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1807
Somrtay den 21. November
Nr. 274 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger
Kenerak-Nnzeiger.
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Tlmtlicbcr Loeil
Gießen, 17. November 1897. Betreffend: Die Unterhaltung der Kreisstraßen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien Albach, «lleudorf a. d. Lahn. Annerod, virklar, Burkhardsfelden, Dorf-Gill, Sberstadt, Garbeuteich, Großen-Linden, Gröningen, Haufen, Holzheim, Klein-Linden, Lang-SönS. Leihgestern, Sich, Ober Hörgern, Oppenrod, Steinbach und Watzenborn.
Sie wollen in ortsüblicher Weise bekannt machen, daß die für Montag den 22. November l. IS. in den Orten Steinbach und Watzenborn sowie für Donnerstag den 25. November l. Is. in Grosteuliudeu anberaumte Ver- gebung der Decksteinlieferung zur Straßenunterhaltung wie folgt verlegt wird:
1) Steinbach:
Dienstag den 23. November, Vormittags 9 Uhr.
cbm
7 o Garbeuteich— Steinbach 22
p Jn Steinbach 5
q Steinbach—Annerod 42
r Jn Annerod 21
b Annerod—Gießen 24
38 a Annerod—Grünberg (Staatsstraße) 17
39 a Lich—Albach 9
b In Albach 7
c Albach—Oppenrod 64
d Jn Oppenrod 15
e Oppenrod—Gießen 15
40 a Steinbach—Albach 17
b Albach—Burkhardsfelden 57
41 a Steinbach—Oppenrod 33
2) Watzenborn:
Dienstag den 23. November, Mittags 12 Uhr. cbm
7 h Leihgestern—Steinberg 51
k Steinberg—Watzenborn 50
1 Jn Watzenborn 10
m Watzenborn—Garbenteich 27
o Garbeuteich—Steinbach 22
11 c Leihgestern—Lang-GönS 25
13 a Gießen—Steinberg 60
14 a Watzenborn—Schiffenberg 13
15 a Gießen—Hausen 100
b Jn Hausen 7
c Hausen—Garbeuteich 15
d Jn Garbeuteich 20
e Garbeuteich—Dorf Gill 76
f Ja Dorf-Gill 16
g Dorf-Gill—Hof-Gill 54
43 b Jn Steinberg 20
c Steinberg—Grüntngen 72
8) Großen-Linden:
Freitag den 26. November, Nachmittags 3 Uhr.
v. Dauern.
cbm
7 a Klein-Linden—Allendorf a. d. Lahn
28
b Jn Allendorf a. d. Lahn
8
c Allendorf a. b. Lahn—Lützellinben
8
d Lützellinden—Großen Linden
36
e In Großen-Linden
21
f Großen-Linden—Leihgestern
41
g In Leihgestern
18
h Leihgestern—Steinberg
51
8 a Jn Klein-Linden
7
b Klein Linden—Lützellinden
23
9 a Großen Linden—Hörnsheim
42
11 a Gießen—Leihgestern
50
c Leihgestern—Lang GönS
25
Stehbierhallen.
Gebrüder Aschinger, die bedeutendsten der deutschen -Gastronomen, deren Ruf auf diesem Gebiete weit über die »Grenzen unseres Vaterlandes gedrungen, haben vor kurzer Leit ein neues Etabliffement geschaffen, das, an und für sich nur für die 25 Stehbierhallen dieser Firma in Berlin berechnet, doch eine Sehenswürdigkeit allerersten Ranges und ♦für jede Hausfrau vom culinarischen und wirthschaftlichen Standpunkt aus von immensem Jntereffe ist. Gebrüder
, Aschinger haben in Berlin eine Centrale geschaffen, von der aus die vielen hunderttausend hungrigen Mägen und dursti- j gen Kehlen aller derer gespeist und getränkt werden, die während des Tages die appetitlichen Brödchen ä 10 Pfg. und das schäumende Naß (es werden mehrere Sorten Bier, darunter auch Pfungstädter, in Gläsern ä 10 Pfg. verzapft) in den Detailgeschästen der Firma verzehren. Diese Centrale befindet sich an der Stadtbahn via-ä-via dem Königlichen Polizei-Präsidium, und es sind nicht weniger als fünf Stadtbahnbögen gemiethet worden, in welchen sich die Küchen- und Lagerräume sowie die Expedition von Gebrüder Aschinger befinden. Im Parterregeschoß sind die Abfertigungscäume untergebrachl. 12 Gespanne mit 30 Pferden halten Morgens um 8 und Nachmittags um 4 Uhr an der Expedition, um mittels transportabler Speisekästen die Maaren nach den Stehbierhallen zu überführen. Natürlich ist ein ganzes Heer von Angestellten nöthig, um die vielen Hunderttausende von Portionen mundgerecht zu machen und die aus der Küche kommenden Maaren den einzelnen Gespannen zuzuzählen. Im Expeditionrraum sind die Abtheilungen für Butter und Gewürz untergebracht; daneben ist der Spersekühlraum angelegt, in dem die gekochten Speisen die nöthige Temperatur erhalten. Hier stehen auch große Gewürzspinden, die den Stolz selbst de» größten Delikateßwaarengeschäfts ausmachen würden. Jn den mit eleganten Porzellankacheln ausgelegten und peinlichst tauber gehaltenen Räumen finden wir elegante Bassins für Majonaisen, italienischen Salat und Kartoffelsalat, deren jedes 8 Centner derartiger Speisen faßt. Für den Tagesbedarf werden ca. 1000 bis 1500 Portionen in Gelee, wie Sülzkotelette, Hummer in Gelee, im Kühlraum aufbewahrt. Essig und Oel werden mittels Pumpen vom Lagerraum nach dem im Oberstock belegenen, 25 Centner haltenden Bassin hinaufgeführt. Das erste Stockwerk dient den Lagerräumen. Wtr betreten zuerst die Conseroenabthei- lung, in welcher 6000 Büchsen ä. 10 Pfd. für den Wochenbedarf aufgestapelt sind. Was an diesen Delikateffen allein bei Aschinger verzehrt wird, mag am besten gekennzeichnet werden durch die Bücher der Firma, nach welchen im ver- floffenen Jahre u. A. nicht weniger als 82000 Dosen Hummern und 600 Steine Schweizerkäse, gleich 720 Centner, verzehrt wurden. Den Mittelpunkt alles Jntereffes aber bietet die Küche, in welcher etwa 50 Personen ständig von Morgens 6 bis Abends 10 Uhr beschäftigt sind. Die Küche ist mit allem Comfort und maschinellen Erfindungen der Neuzeit versehen. Die meisten dieser Erfindungen rühren von den Inhabern, Gebrüder Aschinger. her. Dee Maschinen fdbft werden von einem electrischen Motor von 12 Pferde- kräflen getrieben. Da finden wir zuvörderst ein von polir- tem Granit gefertigtes Bassin nebst Rührvorrichtung, in welchem täglich 25 Centner Kartoffelsalat gerührt werden. Die Dampf-Kochmaschine speist gleichzeitig 4 große Kessel bis zu 500 Liter Inhalt. Die Kartoffeln, von denen etwa 50 bis 60 Centner täglich gebraucht werden, werden mittels Winden in den riesigen Keffel ein- und aus dem Keller aus- gehoben, und nicht weniger als 30 Küchenmädchen müssen ständig Kartoffeln schälen. Die größte Sehenswürdigkeit der Küche aber ist unstreitig der Gasbratofen, der sechs Abteile enthält. Bezeichnend für die Quantitäten, die in diesem Bratraum fertig gestellt werden, ist die Thatsache, daß nicht weniger als 60 Gänse auf einmal daselbst gebraten werden. Hier finden wir auch einen automatischen Gewürzmörser mit electrischer Klopfvorrichtung und einen Eier - Kochapparat, in welchem 942 Eier zugleich auf einmal gekocht werden, ohne daß ein El das andere berührt. Eine Gurkenschneidemaschine für Salat schneidet in der Stunde etwa 60 Schock Gurken. Ebenfalls stehen daselbst die großen Maschinen für Sauce zum italienischen Salat, Majonaisen, deren jede Maschine 3 Centner gleichzeitig verarbeitet. Jn den Kellereien ist die Schlächterei untergebracht, deren Dimensionen dem Tagesbedarf von 80 bis 100 Centner Fleisch entsprechen. Auch hier herrscht, wie überall in der Aschingerschen Musterwirth- schäft, die peinlichste Sauberkeit. Die Tische sind mit Marmor, der Fußboden mit Porzellankacheln ausgelegt. Hier wird auch die jedem Berliner wohlbekannte Aschinger Bier- wurft fabricirt, und nicht weniger als 12 Fleischer arbeiten angestrengt von Morgens früh bis Abends spät, um die riesigen Quantitäten dieser Leibspeise der Berliner Bevölkerung herzustellen. Recht interessant ist auch ein selbst
ständiger Wiegeapparat, dessen 9 Messer unausgesetzt das Fleisch verkleinern. Daneben finden wir Fleischschneide
maschinen, Mengmaschinen und einen Gelee-Klärapparat (für 1000 Liter berechnet), deren sinnreiche Construction gleichfalls
! von Gebrüder Aschinger erdacht ist. In den vier Rauch. Kammern werden pro Stunde 4000 Paar Würste fertiggestellt. Jn dem Wurstkessel können stets 10 Centner Wurst gekocht
werden. Ebenso ist ein Pökelkühlraum vorhanden, in welchem 10 Centner Pökelfleisch in ifolirten Bassins aufbewahrt werden. Ein weiterer Stadtbahnbogen dient Aschingers Dampf- Wäscherei; hier werden Servietten, Tischtücher, kurz alle Wäsche, deren die Detailgeschäfte der Firma benöthigen, gewaschen und geplättet. Auch hier ist wieder ein Beweis mehr gegeben, mit welchen Quantitäten das Riesengeschäft zu rechnen hat- nicht weniger als 20 Centner schmutzige Wäsche werden täglich daselbst durch 70 Mädchen gesäubert. Für die bereits bestehende Dampfbäckerei von Gebrüder Aschinger ist ein neues Gebäude in der Sophienstraße errichtet, in welchem 6 Dampföfen Tag und Nacht Semmeln und Brot backen, und jedes Geschäft erhält von da aus mittels eigener Geschäftsdreiräber täglich fünfmal frische Backwaare. Auf dem Hofe befindet sich das Maschinenhaus, das natülich mit allen Erfindungen der Neuzeit versehen ist. Auch eine Messerputzbude mit electrischem Betriebe ist daselbst errichtet, in der täglich 40000 Messer und Gabeln geputzt werden. Den Abschluß bilden die Stallungen für 30 Pferde, die den Raum eines Stadtbahnbogens einnehmen.
Die Herren Carl und August Aschinger haben sich entschlossen, dem großen Publikum die sehenswürdigen Einrichtungen der Centrale zugänglich zu machen. Es wird für gemeinnützige Zwecke, die hauptsächlich den Armen Berlin» zu Gute kommen sollen, ein kleines Entree erhoben roerben, welches berechtigt, das Etablissement in allen seinen Theile« zu besuchen. ____________________________________________
DimWcf.
• Die Freikarten der Presse. Der Gesangverein ^Philharmonie" in Elberfeld hat einen Cyclus von Conerten veranstaltet, zu denen auch die Redactionen der dort erscheinenden Zeitungen als Einladung Eintrittskarten erhielte». Der Kritiker eines Blattes ließ nun in einer der Kritiken nicht Gnade vor Recht gehen, ohne jedoch die Grenzen des Maßvollen zu überschreiten. Der Vorstand der „Philharmonie" fühlte fich dadurch gekränkt unb erließ eine öffentliche Erklärung, worin gesagt war, daß er, von dem HauS- rechte Gebrauch machend, welches gestatte, einem Gaste wegen ungeziemenden Verhaltens die Thür zu weisen, dem genannten Blatte die „RedactionS-Freikarte" entzogen habe. Die „Philharmonie" hatte aber die Rechnung ohne den seit Kurzem begründeten „Verein Wupperthaler Presse" gemacht. Bon der Thatsache ausgehend, daß die Uebersendung von Eintritts- karten für eine Redaction niemals eine besondere Vergünstigung sein kann, die Annahme solcher Karten vielmehr nur zu Arbeit und im Falle der Verhinderung der RedactionS- Mitglieder zu Kosten verpfl chte, hat der „Verein Wupperthaler Presse" in den Blättern seiner Mitglieder öffentlich erklärt, daß er in dem Vorgehen deS Vorstandes der „Philharmonie" namentlich aber auch in der verächtlichen Bezeichnung „Freikarten" für die der Presse zugesandten BilletS — welche nur als eine Einladung zur kritischen Besprechung der Leistungen der „Philharmonie" angesehen werden könnten — den Versuch einer absichtlichen Herabsetzung deS Ansehens der Preffe erblicke, unb baß er seinen Mitgliedern empfohlen habe, ihre Karten der „Philharmonie" zurückzusenden. Dieser Anregung ist einmülhtg Folge geleistet worden.
• Große Erregung herrscht unter den englischen Postunterbeamten darüber, daß ein Thetl derselben demnächst entlaffen unb durch ehemalige Soldaten ersetzt werden soll. Bekanntlich besteht in England so große Abneigung gegen den Dienst im Heer und der Marine, daß eS ost schwer fällt, den nöthigen Ersatz in England selbst anzuwerben. Dieser Mißstand soll dadurch beseitigt werden, daß man fortan die ausgedienten Soldaten im Dienste der Krone unterbringt. Da nun in England die Eisenbahnen Prtvateigeothum find, so bleibt den zukünftigen Milttär- antoärtern zunächst nur die Post- unb Telegraphen-Berwal- tung. Diese soll deshalb künftig die Hälfte aller Unterbeamtenstellen mit ehemaligen Soldaten besetzen. Die Be- amtenftellen bleiben vorläufig den Civil-Anwärtern.
• 50 Milliarden Zündhölzchen ans de» Dombangerüß. Ein Statistiker hat berechnet, daß aus der für das Dombaugerüst in Berlin gebrauchien Holzmenge auf Grund genauer Informationen bei den maßgebenden Firmen aus dem gefammten Gerüst eine ganz nette Anzahl — Streichhölzchen fabricirt werden könnte. Tin Lubikmeter Holz ergibt circa 2 Millionen Hölzchen, von denen wiederum circa 70 Stück eine Schachtel „Schweden" füllen. Bon den zu dem vollständigen Gerüst gehörenden 25,000 Cubikmeter Holz würden demnach 50 Milliarden Zündhölzchen geschnitten, bezw. 714,276,010 Stück Schachteln „Schweden" gefüllt werden können.


