Viele ein plötzliches Ende; Kinder wurden in der Wiege, Frauen am Kaffeetisch getödtet. In nächster Nähe des Thurmes wohnte der Dachdeckermeifter Joseph Schumann. Ec wurde mit zweien s'iner Söhne, durch den Einsturz seiner Wohnung erdrückt, während seine Frau mit den anderen Kindern ausgegangen war und so btm Tod entging. Sein Nachbar, der Tünchermeister Kilian Klingelschmitt, erstickte mit seiner Frau und drei Kindern unter dem Schutte seines Hauses.
Grauenvoll war die Lage der Frau des Privatdieners Johann Sturm auf dem Käftrich, die sieben Stunden lang, bei vollem Bewußtsein, dem Erstickungstod entgegensah. Knieend lag sie, rufend und betend, halb durch eine Vertiefung in der Wand, halb durch ihren vorliegenden Arm geschützt, in diesem entsetzlichen Grabe. Anfangs hatte sie noch etwas Raum über ihrem Kopf, allein nachrieselnder Schutt verengte diesen immer mehr, zuletzt konnte sie nur noch, bei jedem Athemzuge Staub verschluckend, mit Mühe athmen. Endlich gelang es den wackeren Gräbern, mit Vorsicht eine Oeffnung herzustellen und so die Arme zu retten, während nur wenige Schritte von ihr entfernt ihr Mann ein qualvolles Ende fand.
Die Mauer des alten Kästrich bildete eine starke Brustwehr und schützte den vor ihr liegenden Stadttheil vor noch größerer Verheerung, dagegen wurde die Gauthorbrücke und das dortige Wachtlocal zerstört und die preußische Wachmannschaft getödtet oder schwer verwundet. Sehnlich erging es den preußischen Truppen, die zur kritischen Zeit in den Laufgräben exercirten; 80 von ihnen verunglückten. Wäre ein für den Nachmittag anberaumt gewesenes Turnfest der österreichischen Garnison nicht kurz vorher, der ungünstigen Witterung wegen, abgesagt worden, so hätten 200 österreichische Offiziere wahrscheinlich im Wallgraben ihr Leben ein- gebüßt. Sämmtliche Verunglückte, Todte wie Schwerverwundete, kamen in die Spitäler oder wurden bei Bürgern und Militärpersonen untergebracht.
Es waren getödtet: 37 Civilpersonen; von österreichischer Seite waren 36, von preußischer Seite 80 Soldaten tobt ober schwer verwunbet. Hunberte, namentlich Frauen, hatten burch zersplitterte Fenster Kopfwunden davongetragen; die Zahl der Leichtverletzten aber ging in die Tausende. 57 Wohnhäuser waren vollständig zerstört, 64 theilweise eingestürzt, kaum ein Gebäude in der ganzen Stadt blieb unbeschädigt. Sämmtliche 44 Scheiben des Oberlichtes im Frankfurter Hof zerbrachen, ebenso die prachtvoll bemalten Domfenster, die Oberfenster der Hauptsynagoge und viele Fenster der Rochus-, Christophs-, Quintins- und Emmerans- straße. (M. Anz.)
Derstsche» Leich.
Berlin, 18. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." betont gegenüber einer abfälligen Kritik, die ihrem Artikel vom Samstag über die innere Lage zu Theil wurde, in einer offtctöseu Notiz, daß der in dem Artikel ergangene Ruf zur Sammlung fiungewäß zunächst lediglich jene großen wirthschaftlichen Gesichtspunkte ins Auge gefaßt habe, welche die ganze Nation betreffen, und daß jene neue Handelspolitik, welche in Vorbereitung befindlich fei, im Hinblick auf die großen Veränderungen eine Nothwendigkeit geworden wäre, welche sich in letzter Zett auf dem Gebiete des Welthandels vollzogen hatten. Wie der Ruf zur Sammlung auf die politischen Parteien wirken werde, bleibe abzuwarten. Diese Wirkung könne jedoch nicht von einem Tag zum anderen erwartet werden, sondern brauche Zeit zum Reifen. Auf die gegen ihre Ausführungen gerichtete Polemik der „Schlesischen Ztg." bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.", daß der Ruf zur Sammlung Allen gelte, welche sich als Zugehörige der staatS- erhaltenden Parteien betrachten.
totale» unb provinzielles.
•* Bei der ZuvaltdttätS Berficherung ist es tu neuerer Zett wiederholt vorgekommeu, daß verficherungSpflichtige weibliche Personen, die sich verheirathen, z. Z. der Eheschließung noch nicht die zur Rückerstattung der Hälfte der geleisteten Beiträge erforderlichen 235 Arbeitswochen geleistet hatten und daher nach der Verheirathung daS Ver- ficherungSverhältniß so lange freiwillig fortsetztev, bis 235 Marken verwendet waren. Dies ist jedoch ganz zwecklos, da solche weibliche Personen nach einer neueren Entscheidung, wie von den Aufsichtsbehörden jetzt bekannt gegeben wird, auf Zurückerstattung von Beiträgen keinerlei Anspruch haben. ES müffen vielmehr sämmtliche 235 Arbeitswochen schon vor der erfolgten Eheschließung geleistet sein.
*• Ueber die Zahlweise der apostrophirten Telegramm- »örter verfügt das Retchspostamr: ^Dte Einfügung eines Apostrophs begründet keine Aenderung in der Zählung der Telegrammwörter. Einfache Wörter, welche ohne den Apostroph nur ein Taxwort bilden würden, sind also künftig auch mit dem Apostroph nur als ein Taxwort anzusehen, z. B. „Höh'n" (statt „Höhen"), „Afrika'»" (statt „Afrika»"); dagegen sind Doppelwörter, deren eins apostrophirt ist, z. B. „geht'»" (statt „geht eS"), „wird'»" (statt „wird eS") als zwei Taxwörter zu zählen.
R. Reichelsheim i. tB., 18. November. Von Zeit zu Zeit liest mau tu den öffentlichen Blätteru, daß da oder dort auf dem Lande eine g'roße Hochzeit gefeiert worden wäre. Bet uns in der Wetterau läßt man es nicht au Bewetfeu von Gastfreundschaft und Freigebigkeit fehlen. Ein hiesiger BürgerSsohn hat sich heute mit der einzigen Tochter eines vermögenden LaudwirthS in dem benachbarten B. verheirathet. Seit acht Tagen wurden die vorbereitungeu zu den Hochzeit»- feierlichketteo, die im Elternhause der Braut abgehalten werden, getroffen. Alle Zimmer des Hauses find außgeräumt und nur mit langen Tischen, Bänken uud Stühlen besetzt, denn eS find 200 Gäste geladen, die auch gröhtenthetlS erscheinen uud untergebracht sein wollen. DaS Schlachten der Schweine
und eines fetten Rindes fand bereit» iu voriger Woche statt, 800 bi» 900 Pfund Fleisch, Braten und Würste find bereitgestellt. Aus 500 Pfund Mehl find Suchen gebacken und 100 Pfund Butter vorgesehen worden. WaS an Wein, Bier, B anotwein, Kaffee und Milch vorgesehen uud verzehrt werden wird, berechnet fich nach einer ansehnlichen Zahl von Hrcto- literu. Unter den Geladenen befinden fich nicht bloS die Verwandten und Freunde des jungen Paares, sondern auch alle diejenigen Handwerker, die bei Errichtung der Hochzeit»- sestlichkeiten mitgewirkt haben, als da finv: Kleidermachertn, Schneider, Schuhmacher, Bäcker uud Metzger. Der Geistliche, der die Trauung vollzieht, wird fast ohne Ausnahme auch mit seiner Frau etngeladen. Der Schullehrer, wenn er die Orgel spielt, erhält meistens ebenfalls eine Einladung, doch nicht immer, die Gebräuche sind in dieser Beziehung au deu verschiedenen Orten verschieden. Eine sehr schöne Sitte ist eS, daß schon Tag- vorher und am Hochzeitstage selbst auch Unbemittelte mit Kaffee uud HochzeitSkucheu beschenkt und bewirthet werden.
Dermifd^ie».
• Der Dichter des LiedrS „König Wilhelm saß ganz heiler", der Geh. SanitätSrath Dr. Vollrath KreuSler, wird am 28. November seinen 80. Geburtstag begehen können. Er dichtete das Lied als Laoddoctor und Arzt der fürstlichen Strafanstalt Schloß Woldeck in Sachsenhausen. Durch sein Lied, daS 1870 Jung und Alt in der Heiwath wie auf französischem Boden sang, lenkte er die Aufmerksamkeit des Kaisers Wilhelm I. auf sich, der ihn 1872 fragen ließ, ob er ihm einen Wunsch erfüllen könne. KreuSler gab darauf den Wunsch zu erkennen, auS den kleinen ländlichen Verhältniffen herauszukommen, und wurde 1872 als Arzr der Kgl. Strafanstalt nach Brandenburg a. H. berufen, wo er noch jetzt lebt. Mit dem vollendeten 79. Lebensjahre wurde er von der Stadt Brandenburg zum Ehrenbürger ernannt.
* Eine schnurrige Geschichte hat sich nach der „Deutsch. TageSztg.", in der Ortschaft Löningen bet Cloppenburg zugetragen. Gerd, der in seinem Leben noch nie krank gewesen ist, sühlt fich plötzlich unwohl. Er schickt zum Arzt. Dieser verschreibt ihm die nöthige Medizin und sendet da» Recept nach der Apotheke. Der Apotheker fertigt die Medizin cm, verpackt sie in eine Ctgarrenktste mit Sagemehl und sendet dann da- Packet dem Gerd durch die Post zu. Nach Entfernung der ersten Hülle wurde die Kiste geöffnet. Da schreit Annemarie erschrocken: „O Gerd! wot moß Du schlimm krank wäsen, anners har Die dät Doktor nicht sou grotn Hop verschräwen!" „Gif ai» Herl" brummte Gerd, „Läpel her!" Annemarie brachte traurig den Löffel, und Gerd nahm einen Eßlöffel voll. Aber oh weh! eine so trockene Maffe hatte er höchstens als Junge beim „Zwiebackkauen" bekommen. Mit aller Anstrengung des Schlingapparates brachte er die vermeintliche Medtcin mühsam hinunter. „Täglich dreimal zu nehmen!" Es ging mit dem besten Willen nicht! „Morgen fräuh, Annemarie, gah ik sülwft na den Doktor- dat Tügs kann kten Perd fräten!" Am andern Morgen machte fich Gerd, mit der Medtctnktste im Sacktuch, auf den Weg. „Herr Doctor, dat Pulver wat Säi mir dor verordnäiert hebbt, kann ik ntch herunterkriegeo. Sät hedbt sik doch woll nich versäthn?" Dabei entknotet er da» Sacktuch uud zeigt die geöffnete Kiste. Der Arzr übersieht sofort die Lage uud bricht in schallendes Gelächter au»; der gute Gerd hatte das Sägemehl für die „dreimal täglich zu nehmende" Arzenet gehalten!"
* Bismarck uud dal Spiel. Wie Fürst Bismarck ein Gegner der Spielbanken wurde, davon weiß der „Bär" iu seiner jüngsten Nummer nach den Mittheilungen eines ehemaligen Croupiers aus Baden-Baden folgende Geschichte zu erzählen: Im Laufe eines Gespräches über die Aufhebung der Spielbanken und deren Unterdrückung durch Preußen äußerte der alte Praktiker: „Ich könnte Ihnen wohl sagen, wer daran Schuld hat; das ist lediglich die Einwirkung de» Fürsten Bismarck." — „Natürlich!M wurde ihm entgegnet, „er ist ja Ministerpräsident des preußische« Staates". — „Allerdings; aber ich weiß noch einen zweiten Grund, der auf einem persönlichen Erlebnttz beruht", erwiderte der alte Herr. „Es war im Jahre 1865. Damals waren viele Fürsten und Staatsmänner in Baden-Baden versammelt. Ihre Anwesenheit lockte auch eine Menge anderer Persönlichkeiten hin, und wir hatten glänzende Tage. Die Sptelsäle waren stets überfüllt, und neben den Spielern von Beruf sah man eine Menge Leute, denen man sonst nicht so häufig am Spieltisch begegnet. Auch die Herren von der Diplomatie erschienen öfter, und bald kannten wir die bedeutenderen von Ansehen; denn wenn sie auch nicht alle spielten, so sahen fie häufig dem Spiele zu. Unter diesen Herren fiel besonders eine große Gestalt auf, ein Mann von strammem Aeußeren, bekleidet mit einem knappen, grauen Rettrock, deffen Haupt beim Eintritt zumeist von einem großen Schlapphut beschattet war. Das war Herr v. BtSmarck, der preußische Ministerpräsident. Manchmal trat er au deu Spieltisch uud legte fünf Napoleons auf eine Karte, ohne sich um da» Spiel recht zu kümmern, setzte vielmehr seine Wanderung durch den Saal sort und trat nur ab und zu an den Tisch, um zu sehen, ob er gewonnen oder verloren. Hatte er verloren, so setzte er wieder fünf Napoleon», aber nie mehr. Nun spielte eine» Tage» ein junger norddeutscher Baron, der fich mir seiner wunderschönen Frau auf der Hochzeitsreise befand, mit großer Verwegenheit, so daß er allgemeine» Aufsehen erregte. Im Anfang vom Glück begünstigt, verlor er bald große Summen; aber je mehr er verlor, desto toller spielte er. Vergeben» suchte die junge Frau, ihn wegzuztehen: er wich und wankte nicht. Nach einem größeren Verlust tastete er mit nervöser Hast iu die Tasche uud setzte mehrere Tausend Franken. Al» der Croupier sein eintönige» , Messieurs, le jeu est fait* ertönen ließ, sammelte fich Alle» um den zitternden Baron. Auch Herr v. BtSmarck trat hinzu. Die Karte schlug um — wieder hatte der Unglückliche verloren. Da wandte er fich
zu seiner schluchzenden Frau und flüsterte ihr etwa» in» Otr. Sie ging voran, er folgte. P ötzltch vernahm man einen leisen Knall — und der j.nge Mann sank mit durchschossenem Kopf zu Boden. Vor der Leiche aber ftanb, mit wettgeöff- neten Augen auf den Selbstmörder hinschauend, da» junge, schöne Werb, die Hände angstvoll vor fich hingestreckr. Dann tönte ein entsetzlicher Schrei durch den Saal, und, wie vom Bbtz getroffen, stürzte die junge Frau zur Erbe nieder. Boa allen Setten liefen Diener herbet, um den tobten und die Ohnmächtige zu entfernen. Neben mir hörte ich Herrn v. BtSmarck sagen: „Diese Halunkrnwtrthschaft muß ein Ende nehmen!" — Sieben Jahre später gab e» in Preußen keine Spielbank mehr.
* verkettete Ringe. Die Italien er tu n en lieben e» bekanntlich, vielen Schmock zu tragen. Richt selten fieht man italienische Damen, deren Finger 20 und mehr Ringe schmücken. Nun laffen fich Ringe nur am unteren Gliede de» Finger» tragen, da fi: von den beiden oberen heruniergleiten würden, und die Italienerinnen hatten deshalb bisher den Schmerz, von jedem ihrer Finger zwei Drilttheile nicht mtt Ringen schmücken zu können Diesem Uebelstande hat ein findiger neapolitanischer Goldschmied abgeholfen. Er verkauft Ringe, die für daS mittlere Glied de» Finger» berechnet find, und damit fie nicht vom Finger gleiten, ist an ihnen ein dünne» Goldkettchen befestigt, vermittelst deffen der Ring de» mittleren FtngergliekeS mit den Ringen am unteren Fingergliede verbunden wird. Diese Erfindung hat in Italien großartigen Erfolg. Jede Signora und Signoriua will zum Mindesten den Goldfinger bl» an ben Nagel herauf mit verketteten Ringen beschwert haben. Selbst deutsche Damen fangen an, diese geschmacklose Mode hübsch zu finden und werden fie schließlich auch noch über die Alpen traaen.
Citeratur unt
— Wie » Theaterdichter« geht. ES geht eine unverbürgte Sage, daß eingereichte Theaterstück nicht immer gewissenhaft geprüft, ja. — mitunter gar nicht gelesen und dennoch mit mancherlei Be gründungen abgelehnt werden. Sudermanns so maßlos erfolgreiche „Ed re" wanderte zwei Jahre unangenommen von Bühne zu Bühne- Wildenbruch mußte ein Jahrzehnt lang feine zurückgewiescmn Manuscripte ins Pult legen; und, nach einer Plauderei C. v. Chate- latns im „B. L.-A.", gehörte auch Ludwig Anzengruber lange Zeit zu den ungelesensten Abgelehnten. Dabei freilich wußte einmal der launige Humorist den Tbeatersecretär des Josephstädter Theater» gründlich aufs Glättet» zu führen. „Sei meinem letzten Stück," tv zählte Anzengruber dem oben genannten Freunde, „habe ich, benot ich eS in die Theaterkanzlei zum Secretär hinaufgetragen habe, mehrere Blätter in dem Manuscript an den Rändern mit Gummi zusammengepicht, andere mit Siegelwachs verklebt und wieder andere mit Stecknadeln zusammengespendelt. Wie ich nach einigen Wochen wieder in die Theaterkanzlei hinaufgehe, um mich nach dem Schicksal meines jüngsten Geisteskindes zu erkundigen und dem Kanzleige, waltigen ben Titel desselben nenne, begibt er sich brummend zu einem Kasten, in besten Innerem eine stattliche Menge broschtrter und gebundener Manuscripte aufbewahrt waren, und reicht mir nach längerem Suchen den Benjamin meiner Mule, über und über mit Staub bedeckt. „Sie können da» Stück ittchl ve'wenden — und warum nicht /" fragte ich den Herrn Sec'etar. »Warum nicht'/" brummte der gute Mann, über meine zudringliche Frage augenscheinlich sehr empört. „Warum nicht? Wett -s ferne Handlung hat, keine logische Scenengliederung, kttne fponnenben Situationen, keine guten Rollen. — Glauben Sie, bat Siückeichreiben gehl so leicht? Dazu gehört Bildung, eine große Belefe, bett, Bübnenkennlniß und vor^allem Talent und noch einmal Talent!" — „Und uober wissen Sie denn, daß das Stück alle die von Ihnen angeführten Mängel besitzt ?" — „Woher, woher / Das ist eine ungeschickte Frage. Weil ich es gelesen habe und weil der Director und der Regisseur, die es auch gelesen haben, ganz derselben M-inung sind." Ohne ein Wort weiter zu verlieren, Öffnete ich das Heft und zeigte dem nichts weniger als geistreich dreinschauenden Theatersunciionär alle zusammengeleimten, geklebten und gefpmbelten Blätter. Mein Stück war, seitd-m ich eS den Händen der Theaterdireclion übergeben batte, von keines Sterblichen Auge geschaut worden, e» batte ben Kasten, in ben es zuerst binetngesteckt wurde, nicht einen Augenblick verlassen. DaS fielen war eitel Humbug gewesen! . . .
— ,««» Höhen «vd Tiefer»". Unter diesem Titel ist unlängst etn Jahrbuch für daS deutsche Hau» erschienen, daS al» vortreffliches Geschenkwerk aufrichtige Beachtung verdient und sicherlich in weiten Kreisen ein gern gesehener, jährlich wiederkehrender Hausfreund werden wird. Der Name der bekannten Verlagsbuch- Handlung von Martin Warneck in Berlin bürgt für die vornehme G-diegenheit der Ausstattung, der Ruf der HerauSaeber Professor Dr. Kinzel und Regierung», und Schulrath Metnke für die Wahl der Mitarbetter unb die Trefflichkeit des Inhalt». Fast jeder der Beiträge ist in seiner Art meifterbaft. Professor - inzel, als Citteraturfenner unb Litteraturhistoriker vortheilhast bekannt, unterzieht Gerhart Hauptmann» und Ludwig Fulda» Märchendichtungen einer feinsinnigen Kritik. Schulrath Meinke bespricht in packender, durch treffliche Illustrationen belebter Art bie vier Temperamente Da» Buch ist geschmückt mit einem Bilbniß von C- Beyer, ber fich burch seine historischen Romane längst Namen unb Ruf erworben bat In bem oorltegenben Jahrbuch ist er mtt zwei Beiträgen vertreten, einer Erzählung unb einer Dichtung, bie vielleicht bie Krone be» Ganzen bilben- Die Erzählung, erschütternb durch ihren Realismus, versöhnend burch ihren harmonischen Abschluß, ist wirklich „AuS ber Tiefe", aber führt auch zur Höhe; Mutterliebe unb Kindesleben, die Natur mtt ihrer Schönheit unb da» Menschenherz mit feiner Versuchung, die liefe ber Sünde und die Größe der Gnade, da» Fallen und das Auf- ftehen, daS unaufhörliche Locken der Welt — alle» daS versteht der Verfasser meisterhaft zu schildern Alle» in allem ein vortreffliche» Buch, da» nicht genug empfohlen werden kann- Der Preis von Mk. 4.— für ben stattlichen Banb in schönem Embanb ist recht gering _____________
— Kaiechis««» weiblicher Erwerb», und BervsSarie« von Constanze von Franken. Max Hesse» Verlag in Leipzig. Preis drosch. 2 Mk., geb. Mk. 2.50.
— Katechismus des Haushalt» von Constanze von Franken, Max HefseS Verlag in Leipzig. Preis brofch. 2 Mk., geb. Mk. 2.60.
—1 Wie -ralultre ich? Kmder Glückwünsche, Vorträge unb Erst Aufführungen zu allen lestltchen Gelegenheiten, bereuegegeben von Constanze von Franken. Max Hesse» Verlag in Leipzig. PreiS broich. 2 Mk., geb. Mk. 250.
Norddeutscher Lloyd, tn Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. 3JL Schulhof.
Bremen, 18. November. sPer transatlantischen Telegraph»! Der Doppelschrauben - Schnelldampfer Kaiser Wilhelm der Große, Capitän H. Engelbart, vom Norddeutschen Lloyd in Sternen, ist am 16. November, 11 Uhr Vormittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.


