmal gute Unterkunft finden, das anderemal würde der LretS- oder Provinzialarmenvkrband nicht solche bemerkenS- werthe Opfer zu leisten haben.

Darmstadt, 20. Januar. Im heutigen Hoch schul Bortrage (der, wie alle folgenden, eine halbe Woche später wegen des zu starken Andranges wiederholt wird) stand das in letzter Zeit vielgenannte Aeetyleu im Vorder­gründe der Besprechung; Herr Geh. Hofrath Professor Ur. Staedel sprach im chemischen^Jnstttut der Hochschule über das chemische Licht. Der Vortragende führte zu­nächst, und zwar dies und fast alles Folgende in sehr schönen Versuchen, phosphoresetrende Stoffe vor, dann viele Licht- eischeinnngen in den sogen. Geißler'schen Röhren usw., und kam dann etngehender auf daS jetzt vielverbreitete Auer'sche GaSglühlicht zu sprechen. Bei der Auer-Lampe wird eine auS Thorerde und Ceroxyd gemischte Substanz durch eine leuchtende Gasflamme zu intensivem Glühen gebracht und

zwar find die Glühstrümpfchen, die man über die Leuchtgas- brenner stülpt, mit falpeterfauren Salzen der beiden eben­genannten Stoffe getränkt- die Asche ist eS, die nach Ver­brennen des auS Baumwollgewebe bestehenden Strumpfs glüht. Die früher sehr seltene und kostbare Thorerde wird jetzt auS dem (in Nordamerika in mächtigen Lagern von Sand vorkommenden) Monazit mit 17 pCt. reine Thorerde fabrikmäßig dargestellt. DaS Acetylen ist ein chemisches Licht- auch bei ihm wie bei den andern Leucht- Mitteln verbrennt Kohlenstoff zu Kohlensäure und Wasserstoff zu Waffer, aber dieser Verbrennung geht der Prozeß deS Verfalls der Moleküle in festen, staubförmigen Kohlenstoff und WafferstoffgaS, die sogen. Aufspaltung der Moleküle voraus und diese Zersetzung ist von einer intensiven Licht- entwicklung begleitet- die Wärmeentwicklung ist wesentlich geringer als beim Leuchtgas. Nun ist eS auch gelungen, flüssiges Acetylen herzustellen und dieser Körper ist unter Umständen bet höherer Temperatur ein gefährlicher Explosiv­stoff. Zur Herstellung von Acetylen braucht man nur Kohle mit Kalk zusammcnzubringen und zu glühen- eS bildet sich dann Calciumkarbtd, das man im Großen jetzt zu wenig mehr als 20 Pfg. pro Kilo herstellt- 64 Gewichtstheile Calciumkarbtd geben bann, mit Waffer zusammengebracht, unter anderem 26 Gewichtstheile Acetylen. An Schönheit und Helligkeit übertrifft dieses weiße Licht alle bis jetzt bekannten, dann ist es bequem und billig herstellbar und kann noch berufen fein, daS Licht der Zukunft zu werden, an Stelle de- Petroleums, wodurch wir tu Deutschland unabhängig von den amerikanischen und russischen Petroleum-Ringen würden. Explosive Gemische beim Zusammenbringen von Acetylen mit blanken Metallen entstehen nicht- betreffs der Giftigkeit kommt sein intensiver Geruch schützend zur Hilfe. Unglücksfälle mit flüssigem Acetylen in Paris und Berlin haben den Handel damit ver- bieten lasten- der Redner versichert aber, daß dieser Stoff bei den nöthigen Vorsichtsmaßregeln nicht gefährlicher sei wie viele andere und läßt zum Schluffe seines hochintereffanten Experimentalvortrages, nachdem er etwaige ängstliche Gemüther beruhigt, den Saal in wundervoll Hellem Acetylen-Lichte erstrahlen.

A Mainz, 20. Januar. Die unentgeltiche Lie­ferung von Lehrmitteln für dteKinder der Volks­schulen gab heute in der hiesigen Stadtverordneten-Ver- sammlung Anlaß zu langen, thetlweise erregten Debatten. Es lagen drei Anträge vor: Ein von socialdemokrattfcher Seite gestellter Antrag verlangte die vollständig freie Lie­ferung aller Lehrmittel an die VolkSfchulktnder, etn zweiter von demokratischer Seite eingebrachtrr Antrag wünschte nur die freie Lieferung von Schreibheften und Zeichenmaterialten und ein dritter Antrag, von einem deutsch freisinnigen Stadt­verordneten gestellt, befürwortet die Lieferung freier Lehr- X mittel für die Kinder solcher Ellern, welche nur etn Ein­kommen von unter 900 Mk. haben. Der erste Antrag erfordert aber einen jährlichen Kostenaufwand für die Stadt von 30000 M., der zweite Antrag einen solchen von 12000 M. und der letzte 10000 M. Sämmtltche drei Anträge wurden mit großer Majorität abgelehnt, wogegen ein Antrag der Bürgermeisterei Annahme fand, dahingehend, den Bedürftigen alle Lehr- und Lernmittel frei zu liefern, dabet aber Alles nur an das Beschämende grenzende zu vermeiden.

Mainz, 18. Januar. Die älteste Frau in weitem Umkreise dürfte wohl Frau Christina Codint geb. Stilger in Bodenheim sein. Dieselbe feierte gestern ihren 102. Ge­burtstag, ist also 101 Jahre alt. Sie ist geboren und war verheirathet in Lorsch und lebt schon seit Jahren als Wittwe bet ihrem nach Bodenheim verzogenen Sohne. Das All­gemeinbefinden der alten Frau ist jetzt noch verhältnißmäßig gut. Sie hat Appetit und trinkt täglich fast eine Flasche Wein. Auch die geistigen Kräfte find noch ziemlich rege- nur find Geficht und Gehör sehr schwach geworden.

Vermischte».

Die Gesammlzahl der jährlich verausgabten Zeit­ungen ist nach einer neueren Statistik auf ca. 12,000 Mill. Exemplare zu schätzen, mit welchem man eine Fläche von nahezu 30,000 Quadratkilometer bedecken könnte. DaS Papiergewicht beträgt 781,240 Tonnen. Sollte diese Auf-

läge von einer einzigen Maschine gedruckt werden, so würde die Gesammtauflage, wenn pro Secunde eine Zeitung ge­druckt würde, nach 333 Jahren endlich erscheinen können- Aufeinandergeschichtet würden dieselben die respectable Höhe von rund 80,000 Meter erreichen. Angenommen, der einzelne Mensch widme dem Lesen seiner Zeitung nur 5 Minuten pro Tag, so würde die Zeit, welche von der Gesammtbevölke- rung der Erde zum Lesen ihrer Zeitung pro Jahr verbraucht wird, gleich sein 100,000 Jabren.

Citeratur unb Kmh#

- ,3>tt «hin btt Weisen*. In mannigfaltiger Weise anregend erweist fich wieder da« soeben erschienene 7. Hest der unseren Lesern wohlbekannten Revue, die aus dem Gebiete wiss-n- schastlicher Popularisirung sich so manches Verdienst erworben dar. Das vorliegende Heft enthält eine längere sachliche Abhandlung Über Krankheiten, sodann einen ebenso sachlichen als gegenständlich belehrenden Artikel über Tiefbobrungen, eine eingehende Characieristik des Seemanns und Mittheilungen aus der Steuermann?runde, Alles dies mit vielen instruciiven Abbildungen. Dasselbe gilt von den naturwissenschaftlichen Abhandlungen: Wie die Thiere riechen, Pilze im Getreide und Ueber Fermente. Kurze illustrirte Mtttheil- ungen über rotirenbe Hängegerüste, die Phahlbauten der Pav'io, die Höllenthalbabn und arabische Küstenfahrer beschließen den rerch- haltigen Inhalt des vorliegenden Heftes.Der Stein der Weisen (A. Hartlebens Verlag, Wien) erscheint halbmonatlich im um­fange von 32 Großquartseiten mit mindestens 30 Abbildungen und ist das Heft zum Preise von 30 kr. (50 Pfg.) in jeder Buchhand­lung erhältlich.

Briefkasten.

J. M., Lollar. Wir hatten nur die Firma Marx Söhne in Darmstadt genannt.

«lrchttche Anzeige« de» Stadt «Sietzen.

Evangelische »emeinbe.

Donnerstag den 21. Januar, Abends 8 Uhr: Bibelvund- im Confirmandensaal (Neustadt 61). 1. Brief an die Corinther, Capitel 1, Vers 17 bis 31). Pfarrer Schlosser.

Sottksdimft in der Synagoge.

Samstag den 23. Januar. ~ ,

Vorabend 4* Uhr, Morgens 9 Uhr. Eelebriernng de» GeburtSiageS St. Majestät deS Deutsche« Kaiser-, Nach mittags 3 Uhr, Sabbathausgang 5 Uhr.

Verkehr,cmb* unb Volkswirthschaft

LtUtbatO, 20. Januar. Fruchtmarkt. Roth er SBchen X 13.90, weißer Weizen X 00.00, Korn X 9.85, Gerste X 7.25, Hafer X 5.60.

Die Rentabilität jeder maschinellen

Unlage witd bedeutend ethSht durch Aufstellung eines ökonomisch arbeitenden Betriebsmotors. Als sparsamste Betriebsmaschinen sind die Locomobilen mit ausziehbaren Röhrenkesseln von SU Wolf in Magdebutg-Bucka« oekannt u. zu Tausenden in allen Zweigen der Industrie und Landwirthschast verbreitet. GeringerBrennmaterial- verbrauch, große Leistungsfähigkeit u. Dauerhaftigkeit sind dteHaupt- vorzüge dieser Maschinen, vermöge deren sie nicht nur aus allen deutschen Locomobil-Concurrenzen stets den Sieg davongetragen haben, sondern auch auf zahlreichen Ausstellungen (u. a. in Chicago) mit den höchsten Preisen ausgezeichnet find. [411

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